{"id":13283,"date":"2009-08-10T00:00:00","date_gmt":"2009-08-10T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13283"},"modified":"2009-08-10T00:00:00","modified_gmt":"2009-08-10T00:00:00","slug":"13283","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/08\/13283\/","title":{"rendered":"Militante Arbeiterk&#228;mpfe nehmen zu"},"content":{"rendered":"<p>  Aus Verzweiflung &#252;ber die Folgen der Weltwirtschaftskrise greifen die   ArbeiterInnen &#252;berall in der Welt zu immer h&#228;rteren Mitteln.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b><i>von Ronald Luther, Berlin<\/i><\/b><\/h4>\n<p>  Anders als in Europa stehen ArbeiterInnen in der restlichen Welt nach   ihrer Entlassung zum Gro&#223;teil ohne jede soziale Absicherung da. Werden   Betriebe geschlossen oder ArbeiterInnen entlassen, dann landen die   meisten von ihnen mitsamt ihren Familien in bitterste Armut oder sogar   in Obdachlosigkeit. F&#252;r sie gibt es kein Arbeitslosengeld, keine   Kurzarbeiterregelung und keine Auffanggesellschaften. Mit dem R&#252;cken an   der Wand greifen deshalb die ArbeiterInnen zu immer h&#228;rteren Mitteln.   Hier zwei Beispiele f&#252;r K&#228;mpfe der Arbeiterklasse.<\/p>\n<h4>  <b>Arbeiteraufstand ersch&#252;ttert China<\/b><\/h4>\n<p>  Immer wieder wird China von Unruhen, Streiks und spontanen   Demonstrationen ersch&#252;ttert. Besonders in den chinesischen   Nordost-Provinzen kam es in der Vergangenheit immer wieder zu sozialen   Unruhen. Unabh&#228;ngige Interessensvertretungen entstanden, deren F&#252;hrer   von der chinesischen Regierung allerdings meist sehr schnell ins   Gef&#228;ngnis gesteckt wurden, so dass bisher eine weitergehende und bessere   Organisierung der chinesischen Arbeiterklasse verhindert werden konnte.   Das erkl&#228;rt auch die Eskalation, die der j&#252;ngste Arbeiteraufstand in der   Nordost-Provinz Jilin erfuhr.<\/p>\n<p>  Nachdem der Top-Manager Chen Guojun am 23.Juli auf einer   Belegschaftsversammlung verk&#252;ndete, im Zuge der &#220;bernahme der   staatlichen Stahlfirma Tonghua durch das private Stahlunternehmen   Jianlong w&#252;rden 30.000 Arbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, brach sich   die Wut unter den Stahlarbeitern ungehemmt Bahn. Nach einer kurzen   Verfolgungsjagd wurde der Top-Manager in einem Raum des Stahlbetriebes   von den w&#252;tenden Arbeitern gestellt. Anscheinend in Unkenntnis seiner   Lage provozierte der Manager die Stahlarbeiter weiter, als er diese laut   Zeugenaussagen im Hongkonger Magazin Yazhou Zhoukan anschrie: &#8222;Auch wenn   ich nur noch einen Atemzug in mir behalte, seid ihr morgen alle   gefeuert&#8220;. Daraufhin erschlugen ihn die w&#252;tenden Arbeiter kurzerhand.   Anschlie&#223;end lieferten sich die Stahlarbeiter stundenlange K&#228;mpfe mit   der chinesischen Polizei, die dem Manager zur Hilfe kommen wollte.<\/p>\n<p>  Besonders w&#252;tend machte die Stahlarbeiter, das ein Rentner nach   jahrzehntelanger Knochenarbeit am Hochofen nur 200 Yuan (etwa 20 Euro)   im Monat erh&#228;lt, w&#228;hrend ein Manager bei Jianlong im Jahre 2008 bis zu   drei Millionen Yuan (300 000 Euro) bekam. W&#252;tend machte die Arbeiter   aber auch das Missmanagment sowie die Mauscheleien und die Korruption   zwischen den Managern und staatlichen Stellen beim   Privatisierungsvorgang. Daraufhin wurde die Privatisierung   sicherheitshalber erst mal &#8222;vertagt&#8220;.<\/p>\n<p>  Da es ArbeiterInnen in China verboten ist, sich unabh&#228;ngig   gewerkschaftlich und politisch zu organisieren, ist es f&#252;r sie auch   schwierig oder unm&#246;glich, sich bessere Arbeits- und Lebensbedingungen   oder h&#246;here L&#246;hne zu erk&#228;mpfen. W&#228;hrend in China eine Minderheit immer   reicher wird, verschlechtert sich die sowieso schon katastrophale Lage   f&#252;r die Masse der Arbeiterklasse und B&#228;uerInnen durch die   Weltwirtschaftskrise immer mehr. Viele ArbeiterInnen und B&#228;uerInnen   sehen dann keinen Ausweg mehr und greifen zu Mitteln, die letztendlich   ihre Lage auch nicht verbessern. Sobald der chinesische Staat die   Kontrolle zur&#252;ckgewonnen und die &#8222;R&#228;delsf&#252;hrer&#8220; verhaftet hat, wird es   einen erneuten Versuch der Privatisierung geben. Auch l&#228;sst sich ein   Manager leicht ersetzen. Die chinesische Arbeiterklasse wird nicht umhin   kommen, weiterhin zu versuchen, sich unabh&#228;ngige Organisationen wie   Gewerkschaften und eine Arbeiterpartei zu schaffen, um dar&#252;ber den Kampf   gegen das Regime und die eigene Bourgeoisie sowie f&#252;r eine   sozialistische Demokratie zu organisieren.<\/p>\n<p>  <b>Filmberichte &#252;ber den Arbeiteraufstand in China bei Youtube (<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YEliIaY6XMk&feature;=fvsr\">Film   1<\/a> und<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WFZ49akeFUY&feature;=fvsr\">   Film 2<\/a>)<\/b><\/p>\n<h4>  <b>Heftige K&#228;mpfe zwischen ArbeiterInnen und Polizei in S&#252;dkorea<\/b><\/h4>\n<p>  Als im Zuge der Insolvenz der chinesischen Shanghai Automotive Industry   Corporation (SAIC) der von SAIC abh&#228;ngige s&#252;dkoreanische Autokonzern   Ssangyong Motor die Entlassung von fast der H&#228;lfte der noch 7.179   Automobilarbeitern ank&#252;ndigte, traten etwa 1.000 von ihnen am 27.Mai   2009 in den Streik. Wenige Tage sp&#228;ter wurde die Fabrik im   s&#252;dkoreanischen Pyongtaek besetzt. Trotz des Einsatzes von etwa 1.000   Streikbrechern aus der Verwaltung, von hunderten Sicherheitsleuten und   von hunderten Polizisten gelang es dem Unternehmen wochenlang nicht, die   Fabrik wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen. Die Fabrikbesetzer   hatten sich in den Fabrikgeb&#228;uden effektiv verbarrikadiert, indem sie   zum Beispiel auf den D&#228;chern der Fabrikgeb&#228;ude Hubschraubersperren   anbrachten. Am 4.August kam es schlie&#223;lich zum gro&#223;en Showdown. Etwa   2.500 Polizisten der Aufstandsbek&#228;mpfungseinheiten, unterst&#252;tzt durch   von der Firmenleitung gedungene Schl&#228;ger, griffen die besetzte Fabrik   mit brutalsten Mitteln zu Lande und aus der Luft an. Tr&#228;nengas und   neueste Elektroschockwaffen wurden von der Polizei massiv eingesetzt.   ArbeiterInnen, die in die H&#228;nde der Polizei fielen, wurden teilweise so   lange geschlagen, bis sie bewusstlos waren. Dabei schlugen die   Polizisten sogar mit Schutzschilden auf die Arbeiter ein. Die   Schl&#228;gertrupps wiederum schossen mit Steinschleudern auf die   ArbeiterInnen und &#252;berfielen brutal das Unterst&#252;tzungscamp der Familien   der ArbeiterInnen. Aber auch die ArbeiterInnen wussten sich mit St&#252;hlen,   Tischen, Molotowcocktails und Steinschleudern zu wehren. Erst nach   stundenlangen K&#228;mpfen und nachdem die ArbeiterInnen auf nur noch ein   Fabrikgeb&#228;ude zur&#252;ckgedr&#228;ngt waren, gaben sie nach Verhandlungen   schlie&#223;lich auf. Zugesichert wurde ihnen nur, dass etwa die H&#228;lfte der   Streikenden in unbezahlten Urlaub gehen d&#252;rfen und nach 1 Jahr gepr&#252;ft   wird, ob die Situation ihre R&#252;ckkehr in die Produktion wieder zul&#228;sst.   Alle Anderen wurden entlassen.<\/p>\n<p>  Auch hier zeigt sich, dass der Kapitalismus der Arbeiterklasse und den   B&#228;uerInnen keine Perspektive mehr anzubieten hat. Vielfach, so aktuell   mit den Bossnapping-Aktionen in Frankreich, k&#228;mpfen die ArbeiterInnen   nur noch um eine m&#246;glichst hohe Abfindung. Ihren Job, den sie zum   &#220;berleben brauchen, k&#246;nnen sie damit aber nicht retten. Es stellt sich   also f&#252;r die Arbeiterklasse auf der ganzen Welt, nicht nur in China oder   S&#252;dkorea, die Aufgabe, neue Massenparteien der ArbeiterInnen zu schaffen   und organisiert den Kampf f&#252;r eine sozialistische Welt ohne Hunger,   Armut und Krieg zu beginnen.<\/p>\n<h4>  <b>Bilder zu S&#252;dkorea:<\/b><\/h4>\n<p>  <a href=\"http:\/\/nodong.org\/nw\/136105\"><i>von dem Versuch von   Streikbrechern, am 16:Juni das koreanische Werk zu st&#252;rmen<\/i><\/a><i>   (von den koreanisch-sprachigen Webseite der Gewerkschaftsunion KCTU)<\/i><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/blog.jinbo.net\/CINA\/?pid=1872\">diverse Bilder von den   K&#228;mpfen um das Autowerk<\/a><\/p>\n<p>  <b>Videos zu S&#252;dkorea: <\/b><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SnEsTgCyryQ\">Arbeiter bereiten   sich auf die Schlacht vor<\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.tagstory.com\/video\/video_post.aspx?media_id=V000348803\">Aufstandsbek&#228;mpfungseinheiten   st&#252;rmen Dach eines Fabrikgeb&#228;udes<\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GBvo10i634Y\">Aufstandsbek&#228;mpfungseinheiten   st&#252;rmen Fabrikgel&#228;nde<\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/libcom.org\/news\/ssangyong-occupation-update-august-4-korea-time-2009-04082009 \">Bilder   vom 04.August vom Sturm auf die koreanische Fabrik<\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/libcom.org\/news\/ssangyong-occupation-update-august-5-2009-05082009 \">Bilder   vom 05.August vom Sturm auf die koreanische Fabrik<\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/libcom.org\/news\/ssangyong-occupation-has-ended-august-6-2009-06082009\">Bilder   vom 06.August vom Sturm auf die koreanische Fabrik (incl. Nach dem   Streik)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Aus Verzweiflung &#252;ber die Folgen der Weltwirtschaftskrise greifen die<br \/>\n      ArbeiterInnen &#252;berall in der Welt zu immer h&#228;rteren Mitteln.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13283"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13283"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13283\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13283"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13283"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13283"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}