{"id":13400,"date":"2009-11-20T00:02:00","date_gmt":"2009-11-19T23:02:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13400"},"modified":"2012-07-18T15:33:18","modified_gmt":"2012-07-18T13:33:18","slug":"13400","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/11\/13400\/","title":{"rendered":"Marxismus aktuell"},"content":{"rendered":"<p>B&#252;rgerliche Herrschaft durch sozialistische Demokratie ersetzen <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Kann der Staat, der uns &#252;berwacht, f&#252;r unsere Zwecke benutzt werden? Ist   er ein Hindernis auf dem Weg zur sozialistischen Umgestaltung? Um   Antworten hierauf zu finden, ist es hilfreich, die Entstehung von   Staaten in der Geschichte zu betrachten.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Schon in der Schule wird uns beigebracht, dass der Staat neutral sei.   Aber sobald wir uns an Protesten gegen Bildungsabbau oder Atompolitik   beteiligen, erfahren wir schnell, dass die Polizei nicht nur &#8222;dein   Freund und Helfer&#8220; ist&#8230;<\/p>\n<h4>  Klassengesellschaft<\/h4>\n<p>  Staaten entstanden, als sich die menschliche Gesellschaft in Klassen   spaltete. Was die Zugeh&#246;rigkeit zu einer Klasse ausmacht, ist das   Verh&#228;ltnis zu den Produktionsmitteln (fr&#252;her &#196;xte oder Speere, heute   Maschinen, Fabriken oder Computer).<\/p>\n<p>  Friedrich Engels schrieb in seinem Buch &#8222;Die Entstehung des   Privateigentums, des Staates und der Familie&#8220;, dass der Staat &#8222;nicht von   Ewigkeit her [ist]. Es hat Gesellschaften gegeben, die ohne ihn fertig   wurden.&#8220; In der Fr&#252;hphase der Menschheitsgeschichte waren die   Produktivkr&#228;fte (Technik, Wissenschaft, menschliche Arbeitst&#228;tigkeit)   auf einem sehr niedrigen Stand. Es gab lediglich Produktion f&#252;r den   Eigenbedarf (zum Beispiel Fischen und Jagen). Eine gesellschaftliche   Arbeitsteilung bestand nicht. Und auch kein gesellschaftlich   produziertes Mehrprodukt. Diese Gesellschaft war klassenlos. Mit der   Weiterentwicklung der Produktivkr&#228;fte konnte ein &#220;berschuss erzielt   werden. Von da an begann der Kampf um dieses Mehrprodukt. Die   Urgesellschaft (Engels sprach auch von &#8222;Urkommunismus&#8220;) ver&#228;nderte sich,   und es entstanden Klassen.<\/p>\n<p>  &#8222;Auf einer bestimmten Stufe der &#246;konomischen Entwicklung, die mit   Spaltung der Gesellschaft in Klassen notwendig verbunden war, wurde   durch diese Spaltung der Staat eine Notwendigkeit&#8220;, so Engels.<\/p>\n<h4>  Repression als Funktion des Staates<\/h4>\n<p>  Ob in der Sklavenhaltergesellschaft oder den nachfolgenden Systemen, dem   Feudalismus und dem Kapitalismus: Immer herrschte eine kleine Minderheit   (Sklavenhalter, Feudalisten, Kapitalisten) &#252;ber die Mehrheit (Sklaven,   Bauern, Arbeiterklasse). Mit Hilfe des Staates ist es den &#246;konomisch   Herrschenden in aller Regel m&#246;glich, auch politisch zu bestimmen.<\/p>\n<p>  In zugespitzten Konflikten zeigt der Staat, was der Kern seiner Macht   ist: &#8222;Besondere Formationen bewaffneter Menschen, die Gef&#228;ngnisse und   anderes zur Verf&#252;gung haben&#8220; (Engels). Oder anders: Polizei,   Verwaltungsapparat, Armee und Justiz.<\/p>\n<p>  &#8222;Aber wir haben doch ein Parlament und k&#246;nnen Regierungen, die uns nicht   passen, wieder abw&#228;hlen&#8220;, mag manch einer einwenden. Fakt ist jedoch,   dass die b&#252;rgerlichen Politiker &#252;ber Tausende von F&#228;den mit der   herrschenden Klasse verbunden sind. Es bestehen vielf&#228;ltige   Verbindungen, Abh&#228;ngigkeitsverh&#228;ltnisse und Korruption. Und wenn   Regierende in ganz zentralen Fragen wie bei der Bankenrettung mal   z&#246;gern, zeigt sich, welch massiven Druck Deutsche-Bank-Chef Josef   Ackermann und Co. aus&#252;ben k&#246;nnen. Parlament und Regierung sind durch   gesetzliche Regelungen vor direkter und umfassender Kontrolle durch die   Mehrheit der Gesellschaft gesch&#252;tzt. Zwei Kreuzchen alle vier Jahre   haben nur wenig Einfluss darauf, welche Politik die Bundesregierung in   den n&#228;chsten vier Jahren betreibt.<\/p>\n<p>  Der kapitalistische Staat hat verschiedene Gesichter: Er kann die Form   einer parlamentarischen Demokratie, Monarchie oder Diktatur annehmen. So   haben wir in (West-)Deutschland mehrere Modelle erlebt, w&#228;hrend die   Macht der Besitzer von Krupp und anderen Konzernen nicht angetastet   wurde. Weder im Kaiserreich, noch im Faschismus oder der b&#252;rgerlichen   Demokratie. Nicht nur in den Chefetagen, auch an der Spitze des   Staatsapparates gab es hier eine weitgehende Kontinuit&#228;t. So wurde in   der Bundesrepublik ein Gro&#223;teil von Nazi-Richtern und milit&#228;rischen   Befehlshabern direkt &#252;bernommen.<\/p>\n<p>  Die b&#252;rgerliche Demokratie ist unter Bedingungen relativer Ruhe die   billigste Herrschaftsform f&#252;r das Kapital. Jeder Schritt in Richtung   Diktatur birgt Risiken. Angriffe auf die Arbeiterklasse rufen auch   Gegenreaktionen hervor. Nat&#252;rlich k&#246;nnen &#8222;die da oben&#8220; nicht einfach per   Dekret die Form ihrer Herrschaft &#228;ndern. Solche Ver&#228;nderungen h&#228;ngen vom   Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zwischen Kapitalisten und Arbeiterklasse ab, aber auch   von den Stimmungen in der Mittelklasse, dem Kleinb&#252;rgertum, und   m&#246;glichen Spannungen innerhalb des Unternehmerlagers selber.   Gleichzeitig k&#246;nnen Massenbewegungen Verbesserungen erzwingen, die das   Kapital gar nicht auf dem Schirm hatte. So waren die Abschaffung der   Monarchie oder das Frauenwahlrecht beispielsweise Nebenprodukte der   Novemberrevolution 1918.<\/p>\n<h4>  Staat und Revolution<\/h4>\n<p>  Der erste gro&#223;e Versuch der Arbeiterklasse, den Kapitalismus zu st&#252;rzen   und eine Arbeiterdemokratie zu schaffen, war die Pariser Kommune 1871.   Hier wie auch sp&#228;ter, nicht zuletzt in der erfolgreichen Russischen   Revolution 1917, erwies es sich, dass die arbeitende Bev&#246;lkerung den   alten Staatsapparat nicht einfach &#252;bernehmen konnte. Vielmehr war es   n&#246;tig, die b&#252;rokratischen Strukturen und Unterdr&#252;ckungsmechanismen   unbrauchbar zu machen.<\/p>\n<p>  In &#8222;Staat und Revolution&#8220; fasste Wladimir Lenin die grundlegenden   Prinzipien eines Arbeiterstaates, wie sie die Pariser KommunardInnen   entwickelt hatten, zusammen: Jederzeitige W&#228;hl- und Abw&#228;hlbarkeit aller   Funktion&#228;re, Rechenschaftspflicht, keinerlei Privilegien,   Durchschnittslohn f&#252;r Funktionstr&#228;ger. Die russischen Revolution&#228;re   versuchten diese Prinzipien ebenfalls zu beherzigen &#8211; bevor sie von   Stalin und seiner B&#252;rokratenclique entmachtet wurden.<\/p>\n<p>  Ob Kommune oder Sowjets &#8211; in diesen und anderen Revolutionen wurden in   allen Bereichen (Betrieben, Universit&#228;ten, Stadtteilen oder Armee)   R&#228;testrukturen gebildet, um die undemokratischen b&#252;rgerlichen   Verh&#228;ltnisse durch eine R&#228;tedemokratie abzul&#246;sen.<\/p>\n<p>  Nach einer sozialistischen Ver&#228;nderung werden staatliche Organe   weiterhin ben&#246;tigt, um die &#246;konomische und politische Macht der   Bev&#246;lkerungsmehrheit abzusichern und die neue Gesellschaft zu   organisieren. Aber nicht auf Dauer. In dem Ma&#223;e, in dem   Klassenunterschiede wegfallen und (auf der Basis von demokratischer   Planung, Arbeitszeitverk&#252;rzung, F&#246;rderung von Bildung und Kultur)   Schritte hin zu einer klassenlosen Gesellschaft gemacht werden,   verschwindet die Notwendigkeit eines Staatsapparates. Der Arbeiterstaat   wird allm&#228;hlich &#252;berfl&#252;ssig werden und &#8222;absterben&#8220;. Dann wird jede Form   staatlicher Macht &#8222;ins Museum der Altert&#252;mer, neben das Spinnrad und die   bronzene Axt&#8220; (Engels) geh&#246;ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B&#252;rgerliche Herrschaft durch sozialistische Demokratie ersetzen <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[93],"tags":[270,219],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13400"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13400"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13400\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13400"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13400"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13400"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}