{"id":13229,"date":"2009-06-25T10:56:02","date_gmt":"2009-06-25T10:56:02","guid":{"rendered":".\/?p=13229"},"modified":"2009-06-25T10:56:02","modified_gmt":"2009-06-25T10:56:02","slug":"13229","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/06\/13229\/","title":{"rendered":"Welchen Weg f&#252;r die iranische Revolution?"},"content":{"rendered":"<p>  Arbeiterklasse muss entschieden in die K&#228;mpfe eingreifen (22. Juni 2009)<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  von Tony Saunois, Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale<\/h4>\n<p>  Drei&#223;ig Jahre nach der Revolution von 1979 sind in Iran neuerlich   revolution&#228;re Spannungen ausgebrochen &#8211; Millionen Menschen sind gegen   die zweifellos manipulierten Ergebnisse der Pr&#228;sidentschaftswahlen auf   die Stra&#223;en gegangen. Innerhalb weniger Stunden nach Schlie&#223;ung der   Wahllokale haben Pr&#228;sident Mahmoud Ahmadinejad und seine Kohorten in der   theokratischen Diktatur einen durchschlagenden Wahlsieg mit 64%   Stimmenanteil bei einer Wahlbeteiligung von 85% verk&#252;ndet. Diese   Ank&#252;ndigung war genug, um Hunderttausende auf die Stra&#223;en zu bringen &#8211;   einiger Berichte zufolge haben bis zu 3 Millionen Menschen an den   gr&#246;&#223;ten Protesten in Teheran teilgenommen. StudentInnen, die   Mittelklasse und Teile der Arbeitslosen, Armen und der Angestellten sind   auf die Stra&#223;en gestr&#246;mt haben ihre &#8222;gestohlenen Stimmen&#8220; zur&#252;ckverlangt   und eine Absetzung Ahmadinejads gefordert. Wie auch immer sich diese   revolution&#228;re Krise in den kommenden Wochen entwickeln wird, fest steht,   dass der Iran nicht mehr zum Ausgangszustand zur&#252;ckkehren wird. Die   massive Bewegung f&#252;r eine &#196;nderung markiert den Beginn des Endes der   existierenden Diktatur. Obwohl eine exakte Analyse des Wahlergebnisses   offensichtlich unm&#246;glich ist, hat eine Studie der vom Regime selbst   ver&#246;ffentlichten Zahlen durch die Saint Andrews Universit&#228;t in   Schottland einige unglaubliche Ergebnisse aufgedeckt. In einigen   Gebieten lag die Wahlbeteiligung bei 100%. Zudem mobilisierte   Ahmadinejad offenbar genug Unterst&#252;tzung, um sein Wahlergebnis   verglichen mit 2005 um 113% zu steigern. Um die vom Regime vorgelegten   Zahlen zu erreichen h&#228;tte er alle Stimmen der Nichtw&#228;hlerInnen von 2005   gewinnen m&#252;ssen, zudem alle Stimmen, die damals dem &#8222;zentristischen&#8220;   Kandidaten Rafsanjani zufielen sowie 44% der Stimmen, die der mehr   reform-orientierte Kandidat Karrubi erhielt. Ein bemerkenswertes   Charakteristikum dieser Bewegung sowie der Wahlkampagne war das   verst&#228;rkte Auftreten junger Frauen auf der Kampfb&#252;hne &#8211; einzigartig in   der j&#252;ngeren iranischen Geschichte. Das zeigte sich schon w&#228;hrend der   Wahlkampagne. Zum ersten Mal in Iran spielte Mir Hossein Mousavis Frau,   Zahra Rahnavard eine f&#252;hrende Rolle, ihre Forderung nach &#8222;Gleichheit&#8220;   zog eine gro&#223;e Menge, vor allem junger Frauen mit sich. Pressezensur und   Versammlungsverbote konnten die Verbreitung der neuesten Nachrichten der   Bewegung nicht verhindern. Die Jugend benutzte vor allem Facebook und   Twitter um ihre Proteste zu organisieren und ihre Forderungen und die   auf sie ausge&#252;bte Repression zu ver&#246;ffentlichen. Iran hat weltweit den   h&#246;chsten pro Kopf Anteil an Bloggern. Die Massenproteste, die nach der   Verk&#252;ndung des Wahlergebnisses durch den Iran gefegt sind, markieren   einen entscheidenden Wendepunkt. Die Tatsache, dass das &#8222;Gesetz&#8220;   herausgefordert wird und die brutale Unterdr&#252;ckung durch die   Staatssicherheitskr&#228;fte zeigen, dass die Massen beginnen, ihre Furcht   vor dem Regime ablegen und bereit sind, diesem die Stirn zu bieten und   es herauszufordern. Das bedeutet einen entscheidenden Wandel in der   Psychologie der Massen in jeder Bewegung gegen Diktatur. Angesichts des   Aufmarsches der gef&#252;rchteten para-milit&#228;rischen Basij-Milizen haben   DemonstrantInnen in Teheran den Slogan geschrieen: &#8222;Panzer, Kanonen,   Basij &#8211; ihr habt jetzt keine Wirkung mehr!&#8220; Bisher waren es ohne Zweifel   die StudentInnen und Jugendlichen, die an der Spitze der Bewegung   standen. Vor allem unter den h&#246;her gebildeten Schichten der Jugend   brodelt die Unzufriedenheit und Wut gegen den einengenden,   unterdr&#252;ckenden Charakter des theokratischen Regimes, das die freie Wahl   von Kleidung, Musik, pers&#246;nlichen Beziehungen und Kommunikation massiv   einschr&#228;nkt. Ein zu enges Kleid, zu modernes Haarstyling oder die   falsche Wahl der Musik von jungen Menschen zogen Wut und Bestrafung   durch die Basij-Milizen auf &#246;ffentlicher Stra&#223;e nach sich. In einer   Bev&#246;lkerung, in der gesch&#228;tzte 60 bis 70% unter 30 Jahre alt sind,   konnten diese Restriktionen nicht auf Dauer aufgezwungen werden. So   wichtig dieser zivile Ungehorsam auch ist, wird dieser von der jetzigen   Bewegung &#252;bertroffen, die demokratische Rechte fordert und das Verlangen   nach einem gesellschaftlichen Wechsel in Iran ausdr&#252;ckt. Das wird auch   durch die weit gestreute Teilnahme und Unterst&#252;tzung f&#252;r die Bewegung   reflektiert, die es auch in den &#228;lteren Teilen der Bev&#246;lkerung gibt.   Dazu kommt noch die w&#228;hrend der letzten Jahren der Ahmadinejad   Pr&#228;sidentschaft aufgestaute Frustration und Entt&#228;uschung weiter Teile   der Bev&#246;lkerung. Er wurde 2005 gew&#228;hlt und konnte eine wichtige Basis   der Unterst&#252;tzung, vor allem unter einigen Teilen der Armen und   innerhalb der l&#228;ndlichen Bev&#246;lkerung beibehalten. Sogar in dieser Wahl   scheint es eine gewisse Spaltung zwischen den gr&#246;&#223;eren st&#228;dtischen und   den l&#228;ndlichen Gebieten zu geben. Das Ausma&#223; der Spaltung ist aber   derzeit noch nicht klar einzusch&#228;tzen. Die Zeitung International Herald   Tribune zum Beispiel berichtet von dem kleinen Dorf Bagh-e-Iman, das in   der N&#228;he der s&#252;dwestlichen Stadt Shiraz liegt. Es wird berichtet, dass   die Mehrheit der 850 W&#228;hlerInnen Mousavi unterst&#252;tzten, w&#228;hrend die   &#8222;offizielle&#8220; Ausz&#228;hlung das Gegenteil erkl&#228;rt. Und das, obwohl die   Unterst&#252;tzer Ahmadinejads bei Wahlveranstaltungen ausgebuht wurden.   Ganze Wagenladungen von Dorfbewohnern besuchten daraufhin die   Protestdemonstrationen in Shiraz. Dar&#252;ber hinaus lebt in Iran   mittlerweile der Gro&#223;teil der Bev&#246;lkerung in st&#228;dtischen Gebieten,   obwohl es auch noch starke Familienbindungen mit dem Land gibt.   Entsprechend j&#252;ngster Sch&#228;tzungen leben ca. 70% der Bev&#246;lkerung heute in   Gro&#223;st&#228;dten.<\/p>\n<h4>  Reaktion&#228;rer Populist<\/h4>\n<p>  Ahmadinejads Basis unter den Armen wurde auf einer reaktion&#228;ren   populistischen Basis aufgebaut &#8211; die Korruption und die reiche liberale   Elite anprangert &#8211; und einer nationalistische Politik, die den Westen   und vor allem den US-Imperialismus brandmarkt. W&#228;hrend der Wahl 2005   griff er den Slogan der Revolution von 1979 auf: &#8222;Eine Republik der   Armen&#8220;. Nach dieser Revolution wurden wichtige Teile der Wirtschaft   unter staatliche Kontrolle gestellt, aber anstatt einer Republik f&#252;r die   Armen entstand vielmehr eine Republik der Reichen, der korrupten   Mullah-Oligarchen. 2005 stellte Ahmadinejad auch die Forderung auf, den   Reichtum aus dem &#214;lgesch&#228;ft mehr zu Gunsten der Armen zu verteilen und   f&#252;hrte Subventionen f&#252;r grundlegende Verbrauchsg&#252;ter ein. Nach seiner   Wahl wurde eine Reihe von Infrastrukturprojekten begonnen. Seine   Rhetorik stand im Gegensatz zum damals unterlegenen &#8222;Reform&#8220;-Kandidaten   Rafsanjani, der f&#252;r seine Korruption und die Verbindungen zu den reichen   Oligarchen bekannt ist. Doch trotz Ahmadinejads populistischem &#8222;Einsatz&#8220;   f&#252;r die Armen hielt das sein Regime nicht davon ab, die streikenden   Teheraner Busfahrer und andere ArbeiterInnen brutal zu attackieren, als   diese f&#252;r ihre Interessen k&#228;mpften.&#160; Allerdings hat die stark gewachsene   Inflation, die bei mittlerweile 30% liegt und die zunehmende   Arbeitslosigkeit, die bei den unter 30 J&#228;hrigen&#160; ca. 25% erreicht hat   sowie die Einstellung der Unterst&#252;tzungszahlungen f&#252;r Benzin und einige   Grundnahrungsmittel in der vergangenen Periode Frustration und &#196;rger   hervorgerufen. Ahmadinejad hat zudem die Regierung auf nationaler und   lokaler Ebene militarisiert, was einerseits zu einer gestiegenen   Unterdr&#252;ckung aber andererseits zu einer wachsenden Feindseeligkeit, vor   allem unter der Jugend gef&#252;hrt hat. Ahmadinejad, ein ehemaliger Offizier   der Revolutionsgarden, hat 14 der 21 Ministerposten mit ehemalige   Offiziere eben dieser Garden besetzt. Den paramilit&#228;rischen   Basij-Milizen wurden Rechte an der Ausbeutung von &#214;lquellen gegeben,   w&#228;hrend er vollmundig behauptete, die Korruption ausmerzen zu wollen.   Die bisherige St&#228;rke der Bewegung, die seit der 1979er Revolution in   Iran einzigartig ist, hat das Regime zu einem Zickzack-Kurs in dessen   Erwiderung gezwungen und Spaltungen in diesem hervorgerufen. Zun&#228;chst   best&#228;tigte der W&#228;chterrat blo&#223; das Ergebnis und lehnte Forderungen nach   einer Neuausz&#228;hlung ab. Dann machte dieser einen Schritt zur&#252;ck und   beschloss eine partielle Neuausz&#228;hlung von &#8222;strittigen&#8220; Wahlsprengel   zuzulassen. Erst vor kurzem akzeptierte er, dass &#252;ber 600 strittige   Wahlsprengel neu ausgez&#228;hlt werden d&#252;rfen. Aber selbst eine vollst&#228;ndige   Neuausz&#228;hlung, die eher unwahrscheinlich ist, w&#228;re real ohne Bedeutung.   Wer w&#252;rde denn die Pr&#252;fer &#252;berpr&#252;fen? Laut dem britischen Journalisten   Robert Fisk ist unter den reaktion&#228;ren Mitgliedern des Parlaments ein   Machtkampf &#252;ber die Frage ausgebrochen, wie darauf zu reagieren sei.   dass Ahmadinejad die ProtestiererInnen als &#8222;Dreck&#8220; bezeichnet hat. Der   Eintritt der Massen in die Arena des Kampfes im derzeitigen Ma&#223;stab ist,   wie Trotzki in seiner Schrift &#8222;Geschichte der russischen Revolution&#8220;   aufzeigt, eines der Kennzeichen einer Revolution. In diesem Sinne   entwickelt sich eine Revolution in Iran.<\/p>\n<h4>  Welche Art von Revolution?<\/h4>\n<p>  Revolutionen k&#246;nnen verschiedene Auspr&#228;gungen haben. Historische gesehen   gab es in Europa die b&#252;rgerlich-demokratischen Revolutionen Ende des 17.   und 18. Jahrhunderts, die die feudalen Gesellschaftsstrukturen   hinwegfegten. Es gab auch Beispiele sozialistischer Revolutionen wie   jener in Russland 1917, die zum Sturz des Kapitalismus und des   Gro&#223;grundbesitzes und der Errichtung einer ArbeiterInnendemokratie   f&#252;hrte. In Folge zog sie jedoch eine politische Konter-Revolution nach   sich, die ein b&#252;rokratisches, stalinistisches Regime hervorbrachte und   der ArbeiterInnenklasse die Macht raubte. Es kann auch revolution&#228;re   Aufst&#228;nde geben, die zu einem politischen Machtwechsel f&#252;hren, wo jedoch   die ehemaligen sozialen Beziehungen und Eigentumsverh&#228;ltnisse   unangetastet bleiben. In Iran findet derzeit eine politische Revolution   innerhalb des kapitalistischen Rahmens statt. Indessen ist eine   Revolution immer ein Prozess der Entwicklung, w&#228;hrend dem sich soziale   Fragen und Forderungen auftreten k&#246;nnen, die diesen Prozess dann in   Konflikt mit dem Kapitalismus bringen. Die Debatten und Konfrontationen,   die w&#228;hrend der Wahlkampagne zwischen Mousavi und Ahmadinejad im TV zu   sehen waren, spielten eine zentrale Rolle und r&#252;ttelten vor allem junge   Menschen wach, die sich dann an der Bewegung aktiv beteiligten und zum   Motor der Bewegung wurden, seit die Wahlergebnisse verk&#252;ndet worden   sind. Die derzeit wichtigste Frage in Iran ist die Einsch&#228;tzung, wie   sich diese Bewegung weiterentwickeln wird und welche Art neues Regime   daraus hervorgehen k&#246;nnte. Zum momentanen Zeitpunkt ist es jedoch   unklar, wie sich die aktuelle Krise entfalten und entwickeln wird. Eine   zentrale Frage ist, ob sich die ArbeiterInnenklasse an die Spitze der   K&#228;mpde stellen wird, um den Kampf auf eine h&#246;here Ebene zu stellen. Auf   jeden Fall ist aber klar, dass in Iran eine neue &#196;ra begonnen hat, die   Aufst&#228;nde und revolution&#228;ren Situationen werden sich &#252;ber eine l&#228;ngere   Periode weiter entwickeln, viele Krisen und Wendepunkte werden folgen.   Lenin hat vier Bedingungen f&#252;r die Entwicklung einer sozialistischen   Revolution genannt. Zun&#228;chst sind Spaltungen und Handlungsunf&#228;higkeit   unter der herrschenden Klasse und ihren politischen Repr&#228;sentanten   notwendig. Zweitens muss es ein Schwanken in den Mittelschichten geben,   wobei ein signifikanter Teil davon die Revolution unterst&#252;tzt. Drittens   muss die ArbeiterInnenklasse organisiert sein und ein Wille existieren,   in K&#228;mpfe einzugreifen und sich an die Spitze des revolution&#228;ren   Prozesses zu stellen. Und viertens ist eine revolution&#228;re,   sozialistische Partei mit einer klaren F&#252;hrung notwendig, die f&#252;r ihre   Ideen und Vorschl&#228;ge eine breite Unterst&#252;tzung in den Massen hat &#8211; vor   allem innerhalb dem aktiven Teil der ArbeiterInnen. Zweifellos sind die   beiden ersten Bedingungen in Iran heute erf&#252;llt. Dennoch w&#228;re es   leichtfertig und unverantwortlich einfach zu behaupten, dass alle diese   Bedingungen in Iran in der momentanen Phase der Bewegung erf&#252;llt sind.   Die dritte Bedingung &#8211; der Wille der ArbeiterInnenklasse zu k&#228;mpfen ist   derzeit noch nicht klar ersichtlich. Die ArbeiterInnenklasse hat der   Bewegung noch nicht ihren Stempel aufgedr&#252;ckt und als unabh&#228;ngige Kraft   agiert. Die vierte Bedingung Lenins &#8211; eine revolution&#228;re, sozialistische   Massenpartei muss erst aufgebaut werden. Der Grad der Bereitschaft von   ArbeiterInnen, K&#228;mpfe zu f&#252;hren muss erst ausgetestet werden &#8211; der   Aufbau von gew&#228;hlten Kampfkomitees und unabh&#228;ngigen Gewerkschaften muss   begonnen werden. Die Tatsache, dass die ArbeiterInnenklasse sich in   ihrer Masse ihrer unabh&#228;ngigen Rolle nicht bewusst ist, ist ebenso wie   die Nicht-Existenz einer revolution&#228;ren F&#252;hrung objektives Hinderniss   f&#252;r die Revolution. Ohne eine pr&#228;zise Einsch&#228;tzung dieser Faktoren ist   es unm&#246;glich, die Perspektiven und kommenden Chancen f&#252;r die sich   entfaltende Revolution in Iran abzusch&#228;tzen.<\/p>\n<h4>  F&#252;hrung des Regimes ist gespalten<\/h4>\n<p>  Es gibt ganz klar eine gro&#223;e Spaltung im Regime in Iran. Diese existiert   sogar unter jenen Kr&#228;ften, die Ahmadinejad unterst&#252;tzen. Diese Konflikte   gehen sehr weit und drehen sich darum, wie mit der Massenbewegung   umzugehen ist, die das Regime offenbar unvorbereitet getroffen hat. Die   Festnahme von Familienmitgliedern des ehemaligen Pr&#228;sidenten Rafsanjani   zeigt wie weit die Spaltung in der herrschenden Elite reicht. Bei dem   Konflikt zwischen Ahmadinejad und Mousavi handelt es sich ebenfalls um   eine Spaltung in der herrschenden Klasse. W&#228;hrend die Massen f&#252;r Mousavi   auf die Stra&#223;e gehen und gro&#223;e Hoffnungen und Illusionen in ihn haben,   sind er und seine Unterst&#252;tzer jedoch selbst Teil des theokratischen   Regimes. Mousavi war selbst Premierminister zur Zeit der iranischen   Geiselkrise 1979 und verantwortlich f&#252;r Repression gegen linke   AktivistInnen. Er hat auch nichts getan, um sich gegen die &quot;fatwa&quot; zu   Stellen, die Ayatollah Khomeini gegen Salman Rushdie verh&#228;ngt hat. Was   er im Wahlkampf versprochen hat, war eine Reform des bestehenden   Systems, gr&#246;&#223;ere &#246;konomische Liberalisierung, weniger Arbeitslosigkeit   und &quot;mehr Gleichheit&quot; f&#252;r Frauen &#8211; aber alles im Rahmen des klerikalen   Regimes. Sein Programm ist de facto nichts als eine Reform von oben um   Revolution von unten zu verhindern und die bestehende Ordnung zu retten.   Allerdings hat diese wichtige und bedeutende Spaltung die T&#252;r ge&#246;ffnet,   durch die die Massen in die Arena des Kampfes str&#246;men konnten. Die   Entschlossenheit Ahmadinejads und seiner Unterst&#252;tzer, an der Macht   bleiben zu wollen, hat diese Spaltung noch vertieft. Die Best&#228;tigung von   Ahmadinejads Sieg durch Ayatollah Khameini, dessen Forderungen nach   einem Ende der Proteste sowie die Androhung von noch mehr Repression   durch den religi&#246;sen F&#252;hrer vertieft den Konflikt und bringt ihn auf   eine neue Ebene. Die Bewegung hat mit Forderungen nach einer Reform des   Systems begonnen, findet sich nun aber in direkter Kollision mit dem   theokratischen Staat als ganzes. Zu Beginn des Spanischen B&#252;rgerkriegs   hat Trotzki erkl&#228;rt, dass Berenguer 1931 als T&#252;r&#246;ffner fungiert hat und   den Massen so erm&#246;glicht hat in den Kampf einzutreten. Das selbe kann   von Mousavi gesagt werden, der nun versucht die T&#252;r, die er ge&#246;ffnet   hat, wieder zu schlie&#223;en. Trotz seiner Versuche steigt der Druck, diese   T&#252;r wieder zu &#246;ffnen, allerdings stetig. Zur Zeit ist noch nicht klar,   ob die Massen bereit sind noch weiter bis zu einer direkten   Konfrontation zu gehen und damit die Bewegung nach vorne zu bringen.   Allerdings weisen die Berichte auf Twitter und Facebook sowie Interviews   mit Menschen in Iran darauf hin, dass Khameinis Erkl&#228;rung eine   beachtliche Schicht sehr erz&#252;rnt hat. Studierende an der Universit&#228;t von   Teheran haben eine andauernde Besetzung nach seiner Erkl&#228;rung am 19.   Juni beschlossen. Sie haben f&#252;r einen Streik am 22. Juni aufgerufen.   Allerdings waren die Demonstrationen am 20. und 21. Juni angesichts des   massiven Einsatzes von Sicherheitskr&#228;ften kleiner. W&#228;hrend die   Studierenden in dieser Bewegung gro&#223;en Heldenmut bewiesen haben, scheint   das Ausma&#223; an Repression andere Teile der Bev&#246;lkerung davon abgehalten   zu haben, an den Protesten teilzunehmen. Das w&#228;re nicht geschehen, wenn   die ArbeiterInnenklasse in organisierter Weise der Bewegung ihren   Stempel als unabh&#228;ngige Kraft aufgedr&#252;ckt h&#228;tte. Es ist nun m&#246;glich,   dass die Bewegung angesichts der brutalen Repression eine Pause einlegt.   Das ist besonders der Fall, wenn die ArbeiterInnenklasse nicht   entschieden in den Kampf eintritt. Sollte das passieren, ist sehr   wahrscheinlich dass die Bewegung in naher Zukunft wieder ausbricht.   Allerdings haben die wachsenden Proteste der letzten Wochen trotz   Mousavis Demobilisierungsversuchen stattgefunden. Er hat sogar eine   Massenkundgebung abgesagt. Trotzdem str&#246;mten hunderttausende auf die   Stra&#223;en, und zeigten damit, dass die Bewegung sich von unten entwickelt,   trotz der Versuche der F&#252;hrung sie zu bremsen. Mousavi hat wie   Ahmadinejad gro&#223;e Angst vor der Massenbewegung &#8211; besonders als   unabh&#228;ngige Bewegung der Arbeiterklasse.<\/p>\n<h4>  Die Arbeiterklasse<\/h4>\n<p>  Die entscheidende Frage, die sich nun stellt, ist: Ist die   Arbeiterklasse bereit, in die Bewegung entschlossen einzutreten. Wenn   sie das tut, dann wird das sehr wahrscheinlich den Sturz des   Ahmadinejad-Regimes bedeuten. Auch wenn angeblich Arbeitslose und Teile   der armen Bev&#246;lkerung sich den Protesten in Nord-Teheran angeschlossen   haben (einer Mittelschicht-Gegend) und BauarbeiterInnen der   Demonstration der Opposition zugejubelt haben, als sie an ihnen   vorbeizog, gibt es noch keine Berichte &#252;ber Streiks oder ArbeiterInnen,   die ihre eigenen Kampforganisationen aufbauen. Allerdings gibt es   Anzeichen, dass das nun in Ans&#228;tzen der Fall sein k&#246;nnte. Die Busfahrer   von Teheran, mit ihrer langen Geschichte von K&#228;mpfen gegen das Regime,   haben eine Erkl&#228;rung abgegeben, die die Bewegung und jene, die gegen die   Repression des Regimes k&#228;mpfen, unterst&#252;tzt. Sie haben auch zu einem   Protesttag am 26. Juni aufgerufen. Es gibt auch Berichte dass die   ArbeiterInnen aus der Autoindustrie in Khodro einen 30-min&#252;tigen Streik   zu Beginn jeder Schicht abgehalten haben, um gegen die Repression durch   das Regime zu protestieren. Dar&#252;berhinaus haben die BusfahrerInnen,   obwohl sie die Proteste unterst&#252;tzen, keinen der Kandidaten in der   Pr&#228;sidentschaftswahl unterst&#252;tzt, weil keiner von ihnen die Interessen   der ArbeiterInnenklasse repr&#228;sentiert. Der Anf&#252;hrer der Busfahrer,   Mansour Osanloo, sitzt gerade eine 5j&#228;hrige Gef&#228;ngnisstrafe ab wegen   seiner Rolle bei der Organisierung der Streiks in der Vergangenheit. Es   gibt auch Berichte, dass es Diskussionen &#252;ber einen Generalstreik gibt.   Revolution ist ein lebendiger Prozess und entwickelt sich von Stunde zu   Stunde und Tag zu Tag weiter. Viele revolution&#228;re Bewegungen haben mit   den Studierenden und Teilen der Mittelklasse begonnen. Die   ArbeiterInnenklasse hat sich sp&#228;ter angeschlossen, und damit den   gesamten Kampf auf eine neue, h&#246;here Ebene gehoben. Das war der Fall in   Frankreich 1968, aber auch in der Iranischen Revolution 1979. Die Frage   ist, ob die Bewegung bereit ist, angesichts der zunehmenden Repression,   bis zu Ende zu k&#228;mpfen und die notwendigen Schritte zu ergreifen um das   Regime zu konfrontieren und zu st&#252;rzen. Sollten Ahmadinejad und sein   Regime zu einer Politik von noch brutalerer Repression greifen und es   zur Ermordung weitere AktivistInnen kommt, dann k&#246;nnte das die   ArbeiterInnen in den Kampf treiben. Einigen Berichten zufolge wurden am   20. Juni mehr als ein Duzend Menschen von den Sicherheitskr&#228;ften   get&#246;tet. Khameinis Erkl&#228;rung und der Einsatz des Staatsapparats war eine   hochriskante Strategie. Wenn gr&#246;&#223;ere Zusammenst&#246;&#223;e stattgefunden h&#228;tten,   die den Tod von hunderten oder tausenden Menschen mit sich gebracht   h&#228;tten, dann h&#228;tte das bereits ein Ausl&#246;ser daf&#252;r sein k&#246;nnen, dass sich   die ArbeiterInnenklasse dem Kampf in bewusster und entschlossener Art   und Weise anschlie&#223;t. Viele der Studierenden kommen aus &#228;rmeren   Schichten und sind auf Beihilfen und Studierendenkredite angewiesen, um   studieren zu k&#246;nnen. Angesichts einer Explosion von Seiten der   ArbeiterInnenklasse gemeinsam mit der Jugend ist es sehr ungewiss, ob   der Staatsapparat und seine Repressionskr&#228;fte dem standgehalten h&#228;tten.   Obwohl es Erschie&#223;ungen und brutale Attacken auf die Studierenden der   Universit&#228;t Teheran gegeben hat, besonders durch die Basiji, gibt es   auch andere Berichte dar&#252;ber, dass die Basiji sich gew&#228;hrt h&#228;tte,   Protestierende anzugreifen. Die soziale Zusammensetzung der Basiji macht   sie ihrerseits ebenfalls zu einer extrem unzuverl&#228;ssigen Kraft gegen die   Demonstrierenden. Die Regierung behauptet, die Basiji umfassen 12   Millionen Mitglieder. Viele Kommentatoren sagen, dass sei eine   &#220;bertreibung, und dass die tats&#228;chlichen Zahlen nicht mehr als die   H&#228;lfte davon betragen w&#252;rden. Es ist relativ leicht, sich dieser   Organisation anzuschlie&#223;en, verlangt nicht viel Ausbildung und ist kein   Vollzeitjob. Die Kernzahlen betragen laut eines Berichtes sogar nur   90.000. Der Rest rekrutiert sich aus deren Familien. Von diesen haben   aber viele an den oppositionellen Protesten teilgenommen. Sollte die   Bewegung an St&#228;rkte gewinnen, besonders, wenn die ArbeiterInnenklasse   entschlossen und organisiert in den Kampf eintritt, dann k&#246;nnten   Spaltungen und ein Fragmentierung in den diversen Fl&#252;geln des   Staatsapparats entstehen. Wichtige Teile davon k&#246;nnten zur Seite der   Protestierenden &#252;berlaufen. Zweifellos f&#252;rchten zentrale Vertreter des   Regimes genau das. Diese Bewegung hat die massive soziale Polarisierung   und Spaltung entlang von Klassenlinien, die in der iranischen   Gesellschaft existieren, offensichtlich gemacht. Wenn die Krise anh&#228;lt   und die Revolution nicht entschiedene Schritte nach vorne macht und ein   einer Macht&#252;bernahme durch die ArbeiterInnenklasse unter Unterst&#252;tzung   der Mittelklasse, Jugend und armen Bauern resultiert, dann k&#246;nnen andere   Spaltungen ebenso entstehen. Es gibt ein starkes nationales Bewusstsein   in Iran. Allerdings besteht die Bev&#246;lkerung aus einer Reihe ethnischer   Gruppen. Rund 52% sind PerserInnen, 24% Azeri, 8% Gilaki und Mazandarini   und 7% Kurden. Mousavi selbst hat auf einigen Kundgebungen in Azeri   gesprochen. Die Spaltung entlang ethnischer Linien ist eine   Verkomplizierung der Situation die ab einem gewissen Punkt auftauchen   k&#246;nnte. Das Ausbrechen der Bewegung in Iran ist ein entscheidender   Wendepunkt im Kampf der Massen. Wir befinden uns noch in einem fr&#252;hen   Stadium, aber die Situation ist weiter entwickelt als 1999 und   entwickelt sich weiterhin sehr rasch. Es bleibt zu sehen ob diese   revolution&#228;re Krise mit wichtigen Elementen einer vor-revolution&#228;ren   Situation eher mit der Russischen Revolution von 1905 zu vergleichen   ist, oder jener von 1917. Die Revolution 1905 wurde niedergeschlagen,   weil sie nicht die Unterst&#252;tzung der B&#228;uerInnen in den l&#228;ndlichen   Gebieten besa&#223;. Sie war eine Vorwegnahme der Russischen Revolution von   1917. Letztere wurde von der ArbeiterInnenklasse angef&#252;hrt, mit der   aktiven Unterst&#252;tzung und Einbeziehung der B&#228;uerInnen. Der Unterschied   zwischen 1905 und 1917 k&#246;nnte auch in der aktuellen Krise in Iran eine   Rolle spielen. 1905 sind die Massen, besonders die ArbeiterInnenklasse   in St. Petersburg, in Aktion getreten. Urspr&#252;nglich appellierten sie,   angef&#252;hrt von einem Priester, Vater Gapon, an den Zar. In Iran heute   haben die Massen demokratische Rechte und eine Reform des existierenden   Systems gefordert, aber auch religi&#246;se Slogans gerufen. Allerdings   formierten die ArbeiterInnen in Russland 1905 mit dem Sowjet eine eigene   Organisation, die entscheidend war, und die 1917 wieder auftauchte.   Diese oder &#228;hnliche Entwicklungen scheinen allerdings in Iran noch nicht   stattgefunden zu haben.&#160; Die Revolution 1905 wurde schlie&#223;lich   zerschlagen und eine Periode der Konterrevolution und Repression folgte.   Dennoch war 1905 ein wichtiger Schritt hin zu 1917, als die   ArbeiterInnenklasse schlie&#223;lich die Macht ergriff. Iran 2009 mag nur   eine Vorwegnahme einer sogar noch gr&#246;&#223;eren sp&#228;teren Bewegung sein. Wenn   das der Fall sein sollte, selbst wenn das aktuelle Regime noch eine Zeit   halten sollte, werden sich die soziale Krise und die Widerspr&#252;che   intensivieren und zu weiteren revolution&#228;ren Unruhen und Aufst&#228;nden   f&#252;hren. Das Fehlen einer wirklichen revolution&#228;ren sozialistischen   Partei und F&#252;hrung und die unzweifelhafte politische Verwirrung die nach   30 Jahren religi&#246;sem Regime herrschen, sowie die ideologische Schw&#228;che   international in Bezug auf die Frage einer sozialistischen Alternative,   bedeutet, dass die Revolution in Iran vermutlich mehr Zeit braucht und   die Entwicklung sich verz&#246;gert.<\/p>\n<h4>  Sozialistische Alternative<\/h4>\n<p>  Die Tatsache dass der &quot;sozialistische&quot; Pr&#228;sident von Venezuela, Hugo   Chavez, skandal&#246;serweise Ahmadinejad unterst&#252;tzt hat, tr&#228;gt nur weiter   zu Verwirrung bei. Jene auf der Linken die aus opportunistischen Gr&#252;nden   &#252;ber die falsche Politik Chavez&quot; gegen&#252;ber Ahmadinejad und anderen   Regimes (sowie &#252;ber diverse andere Fehlern Chavez&quot;) Stillschweigen   bewahrt haben, haben nichts dazu beigetragen, den Massen in Iran zu   helfen, den richtigen Weg zu finden und die Idee einer wirklichen   sozialistischen Alternative aufzugreifen. Die entscheidende Aufgabe in   Iran ist es nun, wirklich demokratische Organisationen aufzubauen, die   den Kampf tragen k&#246;nnen. Das ist n&#246;tig um Ahmadinejad zu besiegen und   die Bewegung nach vorn zu bringen. Aktive Komitees m&#252;ssen in jedem   Betrieb, jeder Uni und in jedem Bezirk aufgebaut werden, und sowohl die   ArbeiterInnenklasse als auch die Mittelschichten umfassen. Diese m&#252;ssen   aus gew&#228;hlten Delegierten bestehen, die auch jederzeit von   Massenversammlungen wieder abgesetzt werden k&#246;nnen. Vor allem m&#252;ssten   solche Komitees zu einem Generalstreik aufrufen und an die Armee, die   Revolutionsgarde und die Basiji und andere repressive Organisationen des   Staats appellieren, sich der Bewegung anzuschlie&#223;en, ihre Offiziere zu   entfernen und ihre eigenen Komitees aufzubauen. Der Appell f&#252;r eine   nochmalige Stimmenz&#228;hlung durch den bestehenden Staatsapparat wird die   Krise nicht l&#246;sen und verdient das Vertrauen der Menschen nicht.   Gew&#228;hlte Komitees k&#246;nnten die Basis f&#252;r die Abhaltung von Wahlen f&#252;r   eine Verfassungsgebende Versammlung sein, um die Zukunft des Landes zu   bestimmen. Demokratisch gew&#228;hlte Komitees sollten die Ausz&#228;hlung der   Stimmen f&#252;r eine solche Versammlung &#252;berwachen. Durch die Etablierung   einer Regierung der ArbeiterInnen und Bauern unter einem revolution&#228;ren   sozialistischen Programm um mit dem Kapitalismus zu brechen, k&#246;nnen   demokratische Rechte und Gleichstellung f&#252;r alle Menschen in Iran, die   jetzt vom Kapitalismus und dem existierenden System ausgebeutet werden,   garantiert werden. Solche Forderungen w&#252;rden das Recht auf freie   Versammlung, das Recht politische Parteien zu bilden sowie unabh&#228;ngige   Gewerkschaften, das Recht auf Medien ohne Staatszensur und die   Entlassung aller politischer Gefangener sowie jener, die im Kampf gegen   das Regime gefangen genommen wurden, beinhalten. Die neue &#196;ra die in   Iran nun anbricht&#160; bedeutet auch, dass ArbeiterInnen und Jugend nun die   n&#246;tigen Schlussfolgerungen ziehen k&#246;nnen, welches Programm und welche   Organisationen n&#246;tig sind, um einen anhaltenden Sieg und das Ende von   Diktatur und Armut zu sichern. Die Rolle von revolution&#228;ren   SozialistInnen ist es, sie dabei zu unterst&#252;tzen, diesen Weg zu gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Arbeiterklasse muss entschieden in die K&#228;mpfe eingreifen (22. 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