{"id":13208,"date":"2009-06-28T00:00:00","date_gmt":"2009-06-28T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13208"},"modified":"2009-06-28T00:00:00","modified_gmt":"2009-06-28T00:00:00","slug":"13208","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/06\/13208\/","title":{"rendered":"F&#252;r den Erhalt aller Arbeitspl&#228;tze und aller Standorte"},"content":{"rendered":"<p>  Sozialistisches Aktionsprogramm f&#252;r den betrieblichen Widerstand<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Nur der entschlossene Kampf um jeden Arbeitsplatz, gemeinsam mit allen   Standorten eines Konzerns, gemeinsam mit allen Betrieben einer Region,   gemeinsam mit allen Belegschaften einer Branche, hat die Chance, etwas   zu bewirken. Streiks, Betriebsbesetzungen, Generalstreik m&#252;ssen heute   auf die Tagesordnung gesetzt werden.<\/p>\n<p>  Die Mehrheit der AktivistInnen in Betrieb und Gewerkschaft wei&#223; das, nur   leider l&#228;ngst nicht jeder Gewerkschaftsfunktion&#228;r. Daher m&#252;ssen wir es   selber laut und deutlich sagen und unsere Argumente liefern.<\/p>\n<h4>  Lohnverzicht sichert keine Arbeitspl&#228;tze<\/h4>\n<p>  Bei Opel wurde seit Beginn der neunziger Jahre jede zweite Stelle   vernichtet &#8211; trotz regelm&#228;&#223;iger Zugest&#228;ndnisse. Und die Einkommen der   KollegInnen, die einst etwa 30 Prozent &#252;ber dem Fl&#228;chentarif lagen, sind   inzwischen erheblich abgesenkt. Mit dem im letzten Jahr abgeschlossenen   &#8222;Zukunftsvertrag&#8220; sollen die noch verbliebenen &#252;bertariflichen   Leistungen vollends gestrichen werden. Damit bedeutet jede neuerliche   Konzession eine Untergrabung des Tarifvertrags. Genau das passiert aber   die Tage: Der Opel-Gesamtbetriebsrat mit Klaus Franz an der Spitze   bietet einen Lohnverzicht in einem Volumen von einer Milliarde Euro an,   mit dem einem neuen Eigent&#252;mer ein Geschenk gemacht werden soll.<\/p>\n<p>  Das wird nur die Unternehmer der Konkurrenz ermuntern und die Spirale   sinkender L&#246;hne und steigender Arbeitsverdichtung weiterdrehen lassen.   Diese Politik verbessert Profitaussichten, aber sichert keine   Arbeitspl&#228;tze.<\/p>\n<p>  Um am Verhandlungstisch St&#228;rke zeigen zu k&#246;nnen, m&#252;ssen wir unsere volle   Kampfkraft einsetzen. Mit der Behauptung, Standorte zu retten, wird die   Belegschaft eines Konzerns gespalten. Mit den Vorschl&#228;gen, auf Lohn zu   verzichten oder Arbeitspl&#228;tze wenigstens &#8222;sozialvertr&#228;glich&#8220; abzubauen,   wird die Kampfkraft geschw&#228;cht.<\/p>\n<h4>  Die KollegInnen m&#252;ssen entscheiden<\/h4>\n<p>  Ab und zu erfahren wir aus der Presse, was die Bosse als N&#228;chstes   vorhaben. Oder wir werden zur Betriebsversammlung geladen, um informiert   zu werden. Doch wir brauchen auch Betriebsversammlungen, wo wir   diskutieren k&#246;nnen. Wir brauchen regelm&#228;&#223;ige Treffen der Vertrauensleute   und in allen Gliederungen der Gewerkschaft Mitgliederversammlungen, um   &#252;ber Widerstand und Alternativen zu beraten. In einem Arbeitskampf   brauchen wir t&#228;glich Streikversammlungen, um Argumente auszutauschen und   weitere Schritte zu beraten.<\/p>\n<p>  Vor Beginn des wilden Streiks bei Opel Bochum 2004 kamen t&#228;glich 150 bis   200 KollegInnen zusammen, um kollektiv die Lage zu besprechen. Das war   f&#252;r die Vorbereitung und den Verlauf des Arbeitskampfes von immenser   Bedeutung.<\/p>\n<h4>  Streik und Betriebsbesetzung<\/h4>\n<p>  Der Streik stoppt die Produktion. Das ist ein Anfang. Aber das wird   nicht immer ausreichen. Wenn die Schlie&#223;ung eines Standortes droht, wenn   Maschinen den Betrieb verlassen sollen, sind Werkstorblockaden n&#246;tig. Um   auf Nummer sicher zu gehen, sollten wir uns dann aber nicht nur vor den   Toren aufhalten, sondern den Betrieb besetzen. Gemeinsam kann dann   entschieden werden, ob eine Fortf&#252;hrung der Produktion unmittelbar   ansteht oder ob eine Ausweitung des Kampfes und ein Produktionsstopp   sinnvoll sind.<\/p>\n<p>  Sobald ein Arbeitskampf bevorsteht, sollte ein Streikkomitee gew&#228;hlt   werden &#8211; das jederzeit rechenschaftspflichtig ist und auch wieder   abgew&#228;hlt werden kann. Aufgrund der Gefahr von Streikbrechern und dem   Abtransport von Produkten und Maschinen sind zudem Streikposten   entscheidend.<\/p>\n<h4>  Ausweitung des Kampfes<\/h4>\n<p>  Der Blick muss darauf gerichtet sein, gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Solidarit&#228;t   aufzubauen. Und sie kann riesig sein, denn die meisten Menschen sind   w&#252;tend &#252;ber die aktuellen Entwicklungen. Wir m&#252;ssen ihnen das Angebot   machen, sich zu beteiligen. Wir m&#252;ssen ihnen Argumente liefern und ihre   Zweifel &#252;berwinden helfen. Daher m&#252;ssen wir folgende Fragen beantworten:<\/p>\n<h4>  Wie k&#246;nnen wir andere Belegschaftsteile ansprechen? Wie k&#246;nnen wir sie   &#252;berzeugen, sich am Streik beziehungsweise an der Besetzung zu   beteiligen?<\/h4>\n<p>  Wie k&#246;nnen wir zu anderen Standorten Kontakt aufnehmen? Welche   gemeinsamen Aktivit&#228;ten k&#246;nnen aufgebaut werden? K&#246;nnen wir   internationale Solidarit&#228;t herstellen? Bei General Motors hat es zum   Beispiel in den letzten Jahren l&#228;nder&#252;bergreifende Protestaktionen   gegeben.<\/p>\n<p>  Der Arbeitskampf in einem Betrieb ist eine enorme Ermutigung f&#252;r die   KollegInnen in anderen Betrieben, die auch von Entlassungen bedroht   sind. Unsere Arbeit muss darauf abzielen, gemeinsame Proteste zu   organisieren. Auch regionale Generalstreiks sind denkbar.<\/p>\n<h4>  Solidarit&#228;tsarbeit<\/h4>\n<p>  Die Bev&#246;lkerung ist erleichtert, wenn eine Belegschaft in den Kampf   eintritt und sich nicht zu Grabe tragen l&#228;sst. Endlich kann sie einen   aktiven Beitrag leisten. 1987 k&#228;mpfte das Stahlwerk Rheinhausen gegen   die Schlie&#223;ung. Wie keine andere Belegschaft zuvor gab sie der   Bev&#246;lkerung die M&#246;glichkeit mitzuk&#228;mpfen &#8211; und die Bev&#246;lkerung packte   mit an. Die Betriebsversammlungen waren &#246;ffentlich, Protestaktionen wie   Demos, Fackelz&#252;ge und Autobahnbesetzungen wurden organisiert. An den   B&#252;rgerkomitees nahmen zweimal w&#246;chentlich 800 bis 1.000 Menschen teil.   Ein H&#246;hepunkt war der regionale Generalstreik am 10. Dezember 1987.   Erhebliche Zugest&#228;ndnisse konnten so erreicht werden. Allerdings hat die   IG-Metall-Spitze den KollegInnen seinerzeit &#8222;den R&#252;cken zugedreht; sie   hat uns nicht unterst&#252;tzt&#8220;, so der damalige Streikaktivist Helmut   Laakmann. Folglich wurde der Erhalt aller Arbeitspl&#228;tze leider nicht   erreicht.<\/p>\n<h4>  Arbeitszeitverk&#252;rzung bei Lohn- und Personalausgleich<\/h4>\n<p>  Kommt es zu Kurzarbeit, dann muss die Devise sein: Weiterhin voller   Lohn, 100 Prozent! Das hei&#223;t, dass die Krise, die wir nicht verschuldet   haben, nicht zu Lohneinbu&#223;en f&#252;hren darf. Keinen Cent k&#246;nnen wir   entbehren.<\/p>\n<p>  Gibt es weniger Auftr&#228;ge, dann muss die Arbeit perspektivisch f&#252;r alle   verk&#252;rzt werden. Auf Lohn k&#246;nnen wir dabei nicht verzichten. Und die   Produktivit&#228;t ist so gestiegen, dass wir in k&#252;rzerer Zeit die gleichen   Werte schaffen. Es ist n&#246;tig, dass der geschaffene Reichtum nicht l&#228;nger   dem Kapital zu Gute kommt, sondern den arbeitenden Menschen &#8211; durch   Reduzierung der Arbeitshetze, Arbeitszeitverk&#252;rzung und Schaffung neuer   Stellen.<\/p>\n<h4>  &#214;ffnung der Gesch&#228;ftsb&#252;cher<\/h4>\n<p>  Solange die Konzernchefs am Ruder bleiben und es weiter darum geht, wie   viel Profit gemacht werden kann, werden auch noch so gro&#223;e staatliche   B&#252;rgschaften nichts &#228;ndern.<\/p>\n<p>  Die staatlichen Gelder werden auch nicht &#252;ber eine h&#246;here Besteuerung   bei den Reichen finanziert, sondern &#252;ber Kredite &#8211; sprich die Reichen   leihen dem Staat Geld und kassieren auch noch Zinsen. Am Ende bezahlt   die arbeitende Bev&#246;lkerung die Zeche.<\/p>\n<p>  Ein Hartz-IV-Empf&#228;nger muss seine gesamten Verm&#246;gensverh&#228;ltnisse offen   legen, bevor er einen Cent f&#252;rs nackte &#220;berleben bekommt. Banken und   Unternehmer, die behaupten, dass sie vor der Pleite stehen, sollten als   Erstes ihre Bilanzen, Konten und Gesch&#228;ftsb&#252;cher offen legen.   Belegschaften und Bev&#246;lkerung m&#252;ssen wissen, wie die Schulden entstanden   sind, wer die Gl&#228;ubiger sind und wer an den Schulden verdient. Die   Gro&#223;aktion&#228;re rechnen sich jetzt arm. Die Gelder, die an der einen   Stelle fehlen, sind aber nicht in schwarzen L&#246;chern verschwunden,   sondern weiter in den Taschen der Reichen.<\/p>\n<h4>  Wer Entlassungen plant, geh&#246;rt enteignet<\/h4>\n<p>  Es gibt die Produktionsst&#228;tten, die Menschen, die arbeiten wollen, das   Know-How. Nur f&#252;r den Unternehmer lohnt es sich nicht? Dann brauchen wir   ihn nicht mehr.<\/p>\n<p>  Das gesamte Eigentum des verstaatlichten Betriebes muss dauerhaft in   &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt werden. Die Produktion geh&#246;rt   &#252;bergreifend geplant und auf sinnvolle Produkte umgestellt. W&#252;rde der   Staat zum Beispiel gleichzeitig den &#246;ffentlichen Nah- und Fernverkehr   ausbauen und ihn zum Nulltarif anbieten, w&#252;rden sich direkt wieder die   Auftragsb&#252;cher f&#252;llen. Das sind sinnvoll verwendete Staatsausgaben und   ist allemal vern&#252;nftiger als die Finanzierung der Arbeitslosigkeit.<\/p>\n<h4>  Arbeiterverwaltung<\/h4>\n<p>  Es w&#252;rde dabei nicht ausreichen, die Leitung des Unternehmens an den   Staat zu &#252;bergeben. Um eine Weiterf&#252;hrung der Werke bei Erhalt aller   Arbeitspl&#228;tze zu garantieren, m&#252;sste die Kontrolle und Verwaltung der   Betriebe durch demokratische Gremien &#8211; zusammengesetzt aus   VertreterInnen der Belegschaft und der arbeitenden Bev&#246;lkerung &#8211;   erfolgen.<\/p>\n<h4>  Es brodelt<\/h4>\n<p>  In Deutschland g&#228;rt es langsam, Proteste und Streiks beginnen   allm&#228;hlich. Bei Federal Mogul in Wiesbaden wurde Anfang Mai der erste   unbefristete Streik in diesem Jahr ausgerufen. Bei Mahle im   unterfr&#228;nkischen Alzenau wurden Proteste in der ganzen Region auf die   Beine gestellt. Urspr&#252;nglich wollte die Konzernleitung die 424   Besch&#228;ftigten und zw&#246;lf Azubis Ende Juni vor die T&#252;r setzen. Nun konnte   der Widerstand erreichen, dass es in den n&#228;chsten zwei Jahren erstmal   keine Entlassungen geben soll. Auch bei Federal Mogul konnte durch die   Arbeitsniederlegung die Unternehmeroffensive zun&#228;chst einmal aufgehalten   werden. Allerdings sind weder bei Mahle noch bei Federal Mogul die   Arbeitspl&#228;tze dauerhaft gesichert. Au&#223;erdem bieten Betriebsrats- und   Gewerkschaftsspitze derzeit leider Zugest&#228;ndnisse an. Darum muss der   Widerstand fortgesetzt werden.<\/p>\n<p>  Bei ThyssenKrupp und in anderen Betrieben konnte durch Druck von unten   die heutige Gewerkschaftsspitze gegen ihren Willen dazu gebracht werden,   mit Gro&#223;demonstrationen ansatzweise Protest zu organisieren. Der Druck   auf die F&#252;hrung ist n&#246;tig, der Aufbau einer programmatischen und   personellen Alternative zu IG-Metall-Chef Bertold Huber und Co. dringend   geboten. Wenn wir &#8211; die kritischen KollegInnen &#8211; die Argumente liefern   und die Wut der Besch&#228;ftigten ausdr&#252;cken, wird es immer &#246;fter m&#246;glich   sein, den Ansto&#223; f&#252;r Gegenwehr zu geben. Schon eine k&#228;mpferische   Betriebsversammlung, der Ausstand einer Abteilung kann eine   Kettenreaktion ausl&#246;sen.<\/p>\n<p>  Zudem kommt der Partei DIE LINKE eine wichtige Aufgabe zu, betriebliche   K&#228;mpfe aktiv zu unterst&#252;tzen, eine inhaltliche Alternative zur   kapitalistischen Krisenl&#246;sung darzustellen und auf der politischen Ebene   ein Angebot zu machen.<\/p>\n<p>  Ein erster gr&#246;&#223;erer, entschlossen gef&#252;hrter Arbeitskampf k&#246;nnte   Signalwirkung bekommen und die Belegschaften in anderen Betrieben stark   ermutigen. Damit auf die Kampfansage der Unternehmer endlich   entsprechend reagiert wird &#8211; mit einer Welle von Streiks und   Betriebsbesetzungen. &#957;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Sozialistisches Aktionsprogramm f&#252;r den betrieblichen Widerstand\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[],"tags":[215],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13208"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13208"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13208\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13208"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13208"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13208"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}