{"id":13258,"date":"2009-07-24T15:05:00","date_gmt":"2009-07-24T15:05:00","guid":{"rendered":".\/?p=13258"},"modified":"2009-07-24T15:05:00","modified_gmt":"2009-07-24T15:05:00","slug":"13258","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/07\/13258\/","title":{"rendered":"Gegen das Mullah-Regime, gegen Imperialismus &#8211; f&#252;r demokratische Rechte \r\n      und Sozialismus!"},"content":{"rendered":"<p>  Revolution&#228;re Bewegung im Iran geht weiter<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Auf dem morgigen internationalen Aktionstag zur Solidarit&#228;t mit der   Oppositionsbewegung im Iran, wird die SAV unten stehendes Flugblatt   verteilen. Dieses kann <a href=\"\/media\/z\/iranflugi.pdf\">hier   <\/a>als PDF-Datei herunter geladen werden. <\/i><\/p>\n<\/p>\n<p>  Nachdem millionenfach gegen die Wahlf&#228;lschung vom 12. Juni protestiert   worden war, ist die revolution&#228;re Krise Mitte Juli in eine neue Phase   getreten. Am Freitag, den 17. Juli, hielt Rafsandschani das   Freitagsgebet. W&#228;hrend sich der &#8222;geistige F&#252;hrer&#8220; Chamenei &#246;ffentlich   auf die Seite von Ahmadinedschad schlug, st&#228;rkte Rafsandschani &#8211; als   Kopf des &#8222;Expertenrates&#8220;, der den &#8222;geistigen F&#252;hrer&#8220; bestimmt &#8211;   entschiedener als zuvor Mussawi den R&#252;cken.<\/p>\n<h4>  Beginn einer Revolution<\/h4>\n<p>  Die Ereignisse um den 17. Juli unterstrichen, dass im Iran ein   revolution&#228;rer Prozess im Gange ist. Durch die herrschende Klasse geht   ein tiefer Riss. Zudem hat sich die Mittelklasse scharenweise vom Regime   abgewendet; Akademiker, Studierende, Selbstst&#228;ndige treten in Aktion.   Dar&#252;ber hinaus sind Besch&#228;ftigte, Erwerbslose, die unterdr&#252;ckten Massen   zu Hunderttausenden auf den Beinen &#8211; und bereit, der Staatsgewalt die   Stirn zu bieten.<\/p>\n<p>  Am 22. Juli berichtete Human Rights Watch &#252;ber die Lage der politischen   Gefangenen im Evin-Gef&#228;ngnis: Sicherheitskr&#228;fte versuchen aus H&#228;ftlingen   gewaltsam &#8222;Gest&#228;ndnisse&#8220; herauszupressen, viele der &#252;ber 2.000   Inhaftierten haben seit Wochen keinen Anwalt oder Angeh&#246;rige zu Gesicht   bekommen. Trotz versch&#228;rfter Repression, trotz Hunderten von   Todesopfern, trotz Tausenden von Verletzten demonstrierten im Anschluss   an das Freitagsgebet vor einer Woche in Teheran erneut weit mehr als   100.000 Menschen!<\/p>\n<p>  Noch hat die Erhebung im Iran allerdings &#252;berwiegend den Charakter eines   Volksaufstands. Die Arbeiterklasse hat der Bewegung bislang nicht ihren   Stempel aufgedr&#252;ckt. Dabei sind es die Lohnabh&#228;ngigen, die den Reichtum   des Landes geschaffen haben, nicht zuletzt die &#214;lmilliarden, auf die   sich die Herrschenden in den letzten Jahren st&#252;tzen konnten. Welche   Kraft die arbeitende Bev&#246;lkerung entfalten kann, bewies sie vor drei&#223;ig   Jahren: mehr als die Gro&#223;demonstrationen war seinerzeit die Streikwelle   in den Betrieben ausschlaggebend, die Schah-Diktatur aus den Angeln zu   heben.<\/p>\n<h4>  Mussawi + Rafsandschani = B&#252;ndnispartner?<\/h4>\n<p>  Unter den DemonstrantInnen sind vor allem Jugendliche, darunter viele   Frauen. Sie haben es satt, geg&#228;ngelt, schikaniert und unterdr&#252;ckt zu   werden. Dass mit der Ehefrau Mussawis, der K&#252;nstlerin Zahra Rahnavard,   eine Frau auf Wahlveranstaltungen ihre Stimme erhob, war f&#252;r viele junge   Frauen besonders wichtig.<\/p>\n<p>  Protestiert wird aber nicht nur gegen die anhaltende Repression. Mit den   Massenprotesten entl&#228;dt sich auch die jahrelang aufgestaute Wut &#252;ber   Ausbeutung und Armut, &#252;ber eine Arbeitslosenquote von bis zu 20 Prozent   und einer Inflation von 30 Prozent.<\/p>\n<p>  Die Beseitigung von Niedrigl&#246;hnen und Massenarbeitslosigkeit wird mit   einem Rafsandschani, dem reichsten Mann des Landes, und mit anderen   Kapitalisten aus dem &#8222;Reformlager&#8220; nicht zu machen sein. Aber auch f&#252;r   umfassende demokratische Rechte sind Rafsandschani und Co. keine   Garanten. So sind Rafsandschani, Mussawi und Chatami nicht nur fest   verankert im bestehenden Herrschaftssystem, sondern standen allesamt   schon Regierungen vor &#8211; ohne dass wirkliche Meinungs-, Versammlungs-   oder Organisationsfreiheit erreicht wurden. Unter Mussawi kam es w&#228;hrend   des irakisch-iranischen Krieges von 1980 bis 1988 zur brutalen   Verfolgung Oppositioneller. Und auch der mit vielen Hoffnungen   verbundene &#8222;Reformer&#8220; Chatami schaute weg, als die Studierendenrevolte   vor genau zehn Jahren zusammengekn&#252;ppelt wurde.<\/p>\n<p>  Wenn sich Teile der islamistisch-kapitalistischen Klasse heute gegen   Ahmadinedschad stellen, dann deshalb, weil sie sich von einem   Kurswechsel bessere Wirtschafts- und Handelsbedingungen international   versprechen und damit auf g&#252;nstigere Profitaussichten hoffen. Zudem   kalkulieren sie, dass mit der Politik von Ahmadinedschad &#8211; der seine   erste Legislaturperiode nutzte, um seinen Einfluss im Staatsapparat   auszuweiten &#8211; nur &#214;l ins Feuer gesch&#252;ttet wird. Anstatt die Massen   weiter zu provozieren, bauen sie darauf, mittels Zugest&#228;ndnissen der   Bewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen und die &#8211; auch f&#252;r sie selber   bedrohliche &#8211; Bewegung von unten in den Griff zu bekommen. Mussawi   musste vor einem Monat allerdings die Erfahrung machen, dass sein Ruf,   zu Hause zu bleiben, ungeh&#246;rt verhallte.<\/p>\n<h4>  Kein Vertrauen in die Kr&#228;fte des Imperialismus<\/h4>\n<p>  Die westlichen Medien &#228;u&#223;ern sich scheinbar kritisch gegen&#252;ber dem   heutigen iranischen Regime. W&#228;hrend sie &#252;ber die Repressalien von   Polizei, Armee oder Basidsch-Milizen berichten, schweigen sie sich   gegen&#252;ber anderen Diktaturen in der Region, wie Saudi-Arabien,   weitgehend aus. Der Grund f&#252;r diese unterschiedlichen Vorgehensweisen   ist unschwer zu erkennen. Mit dem einen Regime lassen sich gut Gesch&#228;fte   machen (dann schaut man auch mal weg, wenn Frauen in Riad gesteinigt   werden), das andere Regime ist ein Unsicherheitsherd und sucht den   Schulterschluss mit den Kontrahenten Russland und China.<\/p>\n<p>  Gegen&#252;ber dem islamischen Fundamentalismus nimmt der Westen auch keine   prinzipielle, sondern eine taktische Haltung ein. W&#228;hrend f&#252;r Washington   und andere in den letzten Jahren alles angeblich im Zeichen vom &#8222;Krieg   gegen den Terror&#8220; stand, griffen sie Islamisten auch immer wieder mal   unter die Arme. So &#252;bertrugen BBC und Deutsche Welle 1979 die Reden von   Khomeini, so flog Air France den Ajatollah aus dem Exil in den Iran ein.   Damals war ihre Angst vor einer sozialistischen Revolution und dem   Aufbau einer Arbeiterdemokratie so gro&#223;, dass sie hofften, Khomeini   k&#246;nnte die Bewegung wieder in geordnete Bahnen lenken und Kapitalismus   und Gro&#223;grundbesitz retten. &#8211; Wenn sich Merkel und Obama heute besorgt   &#228;u&#223;ern, dann gilt auch in diesen Wochen ihre Hauptsorge einer Revolution   von unten, die weltweit Ausstrahlungskraft erlangt.<\/p>\n<p>  Auch Institutionen wie die UN sind alles andere als neutral; vielmehr   ergibt der Zusammenschluss kapitalistischer Staaten keinen   Wohlt&#228;tigkeitsverein, sondern ein Gremium, das kapitalistische Ziele   verfolgt &#8211; und &#8211; wie im US-Krieg gegen den Irak unter Bush senior 1991 &#8211;   auch Kriege sanktioniert.<\/p>\n<h4>  Internationale Solidarit&#228;t<\/h4>\n<p>  Um der Bewegung im Iran den R&#252;cken zu st&#228;rken, d&#252;rfen wir nicht auf   Merkel oder UN setzen. N&#246;tig ist es, die Ursachen f&#252;r die Proteste und   die eigentlichen Geschehnisse bekannt zu machen. Es gilt, &#252;ber   Perspektiven und Programm f&#252;r den Kampf der iranischen Jugendlichen,   ArbeiterInnen und verarmten Bauern zu diskutieren. Au&#223;erdem m&#252;ssen wir   Ans&#228;tze von unten, zum Beispiel f&#252;r unabh&#228;ngige Gewerkschaften, aktiv   unterst&#252;tzen. Daf&#252;r m&#252;ssen in Deutschland auch die Gewerkschaften und   die Partei DIE LINKE in die Pflicht genommen werden.<\/p>\n<h4>  Arbeiterorganisationen und Vernetzung von unten<\/h4>\n<p>  Vor drei&#223;ig Jahren haben die Fedayn (Mehrheit) und die Moskautreue   Kommunistische Partei Tudeh im Iran einen tragischen Fehler begangen.   Sie schlugen sich damals auf die Seite von Khomeini &#8211; um kurz darauf,   nach dem sich die Bewegung ersch&#246;pft hatte und das Ajatollah-Regime fest   im Sattel sa&#223;, selbst Opfer von Repression und Verfolgung im neuen   &#8222;Gottesstaat&#8220; zu werden. Die Fedayin und Tudeh hatten eines nicht   verstanden: Um sicherzustellen, dass nicht ein repressives Regime durch   ein anderes abgel&#246;st wird, braucht es Eigeninitiative und   Selbstorganisation von unten.<\/p>\n<p>  1979 gab es sogar R&#228;testrukturen in den Betrieben, die monatelang die   Produktion bestimmten. Heute bedarf es erneut eigener Strukturen &#8211;   unabh&#228;ngig von Staat, Klerus und Kapital; Strukturen zur   Selbstverteidigung und zur Selbstorganisation der Betriebe, der   Stadtteile, der Universit&#228;ten etc. Aber anders als vor drei&#223;ig Jahren   m&#252;ssen diese unabh&#228;ngigen Komitees heute stadt- und landesweit   koordiniert werden. Damit k&#246;nnte der Grundstein zur Schaffung einer   Arbeiter- und Bauern-Regierung gelegt werden.<\/p>\n<p>  In den letzten f&#252;nf Jahren hat sich die Arbeiterklasse &#8211; mit den Streiks   von LehrerInnen und Textilarbeitern, mit den Arbeitsniederlegungen beim   Autowerk Iran Khodro und beim Teheraner Busbetrieb &#8211; verst&#228;rkt zu Wort   gemeldet. Der Aufbau von Arbeiterorganisationen wie der Gewerkschaft der   Busfahrer und einer eigenen politischen Interessenvertretung mit einem   antikapitalistischen und sozialistischen Programm ist das Gebot der   Stunde.<\/p>\n<p>  Das Ahmadinedschad-Regime hat enorm an Legitimation und   Mobilisierungskraft verloren. Aber es wird nicht von selbst   zusammenbrechen. Und es werden nicht die Mussawis sein, auf die wir   bauen k&#246;nnen. Darum m&#252;ssen die ArbeiterInnen und verarmten Bauern ihr   Schicksal in die eigenen H&#228;nde nehmen. Der Kampf f&#252;r demokratische   Rechte muss aber mit dem Kampf zum Sturz der Kapitaleigner und   Feudalherren verbunden werden. Auf Basis einer demokratisch geplanten   Wirtschaft k&#246;nnen Bildung, Arbeit und gute Einkommen f&#252;r alle erreicht   werden. Eine sozialistische Demokratie im Iran w&#228;re der Startschuss f&#252;r   eine radikale Ver&#228;nderung der Gesellschafts- und Machtverh&#228;ltnisse   global!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Revolution&#228;re Bewegung im Iran geht weiter\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37,40],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13258"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13258"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13258\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}