{"id":13243,"date":"2009-07-29T00:00:00","date_gmt":"2009-07-29T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13243"},"modified":"2009-07-29T00:00:00","modified_gmt":"2009-07-29T00:00:00","slug":"13243","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/07\/13243\/","title":{"rendered":"Opel verstaatlichen"},"content":{"rendered":"<p>  Besch&#228;ftigte m&#252;ssen das Sagen haben<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Seit Ende letzten Jahres wird &#252;ber die &#8222;Opel-L&#246;sung&#8220; geredet. Nur   eines ist bislang sicher: Die Besch&#228;ftigten sollen zahlen. Auch   Gesamtbetriebsrat und IG-Metall-F&#252;hrung predigen Verzicht. H&#246;chste Zeit,   dass die KollegInnen sich wehren.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Angelika Teweleit, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Nachdem General Motors (GM) seine Tochter Opel in die Eigenst&#228;ndigkeit   entlassen hat, geh&#246;rt das Unternehmen zu 65 Prozent einer staatlich   kontrollierten Treuhand (und zu 35 Prozent GM). Geplant ist, dass diese   die Mehrheit an den kanadisch-&#246;sterreichischen Autozulieferer Magna und   die russische Sberbank verkauft. Bislang gibt es aber nur   Absichtserkl&#228;rungen.<\/p>\n<p>  M&#246;glich, dass das &#8222;Tauziehen um Opel&#8220; noch bis zur Bundestagswahl   anh&#228;lt. Da die Vernichtung von 10.000 Stellen in Europa anvisiert ist,   will die Bundesregierung die Zeit bis zum Wahltag irgendwie &#252;berbr&#252;cken.<\/p>\n<p>  Die Motivation der bietenden Investoren ist vor allem zweierlei: Erstens   billig Konkurrenten aufkaufen und sich dar&#252;ber Marktanteile sichern,   zweitens m&#246;glichst viel Staatsknete absahnen. Die Investoren &#8211; ob Magna,   der chinesische Autohersteller BAIC, die Sberbank oder Ripplewood &#8211;   k&#252;mmert nicht, was mit den Belegschaften passiert. Au&#223;er, dass die   ArbeiterInnen noch billiger werden sollen.<\/p>\n<h4>  Schluss mit Verzicht!<\/h4>\n<p>  &#8222;Verzichtsvertr&#228;ge bekamen wir seit 1993 einen nach dem anderen   aufgedr&#252;ckt. Wir waren damals noch 19.200 Besch&#228;ftigte in Bochum, jetzt   sind wir nur noch 5.200&#8220;, erkl&#228;rt Wolfgang Schaumburg, ehemaliger   Opelaner, der auch oppositionelles Betriebsratsmitglied war.<\/p>\n<p>  Die Krise soll zu weiteren Zugest&#228;ndnissen der Belegschaft genutzt   werden. So wird die Auszahlung des Urlaubsgeldes verschoben und die   f&#228;llige Tariferh&#246;hung um 1,2 Prozent ausgesetzt. Gleichzeitig hat der   Betriebsrat eine Aktiengesellschaft gegr&#252;ndet, die zehn Prozent der   Anteile an Opel erwerben soll. Jeder Kollege soll nun zwangsweise im   Schnitt &#252;ber 40.000 Euro in &#8222;New Opel&#8220; einbringen. Wenn es dann weiter   bergab geht, haben die KollegInnen eben verloren.<\/p>\n<p>  Konzerne wie Magna werden dagegen von solchen Risiken befreit. F&#252;r den   mickrigen 300-Millionen-Euro-&#220;bergangskredit, den Magna zur Verf&#252;gung   stellt, b&#252;rgt n&#228;mlich die Bundesregierung. Daf&#252;r darf Magna aber noch   acht Prozent Zinsen einkassieren!<\/p>\n<p>  Letztlich ist es egal, wer bei Opel einsteigt. Denn die Absatzkrise   bedeutet: 90 Millionen Autos k&#246;nnen weltweit gebaut werden &#8211; 45   Millionen werden wahrscheinlich 2009 verkauft. Der Abbau von Kapazit&#228;ten   ist so sicher wie das Amen in der Kirche. GM und Opel markieren nur den   Anfang. Eine Kampfstrategie f&#252;r den Erhalt aller Arbeitspl&#228;tze ist das   Gebot der Stunde.<\/p>\n<h4>  Gewerkschaftsb&#252;rokratie<\/h4>\n<p>  Davon ist bei der Mehrheit des Betriebsrats unter der F&#252;hrung von Klaus   Franz wie auch bei der IG-Metall-Spitze zur Zeit nichts zu entdecken.   Franz spricht von &#8222;fairer Lastenverteilung&#8220;. Und die Gewerkschaftsoberen   rufen weiter danach, das Instrument Kurzarbeit zu nutzen. Bei Opel   verlieren KollegInnen dadurch jeden Monat 200 bis 300 Euro. Und danach   werden Tausende trotzdem auf die Stra&#223;e gesetzt. Es ist jetzt n&#246;tig, in   den Betrieben selbst die Initiative zu ergreifen, sich zu vernetzen und   den Druck in der IG Metall von unten aufzubauen. Gerade in Bochum kann   an die Erfahrungen des siebent&#228;gigen wilden Streiks von 2004 angekn&#252;pft   werden.<\/p>\n<h4>  Was tun?<\/h4>\n<p>  Die Politik des Verzichts geh&#246;rt beendet. Die Alternative kann nur   hei&#223;en zu k&#228;mpfen, und zwar f&#252;r den Erhalt aller Arbeitspl&#228;tze. Das muss   Thema bei Betriebsversammlungen sein; wenn keine stattfinden, m&#252;ssen sie   eingefordert werden.<\/p>\n<p>  Demonstrationen reichen nicht aus. Es m&#252;ssen Arbeitskampfma&#223;nahmen   ergriffen werden. Um gegen Entlassungen und Produktionsabbau vorzugehen,   ist es n&#246;tig, eine Besetzung des Betriebes in Angriff zu nehmen. Und   zwar, bevor es zu sp&#228;t ist. So kann auch der Abbau von Maschinen und   Produktionsanlagen verhindert werden.<\/p>\n<p>  Die gesamte Belegschaft muss in einen Arbeitskampf einbezogen sein. Das   ist m&#246;glich &#252;ber t&#228;gliche Diskussionsversammlungen. N&#246;tig ist die Wahl   einer Streikleitung. Die Gew&#228;hlten m&#252;ssen t&#228;glich Rechenschaft abgeben   und der jederzeitigen Abw&#228;hlbarkeit unterliegen.<\/p>\n<p>  Der Kampf darf nicht isoliert bleiben. Schon beim letzten Streik 2004 in   Bochum gab es gro&#223;e Demonstrationen unter Einbeziehung der arbeitenden   Bev&#246;lkerung im ganzen Ruhrgebiet. Durch die Gr&#252;ndung von   Solidarit&#228;tskomitees k&#246;nnen Besch&#228;ftigte aus anderen Bereichen,   Jugendliche, Familien mit ins Boot geholt werden. Zulieferbetriebe, die   direkt von einer Schlie&#223;ung betroffen sind, sollten in   Arbeitskampfma&#223;nahmen einbezogen werden. Zudem sind Verbindungen zu den   anderen Opel-Werken, grenz&#252;berschreitend, sowie zu anderen Autokonzernen   notwendig, damit der Kampf nicht wie 2004 isoliert bleibt. Daf&#252;r sind   Vernetzungen von k&#228;mpferischen AktivistInnen auf allen Ebenen n&#246;tig.<\/p>\n<h4>  Verstaatlichung im Interesse der arbeitenden Bev&#246;lkerung<\/h4>\n<p>  Eine &#8222;Opel-L&#246;sung&#8220; auf der Grundlage von kapitalistischem Eigentum wird   massiven Arbeitsplatzabbau nach sich ziehen. Die Satzung der IG Metall   besagt: &#8222;Aufgaben und Ziele der IG Metall sind insbesondere (&#8230;) die   &#220;berf&#252;hrung von Schl&#252;sselindustrien und anderen markt- und   wirtschaftsbeherrschenden Unternehmungen in Gemeineigentum.&#8220; Es w&#228;re an   der Zeit, dass die IG Metall diese Forderung wieder h&#246;rbar macht. Die   F&#252;hrung schweigt sich dar&#252;ber aus. Wir m&#252;ssen das aber jetzt einbringen.   Denn ohne diese Perspektive ist es unm&#246;glich, einen Kampf f&#252;r den Erhalt   aller Arbeitspl&#228;tze erfolgreich zu f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Wie k&#246;nnte das in der jetzigen Situation konkret aussehen? Nehmen wir   an, in Bochum oder anderswo wird das Werk besetzt. Andere KollegInnen   wie in R&#252;sselsheim folgen ihrem Beispiel. Streik und Besetzung w&#252;rden   mit Massendemonstrationen verbunden. Forderungen der Streikenden sollten   dann sein: Offenlegung der Gesch&#228;ftsb&#252;cher gegen&#252;ber der Belegschaft;   &#220;bernahme von Opel durch den Staat; Entlassung der Manager; Leitung der   Betriebe durch ein Gremium, das sich zu je einem Drittel aus   VertreterInnen der Belegschaft, der IG Metall und der Regierung   zusammensetzt. Nicht nur die Repr&#228;sentantInnen der Belegschaft, sondern   auch der Gewerkschaft sollten gew&#228;hlt (und von der Belegschaft   best&#228;tigt) werden &#8211; m&#246;glicherweise auf daf&#252;r extra einberufenen   Delegiertenkonferenzen. So w&#228;re eine Zweidrittelmehrheit der   Arbeitnehmerseite garantiert. Solche Gremien sollten nicht nur in einem   Werk, sondern auch konzernweit gew&#228;hlt werden. Auf allen Ebenen m&#252;sste   es regelm&#228;&#223;ige Versammlungen geben, auf denen &#252;ber Entscheidungen   informiert wird und bei Bedarf Neuwahlen veranlasst werden k&#246;nnen.   VertreterInnen von Umweltschutz- und Verbraucherverb&#228;nden k&#246;nnten mit   einbezogen werden.<\/p>\n<p>  Zudem w&#252;rde es darum gehen, einen alternativen Produktionsplan im   Interesse von Mensch und Umwelt zu entwickeln. Humane   Arbeitsbedingungen, unter anderem mittels der 30 Stunden-Woche bei   vollem Lohn- und Personalausgleich, m&#252;ssten ganz oben auf der Agenda   stehen. Solche Ma&#223;nahmen d&#252;rften nicht nur in einem Unternehmen   ergriffen werden, sondern m&#252;ssten branchenweit angegangen werden.<\/p>\n<p>  Ein solcher Kampf w&#252;rde die T&#252;r aufsto&#223;en, in der gesamten   Arbeiterklasse &#252;ber Alternativen zum jetzigen Profitsystem zu   diskutieren &#8211; hin zu einer demokratisch geplanten Wirtschaft nach den   Bed&#252;rfnissen von Mensch und Natur.<\/p>\n<h4>  Forderungen der SAV<\/h4>\n<h4>  &#8211; F&#252;r den Erhalt aller Arbeitspl&#228;tze und Werke<\/h4>\n<h4>  &#8211; Nein zu Lohnverzicht<\/h4>\n<h4>  &#8211; 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich<\/h4>\n<h4>  &#8211; Offenlegung der Gesch&#228;ftsb&#252;cher<\/h4>\n<h4>  &#8211; Verstaatlichung von Opel. Demokratische Kontrolle und Verwaltung durch   Belegschaftskomitees und die arbeitende Bev&#246;lkerung<\/h4>\n<h4>  &#8211; &#220;berf&#252;hrung aller Autokonzerne in &#246;ffentliches Eigentum<\/h4>\n<h4>  &#8211; Schrittweise Umstellung der Autoproduktion auf gesellschaftlich   sinnvolle Produkte<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Besch&#228;ftigte m&#252;ssen das Sagen haben\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,11],"tags":[216],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13243"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13243"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13243\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13243"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13243"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13243"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}