{"id":13196,"date":"2009-06-10T18:07:49","date_gmt":"2009-06-10T18:07:49","guid":{"rendered":".\/?p=13196"},"modified":"2009-06-10T18:07:49","modified_gmt":"2009-06-10T18:07:49","slug":"13196","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/06\/13196\/","title":{"rendered":"Ein Leben f&#252;r die Revolution"},"content":{"rendered":"<p>  P&#252;nktlich zu 50. Jahrestag der Kubanischen Revolution kommt der erste   Teil von Steven Soderberghs zweiteiligem Epos &#252;ber das Leben von Che   Guevara in die Kinos.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Diejenigen, die den Film gesehen haben, und auf der Suche nach einer   Alternative zum Kapitalismus sind, werden durch den Film ermutigt werden.<\/p>\n<p>  Obwohl es ein Hollywood-Film ist, ist das Interesse an diesem Film ein   klarer Ausdruck der wachsenden Ablehnung des neoliberalen Kapitalismus,   einer Reaktion gegen die Bush-&#196;ra und des Ansehens von Che Guevara als   prinzipientreuer revolution&#228;rer K&#228;mpfer. Der erste Film ist auf jeden   Fall ein Kinobesuch wert.<\/p>\n<p>  Che, hervorragend gespielt von Benicio del Toro, wird richtigerweise als   prinzipientreuer, ehrlicher revolution&#228;rer K&#228;mpfer dargestellt, der von   denjenigen, die an seiner Seite k&#228;mpften, verehrt wurde. Seine Mitgef&#252;hl   f&#252;r die Armen sowie seine Hoffnung und seine Zuversicht f&#252;r die   Menschheit werden richtigerweise als pers&#246;nliche Eigenschaften von ihm   dargestellt.<\/p>\n<p>  Die Entschlossenheit von Guevara und den anderen K&#228;mpfern, die gemeinsam   mit ihm den Kampf aufnahmen, wird in den Film deutlich gezeigt. Wie Che   in den Film w&#228;hrend der &#220;berfahrt nach Kuba sagt: &quot;Von den 82 K&#228;mpfern   die los ziehen, werden nur zw&#246;lf &#252;berleben.&quot; Man kann den Schmerz fast   schon sp&#252;ren, wenn er w&#228;hrend der langen Guerilla-Kampagne in der Sierra   Maestra einen st&#228;ndigen Kampf mit seinem Asthma f&#252;hrt, wenn M&#252;he hat, zu   marschieren oder zu seinen Truppen zu sprechen.<\/p>\n<p>  Der Film beginnt mit dem ersten Treffen zwischen Guevara und Fidel   Castro in Mexiko 1955 und geht dann schnell weiter zur Landung der   Guerillak&#228;mpfer in Kuba und zum folgenden Krieg, der zur Eroberung der   Macht im Januar 1959 f&#252;hrte.<\/p>\n<p>  Als Biographie von Che Guevara ist dies vielleicht eines der Schw&#228;chen   des Films. Seine ber&#252;hmte &quot;Motorradtour&quot; durch Lateinamerika wurde   weggelassen und deshalb wird nicht gezeigt, welch entscheidenen Einfluss   diese auf ihn hatte. Diese Erfahrung, und das was er da erlebte,   brachten Che dazu, seine angestrebte Karriere als Mediziner aufzugeben   und sich der revolution&#228;ren Politik zu widmen. Die erdr&#252;ckende Armut und   Ausbeutung, die er auf dem ganzen Kontinent sah, verst&#228;rkte auch Ches   Geist des Internationalismus (was in den Film auch gezeigt wird).   Unerw&#228;hnt bleibt allerdings auch die entscheidende Wirkung des   Milit&#228;rputsches, der 1954 das populistische Regime von Jacobo Arbenz in   Guatemala entmachtete. Dies veranlasste Che und andere dazu, radikalere   linke Schlussfolgerungen zu ziehen.<\/p>\n<h3>  Differenzen zwischen Che und Castro<\/h3>\n<p>  Zweifellos werden viele junge Menschen, die diesen Film sehen, durch Che   und die Kubanische Revolution motiviert werden. Der Film ber&#252;hrt die   politischen Fragen, die w&#228;hrend der milit&#228;rischen Kampagne aufgeworfen   wurden und weist auf einige wichtige Fragen hin, die sich w&#228;hrend der   Kubanischen Revolution und unmittelbar danach stellten. Allerdings, und   das ist in einem Hollywood-Film vielleicht unvermeidlich, werden viele   dieser Fragen nur angerissen oder angedeutet.<\/p>\n<p>  Ein auff&#228;lliges Beispiel hierf&#252;r, eines der wichtigsten Episoden des   Films, ist ein Treffen mit einigen der F&#252;hrer anderer Oppositionsgruppen   innerhalb der Bewegung des 27. Juli, die bem&#252;ht waren, die Ziele der   Regierung nach dem Sturz Batistas zu begrenzen. Guevara protestiert im   privaten gegen&#252;ber Castro dar&#252;ber, dass diese Gruppen &quot;Kuba an die USA   verkaufen w&#252;rden&quot; und dass er f&#252;r sie nichts &#252;brig hat. Castro   verteidigt die Abmachung mit diesen Gruppen. In diesem Wortwechsel   werden Differenzen zwischen Castro und Guevara angedeutet. Was hierbei   weggelassen wird ist die Tatsache, dass Guevara die Revolution viel   weiter f&#252;hren wollte und dass er die Idee des Sozialismus unterst&#252;tzte,   auch wenn er nicht verstand, welche soziale Klasse (die Arbeiterklasse)   ben&#246;tigt wird, um die Revolution bewusst anzuf&#252;hren.<\/p>\n<p>  Im Verlauf des Films sehen wir lediglich, wie Che f&#252;r die Revolution   argumentiert und nicht f&#252;r den Sozialismus, was ein gro&#223;es Defizit ist.<\/p>\n<p>  Die Frage der Rolle Bewegung in den St&#228;dten und der Guerillak&#228;mpfer wird   kurz angerissen, als Castro erkl&#228;rt, dass sie eine Bewegung in den   St&#228;dten unterst&#252;tzen, dass aber die Guerillas die F&#252;hrung bilden. Es   besteht die Gefahr dass die Darstellung des Guerillakampfes unter   F&#252;hrung einer kleinen Gruppen die Illusion unter einigen Jugendlichen   best&#228;rken k&#246;nnten, dass es m&#246;glich ist f&#252;r eine kleine bewaffnete   Gruppe, gesellschaftlichen Wandel auszul&#246;sen. Solche Schlussfolgerungen   aus dem Film zu ziehen w&#228;re ein Fehler, den dies w&#252;rde die spezifischen   Bedingungen in Kuba zu diesem Zeitpunkt ignorieren und auch die Art und   Weise, wie sich die Ereignisse entwickelten. Dies sind wichtige und   komplizierte Fragen und man w&#252;rde normalerweise nicht von einem   Hollywood-Film erwarten, das er diese behandelt, und dieser Film   behandelt sie nicht. Die Andeutung von Differenzen zwischen Castro und   Guevara kommt allerdings schon vor.<\/p>\n<h3>  Prinzipientreuer K&#228;mpfer f&#252;r die Unterdr&#252;ckten<\/h3>\n<p>  Im Verlaufe des Filmes wird die Empathie Che&quot;s f&#252;r die Lage der   Unterdr&#252;ckten und Armen wiederholt deutlich. Es wird, oft auf   humorvoller Weise, gezeigt wie Che darauf achtet, dass diejenigen, die   sich dem Kampf anschlie&#223;en, lesen und schreiben k&#246;nnen und Bildung   bekommen. Auf &#228;hnlicher Weise wird seine Hingabe zur revolution&#228;ren   Moral im Kampf und im Aufbau einer neuen Gesellschaft klar gezeigt. Als   eine kleine Gruppe von Guerillak&#228;mpfern ihre Macht mi&#223;braucht, raubt,   sich an einer Bauernfamilie sexuell vergeht, ist Guevara entsetzt und   stimmt ihrer Hinrichtung zu.<\/p>\n<p>  Nach dem Fall von Santa Clara begegnet er eine Gruppe von K&#228;mpfern, die   ein Auto gestohlen hat um nach Havana weiter zu fahren. Che ma&#223;regelt   sie und zwingt sie, das Auto zur&#252;ck zu bringen. Er befiehlt die K&#228;mpfer,   sich einen Jeep zu holen oder &quot;zu Fu&#223; zu gehen&quot; wenn es sein muss.   &quot;Unglaublich&quot;, sagt Che, als er anschlie&#223;end Richtung Havana aufbricht.<\/p>\n<p>  Das Drama der blutigen Schlacht um Santa Clara ist eines der H&#246;hepunkte   des Films und Che&quot;s heroische und entscheidende Rolle wird deutlich.   Hier wird auch die brutale Rolle des Batista-Regimes gezeigt, als die   Gener&#228;le das Bombardement der &#228;rmsten Viertel befehlen. Der Aufbau von   Barrikaden, das Herausstr&#246;men der Bev&#246;lkerung auf die Stra&#223;en und der   anschlie&#223;ende Zusammenbruch des Milit&#228;rs und Polizei im Angesicht des   revolution&#228;ren Ansturms, wird auf dramatischer Weise dargestellt.<\/p>\n<p>  Der Film schaltet zwischen dem Guerillakampf und einigen Ereignissen   nach der Revolution hin und her, so zum Beispiel Che&quot;s Besuch in New   York und seine Ansprache vor den Vereinten Nationen.<\/p>\n<p>  Seine Widerlegung der Kritik der rechten, reaktion&#228;ren Vertreter der   anderen Lateinamerikanischen Staaten die in der Debatte Kuba   kritisieren, sind vernichtend. Er attackiert vor allem die Regierung   Venezuelas und Panamas f&#252;r ihre Menschenrechtsverletzungen und f&#252;r die   Aktivit&#228;ten ihre Geheimdienste, nachdem diese Staaten die Kubanische   Revolution angegriffen haben. Er gei&#223;elt ebenfalls den US-Imperialismus   f&#252;r dessen Rolle. Gleichzeitig wird aber Che mit den Worten zitiert,   dass sich die Revolution &quot;gegen die US-Regierung richtet, dass wir aber   nichts gegen das Amerikanische Volk haben.&quot; In diesem Wortwechsel wird   auch die Unterdr&#252;ckung der Schwarzen und der Latinos als Teil von Ches   Angriffen auf den US-Imperialismus angesprochen.<\/p>\n<h3>  Che&quot;s Internationalismus<\/h3>\n<p>  Der Film macht deutlich, das Che den Triumph der Revolution in Kuba   lediglich als Anfang betrachtet. Als einer seiner K&#228;mpfer um Erlaubnis   bittet, nach Hause zu gehen, jetzt von die Revolution ja gesiegt habe,   sagt Che: &quot;Nein. Wir haben die Schlacht gewonnen aber nicht den Krieg.&quot;   Hier sehen wir Guevaras Internationalismus. In einer R&#252;ckblende zum   ersten Treffen mit Castro in Mexiko wird ein vielsagendes Gespr&#228;ch der   beiden vervollst&#228;ndigt. Castro fragt, ob Che ihn nicht ein wenig   verr&#252;ckt findet, da er nur wenige K&#228;mpfern, kein Geld und kein Boot   hatte, um nach Kuba zu gelangen. &quot;Ein wenig schon&quot;, antwortet Che.   Castro fragt dann, ob Che sich der Expedition anschlie&#223;en w&#252;rde und Che   antwortet: &quot;Unter einer Bedingung: Wenn wir Kuba eingenommen haben,   weiten wir die Revolution nach ganz Lateinamerika aus&quot;. Darauf gibt   Castro die vielsagende Antwort: &quot;Vielleicht bist du ja derjenige, der   ein wenig verr&#252;ckt ist.&quot;<\/p>\n<p>  Das dieser Film &#252;berhaupt gemacht wurde ist ein Zeichen f&#252;r die   Beliebtheit Che Guevaras unter einer neuen Generation, die angefangen   hat, nach einer Alternativen zum Kapitalismus zu suchen. Es wird dazu   dienen, das Bewusstsein &#252;ber die Bedeutung der Kubanische Revolution zu   erh&#246;hen, die vor 50 Jahren stattfand, sowie der damaigen Ereignisse und   es zeigt Che Guevara in einem &#252;berwiegend positiven Licht. Es ist   Allerdings nicht so gut wie Warren Beatties Film &quot;Reds&quot; aus den 1970er   Jahren, der sich mit der Russischen Revolution besch&#228;ftigt. Man sollte   von diesem Film nicht erwarten, dass es die Lehren von Che Guevaras   Kampf f&#252;r den heutigen Tag oder einige seiner falschen Methoden oder   Ideen aufzeigt. Es ist ein sehenswertes Epos, auch wenn es an manchen   Stellen etwas &#252;berlang geraten ist. Manchmal hat man sogar das Gef&#252;hl,   dass einige der Szenen sich in &quot;Echtzeit&quot; abspielen. Die Ereignisse nach   der Revolution bis hin zu Che Hinrichtung in Bolivien, werden im zweiten   Teil des Films gezeigt, das Ende Februar anlaufen sollen.<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      P&#252;nktlich zu 50. Jahrestag der Kubanischen Revolution kommt der erste<br \/>\n      Teil von Steven Soderberghs zweiteiligem Epos &#252;ber das Leben von Che<br \/>\n      Guevara in die Kinos.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[70],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13196"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13196"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13196\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13196"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13196"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13196"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}