{"id":13316,"date":"2009-09-21T00:00:00","date_gmt":"2009-09-20T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13316"},"modified":"2012-05-15T15:08:13","modified_gmt":"2012-05-15T13:08:13","slug":"13316","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/09\/13316\/","title":{"rendered":"Ein wirtschaftspolitischer Neuanfang?"},"content":{"rendered":"<p>  DIE LINKE setzt auf Mitarbeiterbeteiligung und Mitbestimmung<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Anfang des Jahres hat DIE LINKE das &#8222;Programm gegen die Wirtschafts- und   Finanzkrise&#8220; verabschiedet, sowie die &#8222;Frankfurter Erkl&#228;rung&#8220;   herausgegeben und damit die Losung &#8222;Wirtschaftsdemokratie&#8220; der gr&#246;&#223;ten   Krise des Kapitalismus seit 1929 entgegengesetzt.<\/p>\n<h4>  <i>von Ren&#233; Kiesel, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Der Begriff der Wirtschaftsdemokratie besitzt eine historische   Kontinuit&#228;t. Er wurde bereits in den sp&#228;ten zwanziger Jahren, nach dem   Zweiten Weltkrieg und erneut gegen Ende des Nachkriegsaufschwungs von   reformistischen Politikern und Gewerkschaften aufgegriffen. Doch damals   wie heute gilt, dass er bei eingehender Betrachtung mehr Verwirrung   stiftet, statt dass er f&#252;r ein klares und k&#228;mpferisches Programm steht.<\/p>\n<h4>  Minderheitenbeteiligung<\/h4>\n<p>  Die F&#252;hrung der LINKEN redet vom Ausbau der Beteiligung der   Besch&#228;ftigten von bis zu 49 Prozent an gr&#246;&#223;eren Unternehmen, um dann in   Aufsichtsr&#228;ten oder anderen Kontrollgremien zur angemessenen Vertretung   ihrer Interessen pr&#228;sent zu sein.<\/p>\n<p>  Wie &#8222;kauft&#8220; man sich als Arbeiter in ein Unternehmen ein, um Beteiligung   zu bekommen? Man verzichtet freiwillig auf einen Teil seines Lohns, um   diesen in das Unternehmen zu investieren. Bei Opel hat der Betriebsrat   eine Aktiengesellschaft gegr&#252;ndet, &#252;ber die die Besch&#228;ftigten zehn   Prozent der Anteile an Opel erwerben sollen &#8211; und gleichzeitig   akzeptiert, dass die Auszahlung des Urlaubsgeldes verschoben wird.<\/p>\n<p>  Es kann wohl schlecht von Lohnabh&#228;ngigen, die mit immer schlechterer   Bezahlung zu k&#228;mpfen haben, verlangt werden, sich das Essen vom Mund   absparen! Nur um sich dann kapitalistischer Logik entsprechend am   Betrieb zu beteiligen. Bei der kapitalistischen Logik, der   Profitmaximierung, liegt auch das grundlegende Problem dieser und sich   immer wiederholender Krisen. Diese wird durch eine   Mitarbeiterbeteiligung in keiner Weise angetastet. Ganz im Gegenteil. Zu   dem Risiko, in Krisenzeiten arbeitslos zu werden, kommt noch die   Verpflichtung, Unternehmensverluste als Anteilseigner mitzutragen. Die   hat man dann auch noch selbst zu &#8222;verantworten&#8220;.<\/p>\n<h4>  Friedliches &#8222;Co-Management&#8220; &#252;berbezahlter Funktion&#228;re<\/h4>\n<p>  Neben der Mitarbeiterbeteiligung pl&#228;diert DIE LINKE f&#252;r eine Ausdehnung   der Mitbestimmung. Aber warum sollten es die ArbeiterInnen als   erstrebenswert ansehen, sich an Unternehmen zu beteiligen, in denen sie   letztendlich einfach von den anderen Mitgliedern des Vorstands oder   Aufsichtsrats &#252;berstimmt werden k&#246;nnen? Somit k&#246;nnen sie nicht einmal   grundlegendste Verbesserungen durchsetzen.<\/p>\n<p>  Wenn &#8222;Arbeitnehmervertreter&#8220; und Gewerkschaftsmitglieder an der Leitung   eines Unternehmens teilhaben, spielt das nur den Kapitalisten in die   H&#228;nde. Sie werden dadurch gedr&#228;ngt, immer dahingehend zu argumentieren,   den Betrieb, in dem die ArbeiterInnen doch eine Mitsprache h&#228;tten, nicht   zu bestreiken, geschweige denn zu besetzen. Eher werden sie dann auf   eine kooperative, friedliche L&#246;sung mit den Kapitalisten setzen. Somit   werden radikalere Forderungen und deren Durchsetzung mittels   Klassenk&#228;mpfen unterbunden und ged&#228;mpft.<\/p>\n<p>  Die Geschichte hat gezeigt, dass Betriebsr&#228;te, die sich auf   Co-Management einlie&#223;en beziehungsweise in Aufsichtsr&#228;te gingen, oftmals   &#8211; wenn der Kampf gegen Verschlechterungen konkret wurde &#8211;, auf die Seite   der Unternehmer wechselten. So hat der damalige   VW-Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert auf Anweisung des ehemaligen   Personalvorstands und Vorstandsmitglieds Peter Hartz in zw&#246;lf Jahren   mehr als 1,9 Millionen Euro &#8222;Sonderboni&#8220; bekommen. Man kann nicht davon   ausgehen, dass ein &#8222;Arbeitnehmervertreter&#8220; mit einem derart hohen   Einkommen noch die Interessen eines Facharbeiters vertreten wird.<\/p>\n<p>  Deshalb kann das Modell der Wirtschaftsdemokratie, wie die F&#252;hrung der   LINKEN es uns pr&#228;sentiert, nicht der Weg in eine bessere Gesellschaft   sein. Statt f&#252;r Mitarbeiterbeteiligung sollte DIE LINKE offensiv f&#252;r die   Verstaatlichung von Konzernen eintreten. Statt auf Mitbestimmung zu   setzen, sollte f&#252;r die Kontrolle und Verwaltung der Betriebe durch die   arbeitende Bev&#246;lkerung gek&#228;mpft werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      DIE LINKE setzt auf Mitarbeiterbeteiligung und Mitbestimmung\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[217],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13316"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13316"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13316\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13316"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13316"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13316"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}