{"id":13386,"date":"2009-11-12T00:00:00","date_gmt":"2009-11-11T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13386"},"modified":"2012-05-25T15:28:14","modified_gmt":"2012-05-25T13:28:14","slug":"13386","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/11\/13386\/","title":{"rendered":"Filmkritik: Kapitalismus &#8211; eine Liebesgeschichte"},"content":{"rendered":"<p>  Michael Moores neuer Film l&#228;uft heute in den deutschen Kinos an. Er ist   eine Abrechnung mit dem Kapitalismus.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Michael Moores neuer Film &#8222;Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte&#8220; beginnt   mit einer einfachen Botschaft: <i>&#8222;Kapitalismus ist b&#246;se&#8221;<\/i>   und muss durch ein System ersetzt werden, in dem die Interessen der   einfachen Leute Vorrang vor Profit haben.<\/p>\n<h4>  <i>von Dan DiMaggio, Socialist Alternative (USA)<\/i><\/h4>\n<p>  Moore nennt seinen Film <i>&#8222;die Kulmination aller Filme, die ich je   gemacht habe.&#8221;<\/i> In seinen fr&#252;heren Filmen konzentrierte er sich   auf bestimmte Branchen wie das Gesundheitswesen (Sicko) oder Konzerne   wie General Motors (Roger &amp; Me). Aber in &#8222;Kapitalismus&#8220; zeigt Moore, wie   unsere Probleme, Systemcharakter haben und nicht das Produkt von ein   paar faulen &#196;pfeln oder einer Handvoll b&#246;ser Konzerne sind.<\/p>\n<p>  <i>&#8222;Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte&#8220;<\/i> wird f&#252;r   Millionen die Wirklichkeit eines Systems entlarven, das nur ein Ziel   hat: die kurzfristige Profitmaximierung. Die Bedeutung davon &#8211; ein   bedeutender Filmemacher prangert den Kapitalismus vor einem   Millionenpublikum in der m&#228;chtigsten kapitalistischen Nation der Welt an   &#8211; sollte man sich klarmachen. Moore bietet zwar keine klare Alternative,   aber er erzwingt den Beginn einer Debatte in der Bev&#246;lkerung &#252;ber die   Notwendigkeit, das gesamte Gesellschafssystem umzugestalten.<\/p>\n<h4>  Opfer des Systems<\/h4>\n<p>  Moore interviewt Familien, die von R&#228;umungen und Entlassungen betroffen   sind. Er zeichnet die Verheerung nach, die Randy und Donna Hacker   erleiden, als die Polizei sie aus dem Heim vertreibt, das sie sich auf   ihrer Familienfarm gebaut haben. Wie Randy Hacker sagt, <i>&#8222;Es muss eine   Form von Rebellion geben der Leute, die nichts haben gegen die Leute,   die alles haben &#8230; Da kann es kein Zwischending mehr geben.&#8221;<\/i><\/p>\n<p>  Moore entlarvt auch die &#8222;Toter Bauer&#8220;-Versicherungspolice, durch die   riesige Konzerne Lebensversicherungen auf ihre Angestellten aufnehmen,   gew&#246;hnlich ohne Wissen der Besch&#228;ftigten oder ihrer Familien. Wenn ein   Arbeiter stirbt, streichen diese Firmen zigtausende &#8211; oder sogar   Millionen! &#8211; Dollar ein, w&#228;hrend die Familie die Rechnung f&#252;r die Arzt-   und Begr&#228;bniskosten bezahlen muss.<\/p>\n<p>  Dies ist die kranke Logik des kapitalistischen Systems, in dem das   menschliche Leben selbst zu einer blo&#223;en Ware reduziert ist. Moore   entlarvt die Wall Street als das, was sie ist &#8211; ein &#8222;krankes Casino&#8221; &#8211;   und versieht sie passender Weise mit Absperrband.<\/p>\n<h4>  Kapitalismus gegen Demokratie<\/h4>\n<p>  Am Ende des Films folgert Moore: <i>&#8222;Kapitalismus ist ein &#220;bel und man   kann ein &#220;bel nicht regulieren. Man muss es beseitigen und durch etwas   ersetzen, was f&#252;r alle Menschen gut ist.&#8221; <\/i>Aber er stellt   ihm keine zusammenh&#228;ngende Alternative entgegen.<\/p>\n<p>  Moore stellt seinen Ruf nach wirklicher &#8222;Demokratie&#8221; dem   antidemokratischen Charakter des Kapitalismus entgegen.<\/p>\n<p>  Wie er &#8222;Democracy Now&#8220; sagte, hat <i>&#8222;das reichste eine   Prozent [der Amerikaner] mehr Reichtum als die unteren 95 Prozent   zusammen. Wenn &#8230; ein Prozent nicht nur den ganzen Reichtum besitzt,   sondern ihm der Kongress geh&#246;rt, wenn sie sagen, was getan wird &#8211; sagen   wir dann die Wahrheit, wenn wir dies eine Demokratie nennen? Sie und ich   haben in ihr nichts zu sagen &#8230; haben nichts dabei zu sagen, wie diese   Wirtschaft geleitet wird.&#8221;<\/i> (Democracy Now, 24. September 2009)<\/p>\n<p>  Moore betont zwar die Notwendigkeit eines Kampfs von unten und fordert   eine Alternative zum Kapitalismus, vermeidet aber, sich einen   Sozialisten zu nennen. Aber der Film stellt das wachsende Interesse   unter AmerikanerInnen am Sozialismus heraus und verweist auf die   k&#252;rzliche Meinungsumfrage, wonach bei den Menschen unter 30 Jahren nur   37 Prozent sagen, sie &#8222;ziehen&#8220; den Kapitalismus dem Sozialismus &#8222;vor&#8220;,   w&#228;hrend 33 Prozent den Sozialismus vorziehen und 30 Prozent unsicher   sind. Was diese 30 Prozent unter &#8222;Sozialismus&#8221; verstehen, ist   wahrscheinlich weniger sicher.<\/p>\n<h4>  Rolle der Demokratischen Partei<\/h4>\n<p>  Moores Film entlarvt die Rolle sowohl der Demokratischen als auch der   Republikanischen Parteien bei der Umsetzung von Politik, die dem   obersten einem Prozent auf Kosten gew&#246;hnlicher ArbeiterInnen dient.   Dieser Film h&#228;tte ein Weckruf sein k&#246;nnen, der f&#252;r eine politische   Alternative zum Zwei-Parteien-System eintritt. Dazu w&#252;rde geh&#246;ren, bei   den Kongresswahlen 2010 unabh&#228;ngige AntikriegskandidatInnen, die   Arbeiterpositionen unterst&#252;tzen, aufzustellen und sich auf eine   bundesweite Herausforderung 2012 vorzubereiten. Leider macht Moore   selber kurz vor dem Aufruf zu diesem entscheidenden Schritt halt, und   der Film maskiert stellenweise die wahre Rolle der Demokratischen Partei.<\/p>\n<h4>  Obamas Rolle<\/h4>\n<p>  Moore fasst auch Obama mit Samthandschuhen an, trotz Kritik an seinem   Wirtschaftsteam und Teilen seiner Politik. In seinem Film stellt er   Obama so dar, als wenn er anf&#228;nglich eine Bedrohung f&#252;r Wall Street und   das Amerika der Konzerne dargestellt h&#228;tte, den sie unter Kontrolle zu   bringen versuchten, indem sie ihn mit Tonnen von Geld bewarfen &#8211; mit   Goldman Sachs als seinem Hauptspender. Aber Obama w&#228;re nie in der Lage   zu seinem meteorhaften Aufstieg zur Macht gewesen, w&#228;re er nicht von   Anfang an von f&#252;hrenden Strippenziehern in der US-Konzernelite auf Herz   und Nieren gepr&#252;ft worden, die er mit seiner F&#228;higkeit beeindruckte,   zugleich eine hochfliegende Botschaft von &#8222;Hoffnung&#8220; und &#8222;Wandel&#8220; zu   verwenden und treu den selben Interessen zu dienen, die seit vielen   Jahren die Show bestimmt haben.<\/p>\n<p>  Moore unterst&#252;tzte Obamas Wahlkampf 2008 und half sogar, falsche   Illusionen in seine Politik zu sch&#252;ren. Dies machte er trotz Obamas   Unterst&#252;tzung f&#252;r Bankenrettungsprogramme, seine Ablehnung des Prinzips   einer allgemeinen staatlichen Krankenversicheurng (single payer-Modell)   und seiner Forderung nach der Entsendung von zigtausenden weiteren   Truppen nach Afghanistan.<\/p>\n<p>  Heute sind Millionen zunehmend frustriert &#252;ber Obama und die Politik der   Demokraten im Kongress, aber Moore sch&#252;rt weiter Illusionen in sie. Ende   September sagte er dem Kongress des [Gewerkschaftsdachverbandes]   AFL-CIO, <i>&#8222;anstatt dass wir [Obama] mit Forderungen &#252;bersch&#252;tten,   braucht er unsere Unterst&#252;tzung &#8230; Wer unterst&#252;tzt ihn?&quot;<\/i>   (Washington Post, 16. September 2009)<\/p>\n<p>  Statt &#8222;Obama zu unterst&#252;tzen&#8221;, ist die Schl&#252;sselaufgabe, unabh&#228;ngig von   den Demokraten und Republikanern zu Fragen zu mobilisieren, die den   Bed&#252;rfnisse von arbeitenden Menschen entsprechen, statt von dem   Standpunkt aus, was f&#252;r die Konzerne und ihr Zweiparteiensystem   akzeptabel ist, zu mobilisieren.<\/p>\n<p>  Moore selbst war einst ein stolzer Vork&#228;mpfer f&#252;r die Notwendigkeit, mit   den Demokraten zu brechen und eine politische Alternative aufzubauen,   die die arbeitenden Menschen vertritt. Er war in den 90er Jahren ein   Unterst&#252;tzer der Labor Party, die von einer Reihe der   fortschrittlichsten Gewerkschaften des Landes gegr&#252;ndet wurde, und auch   ein f&#252;hrender Unterst&#252;tzer von Ralph Naders Pr&#228;sidentschaftswahlkampf   2000. F&#252;r die, die wirkliche Ver&#228;nderung sehen wollen, ist es notwendig,   zu diesem Geist zur&#252;ckzukehren.<\/p>\n<h4>  Eine Bewegung gegen den Kapitalismus ist notwendig<\/h4>\n<p>  Moore endet den Film mit einem Appell an die Menschen, aktiv zu werde   gegen die Herrschaft der Konzerne &#252;ber unsere Gesellschaft. So ein   Appell k&#246;nnte sicher Anklang finden angesichts der Wut, die sich unter   der Oberfl&#228;che in der US-Gesellschaft aufbaut.<\/p>\n<p>  Die Notwendigkeit, f&#252;r eine grundlegende Umgestaltung dieses System zu   k&#228;mpfen, ist jetzt dringender als je zuvor. Machen wir &#8222;Kapitalismus:   Eine Liebesgeschichte&#8220; zu einem Weckruf f&#252;r eine neue Generation von   AktivistInnen, K&#228;mpfe aufzubauen und diese zum Kampf f&#252;r eine   grundlegende Umgestaltung des Systems zu verbinden. Jeden und jede, die   am Aufbau von Gegenwehr gegen den Kapitalismus interessiert sind,   fordern wir auf, dem CWI beizutreten. Tretet uns bei zum Kampf f&#252;r eine   Welt ohne Armut, Ausbeutung, Krieg und die Tyrannei der Superreichen.   Tretet uns bei im Kampf f&#252;r eine demokratisch-sozialistische Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Michael Moores neuer Film l&#228;uft heute in den deutschen Kinos an. 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