{"id":13205,"date":"2009-06-24T00:00:00","date_gmt":"2009-06-24T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13205"},"modified":"2009-06-24T00:00:00","modified_gmt":"2009-06-24T00:00:00","slug":"13205","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/06\/13205\/","title":{"rendered":"Wie weiter im Krisenjahr?"},"content":{"rendered":"<p>  Gewerkschaftsf&#252;hrung versagt angesichts der Krisenfolgen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Immer mehr Arbeitspl&#228;tze sind bedroht. Ob ThyssenKrupp, Mahle,   Hamburger Hafen oder Opel &#8211; eine Hiobsbotschaft jagt die n&#228;chste. Zudem   wird die von Bundespr&#228;sident Horst K&#246;hler schon vor einem Jahr   geforderte Agenda 2020 nach der Bundestagswahl so sicher kommen wie das   Amen in der Kirche &#8211; egal, wie die Bundesregierung zusammen gesetzt sein   wird.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  F&#252;r die massiv gesteigerte Staatsverschuldung &#8211; als Folge der   Rettungs-pakete f&#252;r die Banken und Konzerne &#8211; wird die Masse der   Bev&#246;lkerung zahlen m&#252;ssen. Die Vorschl&#228;ge des &#196;rztepr&#228;sidenten   J&#246;rg-Dietrich Hoppe, eine Rangliste f&#252;r Behandlungen zu erstellen und   zum Beispiel &#220;bergewichtige mehr zur Kasse zu bitten, zeigen die   Richtung an. Die Diskussionen &#252;ber 25 Euro Selbstbeteiligung bei jedem   Arztbesuch oder dar&#252;ber, Hartz IV nur noch bei Zwangsarbeit zu gew&#228;hren,   machen allerdings deutlich, dass es alle treffen wird.<\/p>\n<h4>  DGB-F&#252;hrung = Komplizen der Regierung<\/h4>\n<p>  Was machen in dieser Situation die Gewerkschaftsspitzen? Anstatt mit   einem k&#228;mpferischen Programm zur Verteidigung aller Arbeitspl&#228;tze und   der Ablehnung jeglichen Abw&#228;lzens der Krisenkosten auf die   Lohnabh&#228;ngigen in die Gegenoffensive zu gehen, &#252;ben Michael Sommer,   Berthold Huber und Freunde den offenen Schulterschluss mit der   Regierungs-SPD. P&#252;nktlich zur Europawahl wurde ein gemeinsames   Positionspapier mit der SPD ver&#246;ffentlicht. Und auch die   DGB-Demonstration vom 16. Mai in Berlin wurde von der   Gewerkschaftsspitze als eine Wahlkampfveranstaltung f&#252;r die   Sozialdemokratie missbraucht.<\/p>\n<h4>  Demo ist nicht gleich -Widerstand<\/h4>\n<p>  Der DGB war gezwungen, eine gr&#246;&#223;ere Mobilisierung zu dieser   Demonstration durchzuf&#252;hren, als er wahrscheinlich urspr&#252;nglich geplant   hatte, weil der Druck an der Basis f&#252;r effektiven Widerstand w&#228;chst und   weil die von unten &#8211; unter Beteiligung einiger Gewerkschaftsgliederungen   &#8211; organisierten Demonstrationen in Berlin und Frankfurt am Main am 28.   M&#228;rz mit einer Beteiligung von fast 60.000 eine Marke gesetzt hatten,   die der DGB nicht unterschreiten durfte, ohne das Gesicht zu verlieren.   Doch die 100.000, die am 16. Mai in Berlin auf die Stra&#223;e gingen, haben   das bestehende Potenzial f&#252;r Gegenwehr bei weitem nicht ausgesch&#246;pft.<\/p>\n<p>  Viele, die w&#252;tend auf die Politik der Regierung und auf den Kapitalismus   sind, und viele, die gerade um ihren Arbeitsplatz zittern oder auch   schon k&#228;mpfen, waren nicht gekommen. Wahr-scheinlich, weil sie sp&#252;rten,   dass der Aufruf der DGB-F&#252;hrung keine Perspektive f&#252;r den Widerstand   aufzeigte.<\/p>\n<p>  Das ist allerdings kein Beweis f&#252;r eine mangelnde Kampfbereitschaft,   sondern ein Hinweis darauf, dass in Zeiten der Wirtschaftskrise eine   gr&#246;&#223;ere Verunsicherung in der Arbeiterklasse besteht und klare   politische Antworten und effektive Strategien notwendig sind, um   KollegInnen zu mobilisieren.<\/p>\n<p>  Der Streik der ErzieherInnen ist ein Beleg daf&#252;r, dass auch in   Krisenzeiten f&#252;r Verbesserungen gek&#228;mpft werden kann und   Kampfbereitschaft vorhanden ist. Die Streikbeteiligung &#252;bertrifft alle   Erwartungen. Dieser Kampf sollte mit den sich ebenfalls in   Tarifverhandlungen befindenden DruckerInnen und Verk&#228;uferInnen und dem   f&#252;r Mitte Juni geplanten Bildungsstreik verbunden werden, um eine   m&#246;glichst breite einheitliche Front von Lohnabh&#228;ngigen und Jugendlichen   im Kampf f&#252;r Arbeiterinteressen zu erreichen.<\/p>\n<p>  Wenn der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber aber davon spricht, dass   &#8222;m&#246;glichst wenige&#8220; Arbeits-pl&#228;tze verloren gehen sollen, dann begibt   sich die Gewerkschaftsspitze bewusst in eine Komplizenschaft mit   Regierung und Kapital und versucht h&#246;chstens, in der bekannten Manier   des Co-Managements &#8222;soziale H&#228;rte&#8220; abzumildern. Die beiden Slogans der   Demo vom 16. Mai &#8211; &#8222;Sozialpakt f&#252;r Europa&#8221; und &#8222;Die Verursacher sollen   zahlen&#8221; &#8211; sind ein inhaltlicher Widerspruch, der von den   Spitzenfunktion&#228;ren im DGB so gel&#246;st wird, dass die Besch&#228;ftigten im   Rahmen des &#8222;Pakts&#8221; die Zeche zahlen werden.<\/p>\n<p>  Die von der Gewerkschaftsf&#252;hrung vermittelte Zielsetzung, eine   CDU\/CSU\/FDP-Koalition zu verhindern, ist nicht einmal eine Politik des   kleineren &#220;bels. Denn ganz unabh&#228;ngig von der Regierungskoalition werden   die tats&#228;chlich M&#228;chtigen in den Chefetagen der Konzerne jeder   Regierung, die nicht bereit ist mit dem Kapital und dem Kapitalismus zu   brechen, ein Programm der weiteren Zerst&#246;rung des Sozial-, Bildungs- und   Gesundheitswesens aufzwingen. Man darf nicht vergessen: Die Agenda 2010   wurde von einer rot-gr&#252;nen Regierung durchgesetzt und die   Agenda-Konstrukteure haben in der SPD immer noch das Sagen. &#957;<\/p>\n<h4>  Sascha Stanicic ist SAV-Bundessprecher<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gewerkschaftsf&#252;hrung versagt angesichts der Krisenfolgen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[215],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13205"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13205"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13205\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13205"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}