{"id":13280,"date":"2009-08-07T00:00:00","date_gmt":"2009-08-07T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13280"},"modified":"2009-08-07T00:00:00","modified_gmt":"2009-08-07T00:00:00","slug":"13280","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/08\/13280\/","title":{"rendered":"&#220;ber die Bedeutung der Besetzungsaktion bei Thomas Cook"},"content":{"rendered":"<p>  Gewerkschaftsbewegung muss entschieden handeln, um Arbeitnehmerrechte zu   verteidigen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Kevin McLoughlin, (Schwesterorganisation von SLP und SAV sowie Sektion   des CWI in Irland)<\/h4>\n<p>  Zum Zeitpunkt, da dieser Artikel geschrieben wurde, war das Thema der   Abfindungszahlungen noch nicht gekl&#228;rt. Der Kampf hat die   unternehmerfreundliche Praxis der Gerichte und der Polizei hingegen   l&#228;ngst offen gelegt. Entscheidend ist, dass es sich hierbei um einen   Sieg der ArbeiterInnen handelt, der die au&#223;ergew&#246;hnliche F&#228;higkeit der   Menschen zu k&#228;mpfen und ihre Rechte zu verteidigen zeigt.<\/p>\n<p>  28 Besch&#228;ftigte wurden in Gewahrsam genommen und in einer Manier vor die   Gerichte gezerrt, wie man es sonst nur von weit entfernt existierenden   diktatorischen Regimen her kennt. Die Besetzung bei Thomas Cook hat   ferner gezeigt, dass eine &#8222;Sozialpartnerschaft&#8220; nicht existiert.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem kam in der Aktion die Wut zum Ausdruck, die die Menschen aus   der Arbeiterklasse entwickeln, weil sie sp&#252;ren, dass sie durch   Arbeitsplatzverluste und Angriffe auf ihre Rechte den Preis f&#252;r die   Krise zahlen sollen. Als sie davon erfuhren, dass ihr Betrieb schlie&#223;en   sollte, hatte das zur Folge, dass sie unmittelbar zur Besetzung ihrer   Filiale &#252;bergingen.<\/p>\n<p>  &#220;ber vier Tage lang trotzten sie den starken Einsch&#252;chterungsversuchen   seitens der Gerichte bis zu dem Zeitpunkt, da die Polizei schamlos die   Glasfront der Filiale zertr&#252;mmerte und im Zuge ihrer fr&#252;h morgendlichen   Razzia am Dienstag um 5 Uhr jedeN AnwesendeN verhafteten.<\/p>\n<h4>  Brutales Eingreifen des Staates<\/h4>\n<p>  Das brutale Eingreifen des Staates hat gro&#223;e Bedeutung. Die   Polizei-Razzia (in deren Verlauf Protestierende, die sich au&#223;erhalb der   Gesch&#228;ftsr&#228;ume aufhielten, reichlich brutal ger&#228;umt wurden) und die   Massenverhaftung sind eindeutig deshalb durchgef&#252;hrt worden, um die   gesamte Arbeiterschaft einzusch&#252;chtern, damit sie nicht ebenfalls   folgenreiche K&#228;mpfe im Zeichen der Krise anzetteln, die sich weiter und   weiter zuspitzt.<\/p>\n<p>  Einstweilige Verf&#252;gungen sind auch schon bei den Streiks der Dubliner   HafenarbeiterInnen von den Managern von MTL benutzt worden und beim   j&#252;ngsten landesweiten Streik der ElektrikerInnen.<\/p>\n<p>  Herr Binman hatte auch versucht, eine einstweilige Verf&#252;gung gegen die   Streikposten vor seinen Lagern in Carrick-on-Suir, Co. Tipperary und in   Limerick zu bekommen.<\/p>\n<p>  Den Konzernchefs und dem politischen Establishment graute vor allem   davor, dass der Streik der ElektrikerInnen sie zu einer Lohnerh&#246;hung   h&#228;tte zwingen k&#246;nnen und damit &#8211; just w&#228;hrend der Krise &#8211; gezeigt worden   w&#228;re, dass organisiertes und k&#228;mpferisches Handeln zu Ergebnissen f&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Bei der Besetzung der Gesch&#228;ftsr&#228;ume durch die Thomas Cook-Besch&#228;ftigten   handelte es sich um die letzte derartige Aktion in einer ganzen Reihe   von Streiks. Der oberste Gerichtshof war augenscheinlich fest   entschlossen, allen ArbeiterInnen eine unmissverst&#228;ndliche Botschaft   auszusenden, indem er die drakonischen Angriffe gegen die Besetzung bei   Thomas Cook anordnete.<\/p>\n<p>  Demnach sollten s&#228;mtliche an der Besetzung Beteiligte bis 14 Uhr des   folgenden Tages vor Gericht gestellt werden. Das hei&#223;t, dass damit also   die Besetzung zu Ende zu bringen war und die ArbeiterInnen dort   innerhalb eines bestimmten Zeitfensters zu verhaften und wie Kriminelle   zu behandeln seien.<\/p>\n<p>  Indem sie ungeheure Courage bewiesen, beschlossen die Besch&#228;ftigten und   einige ihrer GewerkschaftsvertreterInnen, im Angesicht dieser   Drohkulisse und entgegen der offiziellen W&#252;nsche der Gewerkschaft mit   der Besetzung fortzufahren. Dennoch h&#228;tten ihre Gewerkschaft, die TSSA   (Transport Salaried Staff Association) und die gr&#246;&#223;eren Gewerkschaften   die Besetzung (die ja den Schl&#252;sselmoment dabei darstellte, den Druck   auf den Konzern zu erh&#246;hen) verteidigen m&#252;ssen, als diese Entscheidung   einmal gef&#228;llt war.<\/p>\n<p>  Leider kam es nicht dazu und die Unterst&#252;tzung der F&#252;hrung des   Gewerkschaftsbundes geriet mehr zu einem Lippenbekenntnis denn zu echtem   Handeln.<\/p>\n<h4>  K&#228;mpferische Gewerkschaften sind n&#246;tig<\/h4>\n<p>  Im Februar organisierte der Irish Congress of Trade Unions (&#196;quivalent   zum DGB; Anm. d. &#220;bers.) eine Demonstration von 120.000 ArbeiterInnen in   Dublin. Wenn es ihnen wichtig gewesen w&#228;re &#8211; h&#228;tten sie nicht 500 oder   vielleicht sogar 1000 Menschen organisieren k&#246;nnen, um die Polizei am   Betreten der Thomas Cook-Filiale zu hindern?<\/p>\n<p>  Bei der Besetzung von Waterford Glass hatte sich die Polizei nicht   getraut einzugreifen, weil die ArbeiterInnen dort die Unterst&#252;tzung der   Region hinter sich hatten und viele am Fabriktor pr&#228;sent waren. Die   Besch&#228;ftigten bei Thomas Cook haben alles in ihrer Macht Stehende   unternommen und ihre Standhaftigkeit stie&#223; auf gro&#223;en Zuspruch und   erntete Solidarit&#228;t von &#8222;einfachen&#8220; Menschen aus der Arbeiterklasse. F&#252;r   die Gewerkschaftsf&#252;hrer, die die n&#246;tige Autorit&#228;t und die notwendigen   Mittel zur Verf&#252;gung haben, w&#228;re es durchaus im Bereich des M&#246;glichen   gewesen, diese Stimmung im entscheidenden Zeitpunkt in praktische Hilfe   umzuwandeln.<\/p>\n<p>  Die Gesetzgebung unterliegt Einfl&#252;ssen und einstweilige Verf&#252;gungen   eines Gerichts sind dazu da, um Konzernchefs dabei zu helfen,   Arbeitsk&#228;mpfe f&#252;r sich zu entscheiden. F&#252;r ArbeiterInnen und die   Gewerkschaften ist es notwendig, darauf vorbereitet zu sein, solchen   gerichtlichen Anordnungen n.i.c.h.t. Folge zu leisten. Wenn schlechte   Gesetze in der Vergangenheit nicht von den ArbeiterInnen zur&#252;ckgewiesen   worden w&#228;ren, dann h&#228;tte das Recht in den vergangenen Dekaden keiner   fortschrittlichen Entwicklung unterlegen.<\/p>\n<p>  Dass die f&#252;hrenden K&#246;pfe der Gewerkschaften nicht darauf vorbereitet   sind, so zu k&#228;mpfen, wie es notwendig w&#228;re, oder die Kr&#228;fte zu   mobilisieren, die die Arbeiterschaft hat, stellt ein enormes Problem   dar. Als die KollegInnen bei Thomas Cook sich der M&#246;glichkeit gegen&#252;ber   sahen, inhaftiert zu werden, recihte es einfach nicht, lediglich den   Konzern aufzurufen, den fall vor die Labour Relations Commissions (;   Erg. d. &#220;bers.) zu bringen. Das war eine den Umst&#228;nden nicht angemessene   und schwache Reaktion seitens der Gewerkschaftsf&#252;hrung.<\/p>\n<p>  Und es gab eine Alternative! Wenn die Gewerkschaften organisiert h&#228;tten,   h&#228;tten sie die Besetzungsaktion erfolgreich vor der Gerichtsanordnung   verteidigen k&#246;nnen. Das h&#228;tte die Gerichte, die Polizei und das   Establishment dazu gebracht, ihr Tun noch einmal zu &#252;berdenken, und es   h&#228;tte den Druck auf die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung von Thomas Cook massiv erh&#246;ht,   ein besseres Angebot vorzulegen.<\/p>\n<p>  So w&#228;re ein vollst&#228;ndiger Sieg &#8211; nicht nur f&#252;r die KollegInnen bei   Thomas Cook, sondern f&#252;r alle Menschen der Arbeiterklasse &#8211; im Bereich   des M&#246;glichen gewesen, da die Versuche der Gerichte und des Staates, die   gesamte Arbeiterschaft einzusch&#252;chtern und zu drangsalieren, h&#228;tten   vollkommen zur&#252;ckgewiesen werden k&#246;nnen. Dar&#252;ber hinaus h&#228;tte das den   Menschen enorme Zuversicht verschafft.<\/p>\n<p>  Das Agieren des Staates w&#228;hrend der Besetzung bei Thomas Cook wird die   Menschen nicht daran hindern zu k&#228;mpfen, und in der Tat hat es viele   Menschen sehr w&#252;tend gemacht. Nichtsdestotrotz wird diese Erfahrung   gleichzeitig auch einen betr&#228;chtlichen Effekt haben. Aus diesem Grund   haben die Gewerkschaften die Pflicht, praktische Schritte einzuleiten,   um die Rechte der ArbeiterInnen zu verteidigen, ergebnisreiche Ma&#223;nahmen   zu ergreifen.<\/p>\n<p>  Die KollegInnen haben der Geschichte der Arbeiterbewegung in diesem Land   ein weiteres kraftvolles und stolzes Kapitel hinzugef&#252;gt. Der Kampf, den   die ArbeiterInnen gef&#252;hrt haben, hat Thomas Cook zur&#252;ck an den   Verhandlungstisch gezwungen. Bisher ist nicht abzusehen, was dabei   heraus kommen wird. Aber diese ArbeiterInnen sind &#8211; wie etliche andere   auch &#8211; von Arbeitslosigkeit bedroht.<\/p>\n<p>  Das ist umso mehr Grund genug daf&#252;r, weshalb die Gewerkschaftsbewegung   nicht ruhen darf, bis s&#228;mtliche KollegInnen bei Thomas Cook substantiell   abgesicherte Angebote erhalten, die sie wenigstens &#252;ber die Zeit zu   bringen helfen. ArbeiterInnen sollten sich aufgrund dieses   beeindruckenden Kampfes, der gewagt wurde, ein Herz fassen. Mit   &#228;hnlicher Entschiedenheit m&#252;ssen wir auch die Gewerkschaften zu   k&#228;mpfenden Organisationen machen, die die Arbeitspl&#228;tze und die Rechte   der Menschen der Arbeiterklasse gegen diese kapitalistische Krise   verteidigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gewerkschaftsbewegung muss entschieden handeln, um Arbeitnehmerrechte zu<br \/>\n      verteidigen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13280"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13280"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13280\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13280"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13280"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13280"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}