{"id":13213,"date":"2009-06-17T00:01:00","date_gmt":"2009-06-16T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13213"},"modified":"2012-06-25T20:24:31","modified_gmt":"2012-06-25T18:24:31","slug":"13213","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/06\/13213\/","title":{"rendered":"Europawahlen 2009: Europa kommt an seine Grenzen"},"content":{"rendered":"<p>  Nur wenig bis gar kein Vertrauen in die Regierungen, aber auch keine   echte sozialistische Alternative<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b><i>von Robert Bechert, CWI (Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale,   dessen Sektion in Deutschland die SAV, in &#214;sterreich die SLP ist)<\/i><\/b><\/h4>\n<p>  Die Europawahlen von vergangener Woche waren eine &#8211; wenn auch allzu oft   von einer niedrigen Wahlbeteiligung verzerrte &#8211; Momentaufnahme der   sorgenvollen Stimmung und des Argwohns auf dem Kontinent. Das Bild   reichte bis hin zu offener Abneigung gegen&#252;ber den meisten Regierungen.   In einer ganzen Reihe von Staaten, wie z.B. in Gro&#223;britannien,   Griechenland, Irland und Ungarn, erlitten die dortigen   Regierungsparteien herbe R&#252;ckschl&#228;ge. Allerdings f&#252;hrte dies bis auf   wenige Ausnahmen nicht dazu, dass die linken oder gar gr&#252;nen Kr&#228;fte   ma&#223;geblich an Zustimmung gewannen. Statt dessen f&#252;hrte es zu einem   weiteren R&#252;ckgang bei der Wahlbeteiligung und Zugewinnen f&#252;r   nationalistische oder rechtsextremistische Parteien.<\/p>\n<p>  Europa st&#252;rzt in eine tiefe Rezession, die schlimmste seit den 1930er   Jahren. Nur kurz vor den Wahlen korrigierte die Europ&#228;ische Zentralbank   noch den von ihr vorhergesagten Abfall des Bruttoinlandsproduktes (BIP)   der 16 Staaten der Eurozone weiter nach unten und sprach von einem   Niedergang in diesem Jahr von 5,1 Prozent.<\/p>\n<p>  Das war der Hintergrund, vor dem es zur allgemeinen Abfuhr f&#252;r die   meisten Regierungsparteien und zur Suche derer kam, die alternativ   abstimmen wollten. Gerade die nie dagewesen niedrige Beteiligung bei   diesen Wahlen zeigte neben der Entfremdung von der EU und der richtigen   Annahme, dass das sogenannte Europaparlament sowieso machtlos ist, dass   etliche der etablierten Parteien abgelehnt wurden.<\/p>\n<p>  Wenn die Gewinne der Nationalisten und der extremen Rechten auch die   &#220;berschriften bestimmten, so spiegelt der Sieg von Joe Higgins, dem   Kandidaten der Socialist Party (Sektion des CWI und   Schwesterorganisation von SAV und SLP in Irland), der einen der Dubliner   Sitze im Europaparlament gewann, wider, wie es m&#246;glich sein kann, auf   der Basis einer tiefen Verwurzelung in der Arbeiterklasse, der   Etablierung einer Kampf-Tradition und dem Eintreten f&#252;r eine   sozialistische Politik klassenbewusste Unterst&#252;tzung zu erlangen. Leider   war dies bei diesen Wahlen keine umfassende Erfahrung. Nur der Linke   Block in Portugal und die &#8222;Volksbewegung gegen die EU&#8220; in D&#228;nemark, wenn   auch auf Grundlage eines schw&#228;cheren politischen Programms, errangen   signifikante linke Erfolge.<\/p>\n<p>  von Anbeginn der jetzigen Krise war vollkommen klar, dass sie vom   kapitalistischen Marktsystem selbst hervorgerufen worden ist. Der   kapitalistischen Klasse war es zu keinem Zeitpunkt m&#246;glich, die   Arbeiterklasse, die Gewerkschaften oder den &#8222;Sozialismus&#8220; f&#252;r die   wirtschaftliche Misere verantwortlich machen zu k&#246;nnen. Historisch   betrachtet h&#228;tte man vermuten k&#246;nnen, dass diese Tatsache &#8211; nach einer   etwaigen Ruhepause &#8211; zu zunehmender Unterst&#252;tzung f&#252;r Parteien f&#252;hrt,   die gegen den Kapitalismus stehen oder wenigstens ein anderes   Gesellschaftsmodell anzubieten haben.<\/p>\n<p>  Es ist bereits zu breiten Protesten gekommen, wozu sowohl   Demonstrationen als auch eint&#228;gige Generalstreiks in einer Reihe von   europ&#228;ischen Staaten zu z&#228;hlen sind. Vor allem in Frankreich nahmen   diese Proteste den Charakter einer oppositionellen Welle gegen&#252;ber der   Regierung an als auch gegen&#252;ber dem kapitalistischen Versuch, die   Auswirkungen der Krise auf die Arbeiterklasse und die Mittelschichten   abzuw&#228;lzen. Aber auch in anderen L&#228;ndern wie etwa in Belgien,   Griechenland und Portugal kam es zu bedeutsamen Protestaktionen.<\/p>\n<p>  Dennoch versucht beinahe kein einziger Gewerkschaftsf&#252;hrer auf diesen   ersten Schritten aufzubauen, um eine breite Bewegung zu etablieren.   Statt dessen blieben die Proteste isolierte Aktionen, die vielfach nur   als Ventil benutzt wurden, um der Wut Ausdruck zu verleihen oder &#8211; wie   im Falle einiger Maiveranstaltungen des Europ&#228;ischen Gewerkschaftsbundes   &#8211; um den sozialdemokratischen Parteien Wahlkampfhilfe zu leisten.<\/p>\n<h4>  Fehlende Alternative f&#252;r die Besch&#228;ftigten ebnet der Rechten den Weg<\/h4>\n<p>  Zum Nachlassen der K&#228;mpfe kam es aufgrund der Tatsache, dass es in der   Mehrzahl der EU-Staaten momentan keine gro&#223;en oder gar Massenparteien   gibt, die eine ernstzunehmende Opposition gegen die Auswirkungen der   Krise aufzubauen versuchen. Dies ist kein Zufall. Das Committee for a   Workers&#8217; International (CWI, Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale)   vertritt seit Anfang der 1990er Jahre die Auffassung, dass es in den   meisten L&#228;ndern allgemein keine Massenpartei oder bedeutsame Partei mehr   gibt, die eine Opposition zum Kapitalismus darstellt. Das ist das   Ergebnis einer Reihe von kapitalistisch-ideologischen Offensiven nach   dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion und der Transformation der   meisten der ehemaligen b&#252;rgerlichen Arbeiterparteien (Parteien mit einer   Arbeiterklasse als Basis und einer prokapitalistischen F&#252;hrung) in   vollst&#228;ndig kapitalistische Parteien.<\/p>\n<p>  Das ist in der Krise der einzige Silberstreif am Horizont der   Kapitalisten. Es bedeutet, dass die &#246;konomische Krise &#8211; bisher &#8211; nicht   dazu gef&#252;hrt hat, dass es zu einer breiten und aktiven Opposition gegen   den Kapitalismus als solchen gekommen ist. In vielen europ&#228;ischen   L&#228;ndern haben ArbeiterInnen, Jugendliche und Teile der Mittelschicht   proklamiert: &#8222;Wir zahlen nicht f&#252;r eure Krise!&#8220;. Diese Ansage ist ein   guter Anfang f&#252;r den Aufbau von Widerstand gegen Arbeitsplatzverlust,   sinkenden Lebensstandard und soziale Einschnitte &#8211; allerdings ist sie   zun&#228;chst nur das: ein Anfang.<\/p>\n<p>  Die kapitalistische Krise bringt die Aufgabe mit sich, sich dem   kapitalistischen System zu widersetzen und f&#252;r eine sozialistische   Alternative einzutreten. Zur Zeit gibt es in Europa &#8211; neben dem CWI &#8211;   jedoch nur sehr wenige Kr&#228;fte in der Arbeiterbewegung, die aktiv f&#252;r   eine Verbindung untereinander sorgen, um mit dem Aufbau von   Unterst&#252;tzung f&#252;r den Sozialismus gegen den Angriff durch die   kapitalistische Krise zu sorgen. Dieser Umstand ebnete den Weg f&#252;r den   Wahlerfolg der Rechten.<\/p>\n<p>  Abgesehen von Belgien gewannen in einer Reihe von L&#228;ndern   Mitte-Rechts-Parteien hinzu oder verloren verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig weniger als   andere. Oft war dies, wie z.B. im Falle Sarkozys in Frankreich, das   Ergebnis einer ge&#228;nderten Taktik und der Tatsache, dass pl&#246;tzlich die   Ausw&#252;chse des Kapitalismus kritisiert wurden. In Deutschland weitete   eine Bundskanzlerin Merkel zudem das Regierungsprogramm f&#252;r Kurzarbeit   massiv aus, um Arbeitsplatzabbau aufzuhalten.<\/p>\n<h4>  Gewinne der Rechtsextremen<\/h4>\n<p>  In der ganzen EU aber legten rechte Parteien zu &#8211; wenn auch nicht in   absoluten Zahlen, dann zumindest anteilig und prozentual. Migration   wurde zu einem Schl&#252;sselthema, mit dem rechte Parteien die &#196;ngste der   Besch&#228;ftigten gegen&#252;ber EinwandererInnen von inner- wie au&#223;erhalb der EU   ausnutzten, wonach diese Arbeitspl&#228;tze &#8222;&#252;bernehmen&#8220; und den &#246;ffentlichen   Dienst &#8222;ausnutzen&#8220; w&#252;rden. Rassismus, Feindseligkeiten gegen&#252;ber   MoslemInnen, Sinti und Roma oder wie in &#214;sterreich ein latenter   Antisemitismus wurden teilweise bedeutsame Faktoren, teilweise &#8222;nur&#8220;   eines von mehreren eingesetzten Mitteln bei diesen Wahlen. Hinzu kam,   dass es h&#228;ufig nur die rechtsextremen Parteien waren, die die vorhandene   Wut gegen&#252;ber der EU, ihrem undemokratischen Charakter und hinsichtlich   der Dominanz der wenigen &#8222;Gro&#223;en&#8220; unter den EU-Staaten zum Ausdruck   brachten.<\/p>\n<p>  Folge davon ist, dass diese Wahlen oberfl&#228;chlich betrachtet einen   Rechtsruck in Europa widerzuspiegeln scheinen. Und in manchen L&#228;ndern   kam es tats&#228;chlich zu offensichtlichen Erfolgen f&#252;r rechtsextreme   Parteien. Das bedeutsamste Beispiel daf&#252;r geben die Niederlande mit   769.000 Stimmen bzw. 17 Prozent f&#252;r die rechtsextreme PVV, die damit bei   ihren ersten Europawahlen zur zweitst&#228;rksten Kraft wurden. Aber auch in   Gro&#223;britannien, Finnland, Griechenland, Ungarn, Italien, Rum&#228;nien und   weiteren L&#228;ndern verzeichneten rechtsextreme und nationalistische   Parteien signifikante Erfolge.<\/p>\n<p>  In Deutschland allerdings, wo die Partei DieLinke. trotz ihrer Schw&#228;chen   immer noch als die erste Oppositionspartei gegen&#252;ber den Angriffen auf   den Lebensstandard gesehen wird, &#228;nderte sich kaum etwas am   Stimmenanteil der extremen Rechten; obgleich sie auch bei einigen   Kommunalwahlen Erfolge erzielen konnten, die gleichzeitig mancherorts   stattfanden.<\/p>\n<p>  Die kapitalistischen Kommentatoren sind nur zum Teil in der Lage, die   Wahlergebnisse als Rechtsruck zu beschreiben, weil es sich bei den   offiziell so bezeichneten &#8222;Sozialisten&#8220;, die allzu oft Verluste   erlitten, um ehemalige Arbeiterparteien handelt. Diese haben eine   neoliberale Politik betrieben und werden zunehmend weniger von   Mitte-Rechts unterschieden. Dort, wo diese Parteien, wie in &#214;sterreich,   Gro&#223;britannien, Deutschland und Spanien, die Amtsgesch&#228;fte (mit) f&#252;hren,   mussten sie Verluste hinnehmen. In den ersten drei der genannten L&#228;nder   erreichten sie nie dagewesen niedrige Ergebnisse. In Deutschland geschah   dies, obwohl die SPD versuchte, sich wieder mehr   &#8222;arbeitnehmerfreundlich&#8220; zu pr&#228;sentieren. In einigen L&#228;ndern, wo diese   Parteien sich in der Opposition befinden, waren sie erfolgreicher, da   sie dort als das &#8222;kleinere &#220;bel&#8220; angesehen werden. So wurden sie in   Schweden mit 24,6 Prozent und in Griechenland mit 36,6 Prozent jeweils   erster. In Frankreich wurde die sozialdemokratische Parti Socialiste   (PS), die momentan nicht an der Regierung beteiligt ist, jedoch von den   Erinnerungen an die Dinge in Mitleidenschaft gezogen, die sie   durchsetzte, als sie noch Regierungspartei war. Hier lagen sie mit 16,48   Prozent nur 0,2 Prozent vor den Gr&#252;nen.<\/p>\n<p>  In drei L&#228;ndern erreichten die gr&#246;&#223;ten rechts-konservativen Parteien den   h&#246;chsten Stimmenanteil. Allerdings war dies h&#228;ufig schon mit relativ   geringem Stimmenanteil m&#246;glich. In Frankreich beanspruchte Sarkozy mit   28 Prozent der Stimmen den Sieg f&#252;r sich und ignorierte damit die   Tatsache, dass 72 Prozent der abgegebenen Stimmen auf andere Parteien   entfielen. In Deutschland konnte die CDU von Kanzlerin Merkel   unterdessen mit einem Verlust von 1.343.000 weniger Stimmen gegen&#252;ber   2004 den ersten Platz verteidigen. Die polnische Regierung erhielt mit   44 Prozent den h&#246;chsten Stimmanteil &#252;berhaupt. Wobei sich lediglich 24   Prozent der Wahlberechtigten die M&#252;he machten, &#252;berhaupt ihre Stimme   abzugeben, was wiederum bedeutet, dass sie nur 12 Prozent an aktiver   Unterst&#252;tzung durch die potenzielle W&#228;hlerschaft verzeichnen kann.<\/p>\n<p>  Nur sehr wenige Regierungen konnten ihren Kreis an Unterst&#252;tzerInnen   beibehalten. Die italienische Regierung war eine von ihnen, da sie 45   Prozent erzielte. Ein Stimmenanteil, der zeigt, dass die neue PdL   Berlusconis im Vergleich zu den Parlamentswahlen vom April 2008 verlor,   wohingegen sie gegen&#252;ber den letzten EU-Wahlen von 2004 ein wenig hinzu   gewann. Unterdessen verdoppelte die rechtsextreme Lega Nord ihr Ergebnis   nahezu und kam diesmal auf &#252;ber 10 Prozent. Italien ist eines der   L&#228;nder, in denen das ganze Problem dieser Wahlen klar wurde: die   Schw&#228;che einer echten sozialistischen Alternative trotz der   grassierenden kapitalistischen Wirtschaftskrise.<\/p>\n<p>  Berlusconis Erfolg ist einzig und allein das Ergebnis der vollkommenen   Entt&#228;uschung &#252;ber die Mitte-Links-Regierungen (vor allem der unl&#228;ngst zu   Ende gegangenen Olivenbaum-Koalition) und dem Versagen der Partei der   Kommunistischen Neugr&#252;ndung (PRC). Die 1991 gegr&#252;ndete PRC konnte bis   dato auf eine bedeutende Unterst&#252;tzung z&#228;hlen, nicht nur bei Wahlen   sondern auch in den Betrieben und in der Gesellschaft. Das &#228;nderte sich   allerdings, als die Parteif&#252;hrung sich an kapitalistischen Regierungen   beteiligte statt daf&#252;r zu k&#228;mpfen, Unterst&#252;tzung f&#252;r sozialistische   Politik zu gewinnen. Infolge dessen befindet sich die PRC nun am Rande   der Selbstaufl&#246;sung. Verglichen mit 2004 sank der Stimmenanteil der   &#8222;Kommunisten&#8220; von 2.757.000 auf 1.032.000 (und damit von 8,47 Prozent   auf 3,37 Prozent), w&#228;hrend der der &#8222;gem&#228;&#223;igten Linken&#8220; und der Gr&#252;nen   von 1.467.000 auf 955.000 sank (von 4,51 Prozent auf 3,12 Prozent). Es   existiert allerdings immer noch ein bedeutsamer linker Block in Italien.   Im B&#252;ndnis mit den italienischen Kommunisten und der Europ&#228;ischen Linken   gewann selbst die PRC 1.032.000 Stimmen, w&#228;hrend die Kommunistischen   Arbeiter 166.000 erreichten. Diese Zahlen sorgen innerhalb Italiens   weiterhin f&#252;r eine kraftvolle Basis f&#252;r eine Partei auf Grundlage der   wahrhaften Ideen des Marxismus.<\/p>\n<h4>  Zugewinne f&#252;r die Linke in einzelnen L&#228;ndern<\/h4>\n<p>  Vor diesem allgemeinen Hintergrund steht der Sieg von Joe Higgins von   der Socialist Party (SP) in Irland im Kontrast zu dem, was im Rest   Europas stattgefunden hat. Die SP gewann in Dublin 50.510 Erststimmen   (12,4 Prozent) und damit mehr als doppelt so viele wie noch vor f&#252;nf   Jahren, als man 23.218 Stimmen erhielt. Hierbei handelte es sich um eine   bewusste Stimmabgabe f&#252;r die SP auf Grundlage ihres Programms und ihrer   Erfolge, da sie gegen die in der Opposition befindliche Irish Labour   Party antrat, deren Stimmenzahl in Dublin ebenfalls stieg und zwar von   54.344 auf 83.741 sowie Sinn Fein, deren scheidender EU-Abgeordneter von   60.395 auf 47.928 Stimmen zur&#252;ckfiel.<\/p>\n<p>  Joes Ergebnis ist nur mit dem des Linken Blocks (BE) in Portugal   vergleichbar, der seinen Anteil mit 381.000 Stimmen und somit 10,7   Prozent mehr als verdoppelte und dabei gleichzeitig auch das von der   Kommunistischen Partei gef&#252;hrte B&#252;ndnis CDU, das 379.500 Stimmen bekam,   hinter sich lie&#223;. Ein zweiter Vergleich ist m&#246;glich mit der   &#8222;Volksbewegung gegen die EU&#8220; in D&#228;nemark, die von 97.986 auf 168.035   Stimmen und somit auf 7,18 Prozent kam.<\/p>\n<h4>  Neue linke Formationen<\/h4>\n<p>  Seit Anfang der 1990er Jahre vertritt das CWI die Auffassung, dass die   Transformation der ehemaligen sozialdemokratischen und &#8222;kommunistischen&#8220;   Parteien bedeutet, dass es notwendig ist, neben dem Aufbau der   sozialistischen Kr&#228;fte auch daf&#252;r einzutreten, dass ebenso Schritte f&#252;r   den Wiederaufbau unabh&#228;ngiger politischer Arbeiterparteien erforderlich   sind. Solche Parteien w&#252;rden gleichzeitig als Kristallisationspunkt zur   Abwehr der kapitalistischen Offensive als auch als Arena dienen, in der   sozialistische Ansichten diskutiert werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  In den letzten Jahren ist es zu einer Reihe von Versuchen gekommen, neue   linke Parteien zu gr&#252;nden. Bei den jetzigen Europawahlen ist in   Gro&#223;britannien ein bedeutsamer Schritt in dieser Richtung gemacht   worden, als die Transportarbeitergewerkschaft RMT f&#252;r ein Wahlb&#252;ndnis   namens &#8222;No2EU, Yes to Democracy&#8220; (&#8222;Nein zur EU, Ja zur Demokratie&#8220;; Erg.   d. &#220;bers.) die Patenschaft &#252;bernahm, an dem sich auch die Socialist   Party (Sektion des CWI und Schwesterorganisation von SAV und SLP in   England und Wales), die Communist Party of Britain und weitere   beteiligten und das 1 Prozent der Stimmen erlangte.<\/p>\n<p>  Doch viele dieser neuen Parteien konnten nicht die Verbindung von   ernsthafter Aktivit&#228;t mit klaren politischen Positionen herstellen, was   n&#246;tig ist, will man wirkliche und dauerhafte Kr&#228;fte aufbauen. Neue   Parteien aufzubauen ist ein Kampf, vor allem, wenn immer noch viele ihre   Stimme f&#252;r die ehemaligen Arbeiterparteien abgeben und wenn diese als   das kleinere &#220;bel erscheinen oder in der Lage zu sein, wenigstens   Zugest&#228;ndnisse zu erreichen. Dennoch kann die Verbindung aus politischen   Entwicklungen, Erfahrung und dem Handeln einer neuen Partei die   Grundlage f&#252;r eine bedeutsame neue Kraft schaffen; das Dubliner Beispiel   gibt einen Vorgeschmack davon.<\/p>\n<p>  Insgesamt kann gesagt werden, dass die neuen linken Parteien keinen   dramatischen Eindruck hinterlassen konnten. Das lag unter anderem daran,   dass viele von ihnen sich nach rechts entwickelt haben und es ablehnten,   Wahlkampf als SozialistInnen zu f&#252;hren und ihr Programm sowie ihre   Forderungen nicht auf eindeutige und entschiedene Art und Weise   pr&#228;sentierten.<\/p>\n<p>  In Deutschland gewann die Partei DieLinke. im Vergleich zur ehemaligen   PDS im Jahr 2004 390.000 Stimmen und ein paar Prozentpunkte auf 7,5   Prozent hinzu. Jedoch macht das nur die H&#228;lfte von dem aus, was man in   Wahlumfragen von vor einem Jahr noch bekommen hat und liegt unter dem   selbst gesteckten Ziel von &#8222;10 Prozent plus X&#8220;. &#196;hnliches gilt f&#252;r   Griechenland. Hier erreichte das Linksb&#252;ndnis Syriza 4,7 Prozent, was   etwas mehr als die 4,16 Prozent von 2004 sind aber ungleich weniger als   die 18 Prozent, die man in den Wahlumfragen 2008 verzeichnen konnte.<\/p>\n<p>  Leider kam es hinsichtlich der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA)   in Frankreich zu einer vergleichbaren Entwicklung. Die NPA erzielte 4,8   Prozent der Stimmen, was im Gegensatz zu den 9 Prozent steht, die man   bei der Parteigr&#252;ndung im Januar 2009 noch in den Umfragen verbuchen   konnte. Eine Schl&#252;sselposition bei der Gr&#252;ndung der NPA hatte die   ehemalige LCR. Der prozentuale Stimmenanteil der NPA stellte eine   Zunahme gegen&#252;ber den 2,56 Prozent dar, die die LCR 2004 im B&#252;ndnis mit   der LO (letztere kam bei diesen Wahlen auf 1,2 Prozent) gewann.   Allerdings sind die jetzt erreichten 4,8 Prozent eine Entt&#228;uschung   gegen&#252;ber den 4,25 Prozent, die der jetzige Vorsitzende der NPA, Olivier   Besancenot, f&#252;r die LCR als Kandidat bei den Pr&#228;sidentschaftswahlen im   Jahr 2002 erlangte, bei der auch die LO auf 5,72 Prozent kam.<\/p>\n<p>  Einige der alten linken Formationen stagnierten. So etwa die   Socialistische Partij in den Niederlanden, bei der es zu Teilen auch am   Rechtsruck der Parteif&#252;hrung, vor allem an der nationalistischen Haltung   gegen&#252;ber der EU und der Beteiligung an regionalen Regierungskoalitionen   mit kapitalistischen Parteien gelegen hat. Derartige Entwicklungen   k&#246;nnen auf ein verh&#228;ngnisvolles Schicksal f&#252;r solche neuen Parteien   hindeuten &#8211; sei es im Sinne eines praktisch erfolgten Kollaps wie im   Falle der PRC in Italien, sei es, dass diese Parteien einfach zu kleinen   Kr&#228;ften mit wenig Aussicht auf Entwicklung hin zu Massenformationen   werden.<\/p>\n<p>  In einigen L&#228;ndern f&#252;hrte die Schw&#228;che dieser neuen Parteien dazu, dass   gr&#252;ne Parteien die Unterst&#252;tzung potenziell linker W&#228;hlerInnen   erhielten. Vor allem in Frankreich war dies der Fall, wo die Europe   Ecologie auf 16,2 Prozent kam. Auch in Gro&#223;britannien, den Niederlanden   und dem wallonischen Teil Belgiens kam es zu solchen Entwicklungen. Die   7,1 Prozent, die die Piratenpartei, eine Partei, die gegen staatliche   Kontrolle und f&#252;r den freien Austausch von Internetdaten steht, in   Schweden errang, weisen auf die gegen das Establishment gerichtete   Stimmung vor allem unter jungen Leuten hin.<\/p>\n<h4>  M&#246;glichkeiten f&#252;r SozialistInnen in der Zukunft<\/h4>\n<p>  Alles in allem sind die jetzigen Wahlen ein Hinweis f&#252;r die sich   entwickelnde Instabilit&#228;t in Europa. Der Sieg der Socialist Party in   Dublin und die Verdopplung der Stimmen des Linken Blocks in Portugal,   weisen &#8211; wenn auch bei eher moderaten Stimmengewinnen auf der Linken   andernorts &#8211; auf die M&#246;glichkeiten hin, die bestehen. Das Ergebnis der   SP in Dublin zeigt, dass es m&#246;glich ist, Unterst&#252;tzung f&#252;r   sozialistische Ideen zu gewinnen, selbst wenn viele ArbeiterInnen und   Jugendliche f&#252;r das &#8222;kleinere &#220;bel&#8220; stimmen. Das Ergebnis des Linken   Blocks hingegen zeigt, was m&#246;glich ist, wenn sich das vermeintlich   &#8222;kleinere &#220;bel&#8220; (in diesem Fall die portugiesische &#8222;Sozialistische   Partei&#8220;) in der Regierung befindet und kapitalistische Politik betreibt.<\/p>\n<p>  Viele europ&#228;ische ArbeiterInnen, Jugendliche und Mitglieder der   Mittelschicht haben Angst vor der Zukunft und hoffen gleichzeitig, dass   diese &#246;konomische Krise schnell vorbei gehen wird. Leider wird dies   nicht der Fall sein. Wenn verstanden wird, dass ein derma&#223;en starkes   Wirtschaftswachstum nicht wieder eintreten wird, dass   Massenarbeitslosigkeit weiterhin die Lage bestimmen wird und dass die   Kapitalisten weitere Einschnitte bei den Lebensstandards fordern werden,   dann wird auch die Notwendigkeit ins Bewusstsein der Menschen treten   k&#228;mpfen zu m&#252;ssen. Das wird echte M&#246;glichkeiten schaffen, um   bedeutungsvolle Kr&#228;fte aufzubauen, die in der Lage sein werden, f&#252;r   Sozialismus zu k&#228;mpfen. Es wird aber nicht von selbst eintreten. Dazu   ist ein klares Programm erforderlich und eine bewusste Aufbau-Strategie.   Die signifikanten Stimmengewinne f&#252;r die extreme Rechte bei diesen   Wahlen sind eine Warnung f&#252;r den Fall, dass nicht wie beschrieben   gehandelt wird. Dann werden reaktion&#228;re Kr&#228;fte versuchen, aus dem vor   uns liegenden sozialen Aufruhr Kapital zu schlagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nur wenig bis gar kein Vertrauen in die Regierungen, aber auch keine<br \/>\n      echte sozialistische Alternative\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[79],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13213"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13213"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13213\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13213"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}