{"id":13343,"date":"2009-10-14T00:00:00","date_gmt":"2009-10-13T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13343"},"modified":"2012-07-02T18:52:21","modified_gmt":"2012-07-02T16:52:21","slug":"13343","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/10\/13343\/","title":{"rendered":"Wahlen in Griechenland"},"content":{"rendered":"<p>  KO f&#252;r Karamanlis<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am 4. Oktober 2009 fanden in Griechenland vorgezogene Parlamentswahlen   statt. Die konservative bisherige Regierungspartei Neue Demokratie (ND)   unter Kostas Karamanlis wollte vom Volk ein Mandat f&#252;r ihre Sparpolitik   und erlitt die schwerste Niederlage ihrer Geschichte. Sie erreichte nur   noch 34 Prozent (-8 Prozentpunkte). <\/p>\n<h4>  <i>von Hubert Sch&#246;nthaler, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Die oppositionellen Sozialdemokraten der PASOK unter Jorgos Papandreou   konnten mit 44 Prozent (+ 6 Prozentpunkte) stark zulegen und gewannen   die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament (ca. 160 von 300) und   k&#246;nnen nun eine Alleinregierung bilden. Die linken Parteien, die   Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) mit knapp 8 Prozent und das   B&#252;ndnis der Radikalen Linken (SYRIZA) mit 4,6 Prozent erlitten leichte   Verluste. Die Gr&#252;nen konnten mit 2,5 Prozent die Drei-Prozent-H&#252;rde   nicht &#252;berwinden und schafften somit nicht den Sprung ins Parlament. Am   rechten Rand konnte die V&#246;lkische Orthodoxe Sammlungsbewegung (LAOS)   leicht zulegen und wurde mit 5 Prozent viertst&#228;rkste Partei.<\/p>\n<h4>  Gesellschaftlicher Hintergrund<\/h4>\n<p>  Die Wahlen fanden vor dem Hintergrund der schwersten Wirtschafts- und   Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg statt. B&#252;rgerliche Experten   rechnen bis Jahresende mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit von 8,9   Prozent auf mindestens 11 Prozent und bis Ende 2010 sogar auf weit &#252;ber   15 Prozent (TAZ, 6.10.2009). Bereits jetzt k&#246;nnen 23 Prozent der   GriechInnen ihre Rechnungen nicht bezahlen, fahren nicht in Urlaub und   essen selten Fleisch (Kathimerini, 19.5.2009). EineR von f&#252;nf   GriechInnen lebt unter der Armutsgrenze, die f&#252;r eine vierk&#246;pfige   Familie 918.- Euro betr&#228;gt.<\/p>\n<p>  Die junge Generation arbeitet f&#252;r 400 bis 500.- Euro monatlich in   prek&#228;rer Besch&#228;ftigung ohne elementare Rechte auf Sozialversicherung.<\/p>\n<p>  Die staatliche Sparpolitik dauert nun schon 25 Jahre, seien nun   Konservative oder Sozialdemokraten an der Regierung. Trotz des st&#228;ndigen   Geredes von leeren Staatskassen erhalten die Banken von Karamanlis 28   Mrd. Euro bei Gewinnen von 1,5 Mrd. Euro seit Jahresbeginn.<\/p>\n<h4>  Die gro&#223;en Parteien des Kapitals<\/h4>\n<p>  Als Antwort auf die Krise hatten die gro&#223;en Parteien unterschiedliche   Konzepte vertreten. Die ND war ehrlich und k&#252;ndigte harte Sparma&#223;nahmen   an (z.B. Lohnstopp im &#214;ffentlichen Dienst und Streichungen im   Staatshaushalt). Dagegen versprach die PASOK die Ankurbelung der   Wirtschaft durch Konjunkturprogramme, die Heraufsetzung des   Spitzensteuersatzes, die st&#228;rkere Besteuerung von Kapitalertr&#228;gen und   Dividenden (KStA, 6.9.2009) sowie eine &#246;kologische Politik.<\/p>\n<p>  Unter anderem durch die Medienunterst&#252;tzung konnte die PASOK gewisse   Erwartungen in sich wecken. Die Menschen wollten einfach die   gegenw&#228;rtige ND-Regierung loswerden. Doch die Politik der PASOK in   Zukunft wird ebenso volksfeindlich sein wie die bisherige der   Konservativen. So schreibt auch die TAZ: &#8222;Die ersten hundert Tage der   neuen Regierung werden also ein b&#246;ses Erwachen bringen.&#8220;<\/p>\n<p>  Obwohl die Summe der Stimmen f&#252;r die beiden gro&#223;en Parteien, die seit   der Etablierung der b&#252;rgerlichen-parlamentarischen Demokratie nach dem   Ende der faschistischen Milit&#228;rdiktaktur 1974 sich mit absoluten   Mehrheiten abwechseln, nicht sehr gesunken ist, sprechen griechische   Zeitungen von einem &#8222;historischen Tiefstand&#8220; (Ethnos, 5.9.2009) und von   einem &#8222;R&#252;ckzug des Zweiparteiensystems&#8220;. F&#252;r deutsche Verh&#228;ltnisse ist   das Zweiparteiensystem in Griechenland mit zusammen 78 Prozent noch   recht stabil. Tatsache ist, dass die griechischen Linksparteien die   Dominanz der beiden Hauptparteien des Kapitals nicht durchbrechen   konnten.<\/p>\n<h4>  Die Linke<\/h4>\n<p>  Die Linke insgesamt konnte leider die Verh&#228;ltnisse der Krise nicht   nutzen und der Massenbewegung auch keine Perspektiven geben. Die   Schw&#228;che der Linken, Antworten auf die gro&#223;en sozialen Probleme zu   geben, lie&#223; Raum f&#252;r einen Anstieg des rechtsextremen Populismus von   (LAOS), die weiterhin eine gro&#223;e Gefahr f&#252;r die Zukunft darstellt.<\/p>\n<p>  Die Linke tr&#228;gt die Verantwortung, ihren bis jetzt eingeschlagenen Kurs   kritisch zu bilanzieren, Schl&#252;sse daraus zu ziehen und zu helfen, dass   sie selbst und die Bewegung vorankommen.<\/p>\n<p>  Die KKE muss ihre Politik der Spaltung der Bewegung durch getrennte   Kundgebungen und Demonstrationen beenden und die katastrophale Politik   des &#8222;die einzigen reinen Linken ist die KKE, alle &#220;brigen sind Feinde   der Bewegung&#8220; aufgeben.<\/p>\n<p>  Obwohl SYRIZA gemessen an den Meinungsumfragen von 2008 (bis zu 18   Prozent) einen starken Absturz erlebt hat, sind die jetzigen 4,6 Prozent   angesichts der derzeitigen inneren Krise ein gutes Ergebnis. Vor sechs   Wochen war die Zukunft von SYRIZA v&#246;llig unsicher. Heute zeigt sich,   dass es eine stabile Basis von vier bis f&#252;nf Prozent gibt, der versteht,   dass die einzige ernsthafte Perspektive f&#252;r die Wiedergeburt der Linken   und der Arbeiterbewegung in Griechenland zur Zeit in SYRIZA liegt.<\/p>\n<p>  F&#252;r SYRIZA er&#246;ffnet sich eine neue g&#252;nstige Periode. Die PASOK wird in   K&#252;rze entzaubert werden, die Infragestellung wird beginnen und wiederum   wird sich Zorn und Unzufriedenheit in der Gesellschaft anh&#228;ufen.<\/p>\n<p>  SYRIZA kann diese neuen objektiven M&#246;glichkeiten nutzen und schnell   vorankommen. Dies jedoch nur durch Interventionen in die allt&#228;glichen   K&#228;mpfe der Bewegung. Ohne Kompromisse und weich gekochte Positionen,   sondern mit mutigen und systemkritischen Worten, die die allt&#228;glichen   K&#228;mpfe mit einer sozialistischen Perspektive verbinden. Mit einer   organisatorischen Struktur, die SYRIZA tats&#228;chlich demokratisch und   kollektiv handelnd macht und sich f&#252;r Mitglieder &#246;ffnet, die keiner der   Mitgliedsorganisationen angeh&#246;ren. (SYRIZA ist derzeit keine   Mitgliederorganisation, sondern ein B&#252;ndnis linker Parteien und   Organisationen, so dass die nicht in letzteren organisierten Anh&#228;nger   nicht mitbestimmen k&#246;nnen.)<\/p>\n<h4>  Der Kampf des CWI in Griechenland<\/h4>\n<p>  Die griechische Sektion des CWI, die Sozialistische   Internationalistische Organisation &#8222;Xekinima&#8220; arbeitet seit Mitte 2008   kollektiv in SYRIZA mit. Sie stellte in drei Wahlkreisen Kandidaten von   SYRIZA, in Korfu, Volos und Thessaloniki. Die Ergebnisse sind besonders   zufriedenstellend. SYRIZA konnte in diesen Wahlkreisen im Vergleich zu   den letzten Wahlen 2007 seine Prozentanteile wie auch die absoluten   Stimmen steigern, obwohl es landesweit 0,7 Prozentpunkte verlor. Es war   das erste Mal, dass &#8222;Xekinima&#8220; bei nationalen Wahlen kandidierte. Dies   war eine neue Erfahrung und enthielt viele unbekannte Faktoren, viel   Experimentieren und Lehren f&#252;r die Zukunft. Damit ausgestattet wird   &#8222;Xekinima&#8220; weiterhin daf&#252;r k&#228;mpfen, die sozialistischen Ideen in der   Gesellschaft sowie SYRIZA und die Interessen der Massenbewegung zu   st&#228;rken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      KO f&#252;r Karamanlis\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13343"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13343"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13343\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13343"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13343"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13343"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}