{"id":13294,"date":"2009-09-01T00:00:00","date_gmt":"2009-08-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13294"},"modified":"2012-07-18T15:47:54","modified_gmt":"2012-07-18T13:47:54","slug":"13294","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/09\/13294\/","title":{"rendered":"Marxismus und Zweiter Weltkrieg"},"content":{"rendered":"<p>  70 Jahre nach dem &#220;berfall Hitler-Deutschlands auf Polen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<\/p>\n<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>And I can&#8217;t help but wonder now Willie McBride<\/b><\/p>\n<p>  <b>Do all those who lie here know why they died?<\/b><\/p>\n<p>  <b>Did you really believe them when they told you the cause?<\/b><\/p>\n<p>  <b>Did you really believe them that this war would end wars?<\/b><\/p>\n<p>  <b>But the suffering, the sorrow, the glory, the shame &#8211;<\/b><\/p>\n<p>  <b>The killing, the dying &#8211; it was all done in vain.<\/b><\/p>\n<p>  <b>For Willie McBride, it&#8217;s all happened again<\/b><\/p>\n<p>  <b>And again, and again, and again, and again.<\/b><\/p>\n<h4>  <b>&#169; Eric Bogle<\/b><\/h4>\n<p>  Der Text des tief bewegenden Liedes &#8222;No Man&quot;s Land&#8220; von Eric Bogle   handelt von einem fiktiven jungen Soldaten der im Ersten Weltkrieg   gefallen ist, und seine Aussagen sind heute am 70. Jahrestag des   Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges ebenfalls hochaktuell.<\/p>\n<h4>  <i>von Peter Taaffe<\/i><\/h4>\n<p>  Kriege hat es, wie es in dem Lied hei&#223;t &#8222;immer und immer wieder   gegeben&#8220;. Dies wird auch so bleiben, solange der Kapitalismus noch   existiert. Die Opferzahlen des Zweiten Weltkrieges stellten sogar die   katastrophale Bilanz des Ersten Weltkriegs in den Schatten. Sch&#228;tzungen   zufolge kostete der Krieg 60 Millionen Menschen das Leben &#8211; 20 Millionen   SoldatInnen und 40 Millionen ZivilistInnen.<\/p>\n<p>  Viele ZivilistInnen starben an Krankheiten, Hunger, Massaker,   Bombenangriffen und vors&#228;tzlichem V&#246;lkermord. Die nicht mehr   existierende Sowjetunion verlor 27 Millionen Menschen, knapp die H&#228;lfte   aller Todesopfer des Krieges. 85 Prozent der Get&#246;teten waren auf der   &#8222;alliierten&#8220; Seite (gr&#246;&#223;tenteils Sowjetunion und China), 15 Prozent auf   Seiten der &#8222;Achsenm&#228;chte&#8220;, Nazideutschland, das faschistische Italien   und Japan. Einer Sch&#228;tzung zufolge starben zw&#246;lf Millionen ZivilistInnen   in den Konzentrationslagern der Nazis, w&#228;hrend 1,5 Millionen durch   Luftangriffe das Leben verloren. Sieben Millionen starben in Europa   durch andere Todesursachen und 7,5 Millionen ChinesInnen wurden unter   der brutalen Unterdr&#252;ckung des japanischen Imperialismus umgebracht.<\/p>\n<p>  Die Grauen des Krieges hinterlie&#223;en einen unausl&#246;schlichen Eindruck auf   die Generationen, die sie erleben mussten. Dies wurde k&#252;rzlich   unterstrichen durch die Beerdigung von Harry Patch, dem letzten   &#252;berlebenden britischen Veteranen der Sch&#252;tzengr&#228;ben im Ersten   Weltkrieg, der im Juli im Alter von 111 Jahren starb. In seinen letzten   Jahren wandelte sich Harry Patch zum erkl&#228;rten Kriegsgegner. Der   gelernte Klempner bestand darauf, dass bei seiner Beerdigung je zwei   Soldaten aus Frankreich, Belgien und Deutschland seinen Sarg tragen   sollten. Dies unterstreicht die Einstellungen derjenigen, die den Dreck   und den Schlamm des Ersten Weltkrieges selbst erleben mussten, die den   Nationalismus und Chauvinismus gegen die M&#228;nner und Frauen auf der   &#8222;anderen Seite&#8220; ablehnten, die in einen Krieg gezwungen wurden, der   gegen ihre Interessen war und in dem viele das h&#246;chste Opfer erbringen   mussten. Sogar in den USA w&#228;hrend des Zweiten Weltkrieges ergab eine   Meinungsumfrage, dass zwei Drittel der Befragten hinsichtlich der   Kriegsschuld eine Unterscheidung vornahmen zwischen dem deutschen Volk   und den Nazis.<\/p>\n<p>  Der Erste Weltkrieg sollte der Krieg sein, &#8222;der alle Kriege beenden   sollte&#8220; und wurde ferne als &#8222;Krieg f&#252;r die Demokratie&#8220; verkauft.   Allerdings gab es in den meisten beteiligten L&#228;ndern nur begrenztes   Wahlrecht f&#252;r M&#228;nner, vor allem im zaristischen Russland, und kein   Wahlrecht f&#252;r Frauen auf nationaler Ebene in irgendeinem beteiligten   Staat bis nach dem Krieg, und in den kolonialen Besitzt&#252;mern der   europ&#228;ischen M&#228;chte gab es &#252;berhaupt keine demokratischen Rechte f&#252;r die   Massen. In Wirklichkeit war es ein Kampf um die Neuaufteilung der M&#228;rkte   der Welt, um Rohstoffquellen und &#228;hnlichem, zwischen verschiedenen   Schurkenbanden, und die &#8222;Sieger&#8220;, Gro&#223;britannien, Frankreich und die   USA, zwangen Deutschland einen rachs&#252;chtigen Frieden in Form des   Friedensvertrages von Versailles auf, der wiederum die Grundlage f&#252;r den   n&#228;chsten Krieg 20 Jahre sp&#228;ter schuf.<\/p>\n<p>  In Wirklichkeit sind Kriege in Laufe der Geschichte nicht unvermeidlich   wenn die Arbeiterklasse Gelegenheiten bekommt, den Lauf der Geschichte   zur ver&#228;ndern, und diese auch nutzt. Dies war unmittelbar nach dem   Ersten Weltkrieg absolut der Fall, als die Russische Revolution den   Ansto&#223; gab f&#252;r eine revolution&#228;re Welle in ganz Europa: in Deutschland,   Ungarn und der Tschechoslowakei, mit einem m&#228;chtigen Echo in   Gro&#223;britannien und den USA. Doch tragischerweise waren es genau die   Organisationen der Arbeiterklasse, die im Vorfeld des Krieges die   Arbeiterklasse auf die Ver&#228;nderung der Gesellschaft vorbereitet hatten,   die im entscheidenden Moment zu Bollwerken des Kapitalismus wurden, ihre   &#8222;eigene&#8220; Seite im Krieg unterst&#252;tzten und bei der Unterdr&#252;ckung von   Revolutionen halfen. Dies war vor allem in Deutschland zwischen 1917 und   1923 der Fall. Eine erfolgreiche Revolution in Deutschland h&#228;tte mit   Sicherheit eine revolution&#228;re Welle losgetreten, die Europa und die Welt   ver&#228;ndert h&#228;tte.<\/p>\n<h4>  Die Wurzeln des Krieges<\/h4>\n<p>  Aufgeschreckt durch die Erfahrung der Deutschen Revolution,   intervenierte vor allem der US-amerikanische Kapitalismus in Form des   Dawes-Planes, um die Wirtschaft in Deutschland und Europa in den 1920er   Jahren zu st&#252;tzen. Aber dies l&#246;ste nicht die fundamentalen Widerspr&#252;che   des Kapitalismus und des Imperialismus, die zum Ersten Weltkrieg gef&#252;hrt   hatten. Die Wurzeln lagen in der kolossalen Entwicklung der   Produktivkr&#228;fte &#8211; die Organisation von Arbeit, Wissenschaft und Technik   &#8211; die dem Privateigentum durch eine Handvoll Monopolkapitalisten und der   Existenz von Nationalstaaten entwachsen waren. Wladimir Lenin hatte   verk&#252;ndet &#8222;Kapitalismus bedeutet Krieg&#8220;, und er wies darauf hin, dass   wenn der Erste Weltkrieg nicht durch eine erfolgreiche sozialistische   Ver&#228;nderung der Gesellschaft beendet werden w&#252;rde, ein zweiter und einer   dritter Weltkrieg folgen w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Die teilweise Stabilisierung in Deutschland nach dem Scheitern der   Revolution von 1923 schien dieser und anderer marxistischen Analysen der   Situation zu widersprechen. Die deutsche Industrie entwickelte sich in   wirtschaftlicher Hinsicht, war aber durch den Vertrag von Versailles   stark eingeengt, vor allem durch das Fehlen von Kolonien und   Absatzm&#228;rkten f&#252;r die Produkte. Diese hatten sich die &#228;lteren   Kolonialm&#228;chte, vor allem Gro&#223;britannien und Frankreich, gesichert, vor   allem in den &#8222;Halbkolonien&#8220; Osteuropas, und in zunehmendem Ma&#223;e dr&#228;ngte   der neue &#8222;Riese&#8220;, der US-Imperialismus, auf den Plan. Beim einsetzen der   Weltwirtschaftskrise 1929 hatte der deutsche Kapitalismus genug   wirtschaftliche Leistungsf&#228;higkeit, um fast die ganze Welt zu versorgen,   doch die Vorherrschaft der imperialistischen Rivalen verhinderte dies.   Dies f&#252;hrte zu einer scharfen Krise mit Revolution und Konterrevolution   die, wie wir wissen, zum Sieg von Adolf Hitler und den Nazis im M&#228;rz   1933 f&#252;hrte, weil die feigen F&#252;hrer der Sozialdemokratischen und   Kommunistischen Parteien es vers&#228;umten, ihm den Weg zu versperren.<\/p>\n<p>  Direkt danach fasste Leo Trotzki den marxistischen Standpunkt zusammen   und sagte voraus, dass ein Wiederaufleben des deutschen Imperialismus   und ein Versuch, nach Kolonien und Rohstoffen zu greifen zu einem neuen   Weltkrieg f&#252;hren w&#252;rde, wenn Hitler nicht gestoppt werden w&#252;rde. So gro&#223;   waren die Gefahren f&#252;r die Arbeiterbewegung, nicht nur in Deutschland   sondern weltweit, dass Trotzki die Idee formulierte, dass ein   Arbeiterstaat seine milit&#228;rische Macht mobilisieren und vielleicht sogar   mit einer Intervention in Deutschland drohen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Der Arbeiterstaat in Russland war allerdings von der Arbeiterdemokratie   Lenins und Trotzkis zum diktatorischen Regime Josef Stalins und der ihm   st&#252;tzenden B&#252;rokratie degeneriert. Was die Idee des Kampfes f&#252;r   Sozialismus weltweit betraf, war Stalin mit der Parole &#8222;Sozialismus in   einem Land&#8220; an die Macht gekommen und war damit die Personifizierung des   Aufgebens der urspr&#252;nglichen Ziele der Russischen Revolution durch die   emporkommende b&#252;rokratische Elite, die den Staat und die Gesellschaft   immer mehr dominierten. Anstatt sich Hitler entgegen zu stellen,   schwankte Stalin zwischen dem Versuch, B&#252;ndnisse mit den sogenannten   &#8222;demokratischen&#8220; imperialistischen M&#228;chten zu schlie&#223;en, und geheimen   Bem&#252;hungen f&#252;r eine &#220;bereinkunft mit dem Nazi-Regime.<\/p>\n<p>  Trotzkis Schriften &#252;ber diesen Prozess, der zum Zweiten Weltkrieg   f&#252;hrte, sind von unsch&#228;tzbarem Wert f&#252;r das Verst&#228;ndnis des Charakters   des Kapitalismus, vor allem seiner modernen Ausdrucksforms, des   Imperialismus, vor allem wenn es darum geht, wie der Kapitalismus unter   bestimmten Umst&#228;nden auf Kriege zusteuert. Er wies darauf hin, dass der   sogenannte &#8222;Frieden&#8220; von Versailles die Grundlage daf&#252;r geschaffen   hatte, dass der deutsche Kapitalismus die Aufgabe der &#8222;nationalen   Vereinigung&#8220; der deutschsprachigen V&#246;lker auf Grundlage seines   imperialistischen Programms angehen konnte. Dies erm&#246;glichte den   Aufstieg von Hitlers faschistischen Kr&#228;ften, die vor allem aus der   Mobilisierung der verzweifelten Kleinb&#252;rger bestanden. Hitlers   Forderungen nach der &#8222;Heimf&#252;hrung&#8220; der &#252;ber drei Millionen   Sudetendeutschen, die nach 1918 innerhalb der Grenzen der   Tschechoslowakei lebten, sowie &#214;sterreichs, wurde lediglich zu den   ersten Schritten f&#252;r den deutschen Kapitalismus als es darum ging, die   Macht des britischen und franz&#246;sischen Imperialismus vor allem in   Osteuropa herauszufordern.<\/p>\n<h4>  Revolution in Spanien<\/h4>\n<p>  Trotzki argumentierte daher stets, dass ein Weltkrieg drohte, sollte die   einzige Kraft, die dies zu verhindern in der Lage war, n&#228;mlich die   organisierte Arbeiterklasse, nicht handeln, um die Gesellschaft auf   revolution&#228;rem Weg zu ver&#228;ndern. Hierzu boten sich gro&#223;e Chancen vor   allem in Spanien und Frankreich, in den entscheidenden K&#228;mpfen die   demokratische sozialistische Revolution zu vollenden, die mit dem   Massenaufstand gegen General Franco begonnen hatte. Dies w&#252;rde die   Gefahr eines neuen Weltkrieges mit seinen Bergen von Opfern und dem   damit verbundenen Leid endg&#252;ltig bannen. In der Tat fand in Spanien eine   &#8222;Generalprobe&#8220; f&#252;r den Zweiten Weltkrieg statt. Zwei der Achsenm&#228;chte,   Deutschland und Italien, waren auf der Seite Francos beteiligt und   testeten milit&#228;rische Ausr&#252;stung und Taktiken, wie etwa den &#8222;Blitzkrieg&#8220;   gegen Guernica, der sp&#228;ter w&#228;hrend Hitlers &#220;berfall auf Russland 1941 in   einem noch gr&#246;&#223;eren Ma&#223;stab wiederholt wurde.<\/p>\n<p>  Die spanische Revolution von 1931 bis 1937 bot allerdings nicht nur   eine, sondern gleich mehrere Gelegenheiten f&#252;r die Arbeiterklasse, an   die Macht zu kommen. Im Juli 1936 traten die spontanen Aktionen der   katalanischen Arbeiterklasse eine Bewegung gegen Franco in ganz Spanien   los, die dazu f&#252;hrten, dass urspr&#252;nglich vier F&#252;nftel des Landes sich in   der Hand der Arbeiterklasse befanden. Der Staatsapparat der Kapitalisten   lag am Boden und die wahre Macht lag in den H&#228;nden der   Arbeiterorganisationen mit ihren bewaffneten Verb&#228;nden. Die Kapitalisten   flohen auf die Seite Francos, nur ein Schatten von ihnen blieb im   &#8222;Republikanischen&#8220; Spanien.<\/p>\n<p>  Entscheidend bei der Entgleisung der Revolution war die verr&#228;terische   Rolle der Kommunistischen Partei, die v&#246;llig der F&#252;hrung der   stalinistischen B&#252;rokratie in Moskau unterlag. Au&#223;erdem vergab die POUM,   deren F&#252;hrer wie Andre Nin und Juan Andrade aus der trotzkistischen   Bewegung stammten, die au&#223;ergew&#246;hnlich g&#252;nstige revolution&#228;re Situation   zur Mobilisierung der Arbeiterklasse und Bauern zur Ergreifung der Macht   und sorgten so daf&#252;r, dass diese Gelegenheit den Massen durch die H&#228;nde   glitt.<\/p>\n<p>  Eine erfolgreiche Revolution in Spanien, kaum ein Monat nach massiven   Sitzstreiks in Frankreich, h&#228;tte eine revolution&#228;re Welle losgetreten,   welche die faschistischen Regime von Hitler und Benito Mussolini   zun&#228;chst ersch&#252;ttert und dann gest&#252;rzt h&#228;tte, das gleiche gilt f&#252;r das   brutale stalinistische B&#252;rokratenregime in Russland. Es war kein Zufall   dass die gro&#223;en &#8222;S&#228;uberungen&#8220; und die Moskauer Prozesse, in denen Leo   Trotzki und sein Sohn Leo Sedow die Hauptangeklagten waren, im Schatten   der Spanischen Revolution stattfanden. Die Russische B&#252;rokratie f&#252;hrte   einen &#8222;einseitigen B&#252;rgerkrieg&#8220; durch, um die letzten &#220;berbleibsel von   Lenins Bolschewistischer Partei und die Erinnerung an die heroische   Revolution von 1917 auszul&#246;schen. Diese tragische Niederlage schw&#228;chte   die Arbeiterklasse enorm und schuf die Grundlage f&#252;r den sp&#228;teren Krieg.<\/p>\n<h4>  Zynische Man&#246;ver<\/h4>\n<p>  Wenn moderne HistorikerInnen sich mit den Ereignissen befassen, die zum   Zweiten Weltkrieg f&#252;hrten, versuchen sie ein Bild zu zeichnen, in dem   die westlichen Demokratien eine konstante und unerbittliche   Feindseligkeit gegen&#252;ber den Regimes von Hitler und Mussolini einnahmen.   Die Kommunistischen Parteien, nach Moskaus Pfeife tanzend, versuchten in   dieser Periode ebenfalls zwischen der &quot;fortschrittlicheren&quot; Rolle und   Motivationen der kapitalistischen Demokratien einerseits und den   &quot;faschistischen M&#228;chten&quot; andererseits eine Unterscheidung vorzunehmen.   Als dann aber Stalin eine &#220;bereinkunft mit Hitler suchte und diese auch   fand, behaupteten sie auf einmal das Gegenteil, n&#228;mlich dass es keinen   fundamentalen Unterschied zwischen den verschiedenen kapitalistischen   Regimes g&#228;be. In Wahrheit war es so, dass hinter dem sehr   unterschiedlichen Charakter der politischen Regime des &quot;Faschismus&quot; und   der &quot;Demokratie&quot; die Hauptursache f&#252;r den Zweiten Weltkrieg der   +Konflikt zwischen unterschiedlichen imperialistischen Interessen all   dieser Regime war.<\/p>\n<p>  Wenn es ihren Zwecken entsprach und wenn sie durch Revolutionen bedroht   waren, konnten die Kapitalisten einen Wechsel von &quot;Demokratie&quot; zur   &quot;Diktatur&quot; vornehmen mit der gleichen Leichtigkeit mit der ein Mensch   sein Hemd wechselt. So &#252;bergab beispielsweise in der Tschechoslowakei   die &quot;Demokratische&quot; Regierung von Edvard Bene&#353; die Macht einfach einer   Milit&#228;rdiktatur und fl&#252;chtete selbst nach London, nachdem sein Land   durch das M&#252;nchener Abkommen vom September 1938 durch die Repr&#228;sentanten   des britischen und franz&#246;sischen Imperialismus (Neville Chamberlain and   &#201;douard Daladier) auf der einen und Hitler und Mussolini auf der anderen   Seite ausverkauft worden war.<\/p>\n<p>  Was die &quot;unerbittliche Feindseligkeit&quot; des britischen Imperialismus   gegen Hitler betrifft, schrieb ihr ber&#252;hmtester Vertreter, Winston   Churchill, 1939 in seinem Buch &quot;Gro&#223;e Zeitgenossen&quot; die folgende Passage   &#252;ber Hitler: &#8222;Ich habe immer gesagt dass wenn Gro&#223;britannien einen Krieg   verlieren w&#252;rde, dass ich hoffen w&#252;rde, dass wir einen Hitler finden   w&#252;rden, der uns zu unserem rechtm&#228;&#223;igen Platz unter den Nationen zur&#252;ck   f&#252;hrt.&quot; Die Nazis wurden durch die britische herrschende Klasse   finanziert und ihnen wurde mit massiver Unterst&#252;tzung der britischen   Wirtschaftsvertreter geholfen, so lange sie sich &quot;nach Osten&quot; wendeten,   also auf einen Angriff auf die Sowjetunion abzielten. So unterst&#252;tzte   Gro&#223;britannien effektiv Hitlers Wiederaufr&#252;stung im Rahmen des   Britisch-Deutschen Flottenabkommens von 1935, das eine Vergr&#246;&#223;erung der   Deutschen Kriegsmarine &#252;ber die im Versailler Vertrag vorgesehenen   Grenzen erlaubte.<\/p>\n<p>  David Lloyd George, der ber&#252;hmte &#8222;liberale&quot; Staatsmann, bezeichnete   Hitler als &quot;Bollwerk&quot; gegen den Bolschewismus. Churchill &#252;berh&#228;ufte bei   einer Rede in Rom 1927 Mussolinis Faschisten mit Lob: &#8222;W&#228;re ich   Italiener, bin ich mir sicher, dass ich vom Anfang bis zum Ende aus   ganzem Herzen auf Ihrer Seite gewesen w&#228;re in Ihrem triumphalen Kampf   gegen die bestialischen Triebe des Leninismus.&quot; In anderen Worten: wenn   die fundamentalen Interessen des Kapitalismus bedroht werden &#8211; das hei&#223;t   die Aufrechterhaltung und Verbesserung von Profit und M&#228;rkten, wird man   unabh&#228;ngig von den vorherigen Beschw&#246;rungen der Demokratie auf die   brutalsten diktatorischen Methoden zur&#252;ckgreifen, wenn dies notwendig   ist. Dies waren die Faktoren &#8211; ein tiefliegender Zusammensto&#223; zwischen   verfeindeten imperialistischen Interessen &#8211; die zum Ausbruch des Zweiten   Weltkrieges f&#252;hrten.<\/p>\n<p>  Vielleicht widerspricht die Tatsache, dass Hitler und Mussolini am Ende   Krieg mit dem britischen und franz&#246;sischen Imperialismus und sp&#228;ter auch   mit den USA f&#252;hrten, dem oben Gesagten? Der Britische Kapitalismus   versuchte zun&#228;chst, den deutschen Imperialismus zu bes&#228;nftigen und sich   mit ihm zu arrangieren, vor allem durch die Zugest&#228;ndnisse in Bezug auf   die Tschechoslowakei nach dem M&#252;nchener Abkommen. Aber Hitlers Einmarsch   in Polen kam einer &#220;berschreitung des Rubikon gleich, denn damit waren   die britischen und franz&#246;sischen Halbkolonien in Osteuropa und in der   restlichen Welt bedroht.<\/p>\n<p>  Es war gleicherma&#223;en unglaublich und besch&#228;mend dass gerade in dem   Moment, in dem die faschistischen Kr&#228;fte Hitlers sich auf die   Vernichtung Polens vorbereiteten, Stalin Hitler zur Hilfe eilte, in dem   er den ber&#252;chtigten Hitler-Stalin-Pakt unterzeichnete, den Trotzki schon   seit langem antizipiert hatte. Acht Tage sp&#228;ter begannen die Nazis ihren   Angriff und damit den Zweiten Weltkrieg. Auf diesem Wege hoffte Stalin,   Russland vor einem Angriff der Nazi-Horden zu bewahren. Aber, wie   wiederum Trotzki vorhersagte, sah Hitler den Pakt lediglich als   Papierfetzen an, und er war nun frei um seine Flugzeuge und Panzer gegen   Frankreich und letztlich auch Gro&#223;britannien loszulassen. Nach   Vollendung dieser Aufgaben w&#252;rde er sich der Sowjetunion und ihrer   Rohstoffe zuwenden, wobei er es vor allem auf &#214;l und Getreide abgesehen   hatte. Stalin half bei der Erf&#252;llung dieses Planes in dem er massenweise   die besten Milit&#228;roffiziere der Sowjetunion hinrichten lie&#223;.<\/p>\n<p>  Brilliante Milit&#228;rstrategen wie Michail Tuchatschewski, der die   Deutschen Blitzkriegtaktiken schon vorausgesagt hatte, verloren in   diesen &quot;S&#228;uberungen&quot; ihr Leben.<\/p>\n<h4>  Die Interessen der Arbeiterklasse<\/h4>\n<p>  Die Haltung von MarxistInnen zu einem Krieg ist von &#228;u&#223;erst gro&#223;er   Bedeutung. Diese Frage ist ein Lackmustest. Wir m&#252;ssen immer die Frage   stellen: welche Klasse f&#252;hrt den Krieg durch und in wessen Interesse   wird der Krieg gef&#252;hrt? Sch&#246;ne Phrasen &#252;ber &#8222;Demokratie&#8220; und   &#8222;Kriegsschuld&#8220; sind vom Standpunkt der Arbeiterklasse aus gesehen   nebens&#228;chlich. Diplomaten auf beiden Seiten schaffen es immer, den   &#8222;Feind&#8220; gegen&#252;ber den Massen im eigenen Land als &#8222;Agressor&#8220;   darzustellen. Aber der politische &#220;berbau eines kapitalistischen Regimes   welcher Art auch immer, ver&#228;ndert die reaktion&#228;ren &#246;konomischen   Fundamente des Imperialismus als haupts&#228;chliche Treibkraft des Krieges   nicht. In diesem Sinne war der Zweite Weltkrieg in erster Linie eine   Fortsetzung des Ersten als Kampf zwischen rivalisierenden   imperialistischen M&#228;chten.<\/p>\n<p>  Eine Fortsetzung ist allerdings nicht das Gleiche wie eine Wiederholung.   Die Existenz von faschistischen Regimen &#8211; dessen wesentliches Merkmal   die komplette Ausl&#246;schung aller Elemente der Demokratie ist, vor allem   was Arbeiterdemokratie, Gewerkschaften, Streikrecht, Versammlungsrecht   und so weiter betrifft &#8211; hatte enorme Auswirkungen auf die politische   Sicht der ArbeiterInnen auf den Krieg, vor allem in den &#8222;demokratischen&#8220;   L&#228;ndern Gro&#223;britannien, Frankreich und USA. Es gab keine Begeisterung   f&#252;r den Zweiten Weltkrieg unter der Masse der Arbeiterklasse, wie es in   einigen L&#228;ndern am Anfang des Ersten Weltkrieges der Fall gewesen war.   Der Grund hierf&#252;r war die Erfahrung aus diesem Krieg. Aber die Masse der   Arbeiterklasse beispielsweise in Gro&#223;britannien, erkannte den   arbeiterfeindlichen Charakter der Regime von Hitler und Mussolini und   wollte kein faschistisches Regime und vor allem keinen fremden   Unterdr&#252;cker &#252;ber sich. Das gleiche galt f&#252;r die Arbeiterklasse in   Frankreich und im &#252;brigen Europa. So befand sich nach Kriegsanfang der   authentische Marxismus in der Position, eine politische Haltung zum   Krieg entwickeln zu m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend des Ersten Weltkrieges dr&#252;ckte der Pazifismus die Feindseligkeit   vieler Arbeiter zu Kriegsgemetzel aus. Daher gab es auch eine gewisse   Toleranz gegen&#252;ber Kriegsdienstverweigerern. Es gab ebenfalls in einigen   L&#228;ndern bedeutende und wachsende Gruppen von ArbeiteraktivistInnen, die   gegen den Krieg waren. Vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gab es   eine allgemeine Stimmung gegen Krieg und f&#252;r &#8222;Frieden&#8220;. Aber nachdem der   Krieg begonnen hatte, dr&#228;ngte sich die Frage nach der politischen   Haltung zum Krieg f&#252;r die MarxistInnen auf. Die blo&#223;e Wiederholung von   Lenins Formeln aus dem Ersten Weltkrieg, die einige sektiererische   Gruppen machten und bis zum heutigen Tag in vergleichbaren Situationen   immer noch machen, war vollkommen unzureichend.<\/p>\n<p>  1914 hatte Lenin die unvorbereiteten und zerstreuten Kr&#228;fte des   Marxismus und Sozialismus, die nach dem Debakel des Zusammenbruchs der   Zweiten Internationale &#252;brig blieben, mit der Politik des sogenannten   &#8222;revolution&#228;ren Def&#228;tismus&#8220; gesammelt. Dies war eine Politik f&#252;r die   Kader, die Vorhut der Vorhut und nicht f&#252;r die Gewinnung der Masse der   Arbeiterklasse. Karl Liebknechts Formulierung &#8222;Der Hauptfeind steht im   eigenen Land&#8220; eignete sich besser zur Massenmobilisierung der   Arbeiterklasse. Es ging Lenin allerdings darum, angesichts der   chauvinistischen und nationalistischen Kapitulation der F&#252;hrung der   Zweiten Internationale, f&#252;r die Annahme beziehungsweise Fortsetzung   einer Politik des Klassenkampfes seitens der Arbeiterorganisationen   w&#228;hrend des Krieges sowie f&#252;r die Vorbereitung auf die sozialistische   Revolution, die nach dem Krieg eintreten w&#252;rde, einzustehen.<\/p>\n<p>  SozialistInnen und Revolution&#228;re lehnten die Idee der Verteidigung des   sogenannten &#8222;kapitalistischen Vaterlandes&#8220; entschieden ab. Dies war   vollkommen richtig. Aber dies reichte nicht aus um die Massen zu   gewinnen oder, wie Trotzki es formulierte, &#8222;um Kader auszubilden, die   wiederum die Massen gewinnen m&#252;ssen, die keinen fremden Eroberer   w&#252;nschen.&#8220; Es war nicht Lenins Politik des &#8222;revolution&#228;ren Def&#228;tismus&#8220;,   die dabei entscheidend war, dass die Bolschewiki die Arbeiterklasse f&#252;r   sich gewinnen und im Oktober 1917 an die Macht gelangen konnten, sondern   die Parole &#8222;Alle Macht den Sowjets&#8220;, sp&#228;ter verbunden mit der Idee von   &#8222;Land, Frieden, Brot&#8220;. So arbeiteten marxistische Kr&#228;fte in   Gro&#223;britannien, darunter die Workers&quot; International League, in dessen   Nachfolge sich die Socialist Party von heute sieht, nach Ausbruch des   Zweiten Weltkrieges an der Formulierung einer klaren Politik des   Klassenkampfes f&#252;r die damalige Situation mit dem Ziel, die Massen zu   gewinnen. Diese Bem&#252;hungen hatten bedeutsame Auswirkungen auf Teile der   Arbeiterklasse w&#228;hrend des Krieges.<\/p>\n<p>  Trotzki fasste das Probleme einer marxistischen Milit&#228;rpolitik w&#228;hrend   des Zweiten Weltkrieges zusammen: &#8222;Es w&#228;re doppelt unsinnig, heutzutage   eine rein pazifistische Position zu vertreten. Die Massen haben das   Gef&#252;hl, sich verteidigen zu m&#252;ssen. Wir m&#252;ssen sagen: &#8222;Roosevelt sagt,   das Land muss verteidigt werden: gut, aber es soll unser Land sein, und   nicht das Land der 60 Familien und von Wall Street.&#8220; ArbeiterInnen in   Gro&#223;britannien wie in Amerika, so fuhr Trotzki fort, &#8222;wollen nicht von   Hitler erobert werden und zu denen, die sagen &quot;lasst uns ein   Friedensprogramm haben&quot; sagen die ArbeiterInnen: &quot;Aber Hitler will kein   Friedensprogramm&quot;. Daher sagen wir, wir verteidigen die USA (oder   Gro&#223;britannien) mit einer Arbeiterarmee, mit Arbeiteroffizieren, mit   einer Arbeiterregierung usw.&#8220; Deshalb gingen die   MarxistInnen-TrotzkistInnen mit ihrer Klasse in die Armeen und   verfolgten geschickt einen Kurs der Entwicklung und Verbesserung der   Politik und des Programms des Klassenkampfes sowohl dort als auch in der   Industrie.<\/p>\n<p>  Die Kapitalisten, vor die Wahl gestellt zwischen der Arbeiterklasse und   einem fremden Unterdr&#252;cker, entschieden sich unweigerlich f&#252;r letzteres,   wie sich im Fall der Pariser Kommune 1871 zeigte. Damals bekamen die   feigen franz&#246;sischen Kapitalisten Unterst&#252;tzung seitens der   preu&#223;isch-deutschen Kr&#228;fte gegen die eigene Arbeiterklasse. W&#228;hrend   Frankreich im Zweiten Weltkrieg im Begriff war, an die Nazis zu fallen,   weigerten sich die franz&#246;sischen Kapitalisten hartn&#228;ckig, entsprechend   der Forderung der MarxistInnen die ArbeiterInnen zu bewaffnen, genau aus   dem Grund, weil sie eine Wiederholung der Pariser Kommune f&#252;rchteten.<\/p>\n<h4>  Brutalit&#228;t auf allen Seiten<\/h4>\n<p>  Der milit&#228;rische Verlauf des Krieges ist wohlbekannt und muss an dieser   Stelle nicht wiederholt werden. Die Intervention des US-Imperialismus   und der heroische Widerstand der Russischen Massen &#8211; trotz Stalins   Verbrechen &#8211; schafften es, Hitlers milit&#228;rische Kr&#228;fte sowie die   Mussolinis und des japanische Imperialismus aufzuhalten, zur&#252;ck zu   dr&#228;ngen und letztlich zu besiegen. Dieser Prozess bedeutete aber eine   riesige Verw&#252;stung der Erde, was an den Opferzahlen sowie anhand der   zerst&#246;rten Werte und Industrie deutlich wird.<\/p>\n<p>  Doch selbst heute, 70 Jahre nach Kriegsausbruch, ist die ganze   Geschichte des Krieges nicht vollst&#228;ndig erz&#228;hlt worden, wie Anthony   Beevor in seinem neuen Buch &#252;ber die Alliierten Landungen in der   Normandie betont. Brutale und gef&#252;hllose Milit&#228;raktionen waren nicht   ausschlie&#223;lich Hitler und Mussolini vorbehalten. Beevors Buch &#252;ber die   Auswirkungen der Landung in der Normandie verdeutlichen die brutalen,   fl&#228;chendeckenden Ma&#223;nahmen die in einem Krieg dieser Art von allen   Beteiligten ergriffen werden. Er argumentiert, dass die Anzahl von   70.000 Franz&#246;sische ZivilistInnen, die in den ersten f&#252;nf Monaten des   Jahres 1944 durch Alliierte Bombenangriffe get&#246;tet wurden, die   Gesamtanzahl der britischen Opfer deutscher Bombenangriff f&#252;r den   gesamten Krieg &#252;bersteigt. Die Kampagne von Bombardements in   Vorbereitung auf die Landungen in der Normandie wurden von &#8222;Bomber&#8220;   Harris organisiert, der sp&#228;ter f&#252;r die Verw&#252;stung Dresdens   verantwortlich sein w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Der Krieg brachte, wie von Trotzki prognostiziert, den Anfang einer   revolution&#228;ren Welle und eine enorme Radikalisierung der Massen,   angesto&#223;en durch die italienische Revolution von 1943 und den Sturz von   Mussolini sowie seinem Nachfolger Marschall Badoglio, sowie die K&#228;mpfe   der Arbeiterklasse in Norditalien. Die heroische Pariser Arbeiterklasse   befreite ihre Stadt w&#228;hrend General De Gaulle noch 50 Meilen davon   entfernt war. Er wurde im Eiltempo von den Amerikanern hingebracht um zu   verhindern, dass die Befreiung zum Funken f&#252;r eine neue franz&#246;sische   Revolution &#8211; diesmal mit einem sozialistischen und proletarischen   Charakter &#8211; w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Die britischen Parlamentswahlen 1945 brachten, zum Erstaunen vieler   Kommentatoren, die Abwahl des &#8222;Kriegsgewinners&#8220; Churchill. Dies war im   wesentlichen der massiven Ablehnung der Konservativen und ihrer   Gesellschaft seitens der Massen geschuldet. Die Soldaten lehnten es ab,   in die Bedingungen der 1930er Jahre, die zum Ausbruch des Krieges   gef&#252;hrt hatten, zur&#252;ck zu kehren. Christopher Bailey und Tim Harper   kommenieren in ihrem epochalen Werk &#8222;Vergessene Kriege: Das Ende des   Britischen Imperiums in Asien&#8220;: &#8222;Vor der Wahl war Churchill entsetzt als   er von Sir William Slim zu h&#246;ren bekam, dass 90 Prozent der Soldaten im   Osten Labour w&#228;hlen wollten, und dass die restlichen 10 Prozent gar   nicht w&#228;hlen wollten.&#8220; Und weiter schreiben sie: &#8222;Labour-Unterst&#252;tzer,   die es satt hatten mit Durchfall, Malaria und schlechter Bezahlung zu   leben, wollten die sch&#246;ne neue Welt sehen, die ihnen die linken Lehrer   aus dem Bildungskorps der Armee versprochen hatten. Zudem gab es von   Karatschi bis Singapur Meutereien in der Britischen Armee.<\/p>\n<h4>  Trotzkisten w&#228;hrend des Krieges<\/h4>\n<p>  MarxistInnen, vor allem TrotzkistInnen, intervenierten erfolgreich in   den verschiedenen Armeen w&#228;hrend der Krieges. Die TrotzkistInnen wandten   sich gegen Desertation und gegen einen Verzicht auf politische Arbeit,   sie wollten nach den Worten Trotzkis &#8222;die besten SoldatInnen&#8220; sein.   Beispielsweise im Soldatenparlament in Kairo konnten die Trotzkisten   sehr erfolgreich arbeiten, trotz Versuche der Armeef&#252;hrung, sie am   Anfang der Krieges zu verfolgen.<\/p>\n<p>  Eine heroische Rolle spielten auch die TrotzkistInnen in Europa. In   Griechenland beispielsweise, w&#228;hrend der faschistischen Besatzung,   richtete der Trotkistenf&#252;hrer Pontiles Poulipoulous, der Italienisch   sprach, einen revolution&#228;ren Appell ein sein Hinrichtungskommando in   ihrer eigenen Sprache. Es sprach die italienischen Soldaten als &quot;Br&#252;der&quot;   an und sagte: &quot;Wenn ihr uns t&#246;tet, t&#246;tet ihr euch selbst &#8211; ihr bek&#228;mpft   die Idee der sozialistischen Revolution.&quot; Die italienischen Soldaten   weigerten sich zu schie&#223;en, aber der ihnen vorgesetzte faschistische   Offizier f&#252;hrte daraufhin die Hinrichtung selbst durch. In der Industrie   in Gro&#223;britannien, wo die Kommunistische Partei aus &quot;Unterst&#252;tzung f&#252;r   die Kriegsanstrengungen&quot; Streiks verurteilte und zu unterdr&#252;cken   versuchte, setzten sich die TrotzkistInnen f&#252;r die berechtigten   Forderungen der Arbeiterklasse w&#228;hrend des Krieges ein und f&#252;hrte   erfolgreiche Bewegungen von Lehrlingen, ElektrikerInnen und anderen   ArbeiterInnen in Bezug auf L&#246;hne und Arbeitsbedingungen an.<\/p>\n<p>  Die Situation entwickelte sich so, wie von Trotzki vorhergesagt. Eine   revolution&#228;re Welle fegte von Italien aus &#252;ber Europa und nach   Gro&#223;britannien, wo sie zur Wahl der Labout-Regierung f&#252;hrte, zur   massenhaften Radikalisierung der franz&#246;sischen ArbeiterInnen und vieles   mehr. Leider waren die Kr&#228;fte des authentischen Marxismus nicht stark   genug, um die sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen. So war es dem   Stalinismus &#8211; gest&#228;rkt durch den Krieg und die Ausweitung der   Planwirtschaft in Osteuropa, auch wenn diese von einer b&#252;rokratische   Kaste dominiert war, sowie durch den Erfolg der Chinesischen Revolution   &#8211; und den Kr&#228;ften des Reformismus m&#246;glich, die Bewegung zu verraten.   Dies schuf die politischen Vorbedingungen f&#252;r den Aufschwung der   Weltwirtschaft in der Zeit von 1950 bis 1975.<\/p>\n<p>  Die 70 Jahre seit dem Zweiten Weltkrieg waren nicht die friedliche   Zukunft die versprochen wurde und sahen auch keinen neuen Weltkrieg &#8211;   wenn man den sogenannten &quot;Kalten Krieg&quot; nicht als solchen z&#228;hlt,   vielmehr gab es eine Serie von blutigen neokolonialen Kriegen. Diese   zwangen den Imperialismus, die direkte Kontrolle &#252;ber die neokoloniale   Welt aufzugeben, aber sein wirtschaftlicher W&#252;rgegriff ist heute sogar   noch st&#228;rker als damals, zum Leidwesen der Massen in den betroffenen   L&#228;ndern. In der j&#252;ngsten Periode haben wir den Irakkrieg gehabt, der die   gr&#246;&#223;te Fl&#252;chtlingswelle seit 1945 verursacht hat und nun das blutige   Gemetzel in Afghanistan. Lenins Prognose, dass der Kapitalismus Krieg   bedeutet, und dass er ein System des Horrors ohne Ende ist, wird in der   heutigen Zeit vor unseren Augen best&#228;tigt.<\/p>\n<p>  Es ist wahr dass ein neuer Weltkrieg im Sinne des Ersten oder des   Zweiten angesichts des globalen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses nicht wahrscheinlich   ist. In der &#196;ra der Atomwaffen w&#252;rde ein neuer Weltkrieg nicht nur   Barbarei nach den Worten von Rosa Luxemburg bedeuten, sondern die   Ausl&#246;schung der Zivilisation durch die Zerst&#246;rung der Produktivkr&#228;fte,   vor allem der allerwichtigsten Produktivkraft, n&#228;mlich der   Arbeiterklasse. Daher w&#252;rden die Kapitalisten keinen Krieg beginnen, der   nicht nur ihr System vernichtet w&#252;rde sondern auch sie selbst, ihre   Familien und alles menschliche Leben und die Gesellschaft wie wir sie   kennen. Die Existenz der kapitalistischen Demokratie &#8211; vor allem der   Arbeiterorganisationen, Gewerkschaften und so weiter, sind die   wichtigsten Faktoren, die ihn darin hindern. Wenn allerdings, als Folge   des Scheiterns der Arbeiterklasse, die Macht zu erlangen, einer neuer   Diktator auftaucht, beispielsweise in den USA, dann ist alles m&#246;glich.   Dies ist unwahrscheinlich, weil die Arbeiterklasse zun&#228;chst auf die   Krise reagieren und versuchen w&#252;rde, in Richtung einer Ver&#228;nderung der   Gesellschaft zu gehen. Es w&#252;rde also nicht nur einen R&#252;ckschlag oder   eine Niederlage erfordern, sondern eine ganze Serie davon, bevor der   Kapitalismus in der Lage w&#228;re, der Gesellschaft ein reaktion&#228;res Regime   beziehungsweise eine Diktatur aufzuzwingen.<\/p>\n<p>  So bestehen die Lehren des Zweiten Weltkrieges darin, dass dieser eine   barbarische Seite in der Geschichte darstellt, die niemals wiederholt   werden darf. Aber dies wiederum kann nur durch eine sozialistische   Revolution und die Schaffung einer demokratischen sozialistischen Welt   garantiert werden.<\/p>\n<h4>  Postskript<\/h4>\n<p>  Seitdem der obigen Artikel zur Ver&#246;ffentlichung in &quot;Socialism Today&quot;   abgegeben wurde, hat die aktuelle russische Regierung nach Meldung der   Tageszeitung &quot;Guardian&quot; (Ausgabe von 22. August) geheime Dokumente aus   der Zeit des Hitler-Stalin-Paktes vor 70 Jahren zug&#228;nglich gemacht.   Offensichtlich geschah dies, um den Pakt zu rechtfertigen. Ein Sprecher   der Russischen Geheimdienstes, Lew Sotzki, argumentiert dass Stalin   &quot;keine Wahl&quot; gehabt h&#228;tte und 1939 eine &#220;bereinkunft mit Hitler treffen   musste. Angeblich war dies deswegen der Fall, &quot;weil der von den   jeweiligen Au&#223;enministern Wjatscheslaw Molotow und Joachin von   Ribbentrop unterzeichnete Vertrag dem Kreml Zeit brachte, nachdem der   Westen Stalin verraten hatte.&quot; Die britische Regierung hat mit dem   M&#252;nchener Abkommen die Tschechoslowakei Hitler preisgegeben. Aber die   Idee, dass Stalin durch dieses Abkommen &quot;verraten&quot; worden sei, ist   vollkommen falsch.<\/p>\n<p>  Ab 1933 erkl&#228;rte Leo Trotzki wiederholt in der Weltpresse, dass das   fundamentale Ziel von Stalins Au&#223;enpolitik eine Vereinbarung mit Hitler   sei. Er wies darauf hin, dass obwohl Stalin zwischen den beiden Lagern   man&#246;vrierte, seine Bem&#252;hungen um eine Allianz der &quot;Demokratien&quot; nur   gespielt waren. Chamberlain versuchte mit ganzer Kraft, eine Allianz mit   Stalin zu schmieden, scheiterte aber, weil &quot;Stalin Hitler f&#252;rchtet&quot;,   schrieb Trotzki. Er f&#252;gte hinzu: &quot;Und es ist kein Zufall, dass er ihn   f&#252;rchtet. Die Rote Armee ist enthauptet worden.&quot; Stalin bevorzugte zu   diesem Zeitpunkt den &quot;Status Quo&quot; mit Hitler als Verb&#252;ndeten. Dieser   Pakt war nicht im Interesse der Arbeiterklasse der Welt &#8211; er sorgte f&#252;r   Wut unter den Mitgliedern der Kommunistischen Parteien, und f&#252;hrte in   vielen L&#228;ndern zu Abspaltungen beziehungsweise Austritten. Der Pakt war   auch nicht dazu geeignet, Zeit zu gewinnen oder um Russland im Falle   eines Krieges irgendwelche Vorteile zu<\/p>\n<h4>  bringen.<\/h4>\n<p>  Tats&#228;chlich war der Pakt von einem Handelsabkommen zwischen Russland und   Deutschland begleitet. Dies war eine enorme Hilfe f&#252;r die Deutschen   &quot;Kriegsanstrenungen&quot;, denn es stellte die Lieferung wichtiger Rohstoffe   &#8211; Getreide und &#214;l &#8211; an Hitler sicher. Stalin bet&#228;tigte sich als Hitlers   Quartiermeister. Er half Hitler in seinem Krieg gegen Gro&#223;britannien und   Frankreich und beging dabei das Verbrechen, die Deutschen Kr&#228;fte f&#252;r   ihren Angriff auf Russland zwei Jahre sp&#228;ter zu st&#228;rken. Der ganze Sinn   des Paktes war nicht die Verteidigung der Errungenschaften der   Russischen Revolution, sondern der engen Interessen der Clique im Kreml   und der durch ihre vertretenen B&#252;rokratie, die bef&#252;rchtete, dass sie im   Falle eines Krieges von den w&#252;tenden russischen Massen zur Rechenschaft   gezogen werden w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Die neuerliche Positionierung der russischen Regierung richtet sich   gegen die Entscheidung des UdSSR-Parlamentes im Jahre 1989, den   Hitler-Stalin-Pakt zu verurteilen. Die aktuelle Regierung Putins hat   sich wahrscheinlich deshalb dazu entschlossen, 70 Jahre nach dem   Ereignis die Handlungen Stalins nachtr&#228;glich zu billigen, weil sie die   Absicht hat, ihm in einigen Aspekten nach zu eifern. Auf Grundlage eines   anderen sozialen Systems als das Stalins, n&#228;mlich einer kapitalistischen   Wirtschaft und eines kapitalistischen Staates, m&#246;chte Putin dennoch den   russischen Nationalismus und milit&#228;rische Macht verwenden, wie schon   Stalin es gemacht hatte, um in Zonen der &quot;privilegierten Interessen&quot;   (Russlands Pr&#228;sident Medwedew) einzugreifen. Es ist kein Zufall dass   auch Stalins Interventionen in Estland, Lettland und Litauen   rechtfertigt werden.<\/p>\n<p>  Trotz der Rechtfertigungsversuche des gegenw&#228;rtigen Putin-Regimes war   der Hitler-Stalin Pakt ein Verbrechen gegen die Interessen der   Sowjetunion und vor allem gegen die Interessen der Massen durch eine   zynische B&#252;rokratie ohne Interesse an der Meinung der Arbeiterklasse   weltweit oder am Kampf f&#252;r den demokratischen Sozialismus weltweit.<\/p>\n<p>  <i>Peter Taaffe ist Generalsekret&#228;r der Socialist Party in England und   Wales und Mitglied im Internationalen Sekretariat des Komitees f&#252;r eine   Arbeiterinternationale. Der Artikel erschien zuerst im Magazin   &quot;Socialism Today&quot;.<\/i><\/p>\n<\/p>\n<p>  Weitere Artikel zum Thema:<\/p>\n<p>  <a href=\"\/?p=11217\">Krieg f&#252;r Demokratie   oder Profite &#8211; Der Zweite Weltkrieg<\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"\/?p=10933\">&#8222; &#8230; um das Reich zu   retten&#8220; &#8211; Das Attentat gegen Hitler am 20. Juli 1944<\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"\/?p=11241\">Zur Befreiung des KZ   Buchenwald<\/a><\/p>\n<p>  I<a href=\"\/?p=11221\">nternationalismus gegen   Imperialismus &#8211; Die Arbeit der Vierten Internationale w&#228;hrend des   Zweiten Weltkriegs f&#252;r die deutsche Revolution<\/a> (<a href=\"http:\/\/shop.sozialismus.info\/shop\/article_283\/Internationalismus-gegen-Imperialismus.html\"><i>hier<\/i><\/a>   kaufen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      70 Jahre nach dem &#220;berfall Hitler-Deutschlands auf Polen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[99],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13294"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13294"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13294\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13294"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13294"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13294"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}