{"id":13298,"date":"2009-09-06T21:15:00","date_gmt":"2009-09-06T19:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13298"},"modified":"2012-05-15T15:09:27","modified_gmt":"2012-05-15T13:09:27","slug":"13298","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/09\/13298\/","title":{"rendered":"Kommunalwahlen in NRW am Beispiel K&#246;ln"},"content":{"rendered":"<p>  LINKE im Vorw&#228;rtsgang mit angezogener Bremse<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Freude von CDU (&#8222;Immer noch st&#228;rkste Kraft&#8220;) und SPD (&#8222;schwarz-gelb   hat keine Mehrheit&#8220;) ist nur das Pfeifen im Walde. Die Kommunalwahlen in   NRW unterstreichen die schwere Krise der sogenannten &#8222;Volksparteien&#8220;.   Die CDU verliert 420.000 W&#228;hlerInnen, die SPD 220.000.<\/p>\n<h4>  <i>von Claus Ludwig, wieder gew&#228;hltes Mitglied im Rat der Stadt K&#246;ln <\/i><\/h4>\n<p>  Die Oppositionsparteien Gr&#252;ne, FDP und LINKE gewinnen hinzu. Viele Linke   sind allerdings dar&#252;ber besorgt, dass die Partei mit 4,4% unter ihren   Erwartungen geblieben ist. Die Debatte &#252;ber die Ursachen muss gef&#252;hrt   werden. Das &#228;ndert allerdings nichts daran, dass Die LINKE mit einem   Plus von 215.000 W&#228;hlerInnen genauso viel zulegen konnte wie Gr&#252;ne und   FDP zusammen.<\/p>\n<p>  Fast die H&#228;lfte, 7 Millionen Menschen, haben ihr Wahlrecht nicht   wahrgenommen, das ist Rekord in NRW. Die SPD hat in ihrem einstigen   &#8222;Stammland&#8220; demnach noch die Unterst&#252;tzung von rund 15% aller   Wahlberechtigten. M&#252;nteferings Jubel ist nichts als absurdes Theater.<\/p>\n<p>  Die LINKE hat von der weit verbreiteten Unzufriedenheit nicht   ausreichend profitieren und die Nicht- sowie SPD-W&#228;hlerInnen nur zu   einem Teil gewinnen k&#246;nnen. In einigen Gro&#223;st&#228;dten, so z.B. in K&#246;ln, hat   sie Stimmen an die Gr&#252;nen verloren.<\/p>\n<p>  Bei den Wahlen in NRW wird die Gefahr sichtbar, dass Die LINKE von der   Masse der ArbeitnehmerInnen, Erwerbslosen und kleinen RentnerInnen nicht   als DIE Alternative zu den Hartz-IV-Parteien gesehen wird, sondern als   &#8222;Erg&#228;nzungspartei&#8220;, welche zum Parteiensystem dazu geh&#246;rt, aber keine   besonderen Erwartungen weckt. Wenn sich dies durchsetzt, w&#228;re die LINKE   in der 5%-Falle gefangen. Sie w&#252;rde, je nach Sozialstruktur und   Konkurrenz anderer Parteien, zwischen 3% in kleineren, l&#228;ndlichen   St&#228;dten, 5% in Universit&#228;ts- und Verwaltungsst&#228;dten und bis zu 8% in   stark proletarisch gepr&#228;gten, armen St&#228;dten erzielen.<\/p>\n<p>  Parlamentarische Wahlen sind ohnehin ein schwieriges Feld f&#252;r linke und   sozialistische Parteien. Die Etablierten und b&#252;rgerliche Oppositionelle   haben mehr Geld und werden von den Medien st&#228;rker ber&#252;cksichtigt.<\/p>\n<p>  Wenn die Linke sich auf deren Art Wahlkampf und deren Art Politik   einl&#228;sst, st&#246;&#223;t sie an Grenzen. In der t&#228;glichen Aktivit&#228;t und den   Wahlk&#228;mpfen muss stattdessen vermittelt werden, dass die LINKE eine   k&#228;mpfende Partei sein will, eine Partei, welche die Interessen der   lohnabh&#228;ngigen Mehrheit der Bev&#246;lkerung vertritt und daf&#252;r auf die   Stra&#223;e geht. Materialien, Slogans und Aktionsformen sollten darauf   ausgerichtet sein, Menschen zu aktivieren und den grundlegenden   Unterschied zum b&#252;rgerlichen Politikbetrieb deutlich zu machen.<\/p>\n<h4>  Die LINKE und die Krise<\/h4>\n<p>  Der Beginn der schweren Wirtschaftskrise markiert das Ende der Phase, in   der die LINKE nur zu sagen brauchte: &#8222;Umverteilen und mehr   Gerechtigkeit&#8220; und die W&#228;hlerInnen die Partei als soziales Korrektiv   innerhalb des Systems sahen.<\/p>\n<p>  Die ernste Krise erfordert ernste Antworten. Doch in dieser Situation   ist die Parteispitze um Lafontaine und Gysi eher staatstragender   geworden, redet wenig von Sozialismus und Vergesellschaftung und mehr   davon, Banken zu retten und private Pleite-Betriebe mit Staatsgeldern zu   subventionieren, ohne die Eigentumsverh&#228;ltnisse zu &#228;ndern. Sie konnte   oder wollte sich nicht deutlich von SPD und CDU abheben.<\/p>\n<p>  Sie verbreitet die gef&#228;hrliche Idee der &#8222;Mitarbeiterbeteiligung&#8220;, die   Belegschaften in Betrieben, die von Schlie&#223;ung und Job-Vernichtung   bedroht sind, in die Lage bringen w&#252;rde, ihre eigene &#8222;Abwicklung&#8220; zu   organisieren. Diese Parole kann keine Mobilisierungf&#228;higkeit entwickeln,   sondern tr&#228;gt nur zur Verwirrung und damit zur Schw&#228;chung von   Abwehrk&#228;mpfen bei.<\/p>\n<p>  Die Lohnabh&#228;ngigen sp&#252;ren instinktiv, dass der Weg zur&#252;ck zu einem   gez&#228;hmten SPD-Kapitalismus der fr&#252;hen 70er versperrt ist. Wenn die LINKE   als eine Art Willy-Brandt-Nostalgie-Partei gesehen wird, wird sie bei   Wahlen weiter ins Hintertreffen geraten. Die Menschen sp&#252;ren, dass die   grundlegende Krise des Systems neue Antworten erfordert.<\/p>\n<p>  Die Selbstdarstellung als soziales Korrektiv des b&#252;rgerlichen   Politikbetriebs f&#252;hrt dort zu Wahlerfolgen, wo eine   Regierungsbeteiligung innerhalb des parlamentarischen Systems f&#252;r   m&#246;glich gehalten wird, so z.B. im Saarland und in Th&#252;ringen. In NRW   wurde dies offensichtlich nicht f&#252;r n&#246;tig oder m&#246;glich gehalten, also   entf&#228;llt die Notwendigkeit, die LINKE zu w&#228;hlen, wenn diese nicht als   k&#228;mpfende Partei agiert, die das gesamte Establishment kritisiert und   deutlich macht, nicht dazu zu geh&#246;ren.<\/p>\n<p>  Dass die &#8222;Machtoption&#8220; &#224; la Berlin, Th&#252;ringen und Saarland eher ein   Nagel im Sarg der Partei denn ein Schritt nach vorne w&#228;re, wurde schon   an anderer Stelle ausgef&#252;hrt.<\/p>\n<h4>  In der parlamentarischen Falle &#8211; das Beispiel K&#246;ln<\/h4>\n<p>  In K&#246;ln haben SPD und CDU zusammen &#252;ber 15.000 Stimmen verloren, die   Wahlbeteiligung ist leicht gestiegen. Die FDP hat 8.800 Stimmen   gewonnen, die Faschisten von &#8222;ProK&#246;ln&#8220; 3.500. Die LINKE hat gegen&#252;ber   dem PDS-Ergebnis 2004 7.600 Stimmen hinzu gewonnen. Allerdings hatte   2004 auch das linke B&#252;ndnis GgS (Gemeinsam gegen Sozialraub), f&#252;r das   der Autor der Zeilen damals in den Rat gew&#228;hlt wurde, rund 2.200 Stimmen   geholt und war 2009 nicht mehr angetreten. Die Gr&#252;nen haben hingegen um   22.000 Stimmen zugelegt und sind der klare Gewinner der Wahl in K&#246;ln.<\/p>\n<p>  Im Stadtrat gab es bisher keine Mehrheit von SPD\/Gr&#252;nen. Diese brauchten   immer wieder die Stimmen der LINKE, um ihre Antr&#228;ge durchzusetzen. Diese   Funktion als Mehrheitsbeschaffer konnte die K&#246;lner LINKE nutzen, um   einzelne soziale Reformen wie z.B. den K&#246;ln-Pass durch den Rat zu   bringen. Das K&#246;lner Wahlergebnis war mit 4,84% allerdings recht   bescheiden. Viele GenossInnen wunderten sich, warum die Erfolge sich   nicht in W&#228;hlerstimmen ausgedr&#252;ckt haben.<\/p>\n<p>  Diese GenossInnen &#252;bersch&#228;tzen die Wirkungen rein parlamentarisch   durchgesetzter Verbesserungen. Ohne eine Beteiligung von Teilen der   Arbeiterklasse und der Jugend an K&#228;mpfen zur Durchsetzung solcher   Verbesserungen setzen diese sich nicht im Bewusstsein fest und k&#246;nnen   leichter zur&#252;ck genommen werden. Es besteht die Gefahr, dass die   Ma&#223;nahmen als &#8222;Sozialpolitik von oben&#8220; wahr genommen werden und die   Urheberschaft der LINKE im Dunkeln bleibt. SPD und Gr&#252;ne konnten die   kleinen sozialen Verbesserungen der Vorjahre nutzen, um ihre   Wahlkampf-Show abzuziehen und sich selbst als die Alternative zu   schwarz-gelb darzustellen. Sie haben ganz andere Mittel f&#252;r einen   massiven Wahlkampf und so wird am Ende nur eine Minderheit die Ma&#223;nahmen   der LINKE zurechnen. Da der SPD ohnehin kaum eine\/r die   Wahlkampf-Slogans abnimmt, waren am Ende die Gr&#252;nen die Hauptprofiteure   des rot-gr&#252;nen &#8222;Kernb&#252;ndnisses&#8220; mit LINKE-Unterst&#252;tzung.<\/p>\n<p>  Es war nicht falsch, bei positiven Ma&#223;nahmen mit SPD und Gr&#252;nen zu   stimmen. Aber es f&#252;hrt in die Irre, daraus eine Strategie zu machen und   diese zu einer Priorit&#228;t der Parteiarbeit zu machen oder gar die Arbeit   daran auszurichten.<\/p>\n<p>  Die LINKE in K&#246;ln hat keiner Sozialabbau-Ma&#223;nahme zugestimmt und im   Gro&#223;en und Ganzen eine korrekte Linie bewahrt. Sie war nicht an der   &#8222;Regierung&#8220; der Stadt beteiligt. Doch sie hat sich unter dem Strich als   linker Fl&#252;gel des b&#252;rgerlich-parlamentarischen Systems dargestellt,   wurde auch so von den W&#228;hlerInnen wahr genommen. Damit macht sie sich   selbst &#252;berfl&#252;ssig.<\/p>\n<p>  Das Wahlergebnis ist eine klare Aussage &#252;ber die Politik der   sogenannten. &#8222;wechselnden Mehrheiten&#8220; im Rat. Diese teilweise faktische   Tolerierung von SPD\/Gr&#252;nen hat sich f&#252;r die LINKE nicht ausgezahlt.<\/p>\n<p>  Das (sozialistische) Ziel ist entscheidend, nicht der Weg, wie der   Reformismus-Theoretiker Bernstein Ende des 19. Jahrhunderts behauptete.   Aber dialektischerweise ist im Kampf f&#252;r Reformen wiederum der Weg ganz   entscheidend. Wichtig ist, dass die LINKE Selbstaktivit&#228;t und   Selbstorganisation anst&#246;&#223;t, mit den Betroffenen k&#228;mpft; in vielen F&#228;llen   wird das wichtiger sein als die Frage, ob die eine oder andere konkrete   Forderung im Rat durchgesetzt wurde.<\/p>\n<p>  Aus der k&#228;mpfenden Opposition heraus werden wir mehr ver&#228;ndern, werden   wir mehr Unterst&#252;tzung erfahren als durch die Arbeit in den Ratsgremien   selbst. Menschen, die mit uns zusammen gek&#228;mpft haben, denen wir   Argumente und Hilfen geboten haben, werden sich daran erinnern, reden   mit Freunden, wirken als Multiplikatoren. So kann die Linke ihre   allgemeine Aufkl&#228;rung &#252;ber die kapitalistischen Verh&#228;ltnisse   konkretisieren und sich verankern.<\/p>\n<p>  In seinem Beitrag f&#252;r die K&#246;lner &#8222;Lokalberichte&#8220; zieht der bisherige   Fraktionsvorsitzende der K&#246;lner LINKE, J&#246;rg Detjen, genau die falschen   Schlussfolgerungen. Er sagt &#252;ber die Mehrheit f&#252;r SPD und Gr&#252;ne im neuen   Rat: &#8222;Damit sind die Einflussm&#246;glichkeiten der LINKEN gegen&#252;ber der   letzten Wahlperiode &#228;u&#223;erst gering.&#8220;<\/p>\n<p>  Noch geringer!? Allzu gro&#223; waren sie auch im letzten Rat nicht, denn die   kleine Fraktion aus vier GenossInnen konnte weder die Priorit&#228;ten des   Haushaltes umkehren noch die 1-Euro-Jobs verhindern noch die Korruption   beenden. Nun sind sie &#8222;&#228;u&#223;erst gering&#8220;, faktisch also gleich Null, da   k&#246;nnte man ja gleich zu Hause bleiben.<\/p>\n<p>  Welch fatale Fehleinsch&#228;tzung. &#8222;Mitregieren&#8220; bringt nicht der LINKE   Einfluss, sondern schafft anderen Parteien Einfluss in der Linken. Die   Einflussm&#246;glichkeiten linker Politik ergeben sich aus ihrer sozialen   Verankerung und Mobilisierungsf&#228;higkeit. Die Chancen sind nicht   schlechter als in der vorherigen Ratsperiode, sie m&#252;ssen aber genutzt   werden!<\/p>\n<p>  Ein Problem im Wahlkampf war der von K&#246;lner Partei mit &#228;u&#223;erst knapper   Mehrheit beschlossene Verzicht auf eine eigene OB-Kandidatur. Die   Argumente gegen eine Kandidatur reichen von &#8222;Wir k&#246;nnen nicht gewinnen,   dann bringt das nix&#8220; und &#8222;Wir haben keine geeigneten KandidatInnen&#8220; &#252;ber   &#8222;Dann m&#252;ssen wir ja auch noch den OB-Wahlkampf mitmachen&#8220; bis zum   offenen oder versteckten Wunsch, SPD und Gr&#252;nen durch den Verzicht auf   eine Konkurrenz zu ihrem Kandidaten Roters das Signal f&#252;r eine   Zusammenarbeit zu geben.<\/p>\n<p>  Allen Argumenten ist gemein, dass sie sich im Rahmen der   b&#252;rgerlich-parlamentarischen Logik bewegen und &#252;bersehen, dass jede   Kandidatur der LINKE in erster Linie ein Vehikel sein muss, um Ideen und   Parolen zu transportieren. Wie die Bef&#252;rworter einer OB-Kandidatur   erwartet haben, konzentrierte sich die mediale Berichterstattung auf die   OB-Kandidaten, der Verzicht darauf bedeutete, die Chancen zur   Selbstdarstellung, z.B. als &#8222;DIE Kandidatin gegen Hartz IV&#8220; nicht zu   nutzen.<\/p>\n<h4>  Probleme nicht nur bei den Wahlen<\/h4>\n<p>  W&#228;re das Wahlergebnis entt&#228;uschend, aber die Partei w&#252;rde in anderen   Feldern nach vorne gehen, br&#228;uchte man sich keine gro&#223;en Sorgen machen.   B&#252;rgerliche Wahlen sind kein einfaches Feld f&#252;r linke Kr&#228;fte. Aber f&#252;r   K&#246;ln l&#228;sst sich sagen, dass das Wahlergebnis ein Ausdruck von Problemen   auf mehreren Ebenen ist, die auch aus anderen Kreisverb&#228;nden bekannt   sind.<\/p>\n<p>  Die Partei ist bei sozialen K&#228;mpfen, bei Bewegungen und Demos wenig   pr&#228;sent, Ausnahmen best&#228;tigen die Regel. Im Sommer gab es   Mobilisierungen zum Thema &#8222;Iran&#8220; und eine ganze Reihe antifaschistischer   Aktionen. Bei beiden war die Partei erschreckend schwach vertreten,   obwohl dort Hunderte aktive, interessierte Menschen waren.<\/p>\n<p>  Die unterschiedlichen Traditionen und Str&#246;mungen in der Partei werden   nicht als Chance gesehen, die Partei als Sammlungsbewegung in einem   &#8222;sozialistischen Wettbewerb&#8220; aufzubauen. Stattdessen regieren   &#220;berzentralisierung und umst&#228;ndliche Mechanismen, um Beschl&#252;sse &#252;ber   Aktivit&#228;ten zu erreichen. Nicht die unterschiedlichen Str&#246;mungen schaden   der Partei, sondern eine l&#228;hmende Form des Str&#246;mungs-Kampfes, bei dem   Ausgrenzung und Kontrolle eine gro&#223;e Rolle spielen.<\/p>\n<p>  Das hat Folgen auf allen Ebenen. 2007-08 ist die Partei stark gewachsen,   aber die Aktivenschicht ist recht d&#252;nn, die Verankerung in sozialen   K&#228;mpfen nur ansatzweise vorhanden.<\/p>\n<h4>  Klares Profil n&#246;tig<\/h4>\n<p>  In seinem Artikel f&#252;r die &#8222;Lokalberichte&#8220; erw&#228;hnt J&#246;rg Detjen, dass die   Gr&#252;nen als Partei, die schon immer gegen die U-Bahn war, der Wahlsieger   sind.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich hat die LINKE im Fr&#252;hjahr die Chance verpasst, zu der Kraft   zu werden, die nach dem Unfall in der Severinstra&#223;e den Stopp des   wahnwitzigen U-Bahn-Projektes durch die S&#252;dstadt erk&#228;mpft.<\/p>\n<p>  Der Autor dieser Zeilen und andere GenossInnen haben schon Tage nach dem   Archiv-Einsturz ein klares Programm vorgelegt: Baustopp bis der Kl&#228;rung   aller Sicherheits- und Finanzierungsfragen, &#246;ffentliche Debatte und   demokratische Entscheidung durch die Bev&#246;lkerung &#252;ber den Fortgang des   Projektes. Wir haben vorgeschlagen, dass die Partei mit diesem Programm   eine Kampagne startet und hilft, eine breite Bewegung anzusto&#223;en. Das   Potenzial war vorhanden, aber der organisierende Kern fehlte. Die rund   50% der Leute, die bei einer Umfrage des Stadtanzeigers (nicht   repr&#228;sentativ, aber mit ca. 25.000 Beteiligten) sagten, die U-Bahn m&#252;sse   gestoppt oder erst einmal f&#252;r Jahre stillgelegt werden, haben somit   keine Kraft erkennen k&#246;nnen, die eine andere M&#246;glichkeit aufzeigt.<\/p>\n<p>  Die Gr&#252;nen setzten ihre politische Autorit&#228;t als U-Bahn-Gegner ein, um   staatstragend zu verk&#252;nden, jetzt, nachdem all das Geld sinnlos   vergraben wurde, m&#252;sste man das Ding fertig bauen. Die LINKE h&#228;tte   dagegen halten und die Gr&#252;nen schw&#228;chen k&#246;nnen. Ein Kampf f&#252;r den   Baustopp w&#228;re eine wichtige Mobilisierung gewesen und h&#228;tte die Gr&#252;nen   wahrscheinlich Stimmen in der S&#252;dstadt gekostet.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich hatte der Kreisvorstand viel zu sp&#228;t zwar korrekte   Forderungen aufgestellt, aber keine Kampagne f&#252;r diese Forderungen   organisiert. Durch die Ratsfraktion wurde zwar gute Recherche-Arbeit   geleistet, aber nach au&#223;en wurde die Linie transportiert, dass man auch   f&#252;r die Fertigstellung unter den gegebenen Umst&#228;nden sei, der   Unterschied zu den etablierten Kr&#228;ften war minimal.<\/p>\n<p>  GenossInnen, die f&#252;r den Baustopp eintraten, wurde unterstellt,   unverantwortliche Forderungen zu stellen, die zu erneuten   Millionenforderungen gegen die Stadt f&#252;hren k&#246;nnten, au&#223;erdem w&#228;re es   l&#228;cherlich, ein schon in Gang gesetztes Projekt stoppen zu wollen.   Heute, ein halbes Jahr sp&#228;ter, ist die Fertigstellung der U-Bahn nicht   f&#252;r 2011 oder 2012, sondern fr&#252;hestens f&#252;r 2013 geplant. Auch 2015 ist   schon im Gespr&#228;ch. Teile der unterirdischen Anlagen m&#252;ssen eventuell   verlegt werden. Angesichts der kommenden Haushaltskrise ist nicht   auszuschlie&#223;en, dass das ganze Projekt noch kippt.<\/p>\n<p>  Die U-Bahn-Frage h&#228;tte die M&#246;glichkeit zur Zuspitzung geboten. Die LINKE   h&#228;tte einen st&#228;rkeren Wiedererkennungswert bekommen. Die Frontfrauen   bzw. m&#228;nner der entsprechenden B&#252;rgerinitiative h&#228;tten als   OB-Kandidat\/in aufgestellt werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Stattdessen wurde ein eher abstrakter Propaganda-Wahlkampf mit einem   Material-Gemischtwarenladen gef&#252;hrt. Die Plakate der LINKE in K&#246;ln waren   allgemein in Ordnung, doch es war nicht klar erkennbar, wof&#252;r die Partei   konkret k&#228;mpft. &#8222;Schule f&#252;r Alle&#8220;, &#8222;Transparenz und Demokratie&#8220;, &#8222;Gute   Arbeit statt Hartz IV&#8220; auf zu bunten, optisch unauff&#228;lligen Plakaten   haben kein klares Bild der Partei ergeben, allgemeine Wahlwerbung durch   Infost&#228;nde und Briefkasten-Verteilung ebenso wenig.<\/p>\n<p>  Wenn die LINKE als &#8222;allgemeine soziale Kraft, die das Gute will&#8220; gesehen   wird, verliert sie gegen&#252;ber den Gr&#252;nen, bietet sogar Raum f&#252;r andere,   politisch unklare Kr&#228;fte wie die lokale Initiative &#8222;Deine Freunde&#8220; in   K&#246;ln, die mit rund 3.000 Stimmen (0,8%) ein Ratsmandt eroberte oder die   &#8222;Piratenpartei&#8220; in Aachen, die es schaffen, klar ihre Zielgruppen zu   definieren und ein Bild von sich zu vermitteln.<\/p>\n<h4>  Beginnende Verankerung in Kalk<\/h4>\n<p>  Das Wahlergebnis im Direktwahlkreis des Autoren dieser Zeilen, dem   Wahlkreis 42 (Humboldt-Gremberg 1\/Kalk) liegt mit 10,73% deutlich &#252;ber   dem stadtweiten Schnitt und hat auch andere Besonderheiten aufzuweisen.<\/p>\n<p>  Die Wahlbeteiligung ist deutlich gestiegen, diese Stimmen und die   Verluste von SPD und CDU sind zu gleichen Teilen den Gr&#252;nen und der   LINKE zu Gute gekommen (jeweils ca. +240), obwohl auch andere eher   links-alternative Kr&#228;fte leicht zugelegt haben (Deine Freunde, &#214;kolinx).<\/p>\n<p>  Die Faschisten haben insgesamt 164 Stimmen verloren, &#8222;Pro K&#246;ln&#8220; (PK)   selbst verlor trotz h&#246;herer Wahlbeteiligung 12 Stimmen, NPD und REP   waren nicht mehr angetreten. In fast allen anderen Stadtteilen mit   &#228;hnlicher Sozialstruktur (hohe Arbeitslosigkeit und Migranten-Anteil)   konnte PK deutlich zulegen. Insgesamt sind die faschistischen Parteien   von 11,31% auf 7,49% abgesackt, die Kandidaturen &#8222;links der Gr&#252;nen&#8220;   konnten von 8,81% auf 13,17% gesteigert werden. H&#228;tte es diese Tendenz   in allen armen Stadtteilen gegeben, w&#228;re die LINKE im Rat weitaus   st&#228;rker, die Faschisten schw&#228;cher.<\/p>\n<p>  Das liegt nur zum Teil an der Sozialstruktur Kalks, denn diese ist in   anderen Stadtteilen &#228;hnlich. Auch der intensiv gef&#252;hrte Wahlkampf mit   mehr Infost&#228;nden als in anderen Wahlkreisen und das Engagement des   Autors im Wahlkampf haben diese Unterst&#252;tzung nicht geschaffen, sondern   sie lediglich f&#252;r den Wahltermin abgerufen.<\/p>\n<p>  Dem Wahlergebnis liegt die langfristige Aktivit&#228;t linker Kr&#228;fte in Kalk   zugrunde. Schon seit vielen Jahren ist die SAV aktiv, dazu t&#252;rkische   Gruppen wie DIDF. Seit 2007 hat der Ortsverein der LINKE h&#228;ufige   Infost&#228;nde organisiert. Wichtig waren das Eingreifen der linken   Ratsmitglieder bei den Protesten jugendlicher Migranten Anfang 2008, die   Veedel-Kundgebung gegen den &#8222;Anti-Islam-Kongress&#8220; im September 2008 und   die Wahlkampfkundgebung mit Stra&#223;enfest-Charakter am 21. August.<\/p>\n<p>  Das GgS-B&#252;ro in der Steprathstr. ist eine Anlaufstelle geworden, durch   das Kontakte zu betrieblichen Aktivisten gekn&#252;pft und vielen   Erwerbslosen geholfen werden konnte. Gerade die Wahllokale rund um das   B&#252;ro weisen &#252;berdurchschnittliche Ergebnisse auf, hier liegt auch das   stadtweit st&#228;rkste Wahllokal der LINKE mit 19,35%.<\/p>\n<p>  In Kalk haben sich die Aktiven nie gro&#223; darum geschert, Kontakte zu den   b&#252;rgerlichen Parteien herzustellen oder sich mit jeder Kleinigkeit in   der Bezirksvertretung zu befassen. Sie sind raus auf die Stra&#223;e, haben   mit den Leuten geredet und mit einer Mischung aus konkreten Hilfen und   antikapitalistischer Aufkl&#228;rung die Linke bekannt gemacht.<\/p>\n<h4>  Aus Misserfolgen lernen<\/h4>\n<p>  In K&#246;ln drohen massive Haushaltsk&#252;rzungen und Angriffe auf soziale   Standards. SPD und Gr&#252;ne werden dabei nicht zimperlicher sein als die   CDU. Sie k&#246;nnten, &#228;hnlich wie die Schr&#246;der-Regierung, ihren Einfluss in   der F&#252;hrung von Gewerkschaften und Verb&#228;nden nutzen, um den Widerstand   gegen K&#252;rzungen zu minimieren.<\/p>\n<p>  Die Aufgabe der LINKE ist es, Proteste dagegen zu unterst&#252;tzen,   ermutigen und anzusto&#223;en. N&#246;tig ist das Primat der Bewegung, der Aktion.   Das Agieren im Rat und den Bezirksvertretungen ist den Notwendigkeiten   der au&#223;erparlamentarischen Aktivit&#228;ten und Bewegungen unterzuordnen.<\/p>\n<p>  Die Einflussm&#246;glichkeiten der LINKE sind nicht geringer, sondern weit   gr&#246;&#223;er, wenn sie es versteht, als grundlegende Opposition gegen die   Herrschenden in der Stadt zu agieren, wenn sie den Unmut &#252;ber das   Establishment und die Reichen aufgreift, welche die kommunalen Kassen   pl&#252;ndern, wenn sie ihren eigenen Mitgliedern M&#246;glichkeiten bietet,   Initiativen von unten anzusto&#223;en, wenn sie schnell auf neue   Entwicklungen reagiert.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b><i>Eine spezielle Analyse des Autors &#252;ber das ProK&#246;ln-Ergenis findet   sich<a href=\"http:\/\/www.clausludwig.de\/index.php\/antifa\/66-wahl-pk\"> hier<\/a>.<\/i><\/b><\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      LINKE im Vorw&#228;rtsgang mit angezogener Bremse\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,55,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13298"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13298"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13298\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}