{"id":13261,"date":"2009-08-03T00:00:00","date_gmt":"2009-08-02T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13261"},"modified":"2012-06-25T20:24:05","modified_gmt":"2012-06-25T18:24:05","slug":"13261","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/08\/13261\/","title":{"rendered":"Linke in Griechenland"},"content":{"rendered":"<p>  Die Tendenz &#8222;2.Welle&#8220; macht Vorschl&#228;ge zur organisatorischen   Restrukturierung des Linksb&#252;ndnisses SYRIZA<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i><b>Aus: &#8222;Xekinima&#8220; Juni 2009, Zeitung der gleichnamigen Organisation,   Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Griechenland.<\/b><\/i><\/p>\n<p>  Ende M&#228;rz fand in Volos (Mittelgriechenland) das Gr&#252;ndungstreffen der   Tendenz &#8222;Deftero Kyma&#8220; (&#8222;2.Welle&#8220; ) statt, die Teil des Linksb&#252;ndnisses   SYRIZA ist. Sie ergreift wichtige Initiativen innerhalb von SYRIZA   (SYRIZA ist die &#8222;Allianz der Radikalen Linken&#8220;, der die Linkspartei   Synaspismos und weitere Tendenzen angeh&#246;ren, Anm. d. &#220;bers.) An der   &#8222;2.Welle&#8220; beteiligen sich viele &#8222;parteilose&#8220; K&#228;mpfer, die keiner der   Organisationen bzw. Tendenzen innerhalb von SYRIZA angeh&#246;ren, sowie drei   der elf Tendenzen bzw. Organisationen, die Komponenten von SYRIZA sind.   Die drei an der &#8222;2.Welle&#8220; teilnehmenden Organisationen sind die   &#8222;&#214;kosozialisten&#8220;, die Teil des Synaspismos sind, &#8222;Kokkino&#8220; (&#8222;Rot&#8220;) und   unsere Genossen von &#8222;Xekinima&#8220;.<\/p>\n<p>  Zum Ende der Europawahlen tritt die &#8222;2.Welle&#8220; mit einem l&#228;ngeren Text an   die &#214;ffentlichkeit, in dem sie sich ins Einzelne gehend sowohl mit den   politischen Fragen dieser Zeit als auch mit konkreten organisatorischen   Vorschl&#228;gen zur Neustrukturierung von SYRIZA befasst.<\/p>\n<h4>  Politische Punkte des Textes<\/h4>\n<p>  Der Text beginnt mit der Feststellung, dass die gesellschaftliche   Dynamik von SYRIZA unterbrochen worden ist. Er erkl&#228;rt, dass unter den   Anh&#228;ngern und Mitgliedern von SYRIZA starke Zeichen politischer   Entt&#228;uschung und des R&#252;ckzugs von Aktivisten zu beobachten sind. (SYRIZA   erhielt bei den Europawahlen zwischen 7% und 8%, nachdem es in   Meinungsumfragen vor einem Jahr noch bei &#252;ber 15% lag, Anm. d. &#220;bers.)   Der Text vertritt die Einsch&#228;tzung, dass ein konsequenter Marsch in   Richtung eines links-antikapitalistischen Kurses bei SYRIZA von gro&#223;en   Defiziten begleitet wird.<\/p>\n<p>  Er betont, dass in der ganzen vorangegangenen Periode ein grundlegendes   Charakteristikum von SYRIZA politische Widerspr&#252;chlichkeit und eine   doppelte Sprache war. Denn einerseits gibt es die offiziellen Positionen   von SYRIZA und andererseits das &#246;ffentliche Erscheinungsbild, wie es von   den Unterst&#252;tzern der &#8222;Erneuerer-Tendenz&#8220; innerhalb des Synaspismos   ausgedr&#252;ckt wird. Der Text erkl&#228;rt, dass als Ergebnis der Kompromisse   innerhalb des Synaspismos (die sogenannten &#8222;Erneuerer&#8220; vertreten etwa   30% auf den Parteitagen und bek&#228;mpfen das B&#252;ndnis SYRIZA zugunsten einer   Mitte-Links-Koalition mit den Sozialdemokraten der PASOK, Anm. d.   &#220;bers.), die sich innerhalb on SYRIZA widerspiegeln, die politische   Orientierung von SYRIZA unklar ist. Dies war ein besonders schlagendes   Charakteristikum der Wahlkampfzeit (Europawahlen) und bildet einen der   Interpretationspunkte f&#252;r die niedrigeren Prozents&#228;tze von SYRIZA bei   den Wahlen als erwartet.<\/p>\n<p>  Der Text entwickelt die Gefahren, die aus der Mitte-Links-Orientierung   vieler Funktion&#228;re des Synaspismos innerhalb der Arbeiterbewegung   erwachsen, die wiederum sowohl zu ungen&#252;gender Kritik an der   Gewerkschaftsf&#252;hrung als auch zur Zusammenarbeit mit der   sozialdemokratischen PASOK-Organisation innerhalb der Gewerkschaften   (PASKE) f&#252;hrt. Er erkl&#228;rt auch, dass die Schw&#228;che des Eingreifens des   Synaspismos und in Erweiterung des SYRIZA innerhalb der Arbeiterbewegung   die &#8222;Achilles-Ferse&#8220; von SYRIZA darstellt.<\/p>\n<p>  Die &#8222;2.Welle&#8220; macht so das unklare politische Profil und die Schw&#228;che,   konsequent an einer festen antikapitalistischen Orientierung   festzuhalten, f&#252;r den Niedergang der gesellschaftlichen Dynamik von   SYRIZA verantwortlich.<\/p>\n<h4>  Zwei Pflichten<\/h4>\n<p>  Auf der Grundlage der obigen politischen Analyse ist die &#8222;2.Welle&#8220; der   Ansicht, dass SYRIZA zwei zentralen Aufgaben gegen&#252;bersteht.<\/p>\n<p>  Die erste betrifft die Kl&#228;rung eines linken, antikapitalistischen,   sozialistischen Programms: D.h. eines Programms, das ausgeht von den   Alltagsproblemen der Arbeitnehmer und der Volksschichten, vorangeht zu   den K&#228;mpfen f&#252;r unmittelbare L&#246;sungen, Vorschl&#228;ge macht, die auf Siege   abzielen, sowie diese K&#228;mpfe mit dem Ziel der sozialistischen   Transformation verbindet.<\/p>\n<p>  Die zweite Aufgabe ist die organisatorische Neustrukturierung von SYRIZA   auf folgende Weise:<\/p>\n<p>  a)Diese muss den parteilosen K&#228;mpfern, die keiner der 11   Organisationen\/Tendenzen von SYRIZA angeh&#246;ren, eine entscheidende Rolle   und ein entscheidendes Wort bei den Entscheidungen und dem Kurs von   SYRIZA geben.<\/p>\n<p>  b)Sie muss den Zehntausenden von K&#228;mpfern, die sich einmischen und   helfen wollen, und denen die heutigen Strukturen von SYRIZA dies nicht   erlauben, einen massenhaften Beitritt in die Reihen von SYRIZA   erm&#246;glichen.<\/p>\n<p>  Der heutige SYRIZA ist eine Zusammenarbeit von Organisationen\/Tendenzen.   Den Begriff des SYRIZA-Mitglieds gibt es nicht. Daher haben die Leute,   die keiner von diesen Tendenzen angeh&#246;ren, keine Ausdrucks- oder   Teilnahmem&#246;glichkeit sowie kein entscheidendes Wort und keine   entscheidende Rolle.<\/p>\n<h4>  Fragen der Demokratie<\/h4>\n<p>  Die &#8222;2.Welle&#8220; hat die Einsch&#228;tzung, dass es au&#223;er den politischen   Schw&#228;chen auch ein gewaltiges demokratisches Defizit bei SYRIZA gibt.<\/p>\n<p>  Die Mitglieder und Anh&#228;nger von SYRIZA haben keine M&#246;glichkeiten, die   Spitzen zu kontrollieren. Die Entscheidungen werden im Grunde vom   Synaspismos (der gr&#246;&#223;ten und dominierenden Komponente von SYRIZA, Anm.   d. &#220;bers.) und einem engen Kreis von &#8222;Mitarbeitern&#8220; (Tendenzen oder   Einzelpersonen) getroffen.<\/p>\n<p>  Charakteristisches Beispiel sind das Thema des Wechsels des Koordinators   des Generalsekretariats und das Thema der Festlegung der Kandidatenliste   f&#252;r die Europawahlen.<\/p>\n<p>  Im ersten Fall bestand der Koordinator des Sekretariats Roudi Rinaldi   von der Organisation\/Tendenz KOE (&#8222;Kommunistische Organisation   Griechenlands&#8220;) darauf, die Position des Koordinators eineinhalb Jahre   zu behalten mit der Unterst&#252;tzung oder der Tolerierung bestimmter   Tendenzen (unter denen nat&#252;rlich der Synaspismos war), obwohl die   Mehrheit des Sekretariats die Anwendung des einstmmig gefassten   Beschlusses &#252;ber den Wechsel verlangte.<\/p>\n<p>  Beim Thema der Liste zu den Europawahlen beschloss der Synaspismos   alleine &#252;ber seine eigenen Kandidaten und dr&#252;ckte sie dem &#252;brigen SYRIZA   auf. Au&#223;erdem stimmten der Synaspismos und die KOE nach   Hintergrundgespr&#228;chen darin &#252;berein, die ersten Positionen auf der   Kandidatenliste unter sich aufzuteilen und damit provokativ die Mehrheit   der Mitglieder des Sekretariats, die andere Ansichten hatten, zu   ignorieren.<\/p>\n<p>  Das Defizit, das in SYRIZA existiert, der unertr&#228;gliche Druck, der   ausge&#252;bt wird bei Beschlussfassungen, die im Hintergrund entschieden   werden, ist ein weiterer sehr ernster Faktor, der den Wechsel der   organisatorischen Strukturen von SYRIZA notwendig macht. Dies muss so   erfolgen, dass die &#8222;Basis&#8220; die heute unkontrollierten Spitzen   kontrollieren kann.<\/p>\n<h4>  Organisatorische Vorschl&#228;ge<\/h4>\n<p>  Auf der Grundlage der Gesamtheit der obigen &#220;berlegungen schl&#228;gt die   &#8222;2.Welle&#8220; die Umwandlung von SYRIZA in eine f&#246;derative, verschiedene   Tendenzen umfassende Mitgliederorganisation, in der man keiner Tendenz   angeh&#246;ren muss, um Mitglied zu sein.<\/p>\n<h4>  F&#246;derative Struktur<\/h4>\n<p>  Die &#8222;2.Welle&#8220; erkl&#228;rt, dass SYRIZA die absolute politische und   organisatorische Freiheit und Unabh&#228;ngigkeit jeder der ihn bildenden   Tendenzen sichern kann und muss.<\/p>\n<p>  <b>Lokale und Branchenorganisationen<\/b><\/p>\n<p>  Schl&#252;ssel bei der ganzen Struktur von SYRIZA m&#252;ssen die lokalen und   Branchenorganisationen sein. Der Text der &#8222;2.Welle&#8220; betont, dass ihre   Rolle entscheidend sein muss, dass sie die Zelle des Organismus namens   SYRIZA bilden m&#252;ssen und dass sie eine volle politische und   organisatorische Rolle gewinnen m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Der Text betont die Bedeutung der Generalversammlung der lokalen und der   Branchenorganisation, die das h&#246;chste Organ bilden, durch das die   Beschl&#252;sse, die lokale, Branchen- sowie andere Fragen von SYRIZA   betreffen, gefasst werden m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  <b>Finanzielles<\/b><\/p>\n<p>  Der Text betont die Bedeutung der Finanzfragen und erkl&#228;rt, dass es   nicht vorstellbar ist, dass die finanzielle St&#228;rkung, die SYRIZA aus dem   Staatshaushalt erh&#228;lt (Parteienfinanzierung) nur an die Tendenzen   verteilt wird, ohne dass Geld f&#252;r die lokalen und die   Pr&#228;fekturorganisationen von SYRIZA, die Aktionen von SYRIZA als SYRIZA,   seine zentralen B&#252;ros, die zentrale Zeitschrift usw. bleibt.<\/p>\n<p>  <b>Prozents&#228;tze<\/b><\/p>\n<p>  Die &#8222;2.Welle&#8220; unterst&#252;tzt leidenschaftlich die Notwendigkeit der   Festlegung von prozentualer Grenzen bei der Struktur von SYRIZA. Sie   schl&#228;gt vor, dass bei allen Organen (lokalen Komitees,   Koordinationskomitees, Sekretariaten, Zentralsekretriaten usw. nur 50   Prozent aus Vertretern der Organisationen\/Tendenzen bestehen sollen und   die &#252;brigen 50 Prozent aus Mitgliedern, die keiner Tendenz angeh&#246;ren.   Auch wird vorgeschlagen, dass keine Tendenz &#252;ber 25 Prozent haben soll,   sei es bei einem Koordinationsorgan, sei es bei den Delegierten des   Kongresses von SYRIZA.<\/p>\n<p>  Dieser Vorschlag bedeutet in der Praxis, dass die Organe von SYRIZA zu   25 Prozent aus Vertretern des Synaspismos, zu 25 Prozent aus den &#252;brigen   Tendenzen (auf gleichberechtigter Grundlage) und zu 50% aus   &#8222;parteilosen&#8220; K&#228;mpfern bestehen.<\/p>\n<p>  Diese Vorschl&#228;ge stellen sicherlich eine Richtung und ein Ziel zur   Verwirklichung dar. Insbesondere in kleinen Provinzst&#228;dten werden solche   Prozents&#228;tze in der Praxis nicht m&#246;glich sein. Trotzdem muss dies   angestrebt werden und dieser Vorschlag muss als Leitlinie fungieren.   Diese Prozents&#228;tze m&#252;ssen mit gro&#223;er Strenge auf der Ebene der zentralen   Koordinationsorgane und den Delegierten zum Kongress eingehalten werden.   (Es wird vorgeschlagen, diesen allen zwei Jahre stattfinden zu lassen.)<\/p>\n<p>  <b>Rotation &#8211; Abberufbarkeit &#8211; Kontrolle<\/b><\/p>\n<p>  Andere Punkte, die der Text der &#8222;2.Welle&#8220; betont, sind die Notwendigkeit   der Rotation in allen Funktionen der Koordinierungsorgane, die   Notwendigkeit der Abberufbarkeit der gew&#228;hlten &#8222;Funktion&#228;re&#8220;, sowie die   der Kontrolle und der Abberufbarkeit der Parlamentsabgeordneten durch   die &#8222;Basis&#8220;.<\/p>\n<p>  Der Text, den die &#8222;2.Welle vorschl&#228;gt, ist lediglich ein   Diskussionsvorschlag und kein Beschluss. D.h. sie legt offen einen Text   vor und verlangt einen &#246;ffentlichen Dialog durch die Unterst&#252;tzer der   &#8222;2.Welle&#8220;, aus der die endg&#252;ltige Gestalt sich ergeben soll.<\/p>\n<p>  Es handelt sich um Beispiele des demokratischen Funktionierens, die   n&#252;tzlich f&#252;r die gesamte Linke sind.<\/p>\n<h4>  <i><b>&#220;bersetzung aus dem Neugriechischen von Hubert Sch&#246;nthaler<\/b><\/i><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Tendenz &#8222;2.Welle&#8220; macht Vorschl&#228;ge zur organisatorischen<br \/>\n      Restrukturierung des Linksb&#252;ndnisses SYRIZA\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[28,44],"tags":[275],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13261"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13261"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13261\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13261"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13261"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13261"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}