{"id":13318,"date":"2009-09-21T00:00:00","date_gmt":"2009-09-21T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13318"},"modified":"2009-09-21T00:00:00","modified_gmt":"2009-09-21T00:00:00","slug":"13318","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/09\/13318\/","title":{"rendered":"Die Rechnung kommt nach der Wahl"},"content":{"rendered":"<p>  Kampf gegen Agenda 2020 und Entlassungen!<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Bis zum 27. September versucht die Gro&#223;e Koalition, die Auswirkungen der   Krise f&#252;r die Masse der Bev&#246;lkerung noch abzumildern. Zentrales   Instrument dabei ist das verl&#228;ngerte Kurzabeitergeld. Noch wird auch   verschwiegen, wer f&#252;r die staatlichen Milliardenzahlungen an Banken und   Konzerne aufkommen soll. Es sieht danach aus, dass Schwarz-Gelb nach der   Wahl das Zepter &#252;bernimmt. Aber egal, wie sich die neue Regierung   zusammensetzt: Es wird hammerharte Angriffe auf den Lebensstandard von   Besch&#228;ftigten, Erwerbslosen, RentnerInnen und Jugendlichen geben.<\/p>\n<h4>  <i>von Angelika Teweleit, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Kurzfristig konnte durch die Abwrackpr&#228;mie und durch die Verhinderung   von Massenentlassungen mit Hilfe der Kurzarbeit die wirtschaftliche   Talfahrt im zweiten Quartal aufgehalten werden. Im gleichen Zeitraum   sank jedoch bereits die Zahl der Besch&#228;ftigten im Vergleich zum Vorjahr.   Auch den so genannten Konjunkturexperten ist klar: Die Erholung steht   auf wackeligen F&#252;&#223;en. Die eigentlichen Folgen der Krise f&#252;r den   Arbeitsmarkt zeigen sich erst noch. Schlie&#223;ungen und Massenentlassungen   drohen. Auf Arcandor und Escada k&#246;nnten Hunderte von Betrieben folgen.   Der Sachverst&#228;ndigenrat der Bundesregierung erwartet selbst, dass bis   zum Jahresende eine halbe Million Erwerbslose dazu kommen werden.<\/p>\n<p>  SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier versucht mit seinem   Deutschland-Plan (vier Millionen zus&#228;tzliche Arbeitspl&#228;tze bis 2020) den   Sturzflug der Partei aufzuhalten. Doch auch wenn er sich einen langen   wei&#223;en Bart wachsen lie&#223;e, w&#252;rden ihm nicht einmal die Kinder glauben.<\/p>\n<h4>  Umverteilung<\/h4>\n<p>  Im August erkl&#228;rte das Deutsche Institut f&#252;r Wirtschaftsforschung (DIW):   Die bereinigte Lohnquote (Anteil der L&#246;hne am Volkseinkommen) erreichte   in den Jahren 2007 und 2008 ein Rekordtief von 61 Prozent. Die Reall&#246;hne   sind laut der Studie seit 2003, also im Aufschwung, durchschnittlich um   vier Prozent gesunken &#8211; bei gleichzeitiger Steigerung der Profite um 33   Prozent. Dazu trug gerade die Ausweitung des Niedriglohnsektors &#8211; in   Kombination mit der Verzichtspolitik der Gewerkschaftsf&#252;hrungen &#8211; bei.<\/p>\n<p>  In der Krise versuchen die jeweiligen Kapitalisten verzweifelt, die   Profitbedingungen wieder zu verbessern und sich im globalen   Konkurrenzkampf zu behaupten. Daher wird die Politik der Umverteilung   von unten nach oben versch&#228;rft werden &#8211; mit brutalen Auswirkungen.<\/p>\n<h4>  Sozialkahlschlag<\/h4>\n<p>  Schon jetzt melden die Kommunen, dass sie bis Ende des Jahres mit einem   R&#252;ckgang der Gewerbesteuereinnahmen von bis zu 40 Prozent rechnen.   Gleichzeitig werden die Ausgaben der Kommunen f&#252;r Hartz-IV-Zusch&#252;sse und   Wohngeld in die H&#246;he schnellen. Die Antwort der regierenden Politiker in   den Kommunen lautet: &#8222;Jetzt muss alles auf den Pr&#252;fstand.&#8220; Ein   Kindergartenplatz f&#252;r jedes Kind? Nur noch f&#252;r die, die es sich leisten   k&#246;nnen. St&#228;dtische Schwimmb&#228;der und Jugendclubs? &#220;berfl&#252;ssig. Soziale   K&#252;rzungen werden einhergehen mit einem drastischen Stellen- und   Lohnabbau und weiteren Privatisierungen. Damit werden die KollegInnen   auch in der Tarifrunde f&#252;r Bund und Kommunen Anfang 2010 konfrontiert   sein.<\/p>\n<p>  Die zuk&#252;nftige Bundesregierung wird verschiedene Instrumente nutzen, um   das Bankenrettungspaket &#252;ber 480 Milliarden Euro und wahrscheinlich   weitere Rettungspakete zu finanzieren. Im &#8222;industriepolitischen Konzept&#8220;   aus dem Wirtschaftsministerium wurde einiges bereits preisgegeben:   weitere Flexibilisierung des Arbeitsmarkts, Steuergeschenke f&#252;r   Unternehmen, Mehrwertsteuererh&#246;hung. Auch K&#252;rzungen bei Arbeitslosengeld   und Rente drohen.<\/p>\n<h4>  Aufr&#252;stung nach innen und au&#223;en<\/h4>\n<p>  Die Krise wird zu einer aggressiveren Innen- und Au&#223;enpolitik f&#252;hren. Um   soziale Unruhen und Widerstand gegen ihre Politik zu bek&#228;mpfen, wird der   Staat Repressionsinstrumente weiter ausbauen. Um die deutschen   Kapitalinteressen zu vertreten, werden weitere Soldaten ins Ausland   geschickt werden. Auch die Gr&#252;nen stehen Gewehr bei Fu&#223;. Auf die Frage,   ob in einem Jahr mehr deutsche Soldaten am Hindukusch sein werden,   antwortete ihr au&#223;enpolitischer Sprecher Winfried Nachtwei: &#8222;Ich will   das nicht ausschlie&#223;en&#8220; (Frankfurter Rundschau vom 21. August).<\/p>\n<p>  Uns erwarten Angriffe von Regierung und Kapital, wie sie noch keine   Generation seit 1945 erlebt hat. Das wird GewerkschafterInnen, Linke und   SozialistInnen vor eine komplett neue Herausforderung stellen. Es wird   zu einer Reihe von verzweifelten Protesten kommen. N&#246;tig ist ein Konzept   f&#252;r effektive Gegenwehr. Die sozialistische Alternative zum Profitsystem   muss in den K&#246;pfen verankert werden! <\/p>\n<h3>  <b>Kampf gegen Agenda 2020 und Entlassungen &#8211; aber wie?<\/b><\/h3>\n<p>  Oft h&#246;rt man den Spruch: &#8222;In Frankreich, da k&#228;mpfen die Leute, aber   hier&#8230;&#8220; In den letzten Monaten haben Besch&#228;ftigte und Jugendliche   jedoch gezeigt, dass sie bereit sind, Widerstand zu leisten:   Sch&#252;lerInnen, Studierende, ErzieherInnen, KollegInnen bei Mahle,   Continental und viele mehr. Schon jetzt g&#228;be es das Potenzial f&#252;r eine   gro&#223;e Streik- und Protestbewegung &#8211; wenn eine k&#228;mpferische F&#252;hrung der   Gewerkschaften das anstreben w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Auch wenn sich beim Gewerkschaftsrat diesmal selbst die   Spitzenfunktion&#228;re nicht mehr getraut haben, sich &#246;ffentlich zur SPD zu   bekennen, sind die Verbindungen zwischen der Gewerkschaftsb&#252;rokratie und   der Agenda-2010-Partei noch immer vorhanden. Um so dringender, gegen   diese Bindung anzugehen. Dar&#252;ber hinaus muss die Politik des   Co-Managements bek&#228;mpft werden. Der Kreis von linken AktivistInnen in   den Betrieben und sozialen Bewegungen ist noch klein. Doch sie m&#252;ssen   den Aufbau von effektiver Gegenwehr diskutieren.<\/p>\n<h4>  Mit der Profitlogik brechen<\/h4>\n<p>  Wenn Massenentlassungen und Betriebsschlie&#223;ungen anstehen, hei&#223;t die   &#8222;L&#246;sung&#8220; der Gewerkschaftsf&#252;hrung: verl&#228;ngerte Kurzarbeit,   sozialvertr&#228;glicher Arbeitsplatzabbau, Transfergesellschaften. Damit   wird Massenarbeitslosigkeit nicht bek&#228;mpft, sondern akzeptiert. Auch   wenn die Gewerkschaftsoberen von Zeit zu Zeit zu Protesten aufrufen,   mobilisieren sie nicht konsequent &#8211; weil sie davor zur&#252;ckschrecken, den   Kampf gegen das Kapital entschlossen aufzunehmen.<\/p>\n<p>  In der Krise wird mehr denn je ein Programm ben&#246;tigt, das mit der   Profit- und Konkurrenzlogik bricht. Zum einen geh&#246;rt die Forderung nach   Verteilung der Arbeit auf alle &#8211; durch deutliche Arbeitszeitverk&#252;rzung   bei vollem Lohn- und Personalausgleich &#8211; ganz oben auf die Tagesordnung.   Doch auch die Eigentumsfrage muss gestellt werden. Russische   AutoarbeiterInnen bei AvtoVaz (Lada) an der Wolga haben im August mit   einer Demonstration gegen eine Halbierung ihrer Arbeitszeit bei vollem   Lohnverlust (und Ger&#252;chten, dass 30.000 Besch&#228;ftigte sp&#228;ter entlassen   werden sollen) die Forderung nach der Verstaatlichung des Betriebs unter   demokratischer Kontrolle aufgebracht. Es ist die Aufgabe von linken   Gewerkschaftsaktiven und der Partei DIE LINKE, die Bewegung mit einem   solchen Programm zu bewaffnen, und mit der Perspektive f&#252;r eine   sozialistische Ver&#228;nderung zu verbinden.<\/p>\n<h4>  Betriebsbesetzungen<\/h4>\n<p>  Die Ank&#252;ndigung von Werksschlie&#223;ungen erfordert auch &#252;ber   Demonstrationen hinaus gehende Kampfformen. In Gro&#223;britannien, S&#252;dkorea   und Italien haben ArbeiterInnen als Reaktion auf drohende   Massenentlassungen k&#252;rzlich ihre Betriebe besetzt. Bei Innse in Italien   wurde einer der bisher gr&#246;&#223;ten Erfolge erk&#228;mpft. Obwohl die   Motorroller-Fabrik durch die Polizei ger&#228;umt worden war, konnte durch   den heroischen Kampf von f&#252;nf Kollegen, die einen Kran besetzten, und   durch die Unterst&#252;tzung Tausender aus anderen Betrieben eine   Arbeitsplatzgarantie f&#252;r 49 Besch&#228;ftigte erzwungen werden. Auch hier in   Deutschland w&#252;rde ein erfolgreicher Arbeitskampf anderen Belegschaften   enorm Mut machen.<\/p>\n<h4>  Gemeinsame Gegenwehr<\/h4>\n<p>  Vertrauensleute- und Betriebsr&#228;tekonferenzen w&#228;ren jetzt das Gebot der   Stunde. Dort k&#246;nnte &#252;ber die n&#228;chsten Kampfschritte beraten werden.<\/p>\n<p>  Die Solidarit&#228;t untereinander wird von entscheidender Bedeutung sein, um   zu verhindern, dass Belegschaften gegenein-ander ausgespielt werden. In   Aachen kommen jeden Monat KollegInnen mehrerer Betriebe im &#8222;Aachener   Netzwerk zur Verteidigung von Arbeitspl&#228;tzen&#8220; zusammen (siehe Seite 10).   Dieses Beispiel sollte Schule machen.<\/p>\n<p>  Im Oktober steht eine Reihe von Treffen an, auf denen die Fragen von   Programm und Kampfstrategie diskutiert werden k&#246;nnen: eine   Arbeitszeitkonferenz von ver.di-Linken, das Treffen des &#8222;Netzwerks f&#252;r   eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di&#8220;, eine Konferenz des   &#8222;Netzwerk Auto&#8220;, ein Treffen der &#8222;Initiative zur Vernetzung der   Gewerkschaftslinken&#8220; (IVG), sowie die Konferenz der   Bundesarbeitsgemeinschaft Betrieb &amp; Gewerkschaft der LINKEN (siehe Seite   8). Zudem ist eine weitere Aktionskonferenz des B&#252;ndnisses &#8222;Wir zahlen   nicht f&#252;r Eure Krise&#8220; im Herbst geplant.<\/p>\n<h4>  Politischer Streik<\/h4>\n<p>  Gegen die Vielzahl der Angriffe von Regierung und Kapital muss der Kampf   unbedingt geb&#252;ndelt werden. Bernd Riexinger, Gesch&#228;ftsf&#252;hrer des   ver.di-Bezirks Stuttgart und LINKE-Mitglied, schreibt in einem   Diskussionsbeitrag: &#8222;Immer wieder haben die Gewerkschaften sich dem   Verbot des politischen Streiks widersetzt: beim Angriff auf die   Tarifautonomie, bei der Rente mit 67 (&#8230;). Es gibt aber keinen   organisierten Ansatz, den politischen Streik etappenm&#228;&#223;ig vorzubereiten,   die verschiedenen Aktionen w&#228;hrend der Arbeitszeit aufeinander   abzustimmen. Genau das w&#228;re notwendig&#8220; (Perspektiven des Protestes, Juli   2009). Die Vorbereitung eines eint&#228;gigen Generalstreiks durch den DGB   k&#246;nnte ein zentraler Schritt zur Bek&#228;mpfung einer Agenda 2020 werden.   Linke AktivistInnen in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen sollten in   den n&#228;chsten Wochen &#252;ber diese Forderung und &#252;ber die Frage, wie der   Druck auf die DGB-Spitze verst&#228;rkt werden kann, diskutieren.<\/p>\n<p>  In jedem Fall muss ein Bogen geschlagen werden zu den Erwerbslosen, den   Sch&#252;lerInnen, Studierenden und RentnerInnen. Sie alle werden Opfer der   Krise sein. Sch&#252;ler- und StudentInnen, die nach dem bundesweiten   Sch&#252;lerstreik im November 2008 im Juni 2009 zusammen auf die Stra&#223;e   gingen, planen einen weiteren bundesweiten Aktionstag am 17. November.   Es gilt, den Widerstand in Betrieben, Schulen, Universit&#228;ten und auf der   Stra&#223;e zusammen zu bringen &#8211; mit dem Ziel, eine erfolgreiche Streik- und   Protestbewegung gegen eine Agenda 2020 und Massenentlassungen aufzubauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Kampf gegen Agenda 2020 und Entlassungen!\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[217],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13318"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13318"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13318\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13318"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}