{"id":13374,"date":"2009-11-04T00:00:00","date_gmt":"2009-11-03T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13374"},"modified":"2012-05-15T15:06:58","modified_gmt":"2012-05-15T13:06:58","slug":"13374","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/11\/13374\/","title":{"rendered":"Brandenburger LINKE darf sich nicht an Platzeck-Regierung beteiligen"},"content":{"rendered":"<p>  SPD\/LINKE-Koalitionsvertrag bedeutet Fortsetzung der Politik der Gro&#223;en   Koalition<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Bevor Parteitage von SPD und Linkspartei am Mittwoch, den 4. November   endg&#252;ltig &#252;ber die Koalitionsvereinbarungen in Brandenburg befinden   sollen, wurde bereits Zustimmung signalisiert: Letzte Woche gab der   SPD-Landesvorstand f&#252;r den Vertragsentwurf gr&#252;nes Licht, Anfang dieser   Woche votierten laut LINKEN-Landeschef Thomas Nord die Mitglieder von   Landesvorstand und Landesausschuss per E-Mails f&#252;r den Text. Lob gab es   aber auch au&#223;erhalb der beiden Verhandlungs- und Parteif&#252;hrungen. Und   zwar von der CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzenden Johanna Wanka: &#8222;Es   ist bis auf ein paar symbolische Kleinigkeiten eher der Versuch, die   bisherige erfolgreiche Politik, die in der Wirtschaft oder der   Wissenschaft die Handschrift der CDU tr&#228;gt, fortzusetzen.&#8220;<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Aron Amm, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Wanka erkl&#228;rte im Tagesspiegel vom 27. Oktober weiter: Nach &#8222;einem   Politikwechsel, nach neuen Ideen und Konzepten sieht das bisher nicht   aus.&#8220; Die CDU-Chefin res&#252;mierte im Tagesspiegel-Gespr&#228;ch, es bleibe in   Brandenburg unter Rot-Rot alles beim Alten. Beifall aus der   Sch&#246;nbohm-Partei f&#252;r die Koalitionsvereinbarungen? Sp&#228;testens das muss   aufhorchen lassen. Und Wanka trifft den Nagel auf den Kopf. Was die   Verhandlungsf&#252;hrer SPD-Ministerpr&#228;sident Matthias Platzeck und Kerstin   Kaiser von der LINKEN pr&#228;sentierten, war nichts anderes als alter Wein   in neuen Schl&#228;uchen. F&#252;r Besch&#228;ftigte, Erwerbslose, Jugendliche,   RentnerInnen ungenie&#223;bar!<\/p>\n<h4>  Koalitionsvertrag &#8211; arbeitnehmer-, jugend- und umweltfeindlich<\/h4>\n<p>  Der vorliegende Vertragstext kn&#252;pft direkt an den Kahlschlag unter der   Gro&#223;en Koalition an und stellt eine Kampfansage an die arbeitende und   erwerbslose Bev&#246;lkerung in Brandenburg dar.<\/p>\n<p>  Beispiel Arbeitsplatzabbau: &#8222;Die Landesregierung wird so viele neue   Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen, dass der Personalbestand im   Jahr 2014 bei 45.500 liegt. F&#252;r 2019 geht die Koalition von einer   Zielzahl von 40.000 aus &#8220; (Zeile 2.037 ff des Koalitionsvertrags). Heute   hat Brandenburg etwa 50.000 Besch&#228;ftigte im &#214;ffentlichen Dienst, damit   sollen bis 2014 knapp 5.000 und bis 2019 10.000 Stellen gestrichen   werden. Die 8.000 &#246;ffentlich gef&#246;rderten Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse   werden lediglich &#8222;angestrebt&#8220; (Zeile 1.079) und unter einen   Mitfinanzierungsvorbehalt durch den Bund gestellt. Diese Stellen, f&#252;r   die der Koalitionsvertrag keine Tarifbindung vorsieht, sind nichts   weiter als befristete Niedriglohnjobs, ohne ALG-I-Anspruch.<\/p>\n<p>  Beispiel Studiengeb&#252;hren: Von einer Abschaffung der Immatrikulations-   und R&#252;ckmeldegeb&#252;hren in H&#246;he von 51 Euro &#8211; also den verdeckten   Studiengeb&#252;hren &#8211; ist im Koalitionsvertrag nirgendwo die Rede. Zudem   wird mit Graduiertenschulen und Exzellenzcluster (St&#228;rkung der   Spitzenforschung) die Elitebildung unterst&#252;tzt, mit einer   Schwerpunktsetzung auf die naturwissenschaftlichen F&#228;cher zu Lasten der   Geistes- und Sozialwissenschaften werden die Interessen der   Industriellenverb&#228;nde bedient.<\/p>\n<p>  Beispiel Umweltzerst&#246;rung: Der Braunkohlef&#246;rderung wird nicht Einhalt   geboten. F&#252;r neue Tagebaue drohen weitere Umsiedlungen. Damit tr&#228;gt der   Vertrag die Handschrift von Vattenfall (die Braunkohlekraftwerke   Vattenfalls machen rund 60 Prozent der CO2-Emissionen in Brandenburg   aus). Nat&#252;rlich m&#252;sste eine Beendigung der Braunkohlef&#246;rderung mit der   Schaffung von sinnvollen Ersatzarbeitspl&#228;tzen f&#252;r alle Besch&#228;ftigten   verbunden sein.<\/p>\n<p>  Beispiel EU: &#8222;Brandenburg bekennt sich nachdr&#252;cklich (&#8230;) zum Vertrag   von Lissabon&#8220; (Zeile 2.066 ff). Alle EU-Regierungen haben Himmel und   H&#246;lle in Bewegung gesetzt, dass der Vertrag in Kraft tritt; ein Vertrag,   der Privatisierungen, Deregulierungen und die Militarisierung der EU   f&#246;rdert.<\/p>\n<h4>  &#8222;Wahlbetrug&#8220;<\/h4>\n<p>  Der Koalitionsvertrag st&#246;&#223;t bei potenziellen B&#252;ndnispartnern der LINKEN   auf breite Ablehnung.<\/p>\n<p>  Als die Ergebnisse bekannt wurden, setzte ein Sturm der Entr&#252;stung ein &#8211;   von der Studierendenvertretung der Universit&#228;t Potsdam zum   Landesauschuss der Studentinnen und Studenten (LASS) der GEW, von der   DGB Jugend Berlin\/Brandenburg zu BUND und NABU. Der Allgemeine   Studuerendenausschuss (AStA) der Universit&#228;t Potsdam bezeichnete die   Vereinbarungen als eine &#8222;hochschulpolitische Bankrotterkl&#228;rung&#8220; und warf   der LINKEN &#8222;Wahlbetrug&#8220; vor. &#8222;Es wird in Brandenburg &#8211; entegen aller   Beteuerungen &#8211; weiterhin versteckte Studiengeb&#252;hren geben, fr&#246;hlich   weiter zwangsexmatrikuliert werden und kein Teilzeitstudium geben&#8220;, so   die AStA-Vorsitzende Katja Klebig. AStA-Finanzreferent Stefan Morgenweck   konstatierte: &#8222;Die Stiftung Preu&#223;ische Schl&#246;sser und G&#228;rten erh&#228;lt laut   Koalitionsvertrag 280 Millionen Euro in den n&#228;chsten zehn Jahren, die   Hochschulen 212 Millionen in f&#252;nf Jahren. Das sind doch mal Priorit&#228;ten   f&#252;r eine zukunftsorientierte Politik.&#8220; Angesichts der avisierten   Weiterf&#252;hrung der Braunkohlef&#246;rderung und der Einstufung der Carbon   Capture und Storage Technologie (CCS) als weiter zu erforschende Option,   erkl&#228;rte BUND-Landesgesch&#228;ftsf&#252;hrer Axel Kruschat: Mit diesen   Festlegungen &#8222;fallen beide Koalitionspartner, sowohl SPD als auch LINKE,   hinter ihren Aussagen im Wahlkampf zur&#252;ck&#8220;. Und Daniel Wucherpfennig von   der DGB-Jugend Berlin\/Brandenburg rechnet vor, dass mit den   Vereinbarungen &#8222;erheblich weniger Ma&#223;nahmemittel f&#252;r die Jugendverb&#228;nde,   die Jugendbildungsst&#228;tten und die freien Tr&#228;ger zur Verf&#252;gung stehen   werden&#8220;.<\/p>\n<p>  Damit sind Proteste von DGB-Jugend, Umweltverb&#228;nden,   Studierendenvertretungen und anderen gegen die neue Regierung in   Brandenburg und folglich auch gegen die Linkspartei programmiert. Also   Proteste von denjenigen, die DIE LINKE eigentlich als B&#252;ndnispartner   versteht und mit denen im Schulterschluss Besch&#228;ftigte, Erwerbslose,   Jugendliche und sozial Benachteiligte gegen Rotstift-Politik mobilisiert   werden m&#252;ssten.<\/p>\n<p>  Wenn der LINKEN Wahlbetrug vorgeworfen wird, wenn Proteste gegen eine   Regierung unter Beteiligung der Linkspartei zu erwarten sind, dann wird   die Partei dar&#252;ber nicht weiter aufbauen k&#246;nnen. Mehr noch. Sie wird   fr&#252;her oder sp&#228;ter Mitglieder, Anh&#228;nger- und W&#228;hlerInnen verlieren.<\/p>\n<h4>  Nachverhandeln? Oder mit der SPD brechen?<\/h4>\n<p>  Die Koalitionsvereinbarungen sind so verheerend, dass es sogar auf der   letzten Sitzung des gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Parteivorstandes im   Karl-Liebknecht-Haus laut und turbulent geworden sein soll. Selbst   Wolfgang Methling, Fraktionsvorsitzender der LINKEN in   Mecklenburg-Vorpommern, dr&#228;ngt auf Nachverhandlungen. Das sei sicher   nicht leicht, &#8222;das wei&#223; ich sehr wohl&#8220;, so der Ex-Umweltminister, &#8222;aber   bedenkt: Es geht um Eure und unsere Glaubw&#252;rdigkeit, auch f&#252;r k&#252;nftige   Wahlk&#228;mpfe.&#8220; Auch der LandessprecherInnenrat von Linksjugend [&quot;solid]   Brandenburg, der ein 20-seitiges Kritikpapier herausgab, fordert mit dem   Bundestagsabgeordneten Wolfgang Neskovic und anderen lediglich   &#8222;Nachverhandlungen&#8220;. Gleichzeitig wird der Verhandlungsgruppe &#8222;das   Vertrauen ausgesprochen und f&#252;r ihre intensive Arbeit gedankt&#8220;.   &#8222;Intensive Arbeit&#8220; woran? Daran, Wahlprogrammpunkte &#252;ber Bord zu werfen?   Es wird nicht einmal benannt, was mit welchem Ziel nachverhandelt werden   soll! Damit h&#228;tte die Verhandlungskommission eine Blankovollmacht,   k&#246;nnte das eine oder andere Komma anders setzen und hiermit problemlos   durchkommen, da die innerparteiliche Opposition sich mit ihrem   inhaltsleeren Antrag politisch selbst entwaffnet hat.<\/p>\n<p>  Auch andere wie die Str&#246;mung &#8222;Sozialistische Linke&#8220; &#228;u&#223;ern sich zwar   sehr kritisch bez&#252;glich der Koalitionsvereinbarungen, fordern jedoch   ebenfalls keine Beendigung dieser Verhandlungen; von einer klaren Absage   an eine Beteiligung in einer SPD-gef&#252;hrten Landesregierung ganz zu   schweigen. Genau das w&#228;re jetzt aber das Gebot der Stunde.<\/p>\n<h4>  Staat auf Regierungsbeteiligung jetzt auf Widerstand setzen!<\/h4>\n<p>  Der Koalitionsvertrag &#8211; wie auch schon der Kurs der Gro&#223;en Koalition &#8211;   beweisen in aller Klarheit, dass die SPD ihren Frieden mit dem System   geschlossen hat. Mit ihr zusammen in der Regierung wird die Linkspartei   niemals den Kampf gegen die Unternehmermacht aufnehmen k&#246;nnen. Eine   Regierung, die nicht willf&#228;hriger Diener von &#8222;denen da oben&#8220; sein   m&#246;chte, m&#252;sste aber unmittelbar einen solchen Konflikt mit dem   Establishment eingehen. Schlie&#223;lich ist jede Regierung, ob im Land oder   im Bund, im Rahmen des Kapitalismus immer Sachverwalter der Banken- und   Konzernbesitzer. Darum gilt: Entweder, sie ger&#228;t direkt in Konfrontation   mit den Herrschenden, oder aber sie erweist sich als St&#252;tze des   bestehenden Systems und bedient Kapitalerinteressen.<\/p>\n<p>  DIE LINKE in Brandenburg steht am Scheideweg. Ihre Aufgabe w&#228;re es   jetzt, deutlich zu machen, dass sie weiter Studiengeb&#252;hren bek&#228;mpft, f&#252;r   den Ausbau statt dem Abbau von Arbeitspl&#228;tzen im &#214;ffentlichen Dienst   eintritt, den Militarismus schw&#228;chen will und zu allem Nein sagt, was   den Klimawandel weiter f&#246;rdert. Sie sollte erkl&#228;ren, dass sie auch   bereit ist, zu regieren &#8211; aber die Beteiligung an einer Regierung   ablehnt, die Verschlechterungen f&#252;r die gro&#223;e Mehrheit der Bev&#246;lkerung   mit sich bringen und mit der die kapitalistische Misere weiter verwaltet   werden soll. Da sich einmal mehr gezeigt, hat, dass von der SPD nichts   anderes zu erwarten ist, bleibt DIE LINKE Opposition und stellt sich auf   die Seite von Gewerkschaften, Umweltverb&#228;nden und sozialen Bewegungen &#8211;   um den Protesten gegen Sozialkahlschlag, Umweltvernichtung und   Kriegspolitik R&#252;ckhalt zu geben und die Partei als soziale und   sozialistische Interessenvertetung weiter aufzubauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      SPD\/LINKE-Koalitionsvertrag bedeutet Fortsetzung der Politik der Gro&#223;en<br \/>\n      Koalition\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13374"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13374"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13374\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}