{"id":13311,"date":"2009-09-21T00:00:00","date_gmt":"2009-09-21T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13311"},"modified":"2009-09-21T00:00:00","modified_gmt":"2009-09-21T00:00:00","slug":"13311","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/09\/13311\/","title":{"rendered":"Bankenkrise 2.0?"},"content":{"rendered":"<p>  Finanzsektor drohen neue Ersch&#252;tterungen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#8222;Die Talsohle ist durchschritten&#8220;, &#8222;Licht am Ende des Dunkels&#8220;,   &#8222;Erholung in Sicht&#8220;&#8230; Wenn es nach den Politikern geht, ist die globale   Wirtschaftskrise bald vorbei. In der Tat wird an den Aktienm&#228;rkten   wieder viel Geld verdient, gro&#223;e Banken weisen Gewinne aus.<\/p>\n<h4>  <i>von Rafael Reimann, Hamburg<\/i><\/h4>\n<p>  Kapitalistische Krisen sind Krisen aus &#220;berfluss. Auch die gegenw&#228;rtige   Rezession ist eine Folge von &#220;berkapazit&#228;ten und &#220;berakkumulation von   Kapital. Dieses wahnwitzige System setzt vor einem neuen Aufschwung eine   weitreichende Entwertung von Kapital und Vernichtung von   Produktionskapazit&#228;ten voraus. Aktienverluste, Firmenpleiten,   Werksschlie&#223;ungen fanden zwar in den letzten zwei Jahren statt &#8211; aber   l&#228;ngst nicht in dem Ausma&#223;, wie es aus kapitalistischer Sicht n&#246;tig   w&#228;re. Darum ist eine umfassende &#246;konomische Erholung nicht zu erwarten.<\/p>\n<h4>  Konsumeinbruch<\/h4>\n<p>  In der Bundesrepublik hat sich die Gro&#223;e Koalition mit Abwrackpr&#228;mie und   Ausweitung der Kurzarbeit &#8222;Zeit erkauft&#8220; (FAZ.NET vom 23. August).   Letztere wird kurz nach der Bundestagswahl in den meisten Betrieben   auslaufen. Vielen Firmen wird es trotz staatlicher Subvention schon   jetzt zu teuer, diese Besch&#228;ftigten nicht zu entlassen. Das wird den   Einzelhandel weiter schw&#228;chen.<\/p>\n<p>  In den USA gibt es zwar keine vergleichbare Kurzarbeitergeld-Regelung,   aber auch dort wird der Konsum &#8211; wie in vielen anderen L&#228;ndern &#8211; weiter   einbrechen. So endet im Herbst in den Vereinigten Staaten f&#252;r zwei   Millionen Menschen die Arbeitslosenunterst&#252;tzung, die von 26 auf 46   Wochen verl&#228;ngert wurde. Das wird weitere Zwangsversteigerungen von   H&#228;usern und eine Kreditkartenkrise zur Folge haben. Auch Banken werden   stark belastet. Die Kreditausf&#228;lle, die mit den n&#228;chsten   Entlassungswellen drohen, sind da noch gar nicht ber&#252;cksichtigt.<\/p>\n<h4>  Kreditausf&#228;lle und Schulden<\/h4>\n<p>  Generell deutet Vieles auf eine neue Bankenkrise hin. Nach Berechnungen   des Internationalen W&#228;hrungsfonds (IWF) drohen in den USA neue   Kreditausf&#228;lle in H&#246;he von 410 Milliarden Dollar, diesmal bei   Gewerbeimmobilien. Genau wie bei den Privath&#228;usern wurden diese Kredite   verbrieft und an Anleger weltweit weiterverkauft &#8211; an Banken, an   Versicherungen, an Fonds und so weiter.<\/p>\n<p>  Dazu kommen die bereits laufenden und weitere Insolvenzen. Laut einem   Report der Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg sind 150   US-amerikanische Banken akut von der Pleite bedroht, andere Sch&#228;tzungen   gehen von 300 Banken aus, die um ihr &#220;berleben f&#252;rchten m&#252;ssen. Laut   Financial Times Deutschland werden deutsche Banken besonders betroffen   sein, da viele faktisch &#8222;pleite&#8220; sind. Der IWF sch&#228;tzt, dass die Banken   international zum Beginn der Rezession auf nicht eintreibbare Schulden   von etwa vier Billionen US-Dollar sa&#223;en (deutsche Banken sollen dabei   mit 500 Milliarden Dollar faulen Krediten zu tun haben), von denen erst   bis zu 1,5 Billionen abgeschrieben wurden.<\/p>\n<p>  Dabei sind die Verluste und Ausf&#228;lle, die sich aus dem bisherigen   Krisenverlauf ergeben haben, noch gar nicht alle bekannt oder gar   bew&#228;ltigt. Weder die Folgen der Lehman-Brothers-Pleite im letzten Jahr   noch die Finanzprobleme bei Hypo Real Estate oder HSH Nordbank sind   beispielsweise abgearbeitet. Viele Banken und Versicherungen haben immer   noch wertlose Lehman-Papiere, deren Abschreibung sie mit Tricks und   staatlicher Hilfe hinausz&#246;gern, um nicht den Bankrott erkl&#228;ren zu m&#252;ssen.<\/p>\n<h4>  Weiteres Krisenpotenzial<\/h4>\n<p>  Die FAZ titelte am 21. August: &#8222;Erholung des Bankensystems ger&#228;t ins   Stocken.&#8220; Verwiesen wird darauf, dass &#8222;es den Banken immer noch an   Eigenkapital fehlt&#8220;. Und weiter: &#8222;Nun drohen ihnen neue Verluste aus der   beginnenden Insolvenzwelle.&#8220;<\/p>\n<p>  Ein weiterer Ausl&#246;ser f&#252;r eine neue Finanzmarktpanik k&#246;nnte die   katastrophale Lage in Osteuropa sein. Gerade deutsche und andere   westeurop&#228;ische Banken, die in den vergangenen Jahren viel Geld dorthin   verliehen haben, k&#246;nnten so ins Trudeln geraten. N<\/p>\n<h4>  Wie die Wirtschaft die Politik bestimmt<\/h4>\n<p>  Im September fanden zwei Treffen von Bankern, Aufsichtsbeh&#246;rden und   Regierungsvertretern statt. Davon gibt es 17 Protokollseiten. Diese   wurden inzwischen von der Bankenaufsicht Bafin ver&#246;ffentlicht. Danach   erkl&#228;rte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auf den Treffen, dass das   gesamte deutsche Bankensystem &#8211; nach der Lehman-Brothers-Pleite und   angesichts der Krise von Hypo Real Estate (HRE) &#8211; nur noch um   Haaresbreite von einem v&#246;lligen Zusammenbruch entfernt sei. Es waren   Ackermann und Co., die von der Bundesregierung weitere Milliardengelder   f&#252;r die HRE sowie die sofortige Verstaatlichung dieser Bank verlangten.   Als die Regierungsvertreter bei der zweiten Zusammenkunft noch   zauderten, st&#252;rmte Ackermann aus dem Raum und kam erst zur&#252;ck, als die   Regierung den Forderungen der Banker weitgehend nachkam.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Finanzsektor drohen neue Ersch&#252;tterungen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[217],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13311"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13311"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13311\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13311"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13311"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13311"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}