{"id":13384,"date":"2009-11-09T13:00:00","date_gmt":"2009-11-09T12:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13384"},"modified":"2012-05-15T15:05:45","modified_gmt":"2012-05-15T13:05:45","slug":"13384","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/11\/13384\/","title":{"rendered":"Landesparteitag LINKE.NRW"},"content":{"rendered":"<p>  Ein Schritt nach vorne f&#252;r die NRW-LINKE.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der Landesparteitag der LINKE. hat am 7. und 8. November ein radikales,   k&#228;mpferisches Programm f&#252;r die Landtagswahl am 9. Mai 2010 beschlossen.   Gefordert wird die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, die   Vergesellschaftung von RWE und Eon und des Automobilherstellers Opel   sowie die Schlie&#223;ung von Milit&#228;rst&#252;tzpunkten in NRW. Allein das   Gejammere b&#252;rgerlicher Politiker und Medien &#252;ber die &#8222;durchgeknallten   Linken&#8220; zeigt, dass die LINKE. in Nordrhein-Westfalen auf dem richtigen   Weg ist.<\/p>\n<h4>  <i>von Claus Ludwig, Parteitagsdelegierter, K&#246;lner Stadtratsmitglied,   Fraktion Die LINKE.<\/i><\/h4>\n<p>  Das Bochumer Opel-BR-Mitglied Michael M&#252;ller und Edith Fr&#246;se vom   Vorstand der NRW-LINKE. verlasen eine gemeinsame Resolution zu Opel, die   von den Delegierten einstimmig angenommen wurde. Darin wird der Erhalt   aller Arbeitspl&#228;tze bei den GM-T&#246;chtern in Europa und die &#220;berf&#252;hrung   von Opel in &#246;ffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle gefordert.<\/p>\n<p>  Damit hat sich die Partei gut positioniert, um in die Auseinandersetzung   um Betriebsschlie&#223;ungen und Massenentlassungen einzugreifen und den   Besch&#228;ftigten eine Perspektive f&#252;r die kommenden Abwehrk&#228;mpfe anzubieten.<\/p>\n<p>  Opel fand auch Eingang in das Landtagswahlprogramm. Es wird gefordert,   Opel zu einem &#8222;&#246;kologischen Mobilit&#228;tskonzern&#8220; umzuwandeln und die   Produktion umzustellen. Um das &#252;berhaupt zu erm&#246;glichen, soll die   &#246;ffentliche Hand den Autokonzern &#252;bernehmen.<\/p>\n<p>  Leider wurde dies erg&#228;nzt durch die zumindest missverst&#228;ndliche   Formulierung von den &#8222;Mitarbeiteranteilen&#8220;. Der Antrag, diesen Begriff   durch &#8222;demokratische Kontrolle&#8220; zu ersetzen, den der Verfasser dieser   Zeilen einbrachte, fand keine Mehrheit. Offensichtlich war den meisten   Delegierten nicht klar, dass unter &#8222;Mitarbeiteranteilen&#8220; auch eine   Kapitalbeteiligung der Besch&#228;ftigten oder das Beteiligungsmodell des   Opel-Gesamtbetriebsratschefs Franz, der bei einem Verkauf an Magna   Lohnverzicht in &#8222;Mitarbeiterbeteiligung&#8220; umwandeln wollte, verstanden   werden kann.<\/p>\n<h4>  Immer wieder Brandenburg<\/h4>\n<p>  Ohne das Kind beim Namen zu nennen, kritisierte Oskar Lafontaine in   seiner Gastrede den Brandenburger Koalitionsvertrag (siehe auch:   www.linkspartei-debatte.de). Entscheidungen w&#252;rden zwar von den   Landesverb&#228;nden getroffen, diese m&#252;ssten aber bedenken, dass die gesamte   Partei mit den Folgen ihrer Politik leben m&#252;sste. Die geplante   Programmdiskussion habe nur Sinn, wenn die Gliederungen der Partei das   beschlossene Programm auch umsetzen w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Lafontaine bezeichnete die Politik der Etablierten als eine Politik der   Enteignung der arbeitenden Menschen und wies darauf hin, dass alleine   diese den Reichtum der Gesellschaft schaffen w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Alternativen zum Profitsystem benannte er nicht, blieb in diesem Punkt   wie schon in den letzten Monaten defensiv und erw&#228;hnte lediglich   verst&#228;rkte Mitbestimmung und &#8222;Mitarbeiterbeteiligung&#8220;.<\/p>\n<p>  Seine Kritik an Brandenburg und den Verzicht auf Kritik am linken   Landesverband in NRW wurde allerdings von den meisten b&#252;rgerlichen   Medien &#8211; einige Journalisten hatten wieder mal nichts verstanden &#8211; zu   Recht als deutliche innerparteiliche Positionierung ausgelegt.<\/p>\n<p>  Die Frage der Regierungsbeteiligung r&#252;ckte immer wieder in den   Mittelpunkt der Debatte. Der Landesvorstand hatte eine Erg&#228;nzung zum   Wahlprogramm vorgelegt, in der das strategische Herangehen an diese   Frage festgeschrieben wird: &#8222;DIE LINKE. wird sich an keiner Regierung   beteiligen, die Privatisierung, Personal- und Sozialabbau vornimmt und   die nicht die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen verbessert.&#8220;<\/p>\n<p>  Ein Antrag des Kreisverbandes K&#246;ln mit einem &#228;hnlichen Wortlaut war   zuvor abgelehnt worden, hatte aber wohl den Landesvorstand inspiriert,   diese Klarstellung &#8211; erg&#228;nzt durch eine Betonung des   au&#223;erparlamentarischen Kampfes &#8211; vorzuschlagen. Die Erg&#228;nzung wurde mit   gro&#223;er Mehrheit beschlossen.<\/p>\n<p>  Landessprecher Wolfgang Zimmermann sowie die Bundestagsabgeordneten   Da&#287;delen, Wagenknecht, Hunko und andere brachten zudem einen   Initiativantrag &#8222;F&#252;r eine glaubw&#252;rdige Linke&#8220; ein, in dem sie die   Koalition in Brandenburg kritisieren und vorschlagen, Kriterien f&#252;r eine   linke Regierungsbeteiligung festzulegen (kein Sozialabbau, kein   Personalabbau, keine Privatisierungen).<\/p>\n<p>  Allerdings ist der Antrag &#8222;diplomatisch&#8220; formuliert und fordert nicht   den Ausstieg aus der Koalition. Da es bei dieser Frage weniger um   Diplomatie und H&#246;flichkeit sondern vielmehr um die gesamte Ausrichtung   der Partei geht, brachten K&#246;lner SAV-Mitglieder einen &#196;nderungsantrag   ein, die Fraktion in Brandenburg aufzufordern, die Koalition sofort zu   verlassen. Dieser Antrag wurde allerdings von nur 10 Prozent der   anwesenden Delegierten unterst&#252;tzt. Der Mehrheit reichte es, Kritik zu   &#228;u&#223;ern und wollte nicht so offensiv gegen&#252;ber einem anderen   Landesverband auftreten.<\/p>\n<p>  Der &#8222;Fall Brandenburg&#8220; alarmiert Teile der Partei und bringt diese dazu,   sich k&#228;mpferischer und kritischer zu den &#8222;Regierungssozialisten&#8220; zu   positionieren &#8211; die &#8222;Peitsche der Konterrevolution&#8220;, welche &#8222;die   Revolution voran treibt&#8220;, um es mit einer klassischen Formulierung   auszudr&#252;cken.<\/p>\n<h4>  EON und RWE vergesellschaften &#8211; Ablenkungsman&#246;ver scheitern<\/h4>\n<p>  Nach intensiver Diskussion hat die LINKE. in NRW die Vergesellschaftung   der Energieriesen RWE und EON ins Programm aufgenommen. Der rechte   Parteifl&#252;gel um Ulla L&#246;tzer hatte lange versucht, die Forderungen zu   verw&#228;ssern. Dabei wurde seitens Ulla L&#246;tzer wider besseren Wissens ein   Gegensatz zwischen Vergesellschaftung und Demokratisierung konstruiert.<\/p>\n<p>  Ihre Vorstellungen bez&#252;glich der Demokratisierung sind allerdings sehr   beschr&#228;nkt. Diese soll im Fall der Energiekonzerne &#252;ber &#8222;Beir&#228;te&#8220;   erfolgen. In der Kommune sind Beir&#228;te der Inbegriff f&#252;r Gremien ohne   jeden Einfluss, mit echter Kontrolle und Verwaltung durch Produzenten   und Konsumenten haben diese nichts zu tun.<\/p>\n<p>  Ulla L&#246;tzer fragte scheinheilig, ob staatliche Monopole denn &#8222;besser&#8220;   seien als private Monopole. Dabei hatten die Bef&#252;rworter der   Vergesellschaftungs-Forderung bei allen Gelegenheiten erg&#228;nzt, dass   sowohl die zu vergesellschaftenden Betriebe als auch die schon heute   &#246;ffentlichen Betrieben umfassend demokratisiert werden m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  L&#246;tzers Umgang mit der Demokratie-Frage soll verschleiern, worum es   wirklich geht: Der gem&#228;&#223;igte bzw. rechte Parteifl&#252;gel will keine   plakativen Forderungen zur &#196;nderung der Eigentumsverh&#228;ltnisse, um SPD   und Gr&#252;ne nicht zu verschrecken.<\/p>\n<p>  Am Ende mussten Ulla L&#246;tzer und ihre Verb&#252;ndeten einsehen, dass sie   keine Mehrheit haben, lie&#223;en sich auf einen Kompromiss-Antrag ein und   akzeptierten, dass die Vergesellschaftung prominent im Programm   auftaucht.<\/p>\n<h4>  DGB-Vorsitzender fordert Bereitschaft zum Regieren<\/h4>\n<p>  Der DGB-Vorsitzende von Nordrhein-Westfalen, Guntram Schneider, forderte   von der LINKE. die Bereitschaft zur Regierungsbeteiligung: &#8222;Der DGB   setzt auf Mehrheiten in Parlamenten. Wir sind interessiert an   regierungswilligen, machtbewussten Parteien. Wir wissen auch, dass   parlamentarische Mehrheiten nicht mit gesellschaftlichen   Machtverh&#228;ltnissen gleichzusetzen sind. Aber ihr solltet euch nicht   selbst vom Regieren ausschlie&#223;en. Wenn es am 9.5. eine rot-rot-gr&#252;ne   Mehrheit gibt, sollten alle, die Arbeitnehmer-Interessen durchsetzen   wollen, aufeinander zugehen.&quot;<\/p>\n<p>  Schneider untermauerte dieses Dr&#228;ngen mit k&#228;mpferischen, linken T&#246;nen,   die man selten von h&#246;heren DGB-Funktion&#228;ren h&#246;rt. Es d&#252;rfe keine   Investitionen mehr geben ohne die Beteiligung der ArbeitnehmerInnen an   der Entscheidung. &#8222;Mehr Mitbestimmung&#8220; und &#8222;Wirtschaftsdemokratie&#8220; w&#228;ren   n&#246;tig, die Politik m&#252;sse wieder entscheiden, nicht die Unternehmen.<\/p>\n<p>  Schneider forderte eine &#8222;Schule f&#252;r alle, gegen die Ausgrenzung schon im   Kindesalter, in Ganztagsschulen mit Mittagessen f&#252;r alle Kinder&#8220;. Die   Lehrstellen-Statistik m&#252;sse endlich ehrlich &#8222;das ganze Ausma&#223; der Not&#8220;   offen legen.<\/p>\n<h4>  Antragsmarathon<\/h4>\n<p>  Gro&#223;e Teile des Parteitages waren keineswegs so interessant wie es diese   Zeilen implizieren. Rund 500 &#196;nderungsantr&#228;ge zum 70seitigen Programm   wurden behandelt, zum Teil ging es um einzelne Formulierungen oder   extrem detaillierte Unterpunkte von Unterpunkten. Zum Gl&#252;ck gingen die   wichtigen inhaltlichen Fragen nicht im Wust der Details unter.<\/p>\n<p>  Gew&#228;hlt wurden au&#223;erdem eine neue Landesschiedskommission sowie   VertreterInnen f&#252;r den Bundesausschuss &#8222;Mindestsicherung&#8220;. Sylvia   Gabelmann aus Aachen wurde in den gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Landesvorstand   gew&#228;hlt. Die Wahl der BeisitzerInnen f&#252;r den Vorstand wurde wegen der   fortgeschrittenen Zeit auf einen sp&#228;teren Parteitag vertagt.<\/p>\n<p>  Weitere wichtige Forderungen: kostenlose Bildung von der Kita bis zur   Uni, Einf&#252;hrung von Ethik-Unterricht in den Schulen, Religion nur   freiwillig, &#8222;Eine Schule f&#252;r Alle&#8220;, um die Ausgrenzung von Kindern zu   beenden, Schlie&#223;ung von Milit&#228;rst&#252;tzpunkten (siehe auch:   www.die-linke-nrw.de).<\/p>\n<h4>  Vor gro&#223;en Herausforderungen<\/h4>\n<p>  Die LINKE.NRW hat erst einmal die Forderungen des vor allem in den   ostdeutschen L&#228;ndern vertretenen Regierungsfl&#252;gels der Partei abgewehrt,   sich in vorauseilendem Gehorsam an SPD und Gr&#252;ne anzupassen. Das   Programm taugt f&#252;r eine k&#228;mpferische Opposition und zeigt, dass die   LINKE. anders ist als die etablierten Parteien. In wenigen Wochen wird   die Landesliste gew&#228;hlt, dort sollten KandidatInnen des   antikapitalistischen Fl&#252;gels mehrheitlich vertreten sein.<\/p>\n<p>  Die Debatte um die Regierungsbeteiligung ist allerdings auch in NRW noch   nicht ausgestanden. Manche scheinen klammheimlich zu hoffen, dass dieser   Kelch der NRW-Linken vorbei gehen wird, weil SPD und Gr&#252;ne allein das   radikale Programm abschrecken wird. Doch diese interessiert das Programm   nur am Rande, wenn es um die Regierungsmacht an Rhein und Ruhr geht. Es   wird gewaltiger Druck auf die LINKE. ausge&#252;bt werden, &#8222;Verantwortung zu   &#252;bernehmen&#8220; &#8211; seitens der Medien, seitens einer sich links geb&#228;rdenden   SPD, seitens der Gewerkschaftsf&#252;hrungen und nicht zuletzt seitens der   eigenen Parteif&#252;hrung in Berlin.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich kann sich eine solche Stimmung auch in der Bev&#246;lkerung   aufbauen. Der nordrhein-westf&#228;lische DGB-Vorsitzende Schneider hat in   seiner Rede schon einmal einen Vorgeschmack darauf gegeben, welcher   Druck ausge&#252;bt werden wird, wenn es rechnerisch reicht, schwarz-gelb   abzul&#246;sen.<\/p>\n<p>  Es bleibt zu hoffen, dass Vorstand und Basis konsequent bleiben und sich   nicht auf eine Koalition oder Tolerierung mit bzw. von SPD und Gr&#252;nen   einlassen, sondern dabei bleiben, Ver&#228;nderungen aus der Opposition   heraus zu erk&#228;mpfen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <img src=\"\/media\/z\/nrw-lpt_opelklein.jpg\" align=\"left\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ein Schritt nach vorne f&#252;r die NRW-LINKE.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13384"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13384"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13384\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13384"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13384"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13384"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}