{"id":13254,"date":"2009-07-22T00:00:00","date_gmt":"2009-07-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13254"},"modified":"2012-05-25T15:28:39","modified_gmt":"2012-05-25T13:28:39","slug":"13254","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/07\/13254\/","title":{"rendered":"CWI Summer School 2009: Die USA unter Obama"},"content":{"rendered":"<p>  Vorst&#246;&#223;e zur Neu-Belebung und des Gegenlenkens! &#8211; Bericht aus dem   Workshop &#8222;Die USA unter Obama&#8220; bei der diesj&#228;hrigen CWI Summer School<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b><i>von Richard Manton, Socialist Party (Schwesterorganisation von SLP   und SAV sowie Sektion des CWI in Irland), 20. Juli 2009<\/i><\/b><\/h4>\n<p>  &#8222;Wollen die f&#252;hrenden K&#246;pfe an der Wall Street eine antikapitalistische   politische Welle in den Vereinigten Staaten lo&#223;treten, die sie f&#252;r immer   hinwegfegen wird?&#8220;, Martin Sieff, United Press International (UPI),   16\/3\/09<\/p>\n<p>  Die Debatte um die Situation in den USA auf der CWI Summer School fand   statt vor dem Hintergrund von Wirtschaftskrise und zunehmender sich   gegen die Wall Street richtender Stimmung. Der Schwerpunkt lag auf den   politischen Entwicklungen unter Obama und den Aufgaben, die sich f&#252;r das   CWI ergeben. Jesse Lessinger von der Socialist Alternative   (Schwesterorganisation von SLP und SAV sowie Sektion des CWI in den USA)   leitete die Debatte ein und beantwortete Fragen in der anschlie&#223;enden   Diskussion.<\/p>\n<h4>  <b>Wirtschaftskrise und Rettungspakete<\/b><\/h4>\n<p>  Von der &#246;konomischen Krise sind vor allem die USA besonders hart   getroffen worden. Seit Jahresanfang verloren dort jeden Monat 600.000   ArbeiterInnen ihren Job. F&#252;r Millionen ist die Zwangsvollstreckung ihrer   H&#228;user Realit&#228;t geworden und weitere Millionen haben Angst, sie k&#246;nnten   als n&#228;chste betroffen sein. Einzelne Bundesstaaten haben enorme Defizite   angeh&#228;uft, die sich insgesamt und mit steigender Tendenz auf 120   Milliarden US-Dollar belaufen; ihre Haushalte sind unter staatliche   Aufsicht gestellt. Die KalifornierInnen sehen dem gr&#246;&#223;ten   Haushaltsdefizit entgegen, das es je gab: 24 Milliarden US-Dollar! Und   Schwarzenegger plant eine Serie massiver K&#252;rzungen bei den &#246;ffentlichen   Ausgaben, darunter 10 Milliarden US-Dollar im Bildungsbereich.<\/p>\n<p>  Eine sehr wichtige Frage f&#252;r die US-amerikanisch Gesellschaft, die in   der Debatte in diesem Workshop aufgeworfen wurde, ist, ob Obamas   Rettungspaket die &#8222;Fundamente festigen&#8220; oder wenigstens dazu f&#252;hren   kann, dass es zu einer Art von Neu-Belebung kommt. Das Rettungspaket   bel&#228;uft sich auf 787 Milliarden US-Dollar an Infrastruktur-Projekten,   staatlichen Hilfen f&#252;r die defizit&#228;ren Haushalte und   Arbeitslosenunterst&#252;tzung. Viele sehen darin eine L&#246;sung der Krise und   die Hoffnung besteht, dass diese Ma&#223;nahmen Abhilfe schaffen werden.<\/p>\n<p>  In der Debatte erkl&#228;rte Ryan, ein Busfahrer aus den USA, allerdings,   dass auch wenn die Ma&#223;nahmen dazu f&#252;hren werden, dass die Bruchlandung   abgemildert wird, die Krise dadurch nicht grundlegend gel&#246;st werden   wird. Jegliche Vorst&#246;&#223;e zur Neu-Belebung, die durchgef&#252;hrt werden, sind   ziemlich wirkungslos und werden nicht zu einer durchschlagenden   Neu-Belebung f&#252;hren &#8211; in diesem Sinne handelt es sich dabei blo&#223; um   leere Vorst&#246;&#223;e. Gro&#223;e Teile des Rettungspaketes gehen direkt an die   Konzerne der USA, gerade wie es auch unter Franklin D. Roosevelt zur   Zeit des New Deal der Fall war.<\/p>\n<p>  Statt damit die Reichen zu st&#252;tzen, sollte dieses Geld lieber benutzt   werden, um Arbeitspl&#228;tze im Bereich der erneuerbaren Technologien und im   Transportwesen zu schaffen. Ein sozialistisches Rettungspaket w&#252;rde eine   ganze Bandbreite an &#246;ffentlicher Arbeit beinhalten, die Millionen von   Arbeitspl&#228;tzen schaffen und somit f&#252;r eine gesellschaftlich notwendige   Infrastruktur sorgen w&#252;rde.<\/p>\n<h4>  Politische Krise<\/h4>\n<p>  Aus der &#246;konomischen ist unmittelbar auch eine politische Krise   erwachsen. Aufgrund ihrer Au&#223;enpolitik und der Art und Weise, mit der   sie in Wirtschaftsfragen vorgegangen sind, sind die Republikaner stark   diskreditiert. Unterdessen kommen die Demokraten unter zunehmenden   Druck, da die Wirtschaft weiter einbricht. Die Popularit&#228;t von Pr&#228;sident   Obama in der Bev&#246;lkerung ist von &#252;ber 60 Prozent auf unter 50 Prozent   gesunken. Laut Meinungsforschungsinstitut Gallup r&#252;hrt der Gro&#223;teil des   Missfallens gegen&#252;ber Obama aus seinem Umgang mit Aspekten der   Wirtschaftskrise. Dabei ist es noch zu fr&#252;h, einsch&#228;tzen zu k&#246;nnen, ob   dieser R&#252;ckgang auf der Beliebtheitsskala der Beginn eines wirklichen   R&#252;ckgangs der Popularit&#228;t Obamas ist oder ob es sich dabei nur um ein   Leuchtfeuer handelt. Was wir allerdings mit Sicherheit feststellen   k&#246;nnen, ist die Wut der arbeitenden Menschen &#252;ber die Rettungsaktion der   &#8222;Bankster&#8220;, die uns in diese Krise gebracht haben.<\/p>\n<p>  Ray und Tom aus Gro&#223;britannien fragten beide nach dem Bewusstsein der   Massen hinsichtlich Obama und wie dieses Ver&#228;nderung herbeif&#252;hren kann.   Lynn Walsh vom Internationalen Sekretariat des CWI griff dies auf und   sagte, dass die Massen ihre Tr&#228;ume auf Obama projeziert haben und dass   wir nicht einfach auf diesen Tr&#228;umen und Illusionen herumtrampeln   k&#246;nnen. So zu handeln h&#228;tte den Effekt, die Menschen von uns zu   entfremden. Statt dessen sollten wir fach- und sachkundige Kritik &#252;ben,   wozu beispielsweise auch die Rolle geh&#246;rt, die Obama bei den   Bankenrettungen gespielt hat und seine Kehrtwende bei der   Gesundheitsversorgung.<\/p>\n<p>  Nach dem Sieg bei der Pr&#228;sidentschaftswahl und jetzt mit der &#252;bergro&#223;en   Mehrheit im Senat k&#246;nnen die Demokraten jedes Gesetz beschlie&#223;en, das   ihnen passt. Robert Bechert (ebenfalls Mitglied im Internationalen   Sekretariat des CWI) stellte dar, dass konkrete Forderungen in Richtung   der Demokratischen Partei und Konzernchefs verkn&#252;pft werden m&#252;ssen mit   dem Aufbau von Bewegungen, die aktiv k&#228;mpfen, um ihre Ziele zu   erreichen, statt F&#252;rsprecher der Demokraten zu werden. Solche Kampagnen   k&#246;nnen, verbunden mit Erfahrungen, die die Grundlage daf&#252;r legen, einen   Bruch mit den vollkommen kapitalistischen Demokraten herbeif&#252;hren und   der Anfang sein f&#252;r eine ernsthafte Bewegung f&#252;r eine unabh&#228;ngige Partei   der arbeitenden Manschen.<\/p>\n<h4>  Widerstand und Gewerkschaften<\/h4>\n<p>  In der Debatte wurde der im ganzen Land zunehmende Widerstand   hervorgehoben. FabrikarbeiterInnen in Chicago, Studierende und   LehrerInnen in Los Angeles, Besch&#228;ftigte an der Harvard-Universit&#228;t und   BusfahrerInnen in Boston sind nur einige der Teile der Arbeiterklasse,   die damit begonnen haben, gegen K&#252;rzungen und Arbeitsplatzvernichtung zu   k&#228;mpfen. Hierbei handelt es sich lediglich um isolierte Beispiele, da es   bisher zu keinen generellen Massenk&#228;mpfen gekommen ist &#8211; doch diese   k&#246;nnen sich entwickeln.<\/p>\n<p>  Bewusstsein und Kampf entwickeln sich nicht gleichf&#246;rmig, k&#246;nnen aber   rasch entstehen und zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Explosion   gelangen. K&#228;mpferische Gewerkschaftsf&#252;hrungen und ein k&#228;mpferisches   Handeln in solchen K&#228;mpfen sind bereits und werden zunehmend notwendig,   wenn sich die K&#228;mpfe entwickeln.<\/p>\n<p>  Roger aus Gro&#223;britannien erinnerte die TeilnehmerInnen dieses Workshops   daran, dass die USA auf eine starke Tradition an gewerkschaftlichem   Aktivismus vorweisen kann. Das belegt die Geschichte des CIO   (Industriearbeitergewerkschaftsbund; Erg&#228;nzung des &#220;bersetzers) und der   Teamsters (Transportarbeiter; Erg&#228;nzung des &#220;bersetzers). Er sagte, dass   man auf die Welle an Streiks mit Sitzblockaden in den 1930ern nicht mit   Nostalgie zur&#252;ck blicken d&#252;rfe, sondern diese als praktisches Beispiel   daf&#252;r ansehen muss, wonach die Gewerkschaftsbewegung auch heute streben   sollte.<\/p>\n<p>  Methoden des Kampfes, die in den 1930ern eingesetzt wurden &#8211; wie etwa   der Sitzblockade-Streik, massenhafte Streikposten und die Missachtung   der gewerkschaftsfeindlichen Gesetze &#8211; haben heute nicht nur Relevanz.   Sie sind vielmehr notwendig, um den Verfall der Gewerkschaftsbewegung in   den USA umzukehren.<\/p>\n<h4>  Autoindustrie<\/h4>\n<p>  Punkte, die Brett, ein Fordarbeiter, in einer vorangegangenen   Plenumsdiskussion auf der CWI Summer School zum Thema US-Autoindustrie   gemacht hatte, wurden von Jesse im Workshop zum Thema USA erweitert. In   gewisser Hinsicht stellt die Krisensituation in der Autoindustrie einen   Mikrokosmos davon dar, was den Umfang der Krise des gesamten   kapitalistischen Systems angeht. In der Krise sind die Verkaufszahlen im   Automobilsektor um 30 Prozent bis 40 Prozent zur&#252;ck gegangen. Es gab   Massenentlassungen und GM, einstmals gr&#246;&#223;ter Konzern der Welt, ist   pleite.<\/p>\n<p>  Die Autoindustrie war einmal das Symbol der Macht des US-amerikanischen   Kapitalismus. Jetzt ist das Gegenteil der Fall: Sie ist das Symbol der   kapitalistischen Krise und des industriellen Niedergangs. Die   Autoindustrie belegt eindeutig die Krise durch &#220;berproduktion   (&#8222;&#220;berkapazit&#228;ten&#8220;), die das kapitalistische System als ganzes erfasst   hat: Die Arbeiterklasse schafft es nicht, die Autos zur&#252;ckzukaufen, die   sie vorher selbst produziert hat, beziehungsweise die Produktionsst&#228;tten   sind in der Lage, zu viel zu produzieren.<\/p>\n<h4>  Notwendigkeit f&#252;r eine Massenpartei der ArbeiterInnen<\/h4>\n<p>  Jesse fasste im Anschluss an die Debatte w&#228;hrend des Workshops einige   wichtige politische Aspekte zusammen. Am wichtigsten war die   Notwendigkeit einer Massenpartei der Arbeiterklasse in den USA. Eine   solche Partei w&#252;rde eine Alternative zu den Parteien darstellen, die die   US-amerikanische Politik gegenw&#228;rtig dominieren und die im Sinne der   Konzerne und des Interesses der Reichen agieren.<\/p>\n<p>  Zur Zeit fragen sich viele in den USA: &#8222;Was k&#246;nnen wir schon machen?&#8220;   Die unmittelbare Reaktion auf die Krise ist bisher nicht ein breiter   Widerstand gewesen. Doch dies wird sich &#228;ndern. Vor allem dann, wenn das   Verst&#228;ndnis dar&#252;ber zunimmt, dass die Massenarbeitslosigkeit und Armut   nicht mehr zur&#252;ckgehen wird.<\/p>\n<p>  Neue linke Formationen werden mit gro&#223;er Wahrscheinlichkeit eine Reihe   von Fehlstarts und Fehlern durchschreiten, aber es geht nur &#252;ber solcher   Fehler, damit die Arbeiterklasse wichtige Erfahrungen durchmacht und   ihre Lehren ziehen kann. Nach einer gewissen Zeit der Krise und   weitreichenden Angriffen, werden die Illusionen in Obama unweigerlich   dahin sein und sich ein radikales Bewusstsein entwickeln. In einem   solchen Szenario wird eine von den Gewerkschaften unterst&#252;tzte, gegen   die Konzerninteressen gerichtete, antikapitalistische Partei eine enorme   Anh&#228;ngerschaft Erlangen &#8211; selbst wenn es zun&#228;chst um eine kleine   Massenbasis geht.<\/p>\n<p>  Jesse fasste den Workshop zusammen, indem er unterstrich, wie wichtig es   ist, in den Wohnvierteln und in den Betrieben eine Basis f&#252;r   sozialistische Ideen zu schaffen. Das CWI wird versuchen, aus den   immensen M&#246;glichkeiten, die sich in der vor uns liegenden Periode   ergeben, einen Vorteil zu ziehen und in eben dieser Richtung   Unterst&#252;tzung aufbauen.<\/p>\n<p>  Der irische Marxist James Connolly schrieb: &#8222;Der Tag, an dem das   kapitalistische System noch zusammengeflickt h&#228;tte werden k&#246;nnen, ist   vor&#252;ber; jetzt muss es weg.&#8220; Das war 1910, kurz nachdem Connolly aus den   USA zur&#252;ckgekehrt war, h&#228;tte aber genauso gut 2009 geschrieben werden   k&#246;nnen!<\/p>\n<p>  Bei der momentanen Wirtschaftskrise handelt es sich um eine grundlegende   Krise des Kapitalismus, und sie kann nicht einfach durch eine bessere   Regulierung oder Rettungspakete gel&#246;st werden &#8211; es gibt da nichts   zusammenzuflicken. Die Fundamente k&#246;nnen nicht durch Regulierungen   gefestigt werden oder durch den Abbau der Gier &#8211; das System an sich muss   ge&#228;ndert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Vorst&#246;&#223;e zur Neu-Belebung und des Gegenlenkens! &#8211; Bericht aus dem<br \/>\n      Workshop &#8222;Die USA unter Obama&#8220; bei der diesj&#228;hrigen CWI Summer School\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[103,42],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13254"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13254"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13254\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13254"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13254"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}