{"id":13352,"date":"2009-10-26T15:00:00","date_gmt":"2009-10-26T15:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13352"},"modified":"2009-10-26T15:00:00","modified_gmt":"2009-10-26T15:00:00","slug":"13352","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/10\/13352\/","title":{"rendered":"Diese L&#246;hne stinken zum Himmel!"},"content":{"rendered":"<p>  Erster bundesweiter Streik der Geb&#228;udereinigerInnen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Seit dem 1. Oktober organisierte die IG BAU Warnstreiks in der   Reinigungsbranche. Gefordert werden 8,7 Prozent mehr Lohn, die   Angleichung der L&#246;hne von Ost auf Westniveau und der Einstieg der   Unternehmer in die betriebliche Altersvorsorge Am 14.Oktober endete die   Urabstimmung mit einem Ergebnis von 96,7 Prozent f&#252;r Streik. Damit   begann der erste bundesweite Streik der Geb&#228;udereinigerInnen &#8211; beim   bundesweiten Streikauftakt in Berlin waren 200 Kolleginnen und   Unterst&#252;tzer dabei.<\/p>\n<h4>  <i>von Krischan Friesecke, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Seit dem 20. Oktober laufen die Streiks im gesamten Bundesgebiet, den   Auftakt legte Berlin mit einer Streikkundgebung an der Technischen   Universit&#228;t hin. In den Reden von Gewerkschaftern und Unterst&#252;tzern   wurde auf den immer weiter steigenden Arbeitsdruck in der Branche und   die, trotz Krise, steigenden Gewinne hingewiesen. Denn allein im   Krisenjahr 2008 stiegen die Gewinne um 3,1 Prozent. Allein das   Unternehmen Dussmann Service Deutschland kann f&#252;r 2008 einen   Gewinnzuwachs von 15,3 Prozent auf 19,3 Millionen Euro verbuchen.   M&#246;glich wird das durch maximales Auspressen der KollegInnen. Seit Jahren   geht der Trend zu immer mehr Reinigungsfl&#228;che bei immer weniger Zeit. So   meinte eine Geb&#228;udereinigerin in Berlin: <i>&#8222;Dass man mehr Zeit   investieren muss, wie die einen bezahlen ist von Vornherein eingeplant.   Die kalkulieren das dann so knapp, die wissen, dass wir mit der Zeit   nicht hinkommen.&#8220;<\/i> Auf diese Art wird der bisher gesetzliche   Mindestlohn von 8,15&#8364; unterboten, auf dem R&#252;cken der Besch&#228;ftigten.   Oftmals sind die KollegInnen gezwungen, ihren Lohn durch Hartz IV   aufstocken zu lassen, weil das Geld zum Leben nicht reicht. Was dann bei   der Rente rumkommen soll, erkl&#228;rte Angelika Walle, Geb&#228;udereinigerin wie   folgt: <i>&#8222;Dann m&#252;ssen wir wirklich betteln gehen, oder man stirbt   vorher.&#8220;<\/i> Deshalb ist die Forderung der IG BAU nach einer   betrieblichen Altersvorsorge, finanziert durch die Unternehmer, ein   extrem wichtiger Punkt f&#252;r die Zukunft der KollegInnen. Denn kaum einE   KollegIn kann sich eine private Altersvorsorge leisten, Angelika Walle   musste Anfang des Jahres Ihre Vorsorge k&#252;ndigen, da sie die 30 Euro pro   Monat nicht mehr abzweigen konnte.<\/p>\n<p>  Und selbst die geforderten 8,7 Prozent Lohnerh&#246;hung sind noch zahm, das   sind gerade mal 71 Cent mehr pro Stunde. Die Unternehmerseite bieten 3,4   Prozent bei zwei Jahren Laufzeit, das sind aufs Jahr gerechnet   l&#228;cherliche 1,8 Prozent West und 2,1 Prozent Ost. Mirko Hawigshorst   meint zu den angebotenen 24 Cent: <i>&#8222;Das ist gerade mal ein   angebissenes Br&#246;tchen, was den KollegInnen da angeboten wird.<\/i>&#8220;<\/p>\n<h4>  Reaktion und Solidarit&#228;t<\/h4>\n<p>  Nat&#252;rlich blieben die Streikaktionen nicht ohne Reaktion der   Unternehmer. Sofort nach Beginn der Aktionen griff die Berliner Firma   AGG das Streikrecht an. So wurde die Kollegin Angelika Walle gek&#252;ndigt,   nachdem Sie sich an einem Warnstreik beteiligt hatte. Zwar wurde die   K&#252;ndigung vom Gericht per einstweiliger Verf&#252;gung wieder kassiert, aber   die Angriffe gehen weiter. So wurde ein Kollege, der am Warnstreik   teilnahm, strafversetzt. Trotzdem gibt er nicht auf: <i>&#8222;Wenn ich ein   Zimmer tapeziere, h&#246;r ich ja auch nicht bei der H&#228;lfte auf.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  Zudem setzen die Unternehmer massiv auf Streikbrecher. So engagierte   Gegenbauer 15 Leiharbeit-er, die allerdings unverrichteter Dinge wieder   abzogen. Studierende der TU, die sich solidarisierten, hatten kurzerhand   den Putzmittelraum blockiert. Ein anderes Mal machten Streikende und   Studenten die Arbeit von Streikbrechern der Firma AGG zunichte.   Zweidutzend volle M&#252;lls&#228;cke wurden in ein Objekt zur&#252;ckgebracht und im   Geb&#228;ude entleert. Nachdem Streikaktivisten den Besch&#228;ftigten der TU den   Zusammenhang erkl&#228;rten zeigten sich diese, trotz M&#252;ll auf den G&#228;ngen,   weiterhin solidarisch. Gerade die Solidarit&#228;t und Unterst&#252;tzung von   Besch&#228;ftigten, Studenten und Sch&#252;lern ist f&#252;r diesen Kampf unermesslich   wichtig. An den Streikaktivit&#228;ten nehmen immer wieder Mitglieder von   Linksjugend[&quot;solid] und dem SDS teil und unterst&#252;tzen die Streikenden   bei Protesten wie der Flashmobaktion &#8222;Aufstand der Unsichtbaren&#8220;.   Besch&#228;ftigte der Berliner Stadtreinigung sammelten &#252;ber 800   Unterst&#252;tzerunterschriften f&#252;r &#8222;ihre&#8220; Geb&#228;udereinigerInnen.<\/p>\n<p>  Die n&#228;chste Unversch&#228;mtheit, die sich die Untenehmerseite erlaubt, zielt   direkt auf die IG BAU. So behauptet der Arbeitgeberverband, die IG BAU   h&#228;tte mit der K&#252;ndigung des Tarifvertrages dem Lohndumping T&#252;r und Tor   ge&#246;ffnet, da jetzt Unternehmen L&#246;hne unter dem bisherigen Mindestlohn   vereinbaren w&#252;rden. Dabei hatte die IG BAU sechs ergebnislose   Verhandlungsrunden gewartet, bevor es zur K&#252;ndigung des Tarifvertrages   kam. Zweitens haben Unternehmer nur darauf gewartet, dass der   Mindestlohn weg f&#228;llt. So hat das Unternehmen Peter Schneider aus   Hannover den Wegfall des Mindestlohns schon vor der   Tarifvertragsk&#252;ndigung einkalkuliert. In den Arbeitsvertr&#228;gen dieses   Unternehmens gibt es eine Klausel, die besagt, wenn der Mindestlohn   f&#228;llt sinkt der Stundenlohn auf 6,50 Euro West und 5 Euro Ost &#8211; und das   Brutto. Richtig zynisch wird es, wenn der Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Maik Peter   Schneider selbst zu gibt, das man von den von Ihm angebotenen L&#246;hnen   nicht leben kann (Frontal 21 Bericht).<\/p>\n<p>  Mittlerweile ziehen einige Firmen nach und bieten neu eingestellten   KollegInnen L&#246;hne deutlich unter 8,15 Euro, teils bis zur Grenze der   Sittenwidrigkeit.<\/p>\n<p>  Trotz der Angriffe sind die KollegInnen weiter zuversichtlich und halten   durch. Best&#228;rkt wurden sie abermals am Freitag auf dem Flughafen   Berlin-Sch&#246;nefeld. Dort streikten 15 KollegInnen der Terminalreinigung   und bekamen Unterst&#252;tzung von 60 Streikenden aus Berlin. Von   Angestellten des Flughafens, dem Sicherheitspersonal und nat&#252;rlich den   Flugg&#228;sten kamen nur positive &#196;u&#223;erungen, jede\/r hatte Verst&#228;ndnis f&#252;r   die KollegInnen. Zudem verteilten die KollegInnen noch eine   &#8222;Flughafeninformation&#8220; darin hei&#223;t es: <i>&#8222;Dies ist ein   Warnhinweis! Flughafen-Information , Bitte bringen Sie zu Ihrem Flug   unbedingt Folgendes mit:<\/i><\/p>\n<p>  <i>Handfeger und Kehrschaufel <\/i><\/p>\n<p>  <i>Eimer mit Wischlappen <\/i><\/p>\n<p>  <i>geeignetes Reinigungs- und Desinfektionsmittel.<\/i><\/p>\n<p>  <i>Wenn Sie einen sauberen Flughafen haben wollen, m&#252;ssen Sie selbst   daf&#252;r sorgen. Sollten Sie dazu nicht in der Lage sein, k&#246;nnten nat&#252;rlich   auch Familienangeh&#246;rige oder Freunde die Reinigung &#252;bernehmen&#8230; oder   Sie schrauben Ihre hygienischen Anspr&#252;che herunter. Wir bitten um Ihr   Verst&#228;ndnis!&#8220;<\/i><\/p>\n<h4>  Der Kampf geht weiter<\/h4>\n<p>  Um den Arbeitskampf zu gewinnen muss die IG BAU den Druck auf die   Unternehmerseite weiter verst&#228;rken. Die Streiks m&#252;ssen ausgeweitet, und   die &#246;ffentlichkeitswirksamen Aktionen bunt und kreativ weitergef&#252;hrt   werden, da gibt es noch sehr viel Potenzial. Vor allem aber muss der   Kreis der Unterst&#252;tzer weiter ausgebaut werden und verschiedene K&#228;mpfe   miteinander verbunden werden. In Berlin l&#228;uft zeitgleich die Tarifrunde   im &#214;ffentlichen Dienst und die KollegInnen des Rundfunk   Berlin-Brandenburg haben mit Warnstreiks begonnen &#8211; es darf nicht jedeR   f&#252;r sich k&#228;mpfen, sondern gemeinsame Aktionen sind n&#246;tig um den Druck   auf das ganze Arbeitgeberlager zu steigern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Erster bundesweiter Streik der Geb&#228;udereinigerInnen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13352"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13352"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13352\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13352"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13352"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13352"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}