{"id":13207,"date":"2009-06-27T00:00:00","date_gmt":"2009-06-27T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13207"},"modified":"2009-06-27T00:00:00","modified_gmt":"2009-06-27T00:00:00","slug":"13207","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/06\/13207\/","title":{"rendered":"Es gibt eine Alternative zur Massenarbeitslosigkeit"},"content":{"rendered":"<p>  Demokratische Planung statt kapitalistische Krise<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Schon 100.000 Leiharbeiter wurden seit 2008 entlassen.   Stellenstreichungen, Betriebs- und Standortschlie&#223;ungen drohen. Auf dem   Arbeitsmarkt &#8222;steht das Schlimmste noch bevor&#8220; (FAZ vom 22. Mai), trotz   Ausweitung der Kurzarbeit werden sp&#228;testens &#8222;in der zweiten Jahresh&#228;lfte   deutlich mehr Menschen ihre Arbeit verlieren&#8220;. Dennoch ist es m&#246;glich,   Arbeitslosigkeit zu bek&#228;mpfen. Erstens k&#246;nnen wir Entlassungen und   Betriebsschlie&#223;ungen stoppen, zweitens k&#246;nnen neue Arbeitspl&#228;tze   geschaffen werden und drittens kann die vorhandene Arbeit, durch   Arbeitszeitverk&#252;rzung, auf alle verteilt werden.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von M. A., Aachen<\/i><\/h4>\n<p>  Einfach ist dies nat&#252;rlich nicht. Dazu brauchen wir entschlossenen   Widerstand, doch den brauchen wir sowieso. Sonst beh&#228;lt der   Internationale W&#228;hrungsfonds mit seiner Prognose Recht, dass in   Deutschland die Zahl der Arbeitslosen bis Ende 2010 von offiziell drei   auf f&#252;nf Millionen steigt.<\/p>\n<p>  Der Erhalt der Arbeitspl&#228;tze und die Schaffung neuer Stellen ist nicht   utopisch. Viel utopischer ist es, durch &#8222;Zukunftssicherungsvertr&#228;ge&#8220; die   Zukunft der Besch&#228;ftigten sichern zu wollen oder durch   &#8222;Konjunkturpakete&#8220; die Konjunktur nachhaltig zu beleben.<\/p>\n<h4>  Krise der Autoindustrie<\/h4>\n<p>  In der Marktwirtschaft produziert jeder Konzern in Konkurrenz zu den   anderen. Au&#223;erdem muss er Profite machen, sonst geht er pleite. Die   Autoindustrie hat international die Kapazit&#228;ten, um 94 Millionen   Fahrzeuge zu produzieren. Das sind gut 30 Millionen mehr als 2008   verkauft wurden und 40 Millionen mehr als 2009 sch&#228;tzungsweise abgesetzt   werden. Nat&#252;rlich denkt jeder Konzern, dass von seiner Marke bei weitem   nicht genug gekauft wurden. Aber irgendwann ist es soweit. Die   Kapazit&#228;ten m&#252;ssen schrumpfen: Standorte werden geschlossen, Menschen   werden entlassen, Maschinen verschrottet. Das ist die Absatzkrise, die   wir zur Zeit erleben.<\/p>\n<p>  Die Konzerne, die &#252;brig bleiben, setzen darauf, ihre Position   auszubauen, indem sie Konkurrenten w&#228;hrend der Krise aus dem Weg r&#228;umen   (Fiat-Chef Sergio Marchionne meint, dass von den zehn Gro&#223;en in zwei   Jahren nur noch sechs &#252;brig bleiben werden). Doch die Besch&#228;ftigten   werden daf&#252;r teuer bezahlen: Die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich,   der Lohn sinkt, die Arbeitslosigkeit steigt und damit die Zukunftsangst.<\/p>\n<h4>  Beispiel Opel<\/h4>\n<p>  Fiat ist einer der Interessenten, die Opel aufkaufen m&#246;chten. Fiat hat   ein Einsparszenario &#8222;Project Football&#8220; ersonnen. Schlie&#223;lich h&#228;tte der   k&#252;nftige Konzern global &#220;berkapazit&#228;ten von 25 bis 30 Prozent. F&#252;nf   Autofabriken und f&#252;nf Werke, in denen Motoren und Getriebe gefertigt   werden, will man schlie&#223;en. 18.000 Arbeitspl&#228;tze sollen wegfallen, davon   3.600 an deutschen Standorten.<\/p>\n<p>  Sollte der Opel-Blitz an den Autozulieferer Magna gehen, w&#228;re die Gefahr   f&#252;r Zehntausende Arbeitspl&#228;tze keineswegs gebannt. Im Gegenteil. &#8222;Mit 24   Milliarden Euro Umsatz ist der Autozulieferer nur halb so gro&#223; wie BMW.   Vor allem ist Magna Autozulieferer und wird so von der Krise voll   getroffen&#8220;, so Winfried Wolf in der jungen Welt vom 30. April.   &#8222;Perspektivisch ist Magna selbst ein Kandidat f&#252;r eine Pleite.&#8220;<\/p>\n<h4>  Gesellschaftlicher Blick<\/h4>\n<p>  Im Juni 1990 schrieb der IG-Metall-Vorstand in seinem Papier &#8222;Auto,   Umwelt und Verkehr&#8220;: &#8222;Wenn die Besch&#228;ftigung in der Automobil- und   Zulieferindustrie aus umwelt- oder verkehrspolitischen Gr&#252;nden nicht   weiter ausgedehnt, sondern nur stabilisiert werden kann oder im Trend   zur&#252;ckgeht, dann muss &#252;ber neue Besch&#228;ftigungsperspektiven nachgedacht   werden.&#8220;<\/p>\n<p>  W&#252;rde man jetzt mal gesamtgesellschaftlich &#252;berlegen, w&#252;rde man   wahrscheinlich zu folgenden Ergebnissen kommen: Das Auto ist &#246;kologisch   gesehen kein optimales Fortbewegungsmittel, da gibt es doch sparsamere   Optionen. Aber jeder soll nat&#252;rlich das Recht haben, sich fortzubewegen.   Daher sollte der &#246;ffentliche Verkehr ausgebaut werden.<\/p>\n<p>  Damit es den Menschen nicht schwer f&#228;llt umzusteigen, sollte dieser   attraktiv und kostenlos sein. Dabei gibt es viele Aspekte zu beachten:   Menschen m&#252;ssen zur Arbeit kommen, Getr&#228;nke m&#252;ssen ins Haus geschafft   werden, Kinder m&#252;ssen in den Wald k&#246;nnen, Rollstuhlfahrer m&#252;ssen sich   frei bewegen d&#252;rfen&#8230; Am Besten die Betroffenen &#8211; Besch&#228;ftigte,   PlanerInnen und Nutzer-Innen &#8211; gestalten den &#246;ffentlichen Verkehr   demokratisch und in eigener Regie.<\/p>\n<p>  Die Besch&#228;ftigten in der heutigen Autoindustrie k&#246;nnten ihre Produktion   umstellen und die Arbeit durch radikale Arbeitszeitverk&#252;rzung auf alle   verteilen. Zu teuer ist dies nicht, da die notwendige Arbeit auf alle   verteilt wird; es wird produziert, was gebraucht wird. Schon heute   kriegt man eine Idee davon, bei welchen Ausgaben dann gespart werden   k&#246;nnte: Autobahnbau, Kosten f&#252;r Verkehrsopfer, durch Verkehr anfallende   Umweltverschmutzung&#8230;<\/p>\n<h4>  Demokratische Planwirtschaft<\/h4>\n<p>  Doch dies ist nicht vereinbar mit dem Profitstreben der einzelnen   Konzerne. Die Konzerne m&#252;ssen daf&#252;r in Gemeineigentum &#252;berf&#252;hrt und   unter demokratische Kontrolle und Verwaltung der Belegschaften und der   ganzen arbeitenden Bev&#246;lkerung gestellt werden. In einer sozialistischen   Demokratie w&#228;re es m&#246;glich, den heutigen &#220;berfluss und die heutigen   Ressourcen &#8211; Arbeitskr&#228;fte, Know-How, Produktionsst&#228;tten und Erfahrung &#8211;   im Sinne von Mensch und Natur einzusetzen.<\/p>\n<h4>  Heute anfangen<\/h4>\n<p>  Es w&#228;re nat&#252;rlich fatal, w&#252;rden SozialistInnen einfach nur auf den   Sozialismus vertr&#246;sten. Wir k&#228;mpfen hier und heute f&#252;r Verbesserungen   und gegen jede Verschlechterung unserer Lebens- und Arbeitsbedingungen.   SozialistInnen k&#228;mpfen am Entschiedensten, zum Beispiel f&#252;r den Erhalt   aller Arbeitspl&#228;tze, da wir wissen, dass die Interessen des Kapitals mit   denen der ArbeiterInnen nicht vereinbar sind. Daher stellen wir uns   konsequent auf die Seite der Besch&#228;ftigten, Arbeitslosen, Jugendlichen,   RentnerInnen.<\/p>\n<h4>  Arbeit auf alle aufteilen<\/h4>\n<p>  Wer arbeitet, muss immer l&#228;nger arbeiten. Die Arbeitshetze nimmt stetig   zu. Wer keine Arbeit hat, ist zum Nichtstun verdammt. Es ist Zeit, die   Arbeitsbedingungen zu verbessern, die Taktzeiten m&#252;ssen dringend   verl&#228;ngert werden. Zudem ist es erforderlich, die Arbeit auf alle zu   verteilen, durch die 30-Stunden-Woche. Doch das geht nat&#252;rlich nur bei   vollem Lohnausgleich.<\/p>\n<p>  Die Produktivit&#228;t pro Besch&#228;ftigten-Stunde der Industrie Deutschlands   ist von 1992 bis 2008 um etwa 100 Prozent gestiegen, in der gesamten   Wirtschaft pro Erwerbst&#228;tigen-Stunde um ein Drittel. Die &#8222;Arbeitsgruppe   Alternative Wirtschaftspolitik&#8220; hat mal nachgerechnet: W&#252;rde man das   heutige Arbeitsvolumen auf alle 44 Millionen Erwerbspersonen verteilen,   dann w&#252;rden etwa 28 Stunden pro Woche reichen, um das heutige   Bruttoinlandsprodukt bereitzustellen. Die arbeitenden Menschen sind es,   die heute einen gewaltigen Reichtum schaffen &#8211; der allerdings in die   Taschen der Reichen und M&#228;chtigen wandert. Damit muss Schluss sein, der   von uns erwirtschaftete Reichtum muss auch uns zu Gute kommen.<\/p>\n<p>  Die Erfahrung aus den achtziger Jahren in der Bundesrepublik hat   gezeigt, dass Arbeitszeitverk&#252;rzung Stellen schaffen oder sichern kann.   Sie ist von den Arbeitgebern allerdings auch zur Flexibilisierung und   Arbeitsintensivierung genutzt worden. Daher ist eine Reduzierung nur in   gro&#223;en Schritten und bei vollem Personalausgleich sinnvoll.<\/p>\n<h4>  &#214;ffentliches Investitionsprogramm<\/h4>\n<p>  Bund, Land und Kommunen bauen selber Arbeitspl&#228;tze ab, bilden weniger   Jugendliche aus und &#252;bernehmen weniger. Dabei m&#252;ssten sie selber neue   Arbeitspl&#228;tze schaffen. Doch stattdessen investieren sie in zweifelhafte   Konjunkturprogramme. Sp&#228;testens nach der Bundestagswahl bekommen wir die   Quittung, schlie&#223;lich rechnen Bund, L&#228;nder und Kommunen mit einem   Anstieg der Schulden in den n&#228;chsten vier Jahren um &#252;ber 300 Milliarden   Euro.<\/p>\n<p>  In der Wochenzeitung vom 26. Februar schrieb Tom Adler,   IG-Metall-Betriebsrat der Alternativen Liste im Daimler Werk   Stuttgart-Untert&#252;rkheim: &#8222;Einen Rohstoff gibt es allerdings, der im   &#220;berfluss vorhanden ist: das Wissen der FacharbeiterInnen im Autobau und   die Kreativit&#228;t von Zehntausenden in den Entwicklungsbereichen.&#8220; Das   kann und muss genutzt werden, durch die Umstellung der Produktion auf   andere, gesellschaftlich und &#246;kologisch sinnvolle Produkte.<\/p>\n<p>  Zudem gibt es so viele Bereiche, in denen dringend mehr Personal   gebraucht wird: Kinderg&#228;rten, Schulen, Krankenh&#228;user, Altenpflege. Die   SAV fordert ein staatliches Investitionsprogramm von 100 Milliarden Euro   j&#228;hrlich in den Bereichen Bildung, Umwelt, Gesundheit und Soziales.   Unbefristete, tariflich bezahlte Arbeitspl&#228;tze m&#252;ssen im &#214;ffentlichen   Dienst geschaffen werden. Die Mittel daf&#252;r m&#252;ssen wir bei den Reichen   holen. Eine Verm&#246;genssteuer von zehn Prozent bei einer Million und 80   Prozent Spitzensteuersatz ab 500.000 Euro Jahreseinkommen sind   M&#246;glichkeiten, um dies zu finanzieren.<\/p>\n<h4>  Arbeitslosigkeit bestimmt unser Leben<\/h4>\n<h4>  &#8226; Zur Zeit haben wir offiziell 3,6 Millionen Arbeitslose in Deutschland   (in Wirklichkeit sind es sogar doppelt so viele).<\/h4>\n<p>  &#8226; Im Juni 2008 waren 794.000 Menschen als Leiharbeiter besch&#228;ftigt,   doppelt so viele wie 2003 (seit Fr&#252;hjahr 2008 sind laut DGB &#252;ber 100.000   von ihnen entlassen worden).<\/p>\n<p>  &#8226; 6,5 Millionen Menschen arbeiten im Niedriglohnbereich. Das sind 22   Prozent aller Besch&#228;ftigten, 43 Prozent mehr als 1995. In keinem anderen   EU-Land arbeiten mittlerweile so viele Menschen f&#252;r Niedrigl&#246;hne wie in   Deutschland. Ein Niedrigl&#246;hner im Westen bekommt im Schnitt 6,89 Euro,   im Osten 4,86 Euro.<\/p>\n<p>  &#8226; Jeder vierte neue Erwerbslose wird laut DGB direkt zum   Hartz-IV-Empf&#228;nger. In den ersten vier Monaten 2009 rutschten 440.000   Besch&#228;ftigte nach ihrer K&#252;ndigung unmittelbar in die   Hartz-IV-Bed&#252;rftigkeit.<\/p>\n<p>  Arbeitslosigkeit bestimmt unser Leben. Sie bedeutet Zukunftsangst f&#252;r   uns, unsere Kinder und unsere Freunde. Schon in der Schule steigert sie   den Leistungsdruck. Arbeitslosigkeit macht uns erpressbar. Sie macht uns   arm und krank.<\/p>\n<h4>  Arbeitslosigkeit und Kapitalismus geh&#246;ren zusammen, beides ist   &#252;berfl&#252;ssig. &#957;<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Demokratische Planung statt kapitalistische Krise\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[],"tags":[215],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13207"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13207"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13207\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}