{"id":13219,"date":"2009-06-23T00:00:00","date_gmt":"2009-06-23T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13219"},"modified":"2009-06-23T00:00:00","modified_gmt":"2009-06-23T00:00:00","slug":"13219","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/06\/13219\/","title":{"rendered":"Zu kurz gesprungen"},"content":{"rendered":"<p>  Ver.di Baden-W&#252;rttemberg lehnt in NRW erzielten Pilotabschluss f&#252;r den   Einzelhandel ab. Kritik an H&#246;he der Lohnsteigerung und undemokratischem   Vorgehen der Gewerkschaftsspitze.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Herbert Wulff<\/i><\/h4>\n<p>  Heftigen Protest hat der im nordrhein-westf&#228;lischen Einzelhandel   erzielte Tarifabschluss ausgel&#246;st. Insbesondere im kampfstarken   ver.di-Landesbezirk Baden-W&#252;rttemberg regt sich Widerstand dagegen, den   zum &#8222;Pilotabschlu&#223;&#8220; deklarierten Vertrag aus NRW zu &#252;bernehmen. Die   Kritik richtet sich sowohl gegen die geringe H&#246;he der Gehaltssteigerung   als auch gegen das als undemokratisch empfundene Vorgehen der   Gewerkschaftsspitze. Am Dienstag soll auf einer bundesweiten   Tarifkonferenz entschieden werden, ob die Vereinbarung &#8211; wie von   ver.di-Vize Margret M&#246;nig-Raane bereits &#246;ffentlich angek&#252;ndigt &#8211;   tats&#228;chlich auf die insgesamt rund 2,7 Millionen Besch&#228;ftigten der   Branche &#252;bertragen werden soll.<\/p>\n<p>  &#8222;Wir sind in dieser Tarifrunde angetreten, um einen wirklichen Sprung   bei den L&#246;hnen und Geh&#228;ltern durchzusetzen. Das ist definitiv nicht   gelungen. Der Abschluss bewegt sich nicht einmal in der N&#228;he unserer   Forderungen.&#8220; Dieses Fazit hat die bezirkliche Tarifkommission von   ver.di in Stuttgart und Heilbronn Anfang der Woche gezogen. In der Tat   liegen die vereinbarten Prozente meilenweit unter der urspr&#252;nglich in   Baden-W&#252;rttemberg erhobenen Forderung nach 6,8 Prozent, mindestens aber   monatlich 145 Euro mehr Geld: In den ersten vier Monaten gibt es keinen   Cent mehr. Ab 1. September 2009 werden die Einkommen um zwei, ein Jahr   darauf um weitere 1,5 Prozent erh&#246;ht &#8211; bei einer Laufzeit von 24 Monaten.<\/p>\n<p>  &#8222;Die Kolleginnen und Kollegen sind absolut entt&#228;uscht von dieser geringe   Lohnentwicklung&#8220;, berichtet der Stuttgarter ver.di-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Bernd   Riexinger gegen&#252;ber junge Welt. Aufs Jahr gerechnet ergebe sich eine   Steigerung von &#8222;kaum mehr als ein Prozent&#8220;. Dabei habe sich die   Gewerkschaft explizit vorgenommen, den &#8222;eher bescheidenen&#8220; Lohnabschlu&#223;   des vergangenen Jahres wettzumachen. &#8222;Dieses Ziel wurde klar verfehlt.&#8220;   Auch der Verweis f&#252;hrender ver.di-Funktion&#228;re auf die aktuell niedrige   Preissteigerungsrate ist f&#252;r Riexinger nicht ausschlaggebend. &#8222;Kein   Mensch wei&#223;, wie die Inflation 2010 sein wird&#8220;, gibt er zu bedenken.<\/p>\n<p>  Nicht nur das Ergebnis selbst, sondern auch und vor allem, wie dieses   zustande gekommen ist, bringt die Gewerkschafter im S&#252;dwesten auf die   Palme. &#8222;Zumindest bei uns war die Streikbewegung noch keineswegs   ausgereizt. Die Warnstreiks waren gerade erst richtig angelaufen. Unsere   Streikbetriebe haben gut gestanden. Warum man in so einer Situation   einen solchen Vertrag unterschreibt, ist mir unbegreiflich&#8220;, so   Riexinger. Noch am Tag vor dem Abschlu&#223; hatten in Stuttgart 1000   streikende Verk&#228;uferinnen gemeinsam mit rund 2500 Erzieherinnen   demonstriert. &#8222;Wir h&#228;tten ohne Probleme noch einige Wochen weitermachen   k&#246;nnen&#8220;, meint Riexinger. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution   der Stuttgarter Tarifkommission hei&#223;t es denn auch: &#8222;Die Kolleg\/Innen   f&#252;hlen sich ausgebremst und k&#246;nnen diese Art der Tarifkoordination nicht   nachvollziehen.&#8220; Von der ver.di-Spitze fordert sie daher, den   NRW-Abschlu&#223; &#8222;nicht als Pilotabschlu&#223; zu werten und die   Tarifauseinandersetzung nicht zu beenden&#8220;. Auch die landesweite   Tarifkommission in Baden-W&#252;rttemberg hat sich bislang gegen die   &#220;bernahme des Ergebnisses ausgesprochen.<\/p>\n<p>  Ein weiterer, zentraler Kritikpunkt ist die fehlende R&#252;ckkopplung mit   der Basis. In der Stuttgarter Resolution wird den gewerkschaftlichen   Verhandlungsf&#252;hrern vorgeworfen, &#8222;&#252;ber die K&#246;pfe der Streikenden hinweg&#8220;   entschieden zu haben. &#8222;Es h&#228;tte gen&#252;gend M&#246;glichkeiten gegeben, mit den   Streikenden auf den Versammlungen zu diskutieren und deren Votum   einzuholen. Dass dies nicht geschehen ist, verst&#246;&#223;t gegen die   innergewerkschaftliche Demokratie.&#8220; Riexinger argumentiert, im   &#246;ffentlichen Dienst sei es in zwischen gang und g&#228;be, &#252;ber Diskussionen   auf Streikversammlungen und Mitgliederbefragungen die Meinung der Basis   einzuholen. &#8222;Dass im Einzelhandel ein Pilotabschluss gemacht wird, ohne   auch nur mit den Streikenden zu reden, ist ein eindeutiger R&#252;ckschritt.&#8220;<\/p>\n<p>  Am Dienstag werden Delegierte aus allen Landesbezirken auf einer   bundesweiten Tarifkonferenz diskutieren, ob der Abschluss in NRW   tats&#228;chlich &#252;berall anderswo zur Vorlage wird. Allerdings werden derweil   Fakten geschaffen. Neben NRW hat ver.di auch in Rheinland-Pfalz und   Hamburg bereits entsprechende Vertr&#228;ge unterzeichnet. &#8222;Wenn wir am Ende   alleine dastehen, bef&#252;rchte ich, dass auch wir nicht weitermachen   k&#246;nnen&#8220;, meint Riexinger. Einer &#8222;so geb&#252;ndelt auftretenden Macht wie dem   Einzelhandelsverband&#8220; k&#246;nne ein einzelner ver.di-Landesbezirk nur schwer   entgegentreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ver.di Baden-W&#252;rttemberg lehnt in NRW erzielten Pilotabschluss f&#252;r den<br \/>\n      Einzelhandel ab. 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