{"id":13223,"date":"2009-06-20T00:40:50","date_gmt":"2009-06-19T22:40:50","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13223"},"modified":"2012-05-15T15:12:08","modified_gmt":"2012-05-15T13:12:08","slug":"13223","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/06\/13223\/","title":{"rendered":"Kurswechsel der LINKEN n&#246;tig"},"content":{"rendered":"<p>  &#8211; hin zu k&#228;mpferischer, sozialistischer Politik!<\/p>\n<p>  <i>Stellungnahme der SAV zum Bundesparteitag am 20.\/21. Juni 2009 in   Berlin<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Noch haben wir die Chance, das Linkspartei-Ergebnis der   Bundestagswahl 2005 am 27. September zu verdoppeln, Zehntausende neue   MitstreiterInnen zu gewinnen und verst&#228;rkt in Betrieben und Stadtteilen   Fu&#223; zu fassen.<\/b><\/p>\n<p>  Das ist m&#246;glich und n&#246;tig &#8211; angesichts der beginnenden Entlassungswelle   (die OECD erwartet bis Ende 2010 einen Anstieg der offiziellen   Erwerbslosigkeit von drei auf f&#252;nf Millionen), einer Agenda 2020 unter   der n&#228;chsten Bundesregierung sowie der Gefahr von wachsendem   Nationalismus und Rechtsextremismus. Besch&#228;ftigte, Erwerbslose und   Jugendliche brauchen mehr denn je eine Partei, die offensiv ihre   Anliegen vertritt, K&#228;mpfe unterst&#252;tzt und vorantreibt, aber auch   grundlegende Alternativen zum b&#252;rgerlichen Krisenmanagement aufzeigt.<\/p>\n<p>  Nach den Europawahlen und vor diesem Bundesparteitag bezeichneten Gregor   Gysi, Dietmar Bartsch und andere die Kritik an der derzeitigen   Ausrichtung der Partei als Grund f&#252;r die Stagnation der LINKEN in der   Krise. Bartsch und Ramelow haben diese Schelte der eigenen GenossInnen   mit der bedingungslosen Unterst&#252;tzung von rot-roten Landesregierungen   verbunden. Geschadet hat uns jedoch nicht die innerparteiliche   Diskussion, sondern die aktuelle Politik gro&#223;er Teile der Parteif&#252;hrung   und der Mehrheit der Bundestagsfraktion.<\/p>\n<h4>  Europawahl: Warum diese Schlappe?<\/h4>\n<p>  Das Neue Deutschland bezeichnete das Europawahl-Ergebnis als eine   &#8222;Schlappe&#8220; f&#252;r DIE LINKE. Zu Recht. Aber woran lag es?<\/p>\n<p>  Abgesehen davon, dass mit den blauen Wahlplakaten an Stelle der roten   Poster der Wiedererkennungseffekt beeintr&#228;chtigt war, wurde die   Grundhaltung zur Europ&#228;ischen Union verw&#228;ssert. W&#228;hrend mehr und mehr   ArbeiterInnen und Arbeitslose erkennen, dass die EU eine Institution der   Unternehmerseite ist, w&#228;hrend die Bildungsstreikenden den   &#8222;Bologna-Prozess&#8220; anprangern, schwadronierte Lothar Bisky im Wahlkampf   von einer &#8222;sozialen EU&#8220;. Die Ablehnung des Lissabon-Vertrages tauchte   nur im Kleingedruckten auf.<\/p>\n<p>  Folgenreicher als der Europa-Wahlkampf selber war jedoch die Politik im   Bund. Schlie&#223;lich unterstrichen alle Umfragen, dass die Bundespolitik   bei der Stimmabgabe f&#252;r die meisten W&#228;hlerInnen ausschlaggebend war.<\/p>\n<h4>  Eigentumsfrage ist die Schl&#252;sselfrage!<\/h4>\n<p>  Mit Kapitalismus-Kritik rennt man heute offene T&#252;ren ein. Wenn uns das   trotzdem keinen Zulauf verschafft, wird DIE LINKE offensichtlich nicht   als Wegbereiter einer neuen, sozialistischen Gesellschaft gesehen.   Manche GenossInnen, besonders die mit Regierungs&#228;mtern, wirken eher wie   Konkursverwalter des Kapitalismus. Zentral ist, dass DIE LINKE als eine   Partei wahrgenommen wird, die sich vom Einheitsbrei der etablierten   Parteien fundamental und glaubw&#252;rdig abhebt. Zentral ist zudem, dass   unsere Partei konkrete &#8211; sich von den anderen radikal unterscheidende &#8211;   Antworten auf Fragen gibt, die sich f&#252;r die arbeitende Bev&#246;lkerung jetzt   stellen.<\/p>\n<p>  <b>Beispiel Arcandor:<\/b> Als 50.000 Besch&#228;ftigten das Aus drohte, rief   die Bundespartei der LINKEN &#8211; im Einklang mit SPD-Politikern &#8211; nach   neuen Staatskrediten. Dabei ist offensichtlich, dass unsere Steuergelder   f&#252;r die Schickedanz-Million&#228;re keinen Arbeitsplatz dauerhaft sichern &#8211;   solange es gemessen an den Einkommen von Otto-Normaleink&#228;ufer viel zu   viele Ladenfl&#228;chen gibt.<\/p>\n<p>  <b>Beispiel Opel: <\/b>Vor dem Hintergrund von 40-prozentigen   &#220;berkapazit&#228;ten in der Autoindustrie ist in diesem Sektor auf   kapitalistischer Basis ein Hauen und Stechen angesagt, bei dem ganze   Konzerne, Werke und Belegschaften auf der Strecke bleiben werden. Die   von der LINKEN-Spitze geforderte und von der Bundesregierung mit den   neuen Opel-Eignern vereinbarte Mitarbeiterbeteiligung (zehn Prozent!)   l&#228;uft nur darauf hinaus, dass Belegschaften selber in krisengesch&#252;ttelte   Unternehmen reinbuttern m&#252;ssen &#8211; ohne das Sagen zu haben.<\/p>\n<p>  Mit solchen Modellen will die Parteispitze die Frage der Verstaatlichung   umschiffen. Dabei besteht bei drohenden Massenentlassungen wie im Fall   von Opel der einzige Ausweg darin, diese Unternehmen in &#246;ffentliches   Eigentum zu &#252;berf&#252;hren. Demokratisch kontrollieren und verwalten &#8211; was   Oskar Lafontaine und Co. ja angeblich mit Mitarbeiterbeteiligung und   Mitbestimmung bezwecken &#8211; k&#246;nnen Belegschaften letztendlich nur das, was   einem geh&#246;rt.<\/p>\n<p>  Darum m&#252;ssen Konzerne wie Opel verstaatlicht werden. Wenn diejenigen,   die diese Unternehmen aufgebaut haben, Fabriken und Produktion   &#252;bernehmen, kann ein Weg hin zur Konversion eingeschlagen werden.<\/p>\n<h4>  Kampf f&#252;r Sozialismus hier und jetzt<\/h4>\n<p>  Nach den Europawahlen erkl&#228;rte Dietmar Bartsch im Deutschlandfunk, dass   der Sozialismus f&#252;r ihn ein Wertesystem sei. Stattdessen ist es die   Aufgabe von Repr&#228;sentantInnen der Partei, jede Gelegenheit in der   &#214;ffentlichkeit zu nutzen, zu betonen: Wir haben es nicht nur mit einer   falschen Politik, sondern mit einem falschen System zu tun. Wie schon   Karl Marx erkl&#228;rt hat, bedeutet Kapitalismus immer Ausbeutung, Krisen   und Kriege. Soll damit ein f&#252;r alle mal Schluss sein, muss eine   Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung &#252;berwunden werden, die auf   Privateigentum, Profitstreben und Konkurrenz beruht.<\/p>\n<p>  Andere Ziele f&#252;hren zu einer anderen Politik: Wenn der Sozialismus nicht   nur als alternatives Wertesystem, sondern als alternatives   Gesellschaftssystem verstanden wird, ergibt sich eine andere   Bereitschaft, den Konflikt mit den Herrschenden einzugehen. Auf   Staatsb&#252;rgschaften und Mitarbeiterbeteiligungen zu setzen, hei&#223;t   L&#246;sungen im Rahmen dieses Systems zu suchen. Diese L&#246;sungen erweisen   sich aber allesamt als Scheinl&#246;sungen. Deshalb ist ein Kurswechsel   dringend n&#246;tig: Hin zu einer Politik, die nicht davor zur&#252;ckschreckt,   die Eigentums- und Systemfrage aufzuwerfen.<\/p>\n<h4>  Hartz IV mit Hartz-IV-Parteien bek&#228;mpfen?<\/h4>\n<p>  Immer wieder lie&#223;en VertreterInnen der Parteispitze verlautbaren, dass   DIE LINKE im Bundestagswahlkampf Schwarz-Gelb als Hauptgegner ausmacht.   Damit w&#252;rde aber unter den Teppich gekehrt, dass die SPD mit   Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier die Partei ist, die die Agenda   2010 ma&#223;geblich verbrochen hat.<\/p>\n<p>  Teile der Partei schielen &#8211; gerade im Hinblick auf die Landtagswahlen im   Saarland, in Th&#252;ringen und Sachsen &#8211; auf weitere Regierungsbeteiligungen   mit SPD beziehungsweise Rot-Gr&#252;n. Das ist fatal. In Koalitionen mit   Politikern der Arbeitgeberseite ist eine Politik im Interesse von   Besch&#228;ftigten und Erwerbslosen ausgeschlossen.<\/p>\n<p>  Der Berliner LINKEN-Chef Klaus Lederer t&#246;nt, dass die Anh&#228;nger der   Senatspolitik bei Wahlen gut abschneiden und innerhalb der Linkspartei   selbstbewusster auftreten sollten. Es sei daran erinnert, dass Lederer   und Andere in Berlin bei den letzten Abgeordnetenhauswahlen ihr   Stimmergebnis in absoluten Zahlen halbierten. Eine &#228;hnliche Entwicklung   setzte ein, als die PDS in Mecklenburg-Vorpommern Regierungspartei   geworden war.<\/p>\n<h4>  Programmentwurf korrigieren<\/h4>\n<p>  Der Entwurf des Bundesvorstandes f&#252;r das Bundestagswahlprogramm   beinhaltet klare Absagen an jede Form von Lohnk&#252;rzungen,   Privatisierungen und Sozialabbau. Dar&#252;ber hinaus lehnt DIE LINKE   unmissverst&#228;ndlich ab, die Krisenlasten auf die Lohnabh&#228;ngigen   abzuw&#228;lzen.<\/p>\n<p>  Es wird erkannt, dass die Krise &#8222;keine Konjunkturkrise&#8220; ist, sondern die   &#8222;Krise einer Wirtschaftsordnung, die allein f&#252;r den Profit produziert.&#8220;   Leider werden im Entwurf aber nicht die n&#246;tigen Konsequenzen gezogen. So   wird nicht benannt, dass der Kampf gegen die Krisenfolgen mit dem Kampf   f&#252;r eine andere, sozialistische Alternative verbunden werden muss. Der   Begriff &#8222;Sozialismus&#8220; f&#228;llt &#252;berhaupt nur ein einziges Mal, und dann   auch nur, wie im SPD-Grundsatzprogramm, zur Beschreibung von Werten.<\/p>\n<p>  Zudem besteht eine zentrale Schw&#228;che darin, nur die Vergesellschaftung   der Banken, nicht aber der Konzerne zu fordern. Um das zu korrigieren,   ist es wichtig, sich auf dem Parteitag f&#252;r die &#196;nderungsantr&#228;ge von der   Kreismitgliederversammlung G&#246;ttingen stark zu machen.<\/p>\n<h4>  Der beste Wahlkampf ist ein Kampf um Arbeitspl&#228;tze und Bildung<\/h4>\n<p>  Der Programmentwurf ist rein parlamentarisch fixiert. Um so wichtiger,   den Erg&#228;nzungsantrag aus G&#246;ttingen aufzunehmen, in dem es hei&#223;t: <i>&#8222;Der   Politik- und Systemwechsel, der n&#246;tig ist, erfordert Entschlossenheit   und Mut. Es wird nur m&#246;glich sein, wenn es zu massenhaften Bewegungen   und Selbstaktivit&#228;t der abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten, Erwerbslosen, sozial   Benachteiligten und der Jugend kommt. F&#252;r DIE LINKE ist parlamentarische   Arbeit dieser Selbstaktivit&#228;ten und der Selbstorganisation von Millionen   untergeordnet.&#8220;<\/i> Folgerichtig h&#228;tte die Bundestagsfraktion   letzte Woche w&#228;hrend des Bildungsstreiks einen Antrag im Parlament   einbringen sollen, der zum Beispiel die Bewilligung der von ver.di   verlangten 30 Milliarden Euro zus&#228;tzlicher Mittel im Bildungssektor   j&#228;hrlich h&#228;tte einfordern sollen.<\/p>\n<p>  Im Wahlkampf d&#252;rfen nicht nur Plakate aufgeh&#228;ngt, Flugbl&#228;tter verteilt   und Talkshows besucht werden. Jeder soziale Protest, jeder Arbeitskampf   muss aktiv unterst&#252;tzt werden. DIE LINKE hat ihren Platz vor den   Werkstoren, beim Aufbau von Widerstandskomitees und bei der   Organisierung realer Gegenwehr. Mitglieder und Anh&#228;ngerInnen m&#252;ssen   mobilisiert, Apparat, Medien- und Bundestagsauftritte genutzt werden, um   Forderungen wie <i>&#8222;Enteignung von Betrieben, die entlassen&#8220;<\/i>   und <i>&#8222;Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich&#8220;<\/i>   (Antrag G&#246;ttingen) popul&#228;r zu machen. 250.000 TeilnehmerInnen am   Bildungsstreik zeigen, dass auch in Deutschland die Bereitschaft zum   Widerstand w&#228;chst. DIE LINKE sollte nicht nur das Recht auf politischen   Streik im Bundestag beantragen, sondern aktiv zu seiner Vorbereitung   beitragen.<\/p>\n<p>  Mit einem solchen Wahlkampf und einer solchen programmatischen   Ausrichtung w&#252;rde die Linkspartei sich von den Etablierten nicht nur   abheben, sondern ArbeiterInnen und Jugendlichen auch unverzichtbare   politische und praktische Unterst&#252;tzung geben. Wenn dieser   Bundesparteitag die Weichen dementsprechend stellen sollte, k&#246;nnte DIE   LINKE in den n&#228;chsten Monaten einen entscheidenden Schritt nach vorn   machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8211; hin zu k&#228;mpferischer, sozialistischer Politik!\n    <\/p>\n<p>\n      <i>Stellungnahme der SAV zum Bundesparteitag am 20.\/21. 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