{"id":13366,"date":"2009-11-02T11:00:00","date_gmt":"2009-11-02T11:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13366"},"modified":"2009-11-02T11:00:00","modified_gmt":"2009-11-02T11:00:00","slug":"13366","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/11\/13366\/","title":{"rendered":"Durch Streik: Erfolg f&#252;r die Geb&#228;udereinigerInnen"},"content":{"rendered":"<p>  Aber es w&#228;re mehr drin gewesen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Knapp eineinhalb Wochen lang streikten die Geb&#228;udereinigerInnen: Seit   20. Oktober streikten bundesweit &#252;ber 7.000 KollegInnen. Nach dem   Spitzengespr&#228;ch am 28.Oktober kam es &#252;berraschend schnell zu   Verhandlungen und einem Ergebnis. <\/p>\n<h4>  <i>von Krischan Friesecke, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Viele der StreikaktivistInnen waren am Donnerstag morgen des 29. Oktober   sichtlich &#252;berrascht, dass die Unternehmerseite eingeknickt ist und die   Verhandlungen aufnahm. Noch &#252;berraschender war es, dass es auch gleich   ein Ergebnis gab. Im Osten werden die L&#246;hne zum 1.01.2010 um 3,8 Prozent   und zum 1.01.2011 um weitere 2,5 Prozent steigen, insgesamt 6,3 Prozent.   Im Westen steigt der Lohn zum 1.1.2010 um 3,1 Prozent und zum 1.10.2011   um 1,8 Prozent, zusammen 4,9 Prozent bei einer Laufzeit von zwei Jahren.<\/p>\n<p>  Damit steigen die Bruttol&#246;hne im Osten um 42 Cent und im Westen um 40   Cent pro Stunde. Diese Erh&#246;hung ist eine Verbesserung, erfolgt aber auf   Basis eines niedrigen Lohnniveaus und bedeutet noch kein Ende von   Niedrigl&#246;hnen in der Branche. Weiterhin ist davon auszugehen, dass es   w&#228;hrend der zweij&#228;hrigen Laufzeit weitere Preissteigerungen und Angriffe   der schwarz-gelben Bundesregierung auf den Lebensstandard   (Kopfpauschale, Mehrwertsteuer, etc.) der KollegInnen geben wird.   Deshalb ist die vereinbarte lange Laufzeit ein gro&#223;er Nachteil.<\/p>\n<p>  Die Gewerkschaft forderte 8,7% mehr Lohn bezogen auf eine einj&#228;hrige   Laufzeit. Die KollegInnen sind mit dem erzielten Ergebnis trotzdem   weitestgehend zufrieden und froh, dass es keine Lohnabsenkung gegeben   hat. Viele KollegInnen wollen in der n&#228;chsten Tarifrunde die 10 Euro pro   Stunde durchsetzen.<\/p>\n<p>  Der Einstieg in die betriebliche Altersvorsorge wurde geschafft: F&#252;r   einhundert Euro, die KollegInnen zur Vorsorge, aufbringen muss der   Unternehmer 23 Euro zusteuern. Das Problem hierbei ist jedoch, dass sich   viele KollegInnen aufgrund der geringen Entlohnung fast gar keine   Altersvorsorge leisten k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Zudem wurde eine, nach solchen Streiks &#252;bliche, Ma&#223;regelungsklausel   vereinbart, der zu folge die Streikenden nach dem Ende des   Arbeitskampfes keine Repressionen in welcher Art auch immer erfahren   d&#252;rfen.<\/p>\n<h4>  W&#228;re mehr drin gewesen?<\/h4>\n<p>  Das Ergebnis ist durchaus positiv, immerhin war es der erste bundesweite   Streik in der Geb&#228;udereinigerbranche &#252;berhaupt, in der der   gewerkschaftliche Organisationsgrad mit 10 Prozent sehr niedrig ist. Der   Streik der Geb&#228;udereinigerInnen zeigt, das es sich lohnt zu k&#228;mpfen und   eine Gewerkschaft im Kampf aufgebaut werden kann.<\/p>\n<p>  Es w&#228;re sehr wahrscheinlich mehr m&#246;glich gewesen, w&#228;re der Streik   ausgeweitet worden. Lothar N&#228;tebusch, Vorsitzender der IG BAU   Berlin-Brandenburg meinte: &quot;Es w&#228;re mehr m&#246;glich gewesen, wenn die, die   noch abseits stehen, noch mitmachen w&#252;rden.&#8220; Eine st&#228;rkere Erh&#246;hung des   gewerkschaftlichen Organisationsgrads w&#228;re drin gewesen, h&#228;tte die IG   BAU die anderen Gewerkschaften, wie ver.di oder die IG Metall st&#228;rker in   die Pflicht genommen, Geb&#228;udereinigerInnen in Betrieben, in denen die IG   BAU bisher keinen Fu&#223; drin hatte, f&#252;r den Streik zu mobilisieren.<\/p>\n<p>  In Berlin gab es gute, oft von den KollegInnen geplante, &#246;ffentliche   Streikaktionen, wie zum Beispiel eine Aktion am Flughafen Sch&#246;nefeld,   bei der ein Flugblatt an die Passagiere verteilt wurde, in dem die   Gr&#252;nde f&#252;r den Streik erkl&#228;rt wurden. Solche Aktionen h&#228;tte es in allen   St&#228;dten geben m&#252;ssen, organisiert zusammen mit Streikunterst&#252;tzerInnen   und anderen Gewerkschaften. Damit h&#228;tte auch der politische Druck noch   weiter gesteigert werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  In Berlin waren t&#228;glich 150 bis 170 KollegInnen im Streik. H&#228;tte es die   IG BAU geschafft, diese Zahl sichtbar zu erh&#246;hen und den Streik l&#228;nger   zu f&#252;hren, dann h&#228;tte die Unternehmerseite bestimmt zu noch gr&#246;&#223;eren   Zugest&#228;ndnissen gezwungen werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend des Streiks kamen die KollegInnen, zumindest in Berlin, zusammen   und diskutierten &#252;ber die n&#228;chsten Schritte und Aktionen. Dar&#252;ber hinaus   w&#228;re es auch n&#246;tig gewesen, dass die KollegInnen auf t&#228;glicher Basis   &#252;ber Ziele und Streikstrategie diskutiert und das Geschehen bestimmt   h&#228;tten. Das wurde durch die &#8222;Flexi-Streiktaktik&#8220; erschwert, da die   KollegInnen unregelm&#228;&#223;ig am Streik beteiligt wurden.<\/p>\n<h4>  Gro&#223;e Solidarit&#228;t<\/h4>\n<p>  Die Solidarit&#228;t, die die Streikenden erfuhren, reichte von Sch&#252;lerInnen   &#252;ber Studierende bis hin zu Besch&#228;ftigten der Auftraggeber. So sammelten   KollegInnen der BSR (Berliner Stadtreinigung) &#252;ber zweitausend   Unterst&#252;tzerunterschriften auf einer Betriebsversammlung. KollegInnen   der Technischen Universit&#228;t waren den ganzen Streik lang solidarisch,   auch wenn die Geb&#228;ude nach sehr kurzer Zeit saum&#228;&#223;ig aussahen. Ein IG   Metall-Betriebsrat im Berliner Daimler-Werk konnte sechs der dort   t&#228;tigen Geb&#228;udereiniger f&#252;r die IG BAU gewinnen.<\/p>\n<p>  Welches Potenzial und Dynamik der Streik hatte, zeigt sich in der   Begeisterung der KollegInnen und der Masse der Neueintritte in die   Gewerkschaft, die oft ohne gro&#223;e Diskussion zustande kamen. Jetzt muss   die Gewerkschaft weiter gest&#228;rkt werden. Viele KollegInnen, die bisher   noch nicht Mitglied sind, werden jetzt f&#252;r die Gewerkschaft empf&#228;nglich   sein. Es gilt jetzt in die Betriebe und Objekte zu gehen und mit den   KollegInnen zu sprechen und Ihnen zu zeigen, welche Kraft sie vereint   haben.<\/p>\n<h4>  &#8222;Wir kommen wieder!&#8220;<\/h4>\n<p>  Ein wichtiges Thema bei den Streikenden war die schwarz-gelbe   Bundesregierung, weitere Angriffe auf das Sozialsystem und ob das   Tarifergebnis wieder f&#252;r allgemeinverbindlich erkl&#228;rt wird. Ein Kollege   meinte: &quot;Wenn die Regierung sich weigert, den Mindestlohn   allgemeinverbindlich zu erkl&#228;ren, sehen sie uns schnell wieder auf der   Stra&#223;e.&quot; Auch ist den Kolleginnen bewusst, dass sie ein Vorbild f&#252;r   viele andere Besch&#228;ftigte im Niedriglohnsektor sind. Die   Geb&#228;udereinigerInnen sind die ersten, die gewagt haben zu streiken &#8211; und   sie haben den Kampf f&#252;r sich entschieden. Angelika Walle,   Geb&#228;udereinigerin, die vor&#252;bergehend gek&#252;ndigt und dann wieder   eingestellt wurde, meinte einen Tag nach Streikende: &#8222;Wir haben   angefangen, jetzt m&#252;ssen die Leute aus dem Wachschutz nachziehen.&#8220;<\/p>\n<p>  W&#228;hrend des Streiks haben viele KollegInnen erkannt, dass es auch im   Betriebsalltag nicht so weiter gehen kann wie bisher. Vorgesetzte, die   sich auff&#252;hren als wenn sie &#252;ber jedem Gesetz st&#252;nden und Betriebsr&#228;te,   die eher die Interessen des Unternehmers als die der Besch&#228;ftigten   verteidigen, wollen Sie nicht mehr hinnehmen. Viele KollegInnen werden   auf betrieblicher Ebene weiter k&#228;mpfen. Bald stehen einige   Betriebsratswahlen in der Branche an, zu denen k&#228;mpferische   AktivistInnen des Streiks antreten werden. Diese KollegInnen werden von   der Gewerkschaft unterst&#252;tzt werden m&#252;ssen, damit sich in den Betrieben   einiges mehr &#228;ndert als nur der Lohn.<\/p>\n<h5>  <i>Krischan Friesecke, erwerbloser Geb&#228;udereiniger und Mitglied der SAV,   war von Anfang an aktiv beim Streik dabei und leistete wichtige   Unterst&#252;tzungsarbeit.<\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Aber es w&#228;re mehr drin gewesen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13366"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13366"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13366\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}