{"id":13361,"date":"2009-10-31T00:00:00","date_gmt":"2009-10-30T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13361"},"modified":"2012-05-15T15:07:08","modified_gmt":"2012-05-15T13:07:08","slug":"13361","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/10\/13361\/","title":{"rendered":"LINKE in den Widerstand!"},"content":{"rendered":"<p>  Weiterer Aufbau der Linkspartei nicht an der Seite von Rot-Gr&#252;n, sondern   nur an der Seite von Besch&#228;ftigten und Erwerbslosen m&#246;glich<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Mit dem Wahlergebnis von 11,9 Prozent hat DIE LINKE ihr Ziel von &#8222;zehn   plus x&#8220; erreicht. Es ist gut, dass die Linkspartei gest&#228;rkt aus der   Bundestagswahl hervorgegangen ist. Wichtig, um dieses Ergebnis zu   erreichen, waren die klaren Aussagen, zum Beispiel auf den Plakaten,   gegen die Rente mit 67 oder gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan.   Viele Menschen haben der LINKEN ihre Stimme gegeben, weil sie die   einzige Partei ist, die auf Bundesebene in Opposition zum Konsens der   etablierten Parteien steht. Gerade AktivistInnen in den Gewerkschaften   und Betrieben verbinden damit die Hoffnung, dass mit dem Einzug einer   starken LINKEN in den Bundestag der Widerstand gegen die kommenden   Sozialk&#252;rzungen R&#252;ckhalt bekommt. H&#228;tte die LINKE-F&#252;hrung noch klarer   eine Alternative zum kapitalistischen Krisenmanagement aufgezeigt, h&#228;tte   sie aber noch mehr rausholen k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  <i>von Angelika Teweleit, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Die gr&#246;&#223;te &#8222;Partei&#8220; in der Gesamtw&#228;hlerschaft ist die Partei der   Nichtw&#228;hlerInnen geworden. Warum konnte die Linkspartei davon nicht   st&#228;rker profitieren? Au&#223;erdem stellt sich die Frage, warum der LINKEN   (die unterm Strich eine Million Stimmen hinzugewonnen hat) insgesamt   350.000 W&#228;hlerInnen, die sie vor vier Jahren gew&#228;hlt hatten, nicht noch   mal die Stimme gegeben haben.<\/p>\n<h4>  Linkes Korrektiv in der Opposition?<\/h4>\n<p>  Wenn man die &#196;u&#223;erungen f&#252;hrender LINKE-Politiker zur Rolle der Partei   f&#252;r die n&#228;chste Phase betrachtet, ist Skepsis angebracht. So gab   Fraktionschef Gregor Gysi am Wahlabend die Losung aus, jetzt gemeinsam   Opposition mit SPD und Gr&#252;nen zu machen. DIE LINKE sei dabei das &#8222;linke   Korrektiv&#8220;. Die Rolle der LINKEN sei mal wichtiger und mal weniger   wichtig. Seine Aussage lie&#223; darauf schlie&#223;en, dass Gysi meint: Wenn sich   die SPD &#8222;re-sozialdemokratisiert&#8220;, dann ist die Rolle der LINKEN nicht   mehr so relevant.<\/p>\n<p>  Es ist befremdlich, wie die F&#252;hrung der LINKEN offenbar Hoffnungen in   die Partei setzt, die in den Augen von Millionen von ArbeiterInnen,   Erwerbslosen und vor allem Jugendlichen aus gutem Grund jegliche   Glaubw&#252;rdigkeit verloren hat. Auch mit neuen Gesichtern in der F&#252;hrung   (ob Sigmar Gabriel, Andrea Nahles oder Klaus Wowereit) wird das am   grunds&#228;tzlichen Charakter der Partei nichts &#228;ndern. Weder Andrea Nahles   noch Sigmar Gabriel stehen f&#252;r einen kompletten Bruch mit der   Agenda-2010-Politik. Und ein Klaus Wowereit steht in Berlin einem Senat   vor, der sich f&#252;r Sozialkahlschlag verantwortlich zeichnet.<\/p>\n<p>  Und auch die Gr&#252;nen sind verantwortlich f&#252;r Hartz IV und die Entsendung   der Bundeswehr ins Ausland. Anstatt sich an die Rockzipfel der   Agenda-Parteien zu h&#228;ngen und auf deren Wandlung zu hoffen und die Rolle   der LINKEN auf ein &#8222;linkes Korrektiv&#8220; festzulegen, muss es jetzt darum   gehen, die Chance der LINKEN zu nutzen und sie zu einer k&#228;mpferischen   und sozialistischen Kraft aufzubauen.<\/p>\n<h4>  Orientierung auf Regierungsbeteiligung?<\/h4>\n<p>  Das eigentliche Ziel der F&#252;hrungsriege in der LINKEN wird immer   deutlicher. Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine sagte kurz nach   der Wahl, es ginge vor allem darum, in Th&#252;ringen, Brandenburg, Saarland   und 2010 auch in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit SPD und Gr&#252;nen die   Regierung zu bilden. Dies begr&#252;ndete er mit der schwarz-gelben Mehrheit   im Bundesrat, die &#8222;ins Zentrum der Aufmerksamkeit r&#252;cken wird&#8220;. Was   jetzt von der schwarz-gelben Regierung an massiven Angriffen ohne jeden   Zweifel kommen wird, l&#228;sst sich aber nicht prim&#228;r &#252;ber den Bundesrat   bek&#228;mpfen. Notwendig ist der geballte Widerstand in den Betrieben,   Universit&#228;ten, Schulen und auf der Stra&#223;e.<\/p>\n<p>  Zweifellos gibt es in Teilen der Arbeiterklasse Illusionen in   rot-rot-gr&#252;ne Koalitionen. Davor muss trotzdem in aller Sch&#228;rfe gewarnt   werden. Jegliche Beteiligung an Landesregierungen mit SPD oder Gr&#252;nen   wird DIE LINKE unglaubw&#252;rdig machen, weil sie in der Praxis etwas   anderes tut, als in ihrem Programm steht.<\/p>\n<p>  Schon in den letzten Jahren hat sich DIE LINKE mit ihrer   Regierungsbeteiligung in Berlin auf die andere Seite gestellt, indem sie   unter anderem beim Absenkungstarifvertrag f&#252;r die Landesbesch&#228;ftigten   mitgemischt hat.<\/p>\n<p>  Es ist zu erwarten, dass es in L&#228;ndern und Kommunen angesichts der   Wirtschafts- und Finanzmisere zu K&#252;rzungsorgien kommt. Alle Regierungen   werden dem enormen Druck des Kapitals ausgesetzt sein und sich   entscheiden m&#252;ssen, auf welcher Seite sie stehen. Wie sich Rot-Gr&#252;n   verh&#228;lt, ist eindeutig. Wenn sich DIE LINKE an dieser K&#252;rzungspolitik   beteiligt, wird sie massenhaft die betroffenen KollegInnen,   Erwerbslosen, Jugendlichen gegen sich aufbringen, anstatt sie zu   gewinnen.<\/p>\n<p>  Lafontaine und Gysi tr&#228;umen aber nicht nur von Landesregierungen. Es   geht vor allem darum, sich auch f&#252;r die Beteiligung an der n&#228;chsten   Bundesregierung schon jetzt der SPD anzudienen. Daher wurde auch in den   letzten Wochen des Wahlkampfes nicht mehr vom &#8222;sofortigen&#8220; Abzug der   Truppen aus Afghanistan geredet, sondern nur noch vom   &#8222;schnellstm&#246;glichen&#8220; (so Bundesgesch&#228;ftsf&#252;hrer Dietmar Bartsch zum   Beispiel).<\/p>\n<h4>  Ran an die K&#228;mpfe<\/h4>\n<p>  Der eingeschlagene Kurs der F&#252;hrung birgt nicht nur die Gefahr einer   Entt&#228;uschung vieler Menschen, sondern auch der Schw&#228;chung des   Widerstands. Es ist dringend notwendig, dass von der Basis der Partei   immer wieder vor den Folgen dieser Politik gewarnt wird. Es ist n&#246;tig,   den Kampf f&#252;r einen Kurswechsel aufzunehmen.<\/p>\n<p>  Das hei&#223;t, sich daf&#252;r einzusetzen, dass die Partei jetzt zu einem   Kristallisationspunkt f&#252;r die Organisierung von Widerstand wird. DIE   LINKE k&#246;nnte zum Beispiel eine wichtige Rolle dabei spielen, die   Forderung nach einem eint&#228;gigen Generalstreik in die Diskussion zu   bringen.<\/p>\n<h4>  F&#252;r einen antikapitalistischen Kurs<\/h4>\n<p>  Zu jeder Belegschaft, die sich gegen Lohnverzicht oder Entlassungen   wehrt, muss DIE LINKE hingehen und den Kampf unterst&#252;tzen. Dabei ist es   vor allem erforderlich, programmatische Antworten zu geben: Wie k&#246;nnen   die Arbeitspl&#228;tze erhalten werden? Hier ist Mitarbeiterbeteiligung keine   L&#246;sung. Es f&#252;hrt kein Weg daran vorbei, die Eigentumsfrage aufzuwerfen   und die Verstaatlichung unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung   der arbeitenden Bev&#246;lkerung zu fordern.<\/p>\n<p>  Eine solche Programmatik wirft auch die Systemfrage auf. Dann werden   etablierte Parteien in der LINKEN nat&#252;rlich keinen m&#246;glichen   Koalitionspartner mehr sehen. Aber daf&#252;r wird sich zeigen, dass nur mit   einer solchen Ausrichtung und mit der Perspektive einer sozialistischen   Ver&#228;nderung der Gesellschaft ein konsequenter Kampf gegen das Abladen   der kapitalistischen Krise auf die Arbeiterklasse m&#246;glich ist.<\/p>\n<p>  DIE LINKE sollte nun alles daran setzen, den Widerstand &#8211; gegen Sozial-   und Arbeitsplatzabbau &#8211; mit aufzubauen. Dabei sollte sie auch die SPD   herausfordern. Wenn die Linkspartei aktiv Gegenwehr mit organisiert, f&#252;r   antikapitalistische Forderungen streitet und den Konflikt mit den   Herrschenden zum Erhalt von Arbeitspl&#228;tzen oder Jugendclubs eingeht &#8211;   kann sie auch langj&#228;hrige SPD-W&#228;hler- und Anh&#228;ngerInnen ansprechen und   perspektivisch gewinnen.<\/p>\n<h4>  Linkspartei kann weiter wachsen &#8211; mit k&#228;mpferischer Politik<\/h4>\n<p>  Die Partei DIE LINKE steht an einem Scheideweg: Entweder sie passt sich   den &#8222;Sachzw&#228;ngen&#8220; an und landet m&#246;glicherweise, durch eine Anbiederung   an die SPD, an den Tr&#246;gen der Macht. Das w&#252;rde bedeuten, dass sie schon   bald einen schmerzhaften Einbruch an Unterst&#252;tzung erfahren m&#252;sste. So   halbierten sich die Stimmergebnisse der PDS in Berlin und   Mecklenburg-Vorpommern nach einer Legislaturperiode als Juniorpartner   einer SPD-gef&#252;hrten Regierung.<\/p>\n<p>  Oder aber die Linkspartei nimmt ihre eigenen programmatischen Aussagen   ernst. Dann w&#228;re konsequente Opposition und Aufbau von Widerstand   angesagt. Sollte DIE LINKE diesen Weg einschlagen, k&#246;nnte sie in der   kommenden Zeit massiv an Unterst&#252;tzung gewinnen. Tausende, ja   Zehntausende von ArbeiterInnen und Jugendlichen, die in K&#228;mpfen die   aktive Unterst&#252;tzung der LINKEN erfahren und von der Partei nach vorne   weisende Vorschl&#228;ge erhalten, k&#246;nnten eine Perspektive darin sehen, DIE   LINKE als neue politische Interessenvertretung aufzubauen. So wie die   SPD ihre Stimmergebnisse seit 1998 halbiert hat, weil sich immer mehr   ArbeiterInnen von ihr abwendeten, so w&#228;re es f&#252;r DIE LINKE m&#246;glich, ihre   Wahlergebnisse und Mitgliederzahlen mehr als zu verdoppeln.<\/p>\n<p>  Um dieser Option eine Chance zu geben, m&#252;ssen sich jetzt alle, die f&#252;r   eine k&#228;mpferische, sozialistische Ausrichtung stehen, in der Partei zu   Wort melden. Die SAV wird sich in der LINKEN und bei Linksjugend   [&#8216;solid] f&#252;r eine solche Politik einsetzen.<\/p>\n<h5>  Angelika Teweleit ist Mitglied der SAV-Bundesleitung<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Weiterer Aufbau der Linkspartei nicht an der Seite von Rot-Gr&#252;n, sondern<br \/>\n      nur an der Seite von Besch&#228;ftigten und Erwerbslosen m&#246;glich\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[218],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13361"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13361"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13361\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13361"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13361"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13361"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}