{"id":13256,"date":"2009-07-24T00:00:00","date_gmt":"2009-07-24T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13256"},"modified":"2009-07-24T00:00:00","modified_gmt":"2009-07-24T00:00:00","slug":"13256","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/07\/13256\/","title":{"rendered":"CWI Summer School 2009: Das &#220;bergangsprogramm und seine Bedeutung f&#252;r \r\n      heute"},"content":{"rendered":"<p>  Sozialistische Ideen und sozialistische Politik entwickeln.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Cillian Gillespie, Socialist Party (Schwesterorganisation von SLP   und SAV sowie Sektion des CWI in Irland), 20. Juli 2009<\/i><\/h4>\n<p>  In seinem Einleitungsreferat zum Workshop &#8222;Das &#220;bergangsprogramm und   seine Bedeutung f&#252;r heute&#8220; bei der diesj&#228;hrigen CWI Summer School hob   Niall Mulholland vom Internationalen Sekretariat des CWI hervor, dass   das &#220;bergangsprogramm in einer Phase verfasst wurde, in der eine   Wirtschaftskrise herrschte und ein imperialistischer Krieg drohte. Viele   dieser Umst&#228;nde gelten heute genauso wie 1938, als das Programm als   zentrales Dokument anl&#228;sslich der Gr&#252;ndungskonferenz der Vierten   Internationale geschrieben wurde &#8211; die Degenerierung der stalinistischen   Kommunistischen Internationale hatte soeben Fu&#223; gefasst.<\/p>\n<p>  Hauptaufgabe des &#220;bergangsprogramms ist es, aus den Erfahrungen der   Arbeiterklasse die Einsicht in die Notwendigkeit abzuleiten, den Kampf   um den Sozialismus f&#252;hren zu m&#252;ssen. Reformen k&#246;nnen durch massenhaften   Kampf der ArbeiterInnen erreicht werden. Aber im &#220;bergangsprogramm wird   dar&#252;ber hinaus auch dargestellt, wie Reformen dauerhaft bewirkt werden   k&#246;nnen, um grunds&#228;tzlichen Wandel f&#252;r eine sozialistische Gesellschaft   erreichen zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Marx und Engels formulierten 1848 im Kommunistischen Manifest   Forderungen f&#252;r die sich entwickelnde Arbeiterbewegung in Europa. Das   stand im Kontrast zu Methode und Programm, welche die   sozialdemokratischen Parteien Ende des 19. Jahrhunderts annahmen. Das   deutsche sozialdemokratische Erfurter Programm wurde beschlossen, als   der Kapitalismus einen generellen Aufschwung erlebte, der wiederum   gro&#223;en Einfluss auf die Perspektivensetzung der sozialdemokratischen   F&#252;hrer hatte. Dieses &#8222;Maximalprogramm&#8220; basierte auf der Annahme, dass   der Sozialismus in der Zukunft schrittweise eingef&#252;hrt werden w&#252;rde &#8211;   irgendwann, in nicht bestimmter Zukunft. Gleichzeitig rief das Erfurter   Programm zu Minimal-Reformen innerhalb der Grenzen des kapitalistischen   Systems auf.<\/p>\n<p>  Allerdings wurde mit der Entwicklung des Imperialismus und dem Ausbruch   des Ersten Weltkriegs die Notwendigkeit f&#252;r die ArbeiterInnen, mittels   eines &#220;bergangsprogramms die tiefe kapitalistische Krise zu beenden,   immer dringender. Die Bolschewiki entwickelten Forderungen, zu denen   auch die ausschlaggebenden Aprilthesen Lenins von 1917 z&#228;hlen, die die   Arbeiterklasse zur &#220;bernahme der Macht in Russland aufriefen. Der Sieg   der sozialistischen Oktoberrevolution f&#252;hrte zum Aufbau der   Kommunistischen Internationale und deren Programm an Forderungen f&#252;r die   internationale Arbeiterklasse. Die sich anschlie&#223;ende stalinistische   Degenerierung der Russischen Revolution jedoch (vor allem wegen ihrer   isolierten Stellung und aufgrund des Fehlschlagens anderer   internationalistischer Revolutionen) f&#252;hrte dazu, dass die   Kommunistische Internationale sich von einem &#220;bergangsprogramm mit dem   Ziel der sozialistischen Ver&#228;nderung abwandte.<\/p>\n<p>  In den 1930er Jahren stellte Trotzki dann &quot;Tagesforderungen&quot; f&#252;r die   aktuellen Interessensk&#228;mpfe der Arbeiterklasse (sie betrafen bspw.   Aspekte der Betriebsarbeit und die sozialen Verh&#228;ltnisse),   &quot;demokratische Forderungen&quot; und &quot;&#220;bergangsforderungen&quot; auf, die die   Notwendigkeit zur Ver&#228;nderung der Gesellschaft forcierten. Diese   Forderungen sind miteinander verkettet. Abh&#228;ngig vom jeweigligen   Zeitpunkt tritt die ein oder andere davon verst&#228;rkt in den Vordergrund,   was von den Umst&#228;nden abh&#228;ngt und den K&#228;mpfen und den Bed&#252;rfnissen der   Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend einige der 1938 im &#220;bergangsprogramm formulierten Forderungen   heute nicht mehr <i>die<\/i> Relevanz besitzen bzw. aktualisiert oder   ersetzt wurden, behalten etliche von Trotzkis Forderungen auch heute   noch ihre G&#252;ltigkeit &#8211; vor allem vor dem Hintergrund der momentanen   &#246;konomischen Krise. Einige dieser Forderungen beinhalten den Aufruf nach   &#8222;Offenlegung der Gesch&#228;ftsb&#252;cher&#8220; der Unternehmen, die Arbeitspl&#228;tze   abbauen und K&#252;rzungen durchf&#252;hren und rufen zur Vergesellschaftung der   Industrieunternehmen unter demokratischer Arbeiterkontrolle und ihrer   Gesch&#228;ftsf&#252;hrung auf. Dieses Programm muss einer kontinuierlichen   &#220;berpr&#252;fung unterzogen und falls erforderlich angepasst werden, indem   das heute vorherrschende Bewusstsein und die modernen Verh&#228;ltnisse sowie   die Schl&#252;sselaspekte, denen sich die arbeitenden Menschen gegen&#252;ber   sehen, mit einbezogen werden. Einige Aspekte, die 1938 nicht   ber&#252;cksichtigt wurden oder in jener historischen Periode nur in Teilen   zu erwarten waren, werden von SozialistInnen heute energisch   aufgegriffen; so die &#246;kologische Krise, die Atomindustrie und Rechte   verschiedener Minderheiten.<\/p>\n<h4>  Der Konflikt bei Lindsey: Das &#220;bergangsprogramm in der Praxis<\/h4>\n<p>  In der sehr guten Workshop-Debatte zeichneten GenossInnen aus   unterschiedlichen L&#228;ndern Beispiele nach, wie Sektionen des CWI   &#220;bergangsforderungen einsetzen, um auf die Wirtschaftskrise zu reagieren   und in real stattfindenden K&#228;mpfen der Arbeiterklasse einzugreifen.   Alistair Tice aus Gro&#223;britannien sprach &#252;ber die herausgehobene Rolle,   die die Socialist Party beim Streik beim Bau der &#214;lraffinerie Lindsey   gespielt hat. Die Socialist Party half dabei, dem Slogan &#8222;British jobs   for British Workers&#8220; (&#8222;Britische Arbeit f&#252;r britische Arbeiter&#8220;;   Erg&#228;nzung des &#220;bersetzers) Forderungen nach tariflichen Arbeitspl&#228;tzen   und demokratischer gewerkschaftlicher Kontrolle &#252;ber die Kontrakte der   LeiharbeiterInnen entgegenzusetzen. Virginie aus Frankreich sprach &#252;ber   den j&#252;ngsten Generalstreik in Guadeloupe und die Forderungen, die vom   CWI eingebracht wurden, um diese motivierende Bewegung der   Arbeiterklasse aufgreifen zu helfen.<\/p>\n<p>  Andere RednerInnen f&#252;hrten aus, wie wichtig die &#220;bergangsmethode ist.   Nikolaj aus Schweden erkl&#228;rte die Art der Forderungen, die hinsichtlich   der &#246;kologischen Krise vorangebracht werden. So etwa die Forderung nach   kostenlosem Nahverkehr und der Nutzung erneuerbarer Energien. Rob Jones   aus Russland sprach dar&#252;ber, wie CWI-Mitglieder beim Kampf gegen den   Krieg zwischen Russland und Georgien im vergangen Jahr eine   sozialistische Alternative einbrachten.<\/p>\n<p>  In seiner Zusammenfassung der Debatte sagte Alec Thraves aus   Gro&#223;britannien, dass das &#220;bergangsprogramm von 1938 ein exzellentes   Dokument ist, das alle SozialistInnen studieren sollten und das eine   generelle Anleitung zur Aktion ist. Die Kernaufgabe des CWI besteht   darin, in der Diskussion mit den Menschen der Arbeiterklasse auf die   &#220;bergangsmethode zur&#252;ckzugreifen. Dazu geh&#246;rt, dass wir die Analyse   vorantreiben wie auch Ideen und Forderungen, die als Br&#252;cke zwischen dem   Bewusstsein der Arbeiterklasse und der Notwendigkeit einer   sozialistischen Gesellschaft dient. Jene ultralinken und sektiererischen   Linken, die f&#252;r den Sozialismus eintreten, indem sie abstrakte   Forderungen mit ultimativem Charakter aufstellen, sprengen nur diese   besagte Br&#252;cke! Demgegen&#252;ber m&#246;chte das CWI das Geh&#246;r der Arbeiterklasse   finden, um so viele Menschen wie m&#246;glich mit sozialistischen Ideen und   Ans&#228;tzen f&#252;r das konkrete Handeln zu erreichen. Das belegte die   hervorragende Debatte w&#228;hrend dieses Workshops.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Sozialistische Ideen und sozialistische Politik entwickeln.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[103,92],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13256"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13256"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13256\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}