{"id":13359,"date":"2009-10-30T14:00:00","date_gmt":"2009-10-30T14:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13359"},"modified":"2009-10-30T14:00:00","modified_gmt":"2009-10-30T14:00:00","slug":"13359","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/10\/13359\/","title":{"rendered":"Sichtbar geworden"},"content":{"rendered":"<p>  Lohnplus f&#252;r Geb&#228;udereiniger<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Sie waren denkbar schlecht, die Ausgangsbedingungen f&#252;r die IG   Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) im Tarifkonflikt der Geb&#228;udereiniger.<\/p>\n<h4>  <i>von Daniel Behruzi<\/i><\/h4>\n<\/p>\n<p>  Von den nach Unternehmerangaben rund 860000 Besch&#228;ftigten waren vor der   Auseinandersetzung nur etwa 57000 gewerkschaftlich organisiert. Die   Branche ist durch prek&#228;re Arbeitsverh&#228;ltnisse gepr&#228;gt: Mehr als die   H&#228;lfte putzt in Minijobs, 75 Prozent erhalten nicht mehr als den   Mindestlohn. Darunter zu leiden haben vor allem Ausl&#228;nder und Frauen &#8211;   die etwa zwei Drittel der Besch&#228;ftigten stellen. Doch ein bedeutender   Teil von ihnen hat seine Situation nicht einfach weiter ertragen,   sondern sich gewehrt.<\/p>\n<p>  Und das mitten in der gr&#246;&#223;ten Wirtschaftskrise seit acht Jahrzehnten.   &#187;Eine Krise ist f&#252;r die Gewerkschaften nie der Fanfarensto&#223; f&#252;r Erfolge   an der Entgeltfront&#171;, hat IG-Metall-Chef Berthold Huber noch vor wenigen   Tagen in der Stuttgarter Zeitung erkl&#228;rt. Deshalb werde seine   Organisation in der kommenden Tarifrunde &#187;keine gro&#223;en   Entgeltforderungen&#171; stellen. Die immer noch gr&#246;&#223;te Einzelgewerkschaft   der Welt, von deren Organisationsgrad die IG BAU in der   Reinigungsbranche nur tr&#228;umen kann, sollte sich an den Putzfrauen ein   Beispiel nehmen. Sie haben gezeigt, da&#223; der Weg zu kampflosem Verzicht   auch in der Krise nicht vorgezeichnet ist.<\/p>\n<p>  Sicher, materiell ist der Tarif&#173;abschlu&#223; kein Durchbruch. Die sieben   Euro pro Stunde im Osten und 8,55 Euro in Westdeutschland, die ab 2011   f&#252;r diese k&#246;rperlich extrem anstrengende Arbeit gezahlt werden, sind   weiterhin unmenschlich. Dennoch kann die Bedeutung dieses Arbeitskampfes   kaum hoch genug eingesch&#228;tzt werden. Viele Frauen, die in den Ausstand   getreten sind, hat sich zum ersten Mal in ihrem Leben kollektiv zur Wehr   gesetzt. Sie haben die Erfahrung gemacht, da&#223; sie etwas erreichen   k&#246;nnen, wenn sie sich zusammentun, sich organisieren und f&#252;reinander   einsetzen. Sie haben erlebt, da&#223; sie nicht wehrlos sind. Das so   gewonnene Selbstbewu&#223;tsein ist eine gute Grundlage, auf der die IG BAU   aufbauen kann. Und auch f&#252;r andere Gruppen prek&#228;r Besch&#228;ftigter, zum   Beispiel das Bewachungsgewerbe, ist der Erfolg der Reinigungskr&#228;fte eine   Ermutigung.<\/p>\n<p>  Die IG BAU hat es geschafft, die im Alltag &#187;unsichtbaren&#171; Putzfrauen   sichtbar zu machen. Die Unterst&#252;tzung weiter Teile der &#214;ffentlichkeit   f&#252;r die Anliegen der Streikenden hat eine entscheidende Rolle im   Arbeitskampf gespielt. Daraus sollten alle Gewerkschaften Lehren ziehen.   Manchmal ist es nicht der &#246;konomische Schaden, sondern der &#246;ffentliche,   der die Gegenseite zu Zugest&#228;ndnissen zwingen kann. Entsprechend tun die   Gewerkschaften gut daran, gesellschaftliche B&#252;ndnisse einzugehen und   Tarifkonflikte mit &#246;ffentlichkeitswirksamen Aktionen zu begleiten. Das   k&#246;nnte auch f&#252;r ver.di in der anstehenden Tarifrunde des &#246;ffentlichen   Dienstes entscheidend sein.<\/p>\n<h5>  <i> <\/i>    <\/h5>\n<h5>  <i>Der Artikel erschien zuerst in der jungen Welt von heute.<\/i><\/h5><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Lohnplus f&#252;r Geb&#228;udereiniger\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13359"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13359"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13359\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13359"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13359"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13359"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}