{"id":13279,"date":"2009-08-06T15:00:00","date_gmt":"2009-08-06T15:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13279"},"modified":"2009-08-06T15:00:00","modified_gmt":"2009-08-06T15:00:00","slug":"13279","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/08\/13279\/","title":{"rendered":"&#8222;Eine echte Lehrstunde f&#252;r ArbeiterInnen auf der ganzen Welt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Die Besetzung bei Thomas Cook &#8211; ein Augenzeugenbericht<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Im Folgenden ver&#246;ffentlichen wir einen Augenzeugenbericht des   Socialist Party-Stadtrats Matt Waine zu den Ereignissen der letzten   Woche bei Thomas Cook in der Grafton Street in Dublin. Stadtrat Waine   wurde dabei mit 28 Besch&#228;ftigten der Filiale in den fr&#252;hen Morgenstunden   des Dienstags, 4. August, in Gewahrsam genommen und zur Bridewell   Polizeistation gebracht. Zum Hintergrund des Ganzen bitte <a href=\"http:\/\/sozialismus.info\/?p=3274 \">hier<\/a>   klicken.<\/b><\/p>\n<h4>  <b>Bericht des Stadtrats Matt Waine, Socialist Party   (Schwesterorganisation von SLP und SAV sowie Sektion des CWI in Irland)<\/b><\/h4>\n<p>  Am Montag, 3. August, fing es um 18.30 Uhr an zu regnen. Ich blickte   durch das Fenster der Thomas Cook-Filiale in der Grafton Street, als die   Besch&#228;ftigten und ihre Gewerkschaftsvertreter gerade miteinander die   j&#252;ngste gerichtliche Verf&#252;gung diskutierten, wonach die Gesch&#228;ftsr&#228;ume   zu r&#228;umen seien, die sie seit Freitag, dem 31. Juli, besetzt hielten.   Pl&#246;tzlich kam es zu heftigen Beifallsbekundungen: Man hatte einm&#252;tig   daf&#252;r gestimmt, die Anordnung des Gerichts zu ignorieren und mit der   Besetzung fortzufahren.<\/p>\n<p>  Von diesem Moment an war der Konflikt zu mehr geworden als nur einem   Disput um Entlassungen, gef&#252;hrt von einer kleinen Gruppe von   Besch&#228;ftigten. Die Auseinandersetzung hatte sich damit zu einem Kampf   zwischen David und Goliath entwickelt, der von jungen, haupts&#228;chlich   weiblichen Leuten aus der Arbeiterklasse gegen einen multinationalen   Konzerngiganten gef&#252;hrt wird und die Wut hunderttausender von   ArbeiterInnen im ganzen Land widerspiegelt, die besteht, weil mit grober   Ungerechtigkeit ein Weg eingeschlagen wurde, auf dem die   Wirtschaftskrise auf dem R&#252;cken der Lebensbedingungen der &#8222;einfachen&#8220;   Leute gel&#246;st werden soll.<\/p>\n<p>  Was aber noch bedeutsamer ist, ist die Tatsache, dass sich diese   ArbeiterInnen in voller Kenntnis &#252;ber m&#246;gliche Konsequenzen ihres   Handels (Bu&#223;gelder oder Haftstrafen) auf derart mutige Art und Weise und   entgegen der Ratschl&#228;ge ihres Anwalts und ihres   Gewerkschaftsvorsitzenden (von der TSSA) entschieden haben. Sie haben in   den f&#252;nf Tagen, die die Besetzungsaktion andauerte, eine gr&#246;&#223;ere   Entschlossenheit an den Tag gelegt, als die Gewerkschaftsf&#252;hrer in den   letzten 22 Jahren der &#8222;Sozialpartnerschaft&#8220;.<\/p>\n<h4>  Keine Alternative zum Kampf<\/h4>\n<p>  Diesen ArbeiterInnen blieb nichts mehr &#252;brig, als zu bleiben und f&#252;r   ihren Lebensunterhalt zu k&#228;mpfen. Als sie das Angebot ablehnten, nach   dem sie f&#252;r jedes Jahr der Besch&#228;ftigung f&#252;r f&#252;nf Wochen lang abgefunden   werden sollten und statt dessen acht Wochen forderten, k&#252;ndigte das   Unternehmen auf ver&#228;chtliche Art und Weise an, dass das Angebot damit   nun auf zwei Wochen heruntergefahren w&#252;rde und stellte die geplante   Schlie&#223;ung der Filiale schon f&#252;r den n&#228;chsten Monat in Aussicht.<\/p>\n<p>  Es wird gesch&#228;tzt, dass Thomas Cook in diesem Jahr mehr als 400   Millionen Euro Gewinn machen wird. Der Gesch&#228;ftsf&#252;hrer des Unternehmens,   Manny Fontenla-Novoa, erhielt vor kurzem erst eine Gehaltserh&#246;hung von   34 Prozent und eine Bonuszahlung von 7 Millionen. Das war die Belohnung   f&#252;r gesteigerte Gewinne durch die Entlassung von mehr als 2.000 niedrig   bezahlten MitarbeiterInnen von Thomas Cook in Gro&#223;britannien.<\/p>\n<p>  Die Besetzung fand ihr Ende um 5 Uhr morgens, als &#252;ber 100 Gardai   (Polizisten) sich erst 20 Unterst&#252;tzerInen schnappten, welche vor der   Filiale Zelte aufgebaut hatten, um danach unter Einsatz eines Rammbocks   in die Filiale einzudringen und alle &#8211; einschlie&#223;lich mir, die sich in   der Gesch&#228;ftsstelle befanden in Gewahrsam zu nehmen. Bei diesem   Hardliner-Vorgehen handelt es sich um den Versuch des Staates, aus dem   Fall der Thomas Cook-Besch&#228;ftigten ein Exempel zu statuieren: Eine   Warnung an andere, ja nicht dasselbe zu versuchen!<\/p>\n<p>  Es erfuhr aber ganz und gar nicht jeder diese Art staatlicher   Behandlung. W&#228;hrend 28 Thomas Cook-Besch&#228;ftigte und ihre   Unterst&#252;tzerInnen in den Gef&#228;ngniszellen in Bridewell sa&#223;en, wurde dem   Immobilenmagnaten Liam Carroll, dessen Gier und Spekulationen zu einem   nicht unwesentlichen Teil zur Wirtschaftskrise beigetragen hat,   gerichtlicher Schutz gegen Versuche zuteil, Teile seines Verm&#246;gens zu   belangen.<\/p>\n<p>  Die wahre Aussage dieses Konflikts ist, dass jede Gruppe von   ArbeiterInnen ihre L&#246;hne, Rechte und Arbeitspl&#228;tze verteidigen kann,   wenn sie zur Tat schreitet und geschlossen auftritt und Entschlossenheit   an den Tag legt. Es war eine Ehre, Seit an Seit mit diesen   ArbeitnehmerInnen zu stehen. Die Besetzung war eine Lehrstunde in puncto   Disziplin und Organisiertheit der Arbeiterklasse und wird eine sehr   praktische Erfahrung f&#252;r ArbeiterInnen &#252;berall auf der Welt bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Besetzung bei Thomas Cook &#8211; ein Augenzeugenbericht\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13279"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13279"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13279\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13279"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13279"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13279"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}