{"id":13252,"date":"2009-07-20T01:00:00","date_gmt":"2009-07-20T01:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13252"},"modified":"2009-07-20T01:00:00","modified_gmt":"2009-07-20T01:00:00","slug":"13252","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/07\/13252\/","title":{"rendered":"Honduras: Radikaler Widerstand gegen Milit&#228;rputsch"},"content":{"rendered":"<p>  &#8222;Wenn der Milit&#228;rputsch einen positiven Effekt hatte, dann ist das die   Einigung der zahlreichen Organisationen der fortschrittlichen Bewegung.   Gewerkschaften, Campesinoorganisationen, Frauengruppen und linke   Parteien stehen nun zusammen wie nie zuvor in Honduras&#8220;, sagte Israel   Salinas, Generalsekret&#228;r des honduranischen Gewerkschaftsverbandes CUTH   und f&#252;hrendes Mitglied der Nationalen Front gegen den Milit&#228;rputsch. An   diesem Wochenende endet ein Ultimatum des vor drei Wochen abgesetzten   Pr&#228;sidenten Manuel Zelaya. Sollten die Putschisten ihn nicht einsetzen,   werde er zur&#252;ck kommen. Seine Unterst&#252;tzer rief er unterdessen zum   &#8222;Aufstand&#8220; auf.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Ted Le&#243;n (CWI Costa Rica)<\/i><\/h4>\n<p>  Widerstand regt sich im ganzen Land, auch wenn die Putschregierung mit   gleichgeschalteten Medien und Milit&#228;rgewalt versucht den Eindruck zu   erwecken, alles sei ruhig. Seit einer Woche bestreiken die Lehrer alle   Bildungseinrichtungen des Landes, in 50 St&#228;dten wurden zentrale Stra&#223;en   und Pl&#228;tze besetzt, wichtige Landstra&#223;en werden immer wieder blockiert   und bewaffnete Landarbeiter und Kleinbauern haben sich dem Milit&#228;r   entgegen gestellt. Offenbar desertierten auch erste Milit&#228;reinheiten.   Solidarit&#228;tsaktionen gibt es t&#228;glich in den anderen   zentralamerikanischen L&#228;ndern. Aktivisten blockieren die Grenz&#252;berg&#228;nge   in Nicaragua und El Salvador, um den Warentransport nach Honduras zu   unterbrechen und so wirtschaftlichen Druck auf das Putschregime   auszu&#252;ben.<\/p>\n<p>  Die mutige Volksbewegung in Honduras bezahlt den Widerstand mit Schwei&#223;   und Blut. Milit&#228;r und Polizei gehen immer wieder brutal gegen   Protestierende vor und verhaften diese wahllos. Auf unbewaffnete   Demonstranten er&#246;ffneten sie das Feuer und verletzten einige   lebensgef&#228;hrlich. Zudem berichten Vertreter der Nationalen Front gegen   den Putsch von gezielten &#220;berf&#228;llen und Attentaten auf f&#252;hrende linke   Aktivisten.<\/p>\n<h4>  Wie kam es zu dem Putsch?<\/h4>\n<p>  Trotz einiger Warnsignale kam der Putsch in Honduras f&#252;r die meisten   unerwartet. Mit dem Ende der B&#252;rgerkriege in der Region glaubte man das   d&#252;stere Kapitel der Milit&#228;rdiktaturen sei abgeschlossen. Nun zeigt sich,   dass der Scho&#223; noch fruchtbar ist, aus dem faschistische Milit&#228;rregime   kriechen. Die herrschende Klasse in Honduras ist ein Konglomerat aus   Milit&#228;r und Unternehmern, brutal wie sonst in keinem Land der Region.   Das Land ist das schw&#228;chste Glied der b&#252;rgerlichen Demokratien in   Zentralamerika und dort droht eine Kette bekanntlich zu rei&#223;en.<\/p>\n<p>  Seit 28 Jahren haben sich die b&#252;rgerlichen Parteien Liberale und   Konservative wie in einem Duopol an der Macht abgewechselt. Traditionell   vertreten die Konservativen den reaktion&#228;ren Fl&#252;gel, Honduras Liberale   &#252;bernahmen auch die eine oder andere fortschrittliche Forderung und   galten eher als Garant der b&#252;rgerlichen Demokratie. Diesen Ruf hat die   Parlamentsfraktion nun freilich verspielt, denn willf&#228;hrig stimmte sie   f&#252;r die Einsetzung von Putschpr&#228;sident Mitchelleti; &#252;brigens auch ein   Mitglied der Liberalen Partei PLH. Genau wie der abgesetzte Manuel   Zelaya.<\/p>\n<p>  Zelaya geht seit dem Putsch mit der Bourgeoisie seines Landes hart ins   Gericht. Vergessen darf man aber nicht, dass er selbst Sohn einer gut   situierten Gro&#223;grundbesitzerfamilie aus dem l&#228;ndlichen Olancho in   Zentralhonduras ist. Als Bilderbuchminister wurde er in der   Vergangenheit f&#252;r seine effiziente Amtsf&#252;hrung ausgezeichnet und von der   UNO gelobt. Mit linken &#196;u&#223;erungen hatte er sich bis zu seinem   Amtsantritt 2006 nicht verd&#228;chtigt gemacht. Mit Erstaunen mag die   Ultrarechte zur Kenntnis genommen haben, dass sich der eher moderate   Zelaya auch mit Beratern umgab, die ihren politischen Hintergrund in der   schwachen Linken des Landes fanden.<\/p>\n<p>  Angesichts der tiefen Krise seines Landes und nicht zuletzt der   Weltwirtschaftskrise begann er sich Kreisen zuzuwenden, die von der   honduranischen Politik stets ignoriert worden waren: Gewerkschaften und   die soziale Bewegung. Nicht alle lie&#223;en sich auf diese Allianz ein. Der   honduranischen Sektion der Sozialistischen Partei Zentralamerikas   (PSOCA) &#8211; eine trotzkistische Partei mit freundschaftlicher Beziehung   zum CWI &#8211; etwa blieb Zelaya Klassenfeind, wenn auch mit menschlichem   Antlitz.<\/p>\n<p>  Auf der einen Seite begr&#252;ndete er eine politische Freundschaft mit Fidel   Castro und Hugo Ch&#225;vez, welche in Honduras ALBA-Mitgliedschaft m&#252;ndete.   Den Mindestlohn erh&#246;hte er um bis zu 60 Prozent und er legte eine Reihe   neuer Sozialprogramme auf. Aber echte Mitspracherechte der Arbeitnehmer   und ihrer Organisationen gab es nicht, ganz zu Schweigen von Ans&#228;tzen   der Selbstverwaltung. Die Arbeitsbedingungen in den Maquiladoras blieb   haarstr&#228;ubend, gewerkschaftliche Rechte wurden ignoriert und Aktivisten   ermordet. Frauenrechte und emanzipatorische Forderungen ignoriert. Ein   Linker ist Manuel Zelaya nicht. Trotzdem unterst&#252;tzen wir den Kampf f&#252;r   die Wiedereinsetzung des Pr&#228;sidenten, gleichzeitig betonen wir aber   immer die Notwendigkeit, dass die Arbeiterbewegung organisatorisch und   politisch unabh&#228;ngig bleibt.<\/p>\n<p>  Aber die Ultrarechte musste erkennen, dass sie diesen Pr&#228;sidenten nicht   unter Kontrolle hatte. Sie entfesselte ihre Furie, denn besonders die   wachsende N&#228;he zu Kuba und Venezuela machte sie rasend. Anders als in   den anderen Staaten Zentralamerikas sind die f&#252;hrenden Milit&#228;rs in   Honduras eng mit dem nationalen Kapital verflochten. Die Diktatur der   stets gut von den USA ausgebildeten F&#252;hrungsoffiziere endete offiziell   zwar mit der Verfassung von 1982. Damals &#228;nderten sie aber einfach ihre   Strategie und bauten ihre Macht im Wirtschaftssektor aus. Heute   beherrschen sie nicht nur Zentralamerikas st&#228;rkste Milit&#228;rmaschine,   sondern sie bewegen Milliarden US-Dollar durch Vertr&#228;ge mit Unternehmen,   deren stillen Teilhaber sie sind. Sie sind Mehrheitsaktionisten von   TV-Stationen, Zeitungen und Zeitschriften, der Agrarindustrie sowie   Nutznie&#223;er der Privatisierung von &#246;ffentlichen Betrieben. Ihre   Verb&#252;ndeten haben diese Milit&#228;r-Kapitalisten in den ultrarechten Kreisen   in Washington und dem CIA.<\/p>\n<p>  Hugo Ch&#225;vez nannte sie Gorillas, wobei er den Riesenaffen mit der   friedfertigen Natur eigentlich nicht gerecht wird. Diese   Milit&#228;r-Kapitalisten sind gewohnt, dass man in Honduras nach ihrer   Pfeife tanzt. Egal, welche Farbe des Parteilogos des jeweiligen   Pr&#228;sidenten hat. Manuel Zelaya wollte sich nicht l&#228;nger an diese   Spielregel halten und forderte ihren Zorn heraus.<\/p>\n<p>  Es mag &#252;berraschen, dass sie eine anberaumte, nicht vinkulative Umfrage   mit einem Putsch kontert. Aber die meisten F&#252;hrungsoffiziere von heute   haben als junge Soldaten an den Massakern in den 70ige rund 80iger   Jahren teilgenommen. Linke und demokratische Oppositionelle wurden   damals systematisch verfolgt, gefoltert und ermordet. Sprich diese   Milit&#228;rs wissen, wie sie Friedhofsruhe herstellen k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Neue Chancen f&#252;r die Linke<\/h4>\n<p>  F&#252;r die Linke bestehen in diesem Moment der reaktion&#228;ren Offensive neue   M&#246;glichkeiten in Honduras. In den vergangenen Jahrzehnten gelang es ihr   nie, im Gegensatz zu den Nachbarl&#228;ndern Nicaragua und El Salvador,   Massenunterst&#252;tzung zu gewinnen. Revolution&#228;re Parteien wurden vom   Milit&#228;rregime brutal verfolgt und hatten kaum Aufbauchancen. Linke   Aktivisten sammelten sich in Graswurzelorganisationen oder verlie&#223;en das   Land.<\/p>\n<p>  PSOCA und CWI sind sich darin einig, dass die von den USA eingef&#228;delten   &#8222;Friedensverhandlungen&#8220; zwischen Zelaya und Micheletti ein abgekarteter   Versuch sind, um die Putschregierung zu stabilisieren.   Friedensnobelpreistr&#228;ger und Pr&#228;sident Costa Ricas Oscar Arias von der   rechts-sozialdemokratischen und traditionell anti-marxistischen &#8222;Partei   der Nationalen Befreiung&#8220; (PLN) beruft sich auf seine Rolle im   Friedensprozess von Esquipulas in den Achtziger Jahren, bei dem die   Nicaraguas sandinistische Regierung mit den rechten Pr&#228;sidenten der   Region an den Diskussionstisch kam. Dieser Friedensprozess endete mit   der Entwaffnung und Niederlage der Linken in Zentralamerika und war der   Beginn von zwei Jahrzehnten neoliberaler Dominanz. Oscar Arias ist der   treueste Verb&#252;ndete der USA in der Region. Mittlerweile ist auch belegt,   dass US-Pr&#228;sident Barack Obama doppeltes Spiel treibt. Der CIA, der   US-Botschafter in Honduras und die US-Milit&#228;rbasis im Land haben den   Putsch mit initiiert, w&#228;hrend ihn Vertreter der Obama-Regierung verbal   verurteilten. W&#228;hrend der ersten Verhandlungsrunde in Costa Rica bekam   Putschistenpr&#228;sident Micheletti indes pers&#246;nliche Beratung von Daniel   Radcliffe, der PR-Experte ist enger Vertrauter von Ex-Pr&#228;sident Bill   Clinton und der amtierenden Au&#223;enministerin Hillary Clinton und war   extra aus den USA angereist.<\/p>\n<p>  Wir lehnen die sogenannten Friedensgespr&#228;che ab und fordern die   bedingungslose Einsetzung des gew&#228;hlten Pr&#228;sidenten. Dabei darf sich die   honduranische Volksbewegung nicht auf internationale Gremien wie UNO   oder OAS verlassen. Diese verurteilen den Putsch verbal, werden dem aber   keine Taten folgen lassen. Es liegt in den H&#228;ndern der Arbeiter,   Kleinbauern, Ind&#237;genas und Jugendlichen von Honduras, die Putschisten zu   vertreiben. Der heroische Widerstand der vergangenen drei Wochen ist   beispielhaft, aber es ist &#252;berf&#228;llig, dass die Gewerkschaften den   angek&#252;ndigten Generalstreik endlich in die Tat umsetzen.<\/p>\n<p>  Zur Selbstverteidigung ist der Aufbau von Widerstandskomitees notwendig.   Als n&#228;chsten Schritt schlagen wir die Einberufung einer revolution&#228;ren   Volksversammlung f&#252;r eine neue Verfassung vor.<\/p>\n<h5>  Internationale Solidarit&#228;t ist wichtig! Sendet Soliabotschaften an:<\/h5>\n<p>  &#8211; die honduranische Sektion der Sozialistischen Partei Zentralamerikas   (PSOCA): elsoca@elsoca.org<\/p>\n<p>  &#8211; das CWI in Zentralamerika: alternativa.socialistaCR@gmx.info<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8222;Wenn der Milit&#228;rputsch einen positiven Effekt hatte, dann ist das die<br \/>\n      Einigung der zahlreichen Organisationen der fortschrittlichen Bewegung.<br \/>\n      Gewerkschaften, Campesinoorganisationen, Frauengruppen und linke<br \/>\n      Parteien stehen nun zusammen wie nie zuvor in Honduras&#8220;, sagte Israel<br \/>\n      Salinas, Generalsekret&#228;r des honduranischen Gewerkschaftsverbandes CUTH<br \/>\n      und f&#252;hrendes Mitglied der Nationalen Front gegen den Milit&#228;rputsch. An<br \/>\n      diesem Wochenende endet ein Ultimatum des vor drei Wochen abgesetzten<br \/>\n      Pr&#228;sidenten Manuel Zelaya. 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