{"id":13395,"date":"2009-11-21T00:00:00","date_gmt":"2009-11-21T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13395"},"modified":"2009-11-21T00:00:00","modified_gmt":"2009-11-21T00:00:00","slug":"13395","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/11\/13395\/","title":{"rendered":"Kapitalistisches Scheitern, damals wie heute"},"content":{"rendered":"<p>  Zum 80. Jahrestag des B&#246;rsenkrachs an der Wall Street<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Peter Taaffe, Generalsekret&#228;r der Socialist Party (CWI in England   und Wales)<\/i><\/h4>\n<p>  Nur wenig Beachtung wurde dem 80. Jahrestag des gro&#223;en B&#246;rsenkrachs an   der Wall Street vom Oktober 1929 geschenkt. Die Kapitalisten sind v&#246;llig   mit der aktuellen globale Krise besch&#228;ftigt und k&#246;nnen kaum ihre fr&#252;here   Behauptung &#8222;so etwas kann nie wieder passieren&#8220; wiederholen, wenn das   Thema 1929 im Raum steht. Doch wieviel von dem, was damals war, hat sich   nun wiederholt? Und was sind die tiefliegenden Ursachen der heutigen   Krise?<\/p>\n<p>  In der Vergangenheit wurden alle, vor allem MarxistInnen, die davon   ausgingen, dass etwas in der Art dieses Ereignisses wiederholen k&#246;nnte   wie es das Kommittee f&#252;r eine Arbeiterinternationale gemacht hat, als   primitive Weltuntergangspropheten tituliert. Doch wir sind nie auf einer   primitiven Art und Weise an Fragen der wirtschaftlichen Aussichten   herangetreten. Wir haben uns sogar gegen diejenigen gewandt, die   voreilig davor warnten, dass ein &#8222;neues 1929&#8220; unmittelbar bevor stand.   Einige MarxistInnen sind 1987 in diese Falle getappt. Aber bevor die   aktuelle Krise begann, haben wir vorhergesagt dass es in aller   Wahrscheinlichkeit eine sehr ernste Krise sein w&#252;rde, aus der es f&#252;r die   Kapitalisten keinen einfachen Ausweg geben w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Die Kapitalisten leugneten ihrerseits die Funktionsweise ihres Systemes.   Etwas &#228;hnliches passierte vor 1929, wie John Galbraith in seinem   ber&#252;hmten Buch &#8222;Der Gro&#223;e Crash 1929&#8220; dargelegte. Am 4. Dezember 1928   erkl&#228;rte der scheidende US-Pr&#228;sident Calvin Collidge vor der   Amts&#252;bergabe an den ber&#252;chtigten Herbert Hoover: &#8222;In unserem Land   herrscht Ruhe und Zufriedenheit und das h&#246;chste Ma&#223; an Wohlstand seit   Jahren. Wir k&#246;nnen die Gegenwart zufrieden betrachten und der Zukunkt   optimistisch entgegen sehen.&#8220; Andrew W. Mellon, Finanzminister unter   Hoover, erkl&#228;rte ebenfalls: &#8222;Es gibt keinen Anlass zur Sorge. Das gro&#223;e   Ma&#223; an Wohlstand wird fortgesetzt werden.&#8220; Ein ehemaliger Marxist,   Werner Sombart, wurde ebenfalls von dem Boom der 1920er Jahre verf&#252;hrt.   1928 schrieb er: &#8222;Karl Marx sagte den katastrophalen Zusammenbruch des   Kapitalismus voraus. Nichts dieser Art ist geschehen.&#8220;<\/p>\n<p>  Kommt das vielleicht irgendwie bekannt vor? Unter anderem haben Alan   Greenspan, Vorsitzender des US-Notenbanks f&#252;r 19 Jahre von 1987 bis   2006, &#228;hnliche Lobesyhmnen auf den &#8222;Freien Markt&#8220; angestimmt und der   Britische Premierminister Gordon Brown schloss sich ihm und behauptete,   den Kapitalismus gez&#228;hmt zu haben und den &#246;konomischen Kreislauf von   Auf- und Abschwung weggezaubert zu haben. Brown verlieh Greenspan sogar   einen Britischen Ehrenritter-Titel f&#252;r seine Leitung eines Systemes, das   angebliche eine nie endende Aufw&#228;rtsspirale von ansteigendem Wohlstand   hervorgebracht hatte.<\/p>\n<p>  Wie es auch 1929 der Fall war, haben wir gesagt, dass die massive Blase   der Finanzspekulation unweigerlich mit einem Crash enden w&#252;rde. Dies war   kein Wunschdenken seitens SozialistInnen und MarxistInnen. Der   &#246;konomische Kreislauf des Kapitalismus ist, wie Leo Trotzki feststellte,   genauso organisch wie &#8222;das Ein- und Ausatmen&#8220; des Menschen. Dieser   Kreislauf entwickelte sich, wie Marx bereits geschrieben hatte, &#252;ber   ungef&#228;hr acht bis zehn Jahren in der Bl&#252;tezeit des Kapitalismus bis er   zur Zeit des Ersten Weltkrieges eine Sackgasse erreichte. Die   Produktivkr&#228;fte &#8211; Wissenschaft, Technik und Arbeit &#8211; waren den engen   Grenzen des Privateigentums durch eine handvoll Milliard&#228;re und des   Nationalstaates entwachsen.<\/p>\n<p>  Danach wurde der &#246;konomische Kreislauf, wie das langsamere Atmen eines   alternden K&#246;rpers, k&#252;rzer, die Aufschw&#252;nge schw&#228;cher und die Krisen in   der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg tiefer. Aber der USA als   emporkommende Macht des Kapitalismus, waren in den &quot;Goldenen 20ern&quot;   offensichtlich die wirtschaftlichen Probleme erspart geblieben, welche   den Rest der Welt plagten.<\/p>\n<h4>  Der Kapitalismus gibt seine historische Mission auf<\/h4>\n<p>  Im Kapitalismus kann es verschiedene Ausl&#246;ser f&#252;r Krisen geben. In der   Tat wiederholt sich die Geschichte nie auf genau der gleichen Weise. Der   unmittelbare Ausl&#246;ser des Crashes von 1929 war der pl&#246;tzliche Einbruch   der Aktienkurse an der Wall Strett am 24. Oktober (dem schwarzen   Donnerstag) sowie ein weiterer, gr&#246;&#223;erer Einbruch am 29. Oktober   (schwarzer Dienstag). Die aktuelle Weltwirtschaftskrise wurde ausgel&#246;st   durch eine Bankenkrise (in Zusammenhang mit der Verbriefung, so   genannter Dalrehen auf dem sogenannten &#8222;Subprime-Immobilienmarkt&#8220;) und   weitete sich anschlie&#223;end auch auf den Rest der Wirtschaft aus.<\/p>\n<p>  Aber der &#8222;Ausl&#246;ser&#8220; ist nicht die Hauptursache einer kapitalistischen   Krise. Karl Marx wies darauf hin, dass der Kapitalismus ein System ist,   in dem die Produktion auf Profit und nicht auf soziale Notwendigkeit   ausgerichtet ist. Der Profit stammt aus der unbezahlten Arbeit der   Arbeiterklasse. Daher sind Ungleichheit und die Unm&#246;glichkeit f&#252;r die   Arbeiterklasse, den vollen Wert der von ihnen produzierten Waren   zur&#252;ckzukaufen, in das Fundament des kapitalitischen Systemes mit   eingebaut. Der Kapitalismus &#252;berwindet diesen Widerspruch vor&#252;bergehend   durch die Investitionen eines Teils des &#220;berschusses zur&#252;ck in die   Produktion. Die einzige historische Rechtfertigung f&#252;r den Kapitalismus   war die Nutzung dieses &#220;berschusses zur Weiterentwicklung der   Produktivkr&#228;fte, wobei die Kapitalisten als Bevollm&#228;chtigte der   Gesellschaft auftraten. Sobald der Kapitalismus diese Mission aufgibt,   und Wohlstand und Industrie zerst&#246;rt anstatt diese weiter zu entwickeln,   verwirkt er diese Rolle.<\/p>\n<p>  Und in einer Krise, wie 1929 mit der folgenden Weltwirtschaftskrise und   auch die Gegenwart auf spektakul&#228;rer Weise klar machen, gibt der   Kapitalismus seine Mission auf. Investitionen in Fabriken und gestiegene   Produktion f&#252;hren zu einer gr&#246;&#223;eren Menge an G&#252;tern und   Dienstleistungen. Aber in der Periode unmittelbar vor 1929 und in den   letzten 20 Jahren haben die Kapitalisten den Anteil des Reichtums, dass   an die Arbeiterklasse geht, radikal reduziert und ihren eigenen Anteil   gleichzeitig aufgestockt. Stephen Foley schrieb dazu in der britischen   Zeitung Independent: &#8222;Sag mir, ob das ein Zufall ist: Das Einkommen der   reichsten zehn Prozent in den USA machte in den letzten 100 Jahren nur   zu zwei Zeitpunkten mehr als 50% des Gesamteinkommens aus: zum ersten   Mal 1928, und dann nochmal 2006-2007.&#8220;<\/p>\n<p>  &#214;konomen wie Paul Krugman behaupten, dass die sozialen Nachwirkungen der   Weltwirtschaftskrise den Gier der Kapitalisten in den 50er und 60er   Jahren beschneiden konnten. Der Kapitalismus machte in dieser Zeit   riesige Profite, aber aufgrund der Expansion in der Industrie,   verbesserten sich auch die Lebensumst&#228;nde der Arbeiterklasse.   Gleichzeitig wurde die Einkommensschere in gewissem Ma&#223;e durch die im   Aufschwung wieder erstarkte Arbeiterbewegung in Schach gehalten.<\/p>\n<p>  Aber dies alles wurde bereits durch Reagans Gegenrevolution und durch   den Thatcherismus in Brittanien untergraben. Die gr&#246;&#223;ten US-Konzerne &#8211;   nicht nur in der Finanzbranche, bezahlten 2007 ihren   Vorstandsvorsitzenden 275 Mal soviel wie dem durchschnittlichen   Angestellen &#8211; das zehnfache des Unterschiedes der 60er Jahre. 1929 wie   heute gab es das Ph&#228;nomen der &#8222;&#220;berakkumulation&#8220; oder &#220;berproduktion &#8211;   Unmengen an Waren und Dienstleistungen, Landwirtschaftlichen   Erzeugnissen und &#228;hnlichem &#8211; was in vorkapitalistischen Gesellschaft als   v&#246;llig absurd gegolten h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Aber die &#8222;Logik&#8220; des Kapitalismus besagt, dass die Maximierung der   Profite das ein und alles ist. Aber wie kann es &#8222;logisch&#8220; sein, in einer   Welt, in der Mangel herrscht, Millionen Arbeitskr&#228;fte auf die Stra&#223;e zu   setzen und die Produktion von G&#252;tern, die global von der Menschheit   gebraucht werden, einzustellen? Um ein Beispiel zu nennen: wenn die   Nachfrage und der &#8222;Markt&#8220; f&#252;r Autos nicht da ist, wie sogar die   Besch&#228;ftigten in der Autoindustrie schon am Anfang der aktuellen Krise   verstanden haben &#8211; warum stellt man die Produktion nicht auf   gesellschaftlich n&#252;tzliche Arbeit um. Wichtige G&#252;ter werden in der   westlichen Welt gebraucht, aber vor allem f&#252;r die verarmten Massen in   Afrika, Asien und Lateinamerika. Es ist durchaus m&#246;glich, die Produktion   schnell auf n&#252;tzliche G&#252;ter umzustellen. W&#228;hrend des Zweiten Weltkrieges   wurde in amerikanischen Fabriken &#252;ber Nacht die Produtkion umgestellt,   um Panzerfahrzeuge mit der gleichen Effizienz herzustellen, wie vorher   Pfannkuchen hergestellt wurden.<\/p>\n<h4>  Verheerende soziale Folge der kapitalistische Krise<\/h4>\n<p>  Die Folgen der Krise von 1929, beginnend in den USA, waren verheerend.   1932 war die Arbeitslosigkeit auf 23 Prozent gestiegen, sie gipfelte   1933 bei 25 Prozent. Die Herangehensweise der Regierung Hoover fasste   Mellon zusammen mit den Worten: &#8222;Liquidiert Arbeit, liquidiert   Wertpapiere, liquidiert Bauern, liquidiert Immobilien&#8230; dadurch wird   die F&#228;ulnis aus dem System ausgemerzt. Hohe Lebenskosten und hohe   Lebensstandards m&#252;ssen runter. Die Menschen werden h&#228;rter arbeiten und   ein moralischeres Leben f&#252;hren. Die Werte werden sich anpassen, und   unternehmerisch gesinnte Menschen werden gegen&#252;ber den weniger   kompetenten Boden gutmachen.&quot; Diese Haltung erinnert an die aktuellen   Standpunkte der britischen Konserativen von David Cameron.<\/p>\n<p>  Im Juni 1930 verabschiedte der US-Kongress das Smoot-Hawley-Gesetz, das   die Handelsbarrieren f&#252;r Importwaren aus dem Ausland erh&#246;hte. Dies l&#246;ste   einen Handelskrieg aus, in dem sich die Staaten gegenseiten mit   Schutzz&#246;llen &#252;berboten und f&#252;hrte somit zu einer Ausweitung der Krise.   Anders als in der gegenw&#228;rtigen Krise gingen damals 5000 Banken Pleite,   die meisten davon kleine Banken. In dieser Krise sind bisher nur 103   zumeist kleine Banken in den USA Pleite gegangen. Mit der Ausnahme von   Lehmann Brothers haben die Kapitalisten von der Weltwirtschaftskrise   gelernt und die gro&#223;en Banken gerettet. Dies war ein internationales   Ph&#228;nomen, bei dem die USA und Britannien in vorderster Front standen.<\/p>\n<p>  Weltweit wurden den Banken Krediten in H&#246;he von 10 Billionen US-Dollar   zur Verf&#252;gung gestellt, dies entspricht ungef&#228;hr 80 Prozent des   Bruttoinlandsproduktes der US, der gr&#246;&#223;ten Wirtschaftsmacht der Welt. In   Britannien betr&#228;gt die Summe 1,2 Billionen Dollar, in Form von   staatlichen B&#252;rgschaften und Kapitalinvestitionen, mehr als zwei Drittel   der gesamten Jahreswirtschaftsleistung, wie der Notenbankchef Mervyn   King k&#252;rzlich zugab. Dies alles wird nat&#252;rlich von den &quot;Verbrauchern&quot;,   in erster Linie aus der Arbeiterklasse und der Mittelschicht bezahlt   werden.<\/p>\n<p>  Eine Wirtschaftskrise, vor allem wenn sie so verheerend ist wie die von   1929 oder die aktuelle, hat die gleichen Auswirkungen wie ein Krieg. Es   kommt zum einem &#8222;Abschlachten&#8220; von Kapital, was zu stillgelegten   Fabriken und Arbeitsst&#228;tten sowie Massenarbeitslosigkeit f&#252;hrt. Dies ist   kein vor&#252;bergehendes Ph&#228;nomen, wie sogar kapitalistische &#214;konomen   zugeben. Will Hutton, ein Keynesianistischer &#214;konom, schrieb von einem   &#8222;dauerhaften&#8220; Verlust von Wohlstand in Britannien in H&#246;he von f&#252;nf   Prozent. Ein k&#252;rzlich ver&#246;ffentlichter Bericht der Europ&#228;ischen   Kommission gab offen zu: &#8222;Die Krise entspricht einer Zerst&#246;rung von   Kapital und vermindert, zumindest zeitweise, das produktive Potential   der Wirtschaft.&quot; Dies bedeute, dass &quot;die Wirtschaft nicht auf den   gleichen Stand von vor der Krise zur&#252;ck kehren wird, sondern auf ein   niedrigeres Niveau. Anders gesagt: die Krise wird einen dauerhaften   Verlust bei der m&#246;glichen Wirtschaftsleistung mit sich bringen.&#8220;<\/p>\n<p>  In den USA betr&#228;gt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit nun 33   Stunden. Ein Sieg f&#252;r die Forderung der Arbeiterbewegung nach einer   Verk&#252;rzung der Wochenarbeitszeit? Im Gegenteil: es ist das Ergebnis der   zwangsweise Entfernung aus den Produktionsst&#228;tten von Millionen von   ArbeiterInnen, die vielleicht nie wieder arbeiten werden. Mort Zuckerman   schrieb in der Financial Times: &#8222;Dies ist die einzige Rezession seit der   Gro&#223;en Weltwirtschaftskrise, in der s&#228;mtliches Wachstum bei   Arbeitspl&#228;tzen aus dem vorherigen Konjunkturzyklus ausradiert wurde.&#8220; Er   wies auch darauf hin, dass die Statistik &#252;ber die Arbeitslosen und   Unterbesch&#228;ftigten mittlerweile bei 17 Prozent liegt. Allein im   September verloren 785.000 US-AmerikanerInnen ihre Arbeitspl&#228;tze. Es   sind seit 21 Monaten in Folge Arbeitspl&#228;tze verloren gegangen und wenn   man diejenigen hinzurechnet, die Teilzeit arbeiten oder schlicht die   Suche nach Arbeit aufgegeben haben, wird die Arbeitslosenstatistik   deutlich h&#246;her als die offizielle Zahl von knapp unter zehn Prozent.   Allein in Britannien sind 750.000 ArbeiterInnen aus der Statistik der   &quot;Arbeitsuchenden&quot; einfach verschwunden.<\/p>\n<p>  Die &#220;berschrift des oben genannten Artikels lautet &#8222;Der freie Markt ist   nicht in der Lage, Arbeit zu schaffen.&#8220; Dass das Sprachrohr der   Unternehmer dies zugibt, ist eine vernichtende Verurteilung des   Kapitalismus. Es ist ein Ausdruck eines todkranken Systems, unf&#228;hig, die   wichtigste Produktivkraft, die Arbeiterklasse, in die Produktion und in   die Gesellschaft zu integrieren.<\/p>\n<p>  Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. &#8222;Wir haben eine Wiederholung der   gro&#223;en Weltwirtschaftskrise vermieden&#8220;, sagen die Sprecher Kapitalismus.   Hierin leigt wahrscheinlich auch ein St&#252;ckchen Wahrheit. MarxistInnen   erkennen, dass es keine &#8222;finale Krise des Kapitalismus&#8220; gibt. An einem   bestimmten Punkt, wenn die Arbeiterklasse die Z&#252;gel durch Sozialistische   Planung in die Hand nimmt, wird der Kapitalismus einen Ausweg finden,   allerdings auf Grundlage von versch&#228;rftem Leid f&#252;r die Arbeiterklasse   und f&#252;r die Armen. Gibt es aktuell eine Erholung, &#8222;Gr&#252;ne Triebe&#8220;, oder   ist dies doch nur Unkraut? Was die Britische Wirtschaft betrifft, ist   wohl eher letzteres der Fall, denn die neuesten Zahlen zeigen einen   fortgesetzten R&#252;ckgang der Produktion.<\/p>\n<h4>  Hat die Weltwirtschaft &#8222;das Schlimmste hinter sich&#8220;?<\/h4>\n<p>  Dar&#252;ber hinaus haben zwei &#214;konomen, Barry Eichengreen und Kevin   O&quot;Rourke, in ihrem Papier &#8222;Eine Geschichte zweier Depressionen&#8220; darauf   hingewiesen, dass es noch offen sein k&#246;nnten, ob der Kapitalismus &#8222;das   Schlimmste hinter sich hat&#8220;. Die massiven Konjunkturpakete, Zinsen auf   historischem Tiefststand und vieles mehr haben sicherlich Auswirkungen,   wie die beiden zugeben. Die industrielle Produktion erholt sich langsam,   im Gegensatz zur Gro&#223;en Weltwirtschaftskrise, wo der R&#252;ckgang der   Industrieproduktion drei Jahre anhielt. Aber war es eine gestiegene   &#8222;Nachfrage&#8220; gestiegen, welche die gestiegene Produktion verursacht hat?   Die Konsumausgaben sinken weiter, Immobilienpreise ebenfalls und die   Produktion dient in erster Linie der Auff&#252;llen von Lagern und Inventaren.<\/p>\n<p>  Die weltweiten Aktienm&#228;rkte haben einige ihrer Verluste wettgemacht, wie   Eichengreen und O&quot;Rourke zugeben. &#8222;Dennoch bleibt der anteilsm&#228;&#223;ige   R&#252;ckgang der Aktien- und Marktwerte sogar gr&#246;&#223;er als zu einem   vergleichbaren Zeitpunkt der Gro&#223;en Weltwirtschaftskrise.&#8220; Es gibt einen   &#8222;Zusammenbruch des globalen Handels was selbst jetzt weiterhin   dramatisch ist im Vergleich mit der Gro&#223;en Weltwirtschaftskrise.&#8220; In der   Industrieproduktion geht es den gro&#223;en vier EU-Nationen, Deutschland,   Brittanien, Frankreich und Italien, schlecht: &#8222;Die heutige deutsche und   britische Industrieproduktion stehen im Einklang mit ihrem R&#252;ckgang in   der 1930er Jahren, w&#228;hrend es in Italien und Frankreich sogar viel   schlechter aussieht. Die Nordamerikaner (USA und Kanada) sehen ihre   Industrieproduktion weiterhin im gleichen Ma&#223;e fallen wie in der Krise   von 1929.&#8220;<\/p>\n<p>  Japan hat die schlechtesten Zahlen, dort war &#8222;die Industriproduktion im   Ferbruar 25 Prozentpunkte niederiger als zum vergleichbaren Zeitpunkt   der Gro&#223;en Weltwirtschaftskrise. Es gab allerdings eine starke Erholung   im M&#228;rz.&#8220;<\/p>\n<p>  Keynesianistische &#214;konomen wie Paul Krugman hoffen weiterhin, dass wir   nur &#8222;eine halbe Gro&#223;e Weltwirtschaftskrise&#8220; erleben. Aber dies ist eine   globale Rezession wie 1929 &#8222;mit noch gr&#246;&#223;eren Einbr&#252;chen in der   Industrieproduktion, im Export und bei den Aktienkursen als 1929.&#8220; Aber   akademische Diskussionen &#252;ber &#8222;Depression&#8220; oder &#8222;Rezession&#8220; werden an   der Arbeiterklasse spurlos vor&#252;bergehen, denn sie wird zurzeit belagert   von steigender Arbeitslosigkeit und Einschnitten beim Lebensstandard,   selbst w&#228;hrend der &#8222;Erholung.&#8220; Ist Lettland, von das   Bruttoinlandsprodukt im Jahr bis August 2009 um 20 Prozent eingebrochen   ist, in einer &#8222;Depression&#8220; oder lediglich in einer &#8222;Rezession&#8220;?   Empfinden die Menschen in Kalifornien, das die achtgr&#246;&#223;te   Volkswirtschaft der Welt w&#228;re, wenn es ein eigenst&#228;ndiger Staat w&#228;re,   dass sie gerade eine &#8222;Rezession&#8220; oder eine &#8222;Depression&#8220; erleben?   Staatsbedienstete werden mit Schuldscheine bezahlt, die Arbeitslosigkeit   ist so hoch wie seit 70 Jahren nicht mehr und LehrerInnen befinden sich   im Hungerstreik.<\/p>\n<p>  Wie in der Zeit nach Hurricane Katrina standen verarmte Menschenmengen   in Kalifornien stundenlang schlage f&#252;r kostenlose Gesundheitsversorgung,   Zahnbehandlung und Essen &#8211; viel mehr Menschen als die 1500 Behandlungen,   die angeboten wurden. Jede &#8222;Erholung&#8220; wird daher in erster Linie in den   Taschen der Bosse und ihrer Gefolgschaft stattfinden.<\/p>\n<p>  Wenn David Cameron dar&#252;ber hinaus seinen Willen durchsetzen kann und an   die ohnehin schon geschw&#228;chten &#214;ffentlichen Sektor Brittaniens die Axt   anlegt, wird dies die Situation gewaltig versch&#228;rfen. Cameron m&#246;chte   Britischen &#8222;Veteranen&#8220;, RentnerInnen und anderen ihre bereits   existierenden Errungenschaften wie die Brennstoffpauschale im Winter   wegnehmen. Die Auswirkungen solche Methoden haben sich in den 1930er   Jahren gezeigt. 1936 verabschiedete der US-Kongress ein &#8222;Bonus-Gesetz&#8220;   f&#252;r Veteranen des Ersten Weltkrieges. Aber um den Haushalt 1937   auszugleichen, machte Pr&#228;sident Roosevelt diese und andere Ma&#223;nahmen   wieder r&#252;ckg&#228;ngig, was zu einer 13-monatigen Rezession und einen   erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 19 Prozent f&#252;hrte. Die USA   stand an der Schwelle zu einem noch gr&#246;&#223;eren Crash als 1929. Was den   Kapitalismus rettete und gleichzeitig den ganzen Weltkapitalismus f&#252;r   eine lange Periode danach stabilisierte war der massive Waffenproduktion   f&#252;r den sich anbahnenden Zweiten Weltkrieg sowie dann anschlie&#223;end   w&#228;hrend des Krieges selbst.<\/p>\n<h4>  Glass-Steagall-Gesetz durch den &quot;liberalen&quot; Clinton abgeschafft<\/h4>\n<p>  1929 und die anschlie&#223;ende Weltwirtschaftskrise hinterlie&#223;en einen   tiefen Eindruck auf dem Bewusstsein des Amerikanischen Volkes, genauso   wie in Brittanien und der &#252;brigen Welt. Ma&#223;nahmen wurden eingef&#252;hrt um   zu versuchen, die Gier der Banker zu kontrollieren und zu b&#228;ndigen. Das   Glass-Stegall-Gesetz und andere Ma&#223;nahmen blieben &#252;ber 65 Jahre in   Kraft. Es dauerte bis zur Amtszeit des &#8222;liberalen&#8220; US-Pr&#228;sidenten   Clinton im Jahre 1999, bis diese Restriktionen aufgehoben wurden. Dies,   zusammen mit Thatchers &quot;gro&#223;em Knall&quot; der Deregulierung der Finanzm&#228;rkte   in Britannien bildeten den Rahmen f&#252;r die Spekulationsorgie, die   wiederum den Weg zur aktuellen Krise bereitete.<\/p>\n<p>  Haben die Kapitalisten, vor allem die Banker, aus der aktuellen Krise   etwas gelernt, geschweige denn von der Krise 1929? Im Gegenteil:   vollgesogen mit &#246;ffentlichen Geldern, haben sie erneut den &#8222;animalischen   Geist&#8220; des Kapitalismus entfesselt und sich selbst riesige Bonuszahlen   genehmigt &#8211; im Wert von mindestens sechs Milliarden Pfund im Falle der   Britischen Banken. In den USA gab Goldman Sachs seinen Spitzenbankern   Boni in H&#246;he von 23 Milliarden Dollar f&#252;r das Jahr 2009. Dies   veranlasste einen Journalisten in der Zeitschrift &quot;Rolling Stone&quot; zu der   Feststellung, dass dieses Unternehmen als &#8222;eine riesige Vampir-Krake,   die sich um das Gesicht der Menschheit gewickelt hat&#8220;, zu bezeichnen.   Ein Wall-Street-Banker bezeichnete die Vorst&#228;nde schlicht als &#8222;gewitze   Gauner&#8220;.Dieses Unternehmen wurde mit zehn Milliarden Dollar von der   US-Regierung gerettet, was nun gro&#223;z&#252;gigerweise &#8222;zur&#252;ck gezahlt&#8220; wurde,   aber es hat auch 21 Milliarden Dollar in Anleihpapieren ausgegeben,   abgesichert durch das Einlagensicherungsfonds FDIC.<\/p>\n<p>  Die Zeitung Independent verk&#252;ndet, dass ein Verzicht auf eine Rettung   der Banken &#8222;zur Depression f&#252;hren w&#252;rde&#8220;. Aber der Britische   Notenbankchef Mervyn King h&#228;lt dagegen: &#8222;Wenn die Banken zu gro&#223; sind,   um Pleite zu gehen, dann sind sie zu gro&#223;.&#8220; Er bef&#252;rwortet die   Zerschlagung der Banken um ihre &#8222;Privatkunden-&#8220; und &#8222;Investitions-&#8220;   (sprich: Casino-) -Gesch&#228;fte auseinander zu halten, um eine erneute   Bankenkrise wie die aktuelle zu vermeiden. Ein neues Wort &#8222;Plutonomie&#8220;   ist erfunden worden, um die aktuelle Gesellschaft zu charakterisieren &#8211;   eine Gesellschaft, in der Ungleichheit in noch nie dagewesene Form   existiert.<\/p>\n<p>  Die Krise ist allerdings nicht nur eine Krise des Banken- und des   Finanzsystems, sondern wie bereits 1929 auch, verwurzelt in den   Widerspr&#252;chen des Kapitalismus an sich, wie oben analysiert. Des   Weiteren kann nichts die &#8222;Vampire&#8220; oder &#8222;Kraken&#8220; vollst&#228;ndig im Zaum   halten. Nicht einmal die obsz&#246;nen Bonuszahlungen k&#246;nnen eliminiert   werden, sondern bestenfalls begrenzt, wie Obama vorgeschlagen hat,   innerhalb des Rahmens des Kapitalismus. Nur durch die Verstaatlichung   der Banken und der gro&#223;en Riesen des Finanzsektors w&#228;re es m&#246;glich   anzufangen, Ma&#223;nahmen einzuleiten, die dem Wohl der Masse der   Bev&#246;lkerung dienen und nicht nur einer kleinen Clique von   Schn&#228;ppchenj&#228;gern. Dies wiederum k&#246;nnte ein Schritt sein hin zum Aufbau   eines staatlichen Au&#223;enhandelsmonopols und einer sozialistischen   Planwirtschaft. Ohne entscheidende Ma&#223;nahmen wird ein wirtschaftlicher   Aufschwung nicht bei den Massen ankommen. Es wird &#8222;freudlos, joblos und   kreditlos&#8220; sein.<\/p>\n<p>  Der wichtigste Unterschied zwischen der aktuellen Krise und 1929 besteht   zu diesem Zeitpunkt in den politischen Auswirkungen. Beide Krisen   f&#252;hrten zu versch&#228;rften sozialen Spannungen, ein riesiger Anstieg von   Klassenk&#228;mpfen. In den USA traten in den zehn Jahren nach 1929 Millionen   den Gewerkschaften bei. Die Rebellion der Fernfahrer in Minneapolis   entwickelte sich, unter der F&#252;hrung von TrotzkistInnen. Riesige K&#228;mpfe   fanden statt, dabei kamen viele ArbeiterInnen in den USA bei blutigen   Zusammenst&#246;&#223;en mit der Polizei und der Staatsmacht ums Leben.<\/p>\n<p>  Weltweit standen die 1930er Jahre im Zeichen von Revolution und   Konterrevolution. Kapitalistische Kommentatoren konzentrieren sich meist   auf den Aufstieg Hitlers und den Sieg Francos. Aber die Deutsche   Arbeiterklasse war enorm radikalisiert, ebenso die in Spanien, ab 1930.   Die Arbeiterklasse und die Arbeiterbewegung hatten die M&#246;glichkeit, die   Macht zu &#252;bernehmen, scheiterten aber auf Grund der fehlerhaften   F&#252;hrung. Dies erlaubte es den Nazis in Deutschland zu siegen und   bereitete sp&#228;ter den Sieg Francos vor, trotz des heroischen Widerstandes   der Spanischen Arbeiterklasse, die anfangs vier F&#252;nftel des Landes   kontrollierte.<\/p>\n<p>  Auf der betrieblichen Ebene, vor allem in den USA, war der Einbruch der   Industrie so schnell und so tief, dass die Gewerkschaften und die   Arbeiterklasse wie gel&#228;hmt erschienen. Dennoch gab es eine sehr gro&#223;e   politische G&#228;rung, was zum bedeutenden Wachstum linker und   sozialistischer Parteien f&#252;hrte. Trotz der Verbrechen des Stalinismus   &#252;bte die geplante Wirtschaft in Russland vor dem Hintergrund der   Massenarbeitslosigkeit eine gro&#223;e Anziehungskraft auf ArbeiterInnen aus.   Das &#8222;nicht-kapitalistische&#8220; Russland war wirtschaftlich immun gegen die   Weltwirtschaftskrise. Als 6000 Stellen in Russland durch eine Agentur in   New York ausgeschrieben wurden, bewarben sich 100.000 ArbeiterInnen!   Leider fielen viele von ihnen sp&#228;ter dem gro&#223;en Stalinistischen Terror   in den Jahren 1937-38 zum Opfer. Aber die Arbeiterdemokratie und die   Idee einer sozialistischen Planwirtschaft k&#246;nnen vor dem Hintergrund   einer Welt, die von Hunger, Arbeitslosigkeit und Leid geplagt ist, eine   gro&#223;e Anziehungskraft auf die Arbeiterklasse und auf die Armen aus&#252;ben.<\/p>\n<h4>  Gro&#223;e Wut, aber die Arbeiterklasse hat sich noch nicht entscheidend nach   links bewegt<\/h4>\n<p>  Heute ist die Masse der Arbeiterklasse w&#252;tend und entt&#228;uscht &#252;ber die   &#246;konomischen Entwicklung, hat sich aber politisch noch nicht   entscheidend nach links bewegt. Wenn es &#8222;zerstreute Ans&#228;tze der   Ablehnung&#8220; des Kapitalismus gibt, wie einige behaupten, dann ist dies   das Ergebnis davon, dass es kein anziehendes Pol gibt f&#252;r die Massen der   Arbeiterklasse, die auf der Suche nach einer Alternative sind. Dies ist   der entscheidende Unterschied zwischen 1929 beziehungsweise der Zeit der   danach und heute. Aber die Schl&#228;ge, die der Kapitalismus gegen die   Arbeiterklasse vorbereitet sind so enorm, dass eine Schicht von   ArbeiterInnen mit der Zeit, mit Unterst&#252;tzung sozialistischer und   radikaler Kr&#228;fte, den Weg nach links zu einer sozialistischen   Alternative finden wird. Sie selbst werden dann wiederum die Masse der   ArbeiterInnen in Bewegung setzen.<\/p>\n<p>  Andererseits k&#246;nnten einige vor&#252;bergehend durch die nationalistische und   rechtsextremen Phrasen von Parteien wie der British National Party   verf&#252;hrt werden. Diese k&#246;nnen allerdings keine Alternative anbieten, da   sie im Kapitalismus verwurzelt sind, trotz ihrer demagogischen Versuche,   radikal zu wirken. Aber die Lektion von 1929 ist, dass der Kapitalismus   keinen Ausweg bietet und periodische Einbr&#252;che erleiden wird.<\/p>\n<p>  Wir werden in den kommenden Jahren nicht nur eine einzige Krise, sondern   eine ganze Kette von Krisen des Kapitalismus erleben. Es gibt keine   Aussicht auf einen Weltkrieg als Ausweg f&#252;r den Kapitalismus. Der   einzige &#8222;Krieg&#8220; der vorbereitet wird richtet sich gegen die Rechte und   Bedingungen der Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>  Der m&#228;chtigste Faktor in der Gesellschaft ist die Arbeiterklasse, die   aber im Moment politisch entwaffnet ist. Dies erw&#228;chst aus der Tatsache,   dass es keine unabh&#228;ngigen Massenparteien der ArbeiterInnen gibt. Dies   ist der Grund, warum die Forderung nach einer neuen Massenpartei der   ArbeiterInnen sich in scharfer Form stellt in Brittanien, in Europa und   der ganzen Welt. Die wahre Lektion von 1929 und der aktuellen Krise ist,   dass der Kapitalismus keinen Weg nach vorne bietet. Der Kapitalismus ist   gescheitert und wird scheitern; die Arbeiterklasse ist Tr&#228;gerin allen   Fortschrittes. Aber um diese Rolle zu spielen, muss sie sich   organisieren, wie Marx sagte, als &#8222;Klasse f&#252;r sich&#8220;. Damit dies   passiert, muss sie die diskreditierten F&#252;hrer bei Seite werfen und neue   Parteien organisieren, die als Hebel fungieren k&#246;nnen, um den   Kapitalismus zu bek&#228;mpfen und um eine sozialistische Ver&#228;nderung der   Gesellschaft zu erwirken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Zum 80. 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