{"id":13282,"date":"2009-08-09T00:00:00","date_gmt":"2009-08-08T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13282"},"modified":"2012-05-15T15:10:24","modified_gmt":"2012-05-15T13:10:24","slug":"13282","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/08\/13282\/","title":{"rendered":"Die Hafenkrise und die Aufgaben der LINKEN"},"content":{"rendered":"<p>  Durch die Massenentlassungen und Lohnk&#252;rzungen im   Gesamthafenbetriebsverein (GHB) von Bremerhaven werden die Folgen der   Weltwirtschaftskrise nun auch in unserem Bundesland in aller H&#228;rte   sp&#252;rbar. <\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Patrik Schulte und Heino Berg<\/i><\/h4>\n<p>  Die Entlassung von 1000 KollegInnen und &#196;nderungsk&#252;ndigungen mit zum   Teil 50%igen Lohnsenkungen sind ein Vorgeschmack auf das, was die   Unternehmer und ihre Parteien nach den Bundestagwahlen auf breiter Front   durchsetzen wollen. Umso wichtiger ist die Frage, wie die   Gewerkschaften, die Betriebsr&#228;te und die LINKE auf solche   Herausforderungen reagieren. Kein Wunder, dass dar&#252;ber in der   &#214;ffentlichkeit breit diskutiert wurde.<\/p>\n<p>  In der Berichterstattung der LINKEN &#252;ber dieses zentrales Thema der   Landespolitik f&#228;llt aber auf, dass sie die Positionen der   Gewerkschafts-, Betriebsrats- und SPD-Verantwortlichen zum Abbau von   Arbeitspl&#228;tzen und L&#246;hnen in der Hafenwirtschaft kritiklos und ohne   eigene Vorschl&#228;ge wiederholt hat. In den Presseerkl&#228;rungen des   zust&#228;ndigen B&#252;rgerschaftsabgeordneten M&#252;ller stie&#223;en nicht einmal die   K&#252;ndigungen auf Widerspruch. &#196;hnlich wie der Senat forderte er nur die   Ausweitung von Kurzarbeit sowie &#8222;zus&#228;tzliches Personal f&#252;r die Bremer   Lagerhausgesellschaft&#8220; (Presseerkl&#228;rung vom 16.7.). Angesichts der   &#246;ffentlichen Proteste von sehr vielen unmittelbar betroffenen   KollegInnen gegen die Zustimmung von ver.di- und BR-Vertretern zu den   K&#252;ndigungen, die in einem von 250 KollegInnen unterzeichneten   Abwahlantrag gipfelte, ist dieses Schweigen bei einer linken Partei, die   als Opposition zur regierenden SPD angetreten ist, zumindest erstaunlich.<\/p>\n<p>  Was ist der Kern der Debatte um den GHB? Der dramatisch eingebrochene   Container- und Autoumschlag in den H&#228;fen muss nach Auffassung der   Unternehmer, des rot-gr&#252;nen Senats und leider auch der zust&#228;ndigen   ver.di-Funktion&#228;re einen Abbau von Arbeitspl&#228;tzen und Druck auf die   L&#246;hne zur Folge haben. Nur der Umfang dieses Abbaus war Gegenstand von   Verhandlungen, nicht die K&#252;ndigungen oder Lohnk&#252;rzungen selbst. Eine   Verk&#252;rzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich, also zu Lasten des   Kapitals, das in den Boomphasen in den H&#228;fen gute Profite gemacht hat,   wurde weder von der F&#252;hrung der Gewerkschaft, noch von den Abgeordneten   der LINKEN in diesem Konflikt gefordert oder gar zum Ziel von   gemeinsamen Aktionen erkl&#228;rt.<\/p>\n<p>  Die Gewerkschafts- und GHB-BetriebratsvertreterInnen haben dem am   &#8222;Runden Tisch&#8220; mit Arbeitgebern und Senat aushandelten Sozialplan, der   den Abbau von 1000 Arbeitspl&#228;tzen sowie &#196;nderungsk&#252;ndigungen mit   50-prozentigen Lohnk&#252;rzungen vorsieht, zwar nicht ausdr&#252;cklich   zugestimmt, ihn aber &#246;ffentlich als &#8222;akzeptablen Kompromiss&#8220;   (ver.di-Flyer vom 5.7.) bezeichnet und durch die Aufhebung des   Besch&#228;ftigungssicherungsvertrages aktiv an seiner Umsetzung mitgewirkt.   Dies erinnert fatal an die Haltung der ver.di-Spitze und der Mehrheit   des Konzernbetriebsrats der Gesundheit Nord, die ja von einigen Monaten   ebenfalls den Senatspl&#228;nen zum Abbau von 1000 Arbeitspl&#228;tzen an den   kommunalen Krankenh&#228;usern Bremen zugestimmt hatten, anstatt den   Widerstand von Besch&#228;ftigten und Patienten zu organisieren.<\/p>\n<p>  Sobald sich Arbeitnehmervertreter an der Zerst&#246;rung von Arbeitspl&#228;tzen   und tariflichen Errungenschaften beteiligen (um &#8222;Schlimmeres zu   verhindern&#8220;), anstatt deren Erhaltung zu verlangen und daf&#252;r alle   Besch&#228;ftigen in den H&#228;fen und auch KollegInnen aus anderen Bereichen zu   mobilisieren, ist die Spaltung der KollegInnen vorprogrammiert. Diese   Spaltung &#228;u&#223;erte sich in spontanen Aktionen mit sehr wenigen   TeilnehmerInnen und in einer Unterschriftensammlung f&#252;r die Abwahl des   Betriebsrats unter den von Entlassungen und &#196;nderungsk&#252;ndigungen direkt   betroffenen KollegInnen. Das daneben entstandene Komitee &#8222;Wir sind der   GHB&#8220; bem&#252;hte sich seinerseits nicht mehr um gemeinsame Aktionen aller   Besch&#228;ftigten mit den Gewerkschaften, sondern trat als Stellvertreter   auf und konzentrierte sich auf individuelle, juristische Schritte gegen   die K&#252;ndigungen, f&#252;r die sich ein Rechtsanwalt aus der LINKEN mit   Unterst&#252;tzung des Bremerhavener B&#252;rgerschaftsabgeordneten Walter M&#252;ller   angeboten hatte.<\/p>\n<p>  Die Verantwortung f&#252;r diese Zersplitterung des Widerstands gegen   Massenentlassungen in den H&#228;fen und Werften Bremerhavens tragen in   erster Linie diejenigen, die als gewerkschaftliche Interessenvertreter   nicht zu gemeinsamen Aktionen der Besch&#228;ftigten f&#252;r die Erhaltung der   Arbeitspl&#228;tze aufgerufen, sondern kampflose Kompromisse mit Arbeitgebern   und Senat am &#8222;runden Tisch&#8220; ausgehandelt haben. Es kann durchaus sein,   dass Arbeitnehmervertreter dem Teilabbau von Arbeitspl&#228;tzen oder   tariflichen Errungenschaften aufgrund mangelnder Kampfkraft zustimmen   m&#252;ssen &#8211; aber das darf niemals geschehen, ohne vorher alle zur Verf&#252;gung   stehenden Kampfmittel, von Demonstrationen &#252;ber Streiks und bis hin zu   Betriebsbesetzungen, auszusch&#246;pfen. Die faktische Zustimmung zum   Arbeitsplatz- und Lohnabbau im Hafen erfolgte jedoch, ohne dass die   Gewerkschaftsverantwortlichen auch nur den kleinsten Versuch zu   Mobilisierung von Gegenwehr unternommen haben. Kurz nachdem die   Gesch&#228;ftsleitung des GHB die Massenentlassungen ank&#252;ndigte, stiegen die   ver.di-Funktion&#228;re bereits in die Verhandlungen ein, anstatt zun&#228;chst   die betroffenen KollegInnen zu informieren und mit Ihnen &#252;ber m&#246;gliche   Kampfschritte zu diskutieren. Spontane Initiativen der GHB-ArbeiterInnen   wurden ignoriert und sogar boykottiert.<\/p>\n<p>  Die Partei &#8222;Die LINKE&#8220; bzw. ihre Parlamentsvertreter haben sich an   dieser Auseinandersetzung, bei der es immerhin um die wirtschaftliche   Substanz Bremerhavens geht, offiziell nur mit einigen Presseerkl&#228;rungen   f&#252;r mehr Kurzarbeit beteiligt in denen sie lediglich eine Ausweitung der   Kurzarbeit und gemeinsame Initiativen von Senat, Arbeitgeber und   Gewerkschaften forderten. Initiativen f&#252;r die aktive Solidarit&#228;t der   Besch&#228;ftigten in H&#228;fen (GHB) und Werften (SSW und Lloyd-Werft)   untereinander und f&#252;r ihre Unterst&#252;tzung durch die Bev&#246;lkerung (z.B. bei   der Vorbereitung der Anti-Krisen-Demonstrationen) wurden zwar im   Bremerhavener Kreisverband von SAV-Mitgliedern eingebracht und   diskutiert, ihre Umsetzung aber durch den hafenpolitischen Sprecher der   Fraktion M&#252;ller blockiert. Berichte und Beschl&#252;sse der Basisgliederungen   dazu durften aus R&#252;cksicht auf den zust&#228;ndigen Abgeordneten auf der   Website der Partei nicht erscheinen. Als wahrnehmbare politische   Alternative zur Politik des Kapitals und des Senats bei der Abw&#228;lzung   der Krisenlasten auf die arbeitende Bev&#246;lkerung ist die LINKE deshalb in   dieser konkreten Auseinsetzung bisher leider nicht in Erscheinung   getreten. Und das, obwohl der Gebrauchswert und die Glaubw&#252;rdigkeit   einer linken Partei gerade im Wahlkampf nicht nur an den Versprechungen   ihrer Spitzenpolitiker gemessen wird, sondern an ihrer Bereitschaft, vor   Ort gemeinsam mit den Betroffenen KollegInnen f&#252;r ihre Interessen aktiv   zu werden.<\/p>\n<p>  Dazu geh&#246;rt auch eine offene Diskussion &#252;ber die Haltung der   Gewerkschafts- und Betriebsratsf&#252;hrung (z.B. auf &#246;ffentlichen   Veranstaltungen) und die Dokumentation von kritischen Stellungnahmen von   KollegInnen bzw. Parteimitgliedern, wie das auf der Website zumindest   nachtr&#228;glich in Bezug auf die Haltung der Gewerkschaften zu den   Hansen-Pl&#228;nen f&#252;r die Krankenh&#228;user geschehen ist.<\/p>\n<p>  &#8222;DIE LINKE.&#8220; kann als politische Partei weder den Gewerkschaften, noch   den Besch&#228;ftigten oder den Erwerblosen irgendwelche Vorschriften dar&#252;ber   machen, wie sie den Kampf gegen die Krise und ihre landespolitischen   Auswirkungen zu f&#252;hren haben. Sie kann und muss aber darauf aufmerksam   machen, dass ohne die gemeinsame Gegenwehr der Betroffenen, sp&#228;testens   nach den Bundestagswahlen ein Kahlschlag von historischen Ausma&#223;en   droht. Presseerkl&#228;rungen der LINKEN mit Ratschl&#228;gen an Bundes- und   Landesregierungen werden dagegen nicht ausreichen , um die Angriffe der   Arbeitgeber abzuwehren Vorschl&#228;ge und &#246;ffentliche Initiativen der LINKEN   f&#252;r den gemeinsamen Widerstand und lokale B&#252;ndnisse &#8222;Wir zahlen nicht   f&#252;r Eure Krise&#8220; sind besonders auch dann notwendig, wenn Teile der   Gewerkschaftsf&#252;hrung auf die Politik des &#8222;kleineren &#220;bels&#8220;, also   Stellen- und Lohnabbau nichts entgegen zu setzen haben. Wir stehen erst   am Anfang der gr&#246;&#223;ten Krise seit 1929. Mit den alten   sozialpartnerschaftlichen Rezepten k&#246;nnen die sozialen Errungenschaften   nicht mehr erfolgreich verteidigt werden. Vor allem aber muss eine   innerparteiliche Debatte in der LINKEN zugelassen werden, die die ihr   bei k&#252;nftigen Auseinandersetzungen wie beim GHB Antworten auf die   brennenden politischen Fragen der Menschen erlaubt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Durch die Massenentlassungen und Lohnk&#252;rzungen im<br \/>\n      Gesamthafenbetriebsverein (GHB) von Bremerhaven werden die Folgen der<br \/>\n      Weltwirtschaftskrise nun auch in unserem Bundesland in aller H&#228;rte<br \/>\n      sp&#252;rbar.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13282"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13282"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13282\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}