{"id":13302,"date":"2009-09-07T13:45:00","date_gmt":"2009-09-07T13:45:00","guid":{"rendered":".\/?p=13302"},"modified":"2009-09-07T13:45:00","modified_gmt":"2009-09-07T13:45:00","slug":"13302","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/09\/13302\/","title":{"rendered":"Afghanistan &#8211; Chronik eines Desasters"},"content":{"rendered":"<p>  US-Aufr&#252;stung von al Qaida j&#228;hrt sich zum 30. Mal<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#8222;Ich sehe keinen Grund, jetzt aufzugeben und zu sagen: Es tut mir leid,   die &#252;ber 30 deutschen Soldaten sind leider umsonst gestorben&#8220;, erkl&#228;rte   SPD-Fraktionschef Peter Struck, der als Verteidigungsminister die   Bundeswehr nach Afghanistan f&#252;hrte. Mit anderen Worten: Es m&#252;ssen   weitere Soldaten sterben, weil schon zu viele gestorben sind; es m&#252;ssen   weitere Soldaten sterben, weil sonst Peter Struck einen Fehler   eingestehen m&#252;sste; weil sonst die NATO ihre &#8222;Glaubw&#252;rdigkeit&#8220; verlieren   w&#252;rde, weil sonst die gr&#246;&#223;te Milit&#228;rmacht der Erde &#8222;gedem&#252;tigt&#8220; w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Wie konnte es soweit kommen? Wie konnten die westlichen M&#228;chte in eine   Falle tappen, die sie selbst gestellt haben?<\/p>\n<h4>  <i>von Philipp L&#252;hrs, D&#252;sseldorf<\/i><\/h4>\n<p>  Im August 1978 verf&#252;gte der &#8222;Revolutionsrat&#8220; von Afghanistan die   Verteilung des Landes der Feudalherren an die Bauern und die Streichung   ihrer Schulden und Hypotheken. Neben jenen Wirtschafts-Reformen wurden   in Afghanistan Ende der siebziger Jahre die Trennung von Staat und   Religion, die allgemeine Schulpflicht und &#8211; zumindest auf dem Papier &#8211;   die Gleichberechtigung von Mann und Frau beschlossen. Nir-gendwo   verliefen solche gesellschaftlichen Umbr&#252;che ohne Widerst&#228;nde,   R&#252;ckschl&#228;ge und Gewalt.<\/p>\n<p>  Allerdings wurde die afghanische Umgestaltung nur durch eine Clique von   Putschisten getragen, die vollst&#228;ndig von der todkranken b&#252;rokratischen   Kaste der Sowjetunion abhing. So waren die Ereignisse 1978 von Beginn an   ein b&#252;rokratisches Zerrbild einer Revolution: Ihre Errungenschaften   wurden nicht von der Bev&#246;lkerung erk&#228;mpft, sie wurden diktiert.<\/p>\n<h4>  Dr. Frankensteins Monster<\/h4>\n<p>  Die USA und Pakistan sammelten damals die Anh&#228;nger des Mittelalters, die   im zwangsmodernisierten Afghanistan keinen Platz hatten: Die enteigneten   Feudalherren und ihre unzufriedenen Stammeskrieger, antikommunistische   Mullahs und ihre fanatischen Sch&#252;ler. Sie r&#252;steten die Mudschaheddin auf   und stellten ihnen 40.000 S&#246;ldner aus der gesamten muslimischen Welt zur   Seite. Unter ihnen: Osama bin Laden und seine S&#246;ldnertruppe al Qaida.<\/p>\n<p>  Im Gegenzug marschierte die Rote Armee vor drei&#223;ig Jahren am Hindukusch   ein, um das wankende pro-sowjetische Regime zu stabilisieren. Nach zehn   Jahren Krieg und einer Million Toten zog sie geschlagen ab. Sie   hinterlie&#223; 1989 ein zerst&#246;rtes Land, in dem ihre Gegner untereinander um   die Macht k&#228;mpften, wie Hunde um einen Knochen.<\/p>\n<p>  Die westlichen Imperialisten waren zufrieden, die Investition in den   islamischen Terrorismus schien sich ausgezahlt zu haben. CWI-Mitglieder   schrieben in ihrer damaligen britischen Zeitung Militant: &#8222;In den   Mudschaheddin hat sich der Imperialismus ein Monster geschaffen.&#8220;<\/p>\n<h4>  Die Trag&#246;die wiederholt sich<\/h4>\n<p>  Doch erst, nachdem dieses Monster weitere zw&#246;lf Jahre lang in   Afghanistan gew&#252;tet hatte (die Taliban waren in der Zwischenzeit zur   dominanten Fraktion geworden und hatten 1996 Kabul eingenommen),   d&#228;mmerte den b&#252;rgerlichen &#8222;Politik-Experten&#8220; der New York Times, dass   bei dem Experiment etwas schiefgelaufen war: Das Monster hatte sich   gegen seinen Sch&#246;pfer gewendet. Die New York Times nannte als Grund &#8222;die   unmoralische, skrupellose und unreligi&#246;se Ausbeutung des Islam als eine   politische Waffe &#8211; durch jeden. Der Westen, die USA, arabische und   andere muslimische Tyranneien haben alle diese Waffe des Islam benutzt.   Und alle zahlen nun einen unterschiedlichen Preis daf&#252;r.&#8220; Den h&#246;chsten   Preis zahlen bis heute die afghanischen Zivilisten, die bei der New York   Times freilich unter den Tisch fallen.<\/p>\n<p>  Seit acht Jahren experimentieren nun die NATO-Staaten mit Afghanistan:   In einem Land, dessen einziges Exportprodukt Opium ist, sollen   Demokratie und Menschenrechte auf feudalagrarischer Grundlage gedeihen &#8211;   verwaltet durch die als Provinzgouverneure firmierenden Warlords und   eine Marionettenregierung, die keinerlei eigene Einnahmen hat!<\/p>\n<p>  Die Trag&#246;die wiederholt sich als blutige Farce. Den vorl&#228;ufigen   H&#246;hepunkt dieser Farce bildeten die Wahlen im August. Bevor eine einzige   Stimme ausgez&#228;hlt war, erkl&#228;rte sich der amtierende   Pr&#228;sidentendarsteller Hamid Karzai zum Sieger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      US-Aufr&#252;stung von al Qaida j&#228;hrt sich zum 30. 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