{"id":13295,"date":"2009-09-02T14:22:03","date_gmt":"2009-09-02T12:22:03","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13295"},"modified":"2012-05-15T15:09:37","modified_gmt":"2012-05-15T13:09:37","slug":"13295","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/09\/13295\/","title":{"rendered":"Landtagswahlen im Saarland, Th&#252;ringen und Sachsen:"},"content":{"rendered":"<p>  Niederlage f&#252;r die Gro&#223;e Koalition &#8211; was bedeuten die Ergebnisse f&#252;r DIE   LINKE?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Das vergangene Wahlwochenende ist eine herbe Niederlage f&#252;r die Parteien   der Gro&#223;en Koalition. Ein Viertel aller W&#228;hlerInnen waren einen Monat   vor der Bundestagswahl bei den Landtagswahlen in Th&#252;ringen, Sachsen und   im Saarland und den Kommunalwahlen in NRW zur Stimmabgabe aufgerufen.<\/p>\n<p>  Das Ergebnis ist ein Desaster f&#252;r die CDU, eine Fortsetzung der   Schw&#228;chung der SPD und bedeutet Zugewinne f&#252;r die kleineren   Oppositionsparteien. Den Behauptungen, die Menschen w&#252;rden aus   Sicherheit in der Krise auf die altbew&#228;hrten gro&#223;en Parteien setzen,   wurde eine Absage erteilt. Die Wahlen vom 30. August bedeuten vielmehr   eine Absage an die bisherige Umverteilungspolitik von CDU und SPD.<\/p>\n<p>  Mit der M&#246;glichkeit einer rot-rot-gr&#252;nen Regierung im Saarland und   Rot-Rot in Th&#252;ringen stellt sich die Frage des weiteren Kurses der   Linkspartei in aller Sch&#228;rfe. Soll sie sich an Landesregierungen und   damit an kommenden K&#252;rzungen in Folge der Krise beteiligen oder in   Opposition zu den b&#252;rgerlichen Parteien den Widerstand gegen die   Abw&#228;lzung der Krisenlasten auf unserem R&#252;cken organisieren?<\/p>\n<h4>  <b><i>von Lucy Redler, Berlin<\/i><\/b><\/h4>\n<p>  Wer regiert, wird abgew&#228;hlt: Deutlicher konnte die Botschaft an die   bisherigen CDU-Alleinregierungen in Th&#252;ringen und im Saarland nicht   sein. In beiden L&#228;ndern verlor die Union die absolute Mehrheit. In   Th&#252;ringen bedeutete diese Erdrutsch-Niederlage den Verlust von 110.000   Stimmen. In Sachsen kehrten 130.000 W&#228;hlerInnen der CDU den R&#252;cken.<\/p>\n<p>  Auch bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen erlitt die Union, die   dort gemeinsam mit der FDP die Landesregierung stellt, Verluste.<b> <\/b><\/p>\n<h4>  <b>SPD: Stagnation auf Katastrophenniveau<\/b><\/h4>\n<p>  Die SPD, die sich von einer Katastrophenumfrage zur n&#228;chsten hangelt,   versuchte prompt das miese Abschneiden der CDU als Plus f&#252;r sich zu   verbuchen. Ein strahlender Steinmeier konnte jedoch nicht dar&#252;ber   hinwegt&#228;uschen, dass die SPD sechs Prozentpunkte im Saarland einb&#252;&#223;te,   absolute Stimmenverluste in Sachsen und NRW verzeichnete und lediglich   in Th&#252;ringen leicht hinzugewinnen konnte.<\/p>\n<p>  Treffend kommentierte die S&#252;ddeutsche Zeitung: <i>&#8222;Wenn man am   Verdursten ist, dann ist jeder Tropfen recht &#8211; ob er aus Th&#252;ringen, dem   Saarland oder aus K&#246;ln kommt. (&#8230;) Trinklieder stimmen die   Sozialdemokraten ja heutzutage schon an, wenn sie nur Sprudelwasser   serviert bekommen.&#8220; <\/i><\/p>\n<p>  Die SPD konnte von der Niederlage der Union nicht profitieren. Wie keine   andere Partei steht die SPD f&#252;r Agenda 2010 und Hartz IV und bindet den   Bankenrettungspaketen in der Gro&#223;en Koalition das Schleifchen um.<\/p>\n<h4>  <b>Zugewinne f&#252;r FDP, Gr&#252;ne und LINKE<\/b><\/h4>\n<p>  Von der Abwendung der CDU und teilweise der SPD konnten mit einigen   Unterschieden FDP, Gr&#252;ne und DIE LINKE profitieren. In Sachsen und   Th&#252;ringen machten entt&#228;uschte CDU-W&#228;hler vor allem ihr Kreuz bei der   FDP, was lediglich eine Verschiebung im b&#252;rgerlichen Lager ausdr&#252;ckt.   Dennoch konnte die FDP weder im Saarland noch in Th&#252;ringen die Verluste   der CDU wettmachen. Die Wahrscheinlichkeit einer schwarz-gelben   Koalition auf Bundesebene ist damit etwas zur&#252;ckgegangen.<\/p>\n<p>  Die Gr&#252;nen konnten wie bereits bei der Europawahl von der Ablehnung von   CDU und SPD mit dem Slogan, dass nur Gr&#252;n aus der Krise helfe,   profitieren. Dass es den Gr&#252;nen als ehemaliger Agenda- und Hartz   IV-Partei gelingt, sich als kritische und progressive Kraft   darzustellen, h&#228;ngt auch damit zusammen, dass DIE LINKE nicht   ausreichend als grundlegende Alternative zu allen etablierten Parteien   wahrgenommen wird.<\/p>\n<h4>  LINKE<\/h4>\n<p>  DIE LINKE konnte vor allem im Saarland mit Oskar Lafontaine punkten und   erzielte mit 21,3% ein herausragendes Ergebnis. In Saarbr&#252;cken wurde DIE   LINKE zweitst&#228;rkste Kraft, im Wahlkreis V&#246;lklingen r&#252;ckte sie mit knapp   30% sogar an die Spitze. Unter Arbeitslosen wurde DIE LINKE st&#228;rkste   Partei.<\/p>\n<p>  Dem guten Ergebnis im Saarland und leichten Zugewinnen in Th&#252;ringen   steht f&#252;r DIE LINKE ein deutlicher Verlust von 120.000 Stimmen in   Sachsen gegen&#252;ber. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2005 verlor DIE LINKE   hier sogar &#252;ber 200.000 Stimmen. Vor dem Hintergrund von jahrelangem   Filz und Korruption ist es der LINKEN nicht gelungen, sich vom   &#8222;Sachsen-Sumpf&#8220; abzuheben. Die Wahlbeteiligung war r&#252;ckl&#228;ufig, weil es   keine realistische und greifbare Alternative f&#252;r einen Wechsel gab. So   kann CDU-Ministerpr&#228;sident Tillich trotz heftiger Stimmenverluste weiter   regieren.<\/p>\n<p>  Die unterschiedlichen Ergebnisse f&#252;r DIE LINKE h&#228;ngen aber auch damit   zusammen,<\/p>\n<p>  dass es im Saarland und Th&#252;ringen die Perspektive f&#252;r eine Abwahl der   CDU-Alleinregierungen und eine Alternative in Form von Rot-Rot-Gr&#252;n oder   Rot-Rot gab. Die Hoffnung auf eine starke LINKE und dass Rot-Rot-Gr&#252;n   eine Verbesserung zur neoliberalen Politik der CDU darstellt, scheint   Menschen in diesen Bundesl&#228;ndern motiviert zu haben, einerseits   &#252;berhaupt zur Wahl zu gehen und andererseits der LINKEN die Stimme zu   geben. Im Saarland stieg die Wahlbeteiligung um 12 Prozentpunkte, in   Th&#252;ringen um knapp 3 Prozentpunkte. Das zeigt, dass die Hoffnung auf   tats&#228;chliche Ver&#228;nderung, so tr&#252;gerisch sie auch sein mag, zu einer   h&#246;heren Wahlbeteiligung und Erfolgen f&#252;r DIE LINKE f&#252;hren kann.<\/p>\n<p>  In Sachsen dagegen war keine Perspektive f&#252;r eine Alternative   Rot-Rot-Gr&#252;n greifbar, was der CDU die M&#246;glichkeit gibt, fortan mit SPD   oder FDP zu koalieren.<\/p>\n<h4>  Rot-Rot-Gr&#252;n<\/h4>\n<p>  Es ist sehr wahrscheinlich, dass es in Th&#252;ringen und im Saarland zu   Rot-Rot bzw. zu Rot-Rot-Gr&#252;n kommt. Die SPD hat daran ein Interesse, um   vor der Bundestagswahl durch zwei neue Regierungsbeteiligungen St&#228;rke zu   demonstrieren. Auch IG Metall-Chef Berthold Huber hat in Bezug auf das   Saarland und Th&#252;ringen gefordert &#8222;dass die Chancen zu neuen Mehrheiten   auch genutzt werden&#8220; (Berliner Zeitung, 01.09.09).<\/p>\n<p>  DIE LINKE-F&#252;hrung setzt auf weitere Regierungsbeteiligungen, um ihrem   Ziel einer Regierungsbeteiligung im Bund n&#228;her zu kommen. Eine   Beteiligung an Regierungen mit SPD und Gr&#252;nen entspricht der Politik der   LINKE-F&#252;hrung, den krisenhaften Kapitalismus besser zu managen, als es   die Kapitalisten tun, anstatt ihn abzuschaffen.<\/p>\n<p>  Dies wird auch in Th&#252;ringen der Grund sein, weshalb DIE LINKE aller   Wahrscheinlichkeit nach auf das Amt des Ministerpr&#228;sidenten verzichten   wird. F&#252;r eine Regierungsbeteiligung im Saarland und in Th&#252;ringen   verzichten Bodo Ramelow und Oskar Lafontaine sogar auf die Formulierung   von inhaltlichen Mindestbedingungen. Solche hat zumindest Lafontaine   immer wieder in Bezug auf die Bundesebene formuliert. Der Verzicht   darauf auf Landesebene stellt einen weiteren Rechtsruck der F&#252;hrung der   LINKEN dar.<\/p>\n<p>  Die Ergebnisse der Linkspartei im Saarland und in Th&#252;ringen und das   m&#228;&#223;ige Abschneiden der LINKEN im linkeren Landesverband NRW wird zu   einer innerparteilichen Kr&#228;fteverschiebung f&#252;hren und die sogenannten   Pragmatiker und Regierungsbef&#252;rworter st&#228;rken.<\/p>\n<p>  M&#246;gliche Koalitionen unter Einbindung der Linkspartei in Brandenburg, wo   zeitgleich zur Bundestagswahl gew&#228;hlt wird, oder in NRW im Jahr 2010   w&#252;rden diesen Fl&#252;gel weiter st&#228;rken.<\/p>\n<p>  Ein solcher Kurs w&#228;re verheerend f&#252;r die Zukunft der Partei. Diese   Situation ist eine Herausforderung f&#252;r die antikapitalistischen,   marxistischen und bewegungsorientierten Kr&#228;fte in der Partei. Die d&#252;rfen   sich jetzt nicht in die Defensive dr&#228;ngen lassen, sondern m&#252;ssen   offensiv und klar eine andere Strategie und Politik vorschlagen: mit   Schwerpunktsetzung auf den Aufbau au&#223;erparlamentarischen Widerstands,   der Selbstorganisierung der Arbeiterklasse und einer sozialistischen   Perspektive.<\/p>\n<h4>  Kleineres &#220;bel?<\/h4>\n<p>  Es ist nachvollziehbar, dass Menschen Hoffnungen darin setzen, dass eine   rot-rote oder rot-rot-gr&#252;ne Landesregierung zumindest zu weniger   Angriffen auf die rechte der Masse der Bev&#246;lkerung f&#252;hrt. Eine   Regierungsbeteiligung der LINKEN mit prokapitalistischen Parteien wie   SPD und Gr&#252;nen m&#252;sste sich aber zwangsl&#228;ufig den so genannten   &quot;Sachzw&#228;ngen&quot; leerer Staatskassen beugen und zu unsozialer Politik   f&#252;hren, Dies w&#252;rde die Hoffnungen schnell untergraben und zu einem   R&#252;ckgang der Unterst&#252;tzung f&#252;r DIE LINKE f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Die Erfahrungen mit Lohndumping und Privatisierungs- und K&#252;rzungspolitik   der rot-roten Regierung in Berlin zeigen eindr&#252;cklich, wie tr&#252;gerisch   die Hoffnungen auf ein kleineres &#220;bel an der Regierung sind und wie   schnell Illusionen entt&#228;uscht werden. DIE LINKE Berlin beteiligte sich   an massivem Sozialabbau und verlor nach den ersten f&#252;nf Jahren   Regierungsbeteiligung im Jahr 2006 die H&#228;lfte der Stimmen. Eine &#228;hnliche   Erfahrung gab es nach der ersten PDS-Regierungsbeteiligung auf   Landesebene in Mecklenburg-Vorpommern. In der Krise wird die   katastrophale Situation der &#246;ffentlichen Haushalten noch schneller dazu   f&#252;hren, dass Regierungen durch Sparpakete versuchen werden, die Kosten   auf Besch&#228;ftigte, Erwerbslose und Jugendliche abzuw&#228;lzen.<\/p>\n<p>  Wenn DIE LINKE in Zukunft im Saarland oder in Th&#252;ringen Sozialabbau mit   exekutiert, wird das nicht nur die Partei selbst, sondern auch den   Widerstand gegen die drohende Entlassungswelle, kommunale K&#252;rzungen und   die n&#228;chste Agenda 2020 nach der Bundestagswahl schw&#228;chen. Der Kampf   gegen Sozialabbau, Lohnk&#252;rzungen und Abbau von demokratischen Rechten   ist die wichtigste Aufgabe der LINKEN und nicht mit, sondern nur gegen   SPD und Gr&#252;ne durchzusetzen, denn diese sind der kapitalistischen   Profitlogik fest verbunden.<\/p>\n<p>  Deshalb ist es jetzt die wichtigste Aufgabe der LINKEN mit dem guten   Wahlergebnis im R&#252;cken die au&#223;erparlamentarische Mobilisierung gegen   drohende Angriffe des Kapitals zu verst&#228;rken. DIE LINKE sollte jetzt all   ihre Kraft dazu nutzen, eine antikapitalistische Propaganda mit einem   Aufruf zum sozialen Widerstand und praktischen Angeboten f&#252;r diesen zu   verbinden: durch die Bildung und Unterst&#252;tzung von   Antikrisen-Widerstandsb&#252;ndnissen, Unterst&#252;tzungskampagnen f&#252;r von   Entlassungen und Betriebsschlie&#223;ungen bedrohte Belegschaften, Kampagnen   gegen kommunale und landesweite K&#252;rzungen und einer politischen   Offensive f&#252;r Forderungen wie Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohn- und   Personalausgleich oder Verstaatlichung der Banken und Konzerne unter   demokratischer Kontrolle und Verwaltung der arbeitenden Bev&#246;lkerung. .<\/p>\n<h4>  Was f&#252;r eine LINKE brauchen wir?<\/h4>\n<p>  Lafontaine und Ramelow zufolge geht es f&#252;r DIE LINKE vor allem darum,   bei Wahlen gut abzuschneiden und m&#246;glichst Teil von Regierungen zu   werden. Diese parlamentarische Fixierung steht im Widerspruch zu dem,   was eigentlich n&#246;tig w&#228;re.<\/p>\n<p>  Was ist das Ziel linker Politik? Die Interessen von Lohnabh&#228;ngigen und   sozial Benachteiligten zu vertreten, diese zur Selbstorganisierung und   Selbstaktivit&#228;t zu motivieren und eine starke sozialistische   Massenpartei aufzubauen, die im Schulterschluss mit   au&#223;erparlamentarischen Bewegungen die Gesellschaft ver&#228;ndern, den   Kapitalismus abschaffen kann.<\/p>\n<p>  DIE LINKE vertritt den Anspruch, den Kapitalismus zu &#252;berwinden. Eine   Zusammenarbeit mit den Parteien, die dieses System im Interesse der   Herrschenden verteidigen, wird den Parteiaufbau schw&#228;chen und den   Widerstand gegen die kapitalistische Krise untergraben.<\/p>\n<p>  DIE LINKE h&#228;tte sich im Wahlkampf als k&#228;mpferische Partei mit einem   grundlegend anderen Programm und anderer Strategie profilieren k&#246;nnen,   die nichts mit der Politik von SPD, Gr&#252;ne, CDU und FDP gemein hat. Wenn   Oskar Lafontaine im Wahlkampf mit deutlichen antikapitalistischen   Positionen und Forderungen zu Verbesserung der Lebenssituation von   Millionen aufgetreten w&#228;re, h&#228;tte DIE LINKE einen Beitrag geleistet die   gesellschaftliche Stimmung nach links zu verschieben, die Aussichten f&#252;r   den Aufbau des Widerstands zu verbessern und Menschen zur Wahl zu   mobilisieren, die von allen Parteien die Schnauze voll haben.<\/p>\n<p>  Stattdessen hat die LINKE-F&#252;hrung bereits im Wahlkampf die Hoffnungen in   rot-rot-gr&#252;ne B&#252;ndnisse mit gesch&#252;rt und weitgehend auf eigene Inhalte   verzichtet.<\/p>\n<p>  Wohin eine solche Strategie f&#252;hrt, wurde auch an den Plakatslogans   deutlich: &#8222;Oskar w&#228;hlen &#8211; wir wisse was gudd iss&#8220; oder &#8222;Oskar   Lafontaine: Erfolgreicher und sozialer Ministerpr&#228;sident im Saarland &#8211;   Er kanns&#8220;.<\/p>\n<p>  Wochenlang hat DIE LINKE-Spitze in Interviews und auf der Stra&#223;e   argumentiert, dass die Differenzen zwischen LINKE und SPD im Land nicht   so gro&#223; seien. Auch nach den Wahlen erkl&#228;rte Lafontaine: &#8222;In den L&#228;ndern   ist das Programm in vielen Punkten deckungsgleich mit Forderungen der   SPD.&#8220; (Frankfurter Rundschau, 02.09.09)<\/p>\n<p>  Die Wahlstrategie der F&#252;hrung und die M&#246;glichkeit auf einen   Regierungswechsel f&#252;hren jetzt dazu, dass sich DIE LINKE zur   Regierungsfrage verhalten muss.<\/p>\n<p>  Statt einer Unterordnung unter SPD und Gr&#252;ne sollte DIE LINKE beide   Parteien jedoch inhaltlich herausfordern und die entstandene Situation   nutzen, um ihre Programmpunkte hervorzuheben und einem Millionenpublikum   zu erkl&#228;ren, warum SPD und Gr&#252;ne in der Vergangenheit sowohl im Bund als   auch in den L&#228;ndern und Kommunen eine genau entgegengesetzte, unsoziale   Politik betrieben haben und warum ihr Bekenntnis zur kapitalistischen   Marktwirtschaft bedeutet, dass sie dies auch in Zukunft machen werden.<\/p>\n<p>  Es sieht jedoch alles danach aus, als w&#228;re die LINKE-F&#252;hrung bereit,   inhaltliche Positionen zu Gunsten einer Regierungsbeteiligung zu opfern.<\/p>\n<p>  Es ist falsch, wenn die Parteif&#252;hrung in der Bilanz jetzt die   Schlussfolgerung zieht, dass die Anpassung an SPD und Gr&#252;ne der Grund   f&#252;r den Erfolg gewesen w&#228;re. Genau mit dieser Strategie der Anpassung   fuhr die Partei ein schlechtes Ergebnis bei der Europawahl ein. Die   Gr&#252;nde f&#252;r das gute Abschneiden im Saarland liegen weitgehend in der   Popularit&#228;t Lafontaines und der greifbaren Perspektive einer Abl&#246;sung   der CDU-Alleinregierung.<\/p>\n<h4>  Piraten<\/h4>\n<p>  Das zu angepasste Profil der LINKEN lie&#223; auch einen gewissen Raum f&#252;r   unabh&#228;ngige Kandidaturen und f&#252;r die Piratenpartei. Letztere konnte in   Sachsen mit 1,9 Prozent ihr Ergebnis bei der Europawahl verdoppeln. Bei   den Kommunalwahlen in NRW traten die Piraten lediglich in Aachen und   M&#252;nster an (beides St&#228;dte mit technischen Universit&#228;ten und zu   vermutender gro&#223;en Internetcommunity) und holten erste Stadtratssitze.   In den Wahlkreisen, in denen die Piraten in Aachen antraten, gewannen   sie zwischen sechs und zehn Prozent der Stimmen.<\/p>\n<p>  Der Linkspartei sollten solche Ergebnisse zu denken geben. Besonders   Jugendlichen erscheint die Partei DIE LINKE oftmals als zu angepasst und   wenig radikal.<\/p>\n<h4>  Abschneiden der Nazis<\/h4>\n<p>  Die Existenz der LINKEN und Grabenk&#228;mpfe in der NPD haben dazu gef&#252;hrt,   dass die Nazipartei au&#223;er in Sachsen in keinen Landtag einziehen konnte.   Selbst in Sachsen verlor die Partei 90.000 Stimmen und halbierte damit   ihr Ergebnis. Im Saarland, wo DIE LINKE auch viele Protestw&#228;hler   erreichen konnte, rutschte die NPD von 4% bei der letzten Landtagswahl   auf gerade mal 1,5% ab.<\/p>\n<p>  In Th&#252;ringen konnte die NPD dagegen Stimmen hinzugewinnen, scheiterte   jedoch an der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde. Die unterschiedlichen Ergebnisse der   NPD h&#228;ngen zum einen mit dem innerparteilichen Machtkampf &#252;ber die Frage   von parlamentarischer Orientierung oder offenerer faschistischer   Ausrichtung zwischen dem Fl&#252;gel um den Parteivorsitzenden Udo Voigt und   dem beim letzten Bundesparteitag unterlegenen Fl&#252;gel um Udo Past&#246;rs,   Peter Marx und Holger Apfel zusammen. Die NPD-F&#252;hrung um Voigt   versuchte, ihren Kontrahenten in Sachsen und Saarland die Unterst&#252;tzung   zu entziehen und konzentrierte ihre Energie auf den Wahlkampf in   Th&#252;ringen.<\/p>\n<p>  Zum anderen stellt DIE LINKE im Osten im Gegensatz zum Westen eine   etablierte Partei dar, die weniger als im Westen in der Lage ist, durch   ein oppositionelles Profil W&#228;hler zu mobilisieren, die sonst aus Wut auf   die regierenden Parteien der NPD ihre Stimme gegeben h&#228;tten.<\/p>\n<p>  Die Tatsache, dass die Existenz der LINKEn die Nazis auf Wahlebene klein   h&#228;lt, droht abzunehmen, wenn DIE LINKE in Koalitionen mit SPD und Gr&#252;nen   Sozialabbau mit exekutieren sollte und dies zu einer Entt&#228;uschung ihrer   Anh&#228;nger und W&#228;hler f&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Mit der Krise ist davon auszugehen, dass die soziale Polarisierung   weiter zunimmt. Durch die jahrelange rassistische Propaganda etablierter   Parteien und b&#252;rgerlicher Medien, haben sich ausl&#228;nderfeindliche   Vorurteile in einem Teil der Bev&#246;lkerung festgesetzt und existiert ein   rassistischer Bodensatz, den die Faschisten unter gewissen Umst&#228;nden   mobilisieren k&#246;nnen. Auch dies kann nur durch eine eindeutige   internationalistische Politik auf Basis eines Klassenstandpunkts   aufgebrochen werden.<\/p>\n<h4>  Signal f&#252;r die Bundestagswahl<\/h4>\n<p>  Auch wenn b&#252;rgerliche Kommentatoren behaupten, die Wahl sei keine   Testwahl f&#252;r die Wahl im Bund, haben die Wahlen vom 30. August ein hohes   Gewicht f&#252;r die Bundestagswahl.<\/p>\n<p>  Es ist wahrscheinlich, dass DIE LINKE von dem Ergebnis der   Landtagswahlen im Bundestagswahlkampf profitieren und ihre Unterst&#252;tzung   ausbauen kann. Eine Beteiligung an Landesregierungen wird nicht   unmittelbar, sondern erst bei den ersten umfassenden K&#252;rzungen zu   Entt&#228;uschung und Abwendung f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Eine schwarz-gelbe Koalition im Bund ist weiterhin eine m&#246;gliche Option.   Diese hat jedoch durch die Landtagswahlen an Unterst&#252;tzung verloren.<\/p>\n<p>  SPD und die Gewerkschaftsf&#252;hrung scheinen gemeinsam entschlossen zu   sein, einen Wahlkampf gegen schwarz-gelb zu f&#252;hren. Es ist m&#246;glich, dass   die SPD aus ihrem Tief auftaucht und ein paar Prozentpunkte weniger   schlecht abschneidet.<\/p>\n<p>  Eine Gro&#223;e Koalition w&#252;rde m&#246;glich, wenn es f&#252;r schwarz-gelb nicht   reicht. Aber auch Jamaika k&#246;nnte eine Option sein, wenn die SPD Sorge   hat, als Juniorpartner in einer Gro&#223;en Koalition weiter an Boden zu   verlieren oder DIE LINKE in der alleinigen Opposition zu st&#228;rken.<\/p>\n<p>  Doch egal welche Regierung kommt: Die Angriffe seitens der Regierung und   ihrer Lobbyisten in den Konzernetagen werden hammerhart sein. Ein   Kurswechsel in der LINKEN weg von der Orientierung auf Zusammenarbeit   mit SPD und Gr&#252;nen und hin zum Aufbau von massenhaften Widerstand ist   dringend geboten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Niederlage f&#252;r die Gro&#223;e Koalition &#8211; was bedeuten die Ergebnisse f&#252;r DIE<br \/>\n      LINKE?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13295"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13295"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13295\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13295"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13295"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13295"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}