{"id":13185,"date":"2009-06-01T13:10:00","date_gmt":"2009-06-01T13:10:00","guid":{"rendered":".\/?p=13185"},"modified":"2009-06-01T13:10:00","modified_gmt":"2009-06-01T13:10:00","slug":"13185","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/06\/13185\/","title":{"rendered":"SAV-Wahlkampf in Rostock"},"content":{"rendered":"<p>  &#8222;Die ganze Stadt redet &#252;ber Sie!&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Diese freundlich gemeinten Worte eines Passanten hallten &#252;ber die   Stra&#223;e, als Christine Lehnert, Spitzenkandidatin der SAV f&#252;r die   Rostocker B&#252;rgerschaft, am Infostand Wahlprogramme verkaufte.<\/p>\n<h4>  <i>von Ren&#233; Henze, SAV Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  Mit nur einer einzigen Abgeordneten hat es die SAV in Rostock geschafft,   zu einer un&#252;bersehbaren politischen Kraft zu werden. Grund daf&#252;r ist,   dass die SAV als einzige gegen jede soziale K&#252;rzung, gegen jede   Privatisierung und jede Form von Stellenabbau eingetreten ist &#8211; und zwar   konsequent. Durch Mobilisierung von Betroffenen konnten die anderen   Parteien sogar so weit unter Druck gesetzt werden, dass sie einige   K&#252;rzungspl&#228;ne zur&#252;ck nehmen mussten. Das alles ist nachzulesen im   SAV-Programm f&#252;r die Kommunalwahl. Eine Renterin rief k&#252;rzlich nach dem   Durchlesen des Programms im SAV B&#252;ro an und sagte: &#8222;Ich finde das toll,   was ihr da macht. Ich bin begeistert, dass es junge Leute gibt, die   endlich Widerstand organisieren.&#8220; Es gibt viele weitere positive   R&#252;ckmeldungen. An Infotischen erkl&#228;rten Leute, dass sie die SAV mit drei   Kreuzen (die gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Stimmvergabe) w&#228;hlen werden oder dass sie das   bereits per Briefwahl getan haben.<\/p>\n<p>  Es ist allerdings zu erwarten, dass die Wahlbeteiligung insgesamt extrem   niedrig sein wird &#8211; vielleicht geht sie gar unter den Stand vom letzten   Mal, wo es nur 35 Prozent waren! Beim Wahlkampf ist zu sp&#252;ren, dass es   eine breite Ablehnung und Hass auf die B&#252;rgerschaft und die etablierten   Parteien im allgemeinen gibt. In einigen Stadtteilen ist die Resignation   so stark, dass es schwer ist, &#252;berhaupt noch an die Menschen   heranzukommen. Leider fehlt zur Zeit auch ein bedeutendes Beispiel von   aktivem Widerstand aus Betrieben oder von der Jugend. Trotzdem sagen   viele: &#8222;Wir m&#252;ssten alle auf die Stra&#223;e gehen! Das ist das einzige, was   hilft.&#8220;<\/p>\n<p>  Statt bl&#252;hender Landschaften hat es mit der Einf&#252;hrung des Kapitalismus   auch in Rostock einen industriellen Kahlschlag gegeben. Bis zum   Wahltermin wird versucht, die wirklichen Auswirkungen der jetzigen   Wirtschaftskrise auf die Arbeitspl&#228;tze in der Region zu verschleiern. So   stehen die Werften seit geraumer Zeit vor der Insolvenz. Rechtzeitig vor   dem Wahltermin am 7. Juni wird verk&#252;ndet, dass das Land eine weitere   B&#252;rgschaft von 40 Millionen Euro &#252;bernimmt. In der Presse wird daraufhin   so getan, als seien die Werften damit gerettet. Trotzdem sind sich viele   Menschen bewusst, dass die Arbeitslosigkeit in den n&#228;chsten Monaten   ansteigen wird.<\/p>\n<h4>  Leere Versprechungen<\/h4>\n<p>  Die b&#252;rgerlichen Parteien machen wie &#252;blich Versprechungen und sagen, es   gebe nat&#252;rlich keine weiteren K&#252;rzungen. Dennoch wird zwei Wochen vor   der Wahl auf einmal verlautbart, die Stadt habe ein Defizit von 10   Millionen Euro. Dazu kommt die Ank&#252;ndigung der Landesregierung   Mecklenburg-Vorpommern, den Kommunen k&#252;nftig 22 Millionen Euro weniger   zuzuweisen, wobei sie gleichzeitig beschlie&#223;en, sich die Di&#228;ten zu   erh&#246;hen. Rostocks Oberb&#252;rgermeister Methling hat zehn Tage vor der Wahl   angek&#252;ndigt, weitere zehn Millionen Euro im Haushalt zu k&#252;rzen. Die   Senatorin f&#252;r Jugend und Soziales, Gesundheit, Schule und Sport (SPD),   sagte daraufhin bereits, sie stelle &#8222;ausnahmslos alle freiwilligen   Leistungen auf den Pr&#252;fstand&#8220;. Wenn jetzt schon vor der Wahl solche T&#246;ne   kommen, was wird erst nach dem Wahltag folgen?<\/p>\n<p>  Methling war 2005 mit 58 Prozent gew&#228;hlt worden, weil er als Parteiloser   an dem Frust der W&#228;hlerInnen ankn&#252;pfen konnte. Jedoch stellt sich jetzt   heraus, dass er und seine Wahlliste &#8222;F&#252;r Rostock &#8211; Pro OB&#8220; den   sch&#228;rfsten Ton von allen b&#252;rgerlichen Parteien anschlagen. Ihr   Wahlkampfslogan ist Haushaltssanierung, ihr eigentliches Ziel   Privatisierung im gro&#223;en Stil. Nach ihrer Logik muss die Stadt mit dem   Verkauf &#246;ffentlichen Eigentums die Schulden abbauen. Hinter &#8222;Pro-OB&#8220;   stehen Rostocker Unternehmen und Teile des Mittelstands. Dieser F&#252;gel   der Unternehmer erhofft sich dann von der Sanierung des st&#228;ditischen   Haushalts , dass sie Auftr&#228;ge von der Stadt erhalten. Au&#223;er   Privatisierung wollen sie auch Einsparungen bei den Personalkosten der   st&#228;dtischen Besch&#228;ftigten durch einen Haustarifvertrag erzwingen. Das   wollen auch alle anderen b&#252;rgerlichen Parteien, bis zu den Gr&#252;nen, die   sich f&#252;r eine &#8222;kluge Privatisierung&#8220; einsetzen.<\/p>\n<p>  Den Frust gegen das System und &#252;ber die etablierten Parteien versucht   bei dieser Wahl auch die NPD f&#252;r sich zu nutzen. Fast alle Hauptstra&#223;en   sind mit Nazipappen beh&#228;ngt. So prangen Spr&#252;che wie &#8222;Touristen   willkommen, Asylbetr&#252;ger raus&#8220; von den Laternen, um rassistische   Spaltung zu verst&#228;rken. Einige Jugendliche in der Stadt haben bereits   Hand angelegt, um die Hetzparolen zu beseitigen. Die SAV hat die   Initiative ergriffen, Gewerkschaften, die Partei DIE LINKE, weitere   Organisationen und Sch&#252;lerInnen f&#252;r eine Aktion zu gewinnen,   Nazi-Plakate &#246;ffentlich abzuh&#228;ngen. Mit diesem Akt von &#8222;zivilem   Ungehorsam&#8220; soll kurz vor den Wahlen nochmal ein Signal gesetzt werden,   dass Nazis in Rostock nicht erw&#252;nscht sind. Wenn die NPD in die   B&#252;rgerschaft einzieht, wird das auch nicht ohne Protest &#252;ber die B&#252;hne   gehen.<\/p>\n<h4>  DIE LINKE<\/h4>\n<p>  DIE LINKE hatte das Angebot der SAV zu einer gemeinsamen Kandidatur auf   der Basis eines Programms gegen Sozialabbau, Privatisierungen und   Arbeitsplatzvernichtung ignoriert. Ihren Wahlkampf nutzt sie nicht zur   Organisierung von ArbeiterInnen und Jugendlichen und zur Mobilisierung   von Widerstand. Dies dr&#252;ckte sich nicht zuletzt darin aus, dass der   Wahlkampfauftakt auf den 16. Mai gelegt wurde &#8211; genau der Tag, an dem   die Gewerkschaften bundesweit zu einer Massendemonstration nach Berlin   mobilisierten! Das Bekenntnis der LINKEn-F&#252;hrung zu einer Politik der   Haushaltskonsolidierung l&#228;sst negative Erinnerungen an die Jahre   aufkommen, in denen die PDS im Land Mecklenburg-Vorpommern und in der   Stadt Rostock mit der SPD koalierte und durch eine angepasste Politik   &quot;des kleineren &#220;bels&quot; viel Unterst&#252;tzung in der Bev&#246;lkerung verlor. Die   SAV will durch eine St&#228;rkung ihrer Position in der Rostocker   B&#252;rgerschaft auch den Druck auf DIE LINKE steigern, endlich eine Politik   zu betreiben, die ArbeitnehmerInnen, Erwerbslose und sozial   Benachteiligte von ihr erwarten: Interessenvertretung statt Anpassung an   das kapitalistische Establishment.<\/p>\n<p>  Es gibt noch einiges in der letzten Woche vor der Wahl zu tun.Vor dem   Hintergrund einer verzweifelten und teilweise resignativen Stimmung muss   ein harter Kampf um jede Stimme gef&#252;hrt werden &#8211; alleine darum, dass   Leute den Schritt machen, zur Wahl zu gehen. Die SAV Rostock ist   selbstbewusst, denn eins ist deutlich: die Unterst&#252;tzung f&#252;r die SAV ist   enorm angewachsen, auch weil Christine Lehnert ihr Mandat in der   B&#252;rgerschaft daf&#252;r nutzte, durch Mobilisierungen konkrete Verbesserungen   wie das Sozialticket zu erreichen und K&#252;rzungen bei der Obdachlosenhilfe   zu verhindern. Sie hat auch mitgeholfen, die geplante Privatisierung der   S&#252;dstadtklinik zun&#228;chst zu stoppen. Viele Menschen haben die konkrete   Erfahrung gemacht, dass unser Weg des Widerstands der richtige ist.   Immer mehr treffen wir auf Zustimmung dar&#252;ber, dass der Kampf f&#252;r   Reformen mit dem Kampf f&#252;r eine sozialistische Gesellschaft verbunden   werden muss. Daher gibt es auch immer mehr Menschen, die uns nicht nur   auf die Schulter klopfen, sondern auch selbst aktiv zu werden und   gemeinsam mit uns zu k&#228;mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8222;Die ganze Stadt redet &#252;ber Sie!&#8220;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,104],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13185"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13185"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13185\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13185"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13185"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}