{"id":13178,"date":"2009-06-03T00:00:00","date_gmt":"2009-06-03T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13178"},"modified":"2009-06-03T00:00:00","modified_gmt":"2009-06-03T00:00:00","slug":"13178","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/06\/13178\/","title":{"rendered":"&#214;sterreich: Alles andere als &#8222;Tote Hose&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Sch&#252;lerstreiks und Arbeiterdemonstrationen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Streikende Sch&#252;lerInnen, Streikdrohungen von LehrerInnen, DruckerInnen,   den Besch&#228;ftigten der Post, mehrere Demonstrationen innerhalb der Woche   vom 11. bis 16. Mai &#8211; so rund ging es in &#214;sterreich schon lange nicht   mehr. Die Wirtschaftskrise provoziert wie in anderen L&#228;ndern nicht nur   Angriffe von Unternehmen und Regierung sondern auch Widerstand dagegen.<\/p>\n<h4>  <i>von Laura Rafetseder, Sozialistische LinksPartei Wien<\/i><\/h4>\n<p>  Auch in &#214;sterreich greift die Krise um sich: allein im April stieg die   Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr in ganz &#214;sterreich um   durchschnittlich 25,9 Prozent. Die Kurzarbeit steigt sprunghaft an und   die Gewerkschaft stimmt zu, LeiharbeiterInnen verlieren ihre Arbeit und   bei Magna (&#252;brigens einer der Favoriten bei der Opel-&#220;bernahme) werden   die L&#246;hne gek&#252;rzt. Die &#246;sterreichische Bundesregierung hatte ein   Kriseninterventionsbudget angek&#252;ndigt &#8211; das verabschiedete Budget ist   allerdings keines im Interesse der ArbeitnehmerInnen: der gr&#246;&#223;te   Budgetposten von 10,3 Milliarden Euro entf&#228;llt auf Finanzspritzen f&#252;r   die &#246;sterreichischen Banken. Die haben sich in Osteuropa in die Krise   verstrickt und dort eine &#228;hnliche Rolle gespielt wie hochspekulative   Finanzinstituationen in den USA: ca. 270 Mrd. Euro Kredite haben die   Austro-Banken in Osteuropa vergeben und damit einen k&#252;nstlichen   Aufschwung finanziert &#8211; das sind fast 70 Prozent des BIP. Wenn auch nur   ein Bruchteil dieser Kredite ausf&#228;llt, haben die &#246;sterreichischen Banken   ein Finanzierungsproblem. Und wenn der Staat einspringt &#8211; dann zahlt die   Bev&#246;lkerung drauf.<\/p>\n<h4>  Angriffe von oben<\/h4>\n<p>  Die Unternehmen fordern immer dreister Lohnverzicht, Ausstieg aus   Tarifvertr&#228;gen und Verschlechterungen f&#252;r ArbeitnehmerInnen. Ein Zitat   des Ringes Freiheitlicher Wirtschaftstreibenden (Unternehmerorganisation   der rechtsextremen FP&#214;): &quot;Statt pers&#246;nlichen Befindnissen oder gar   klassenk&#228;mpferischen T&#246;nen, ist ein Miteinander gefragt. Zusammenstehen,   die Situation analysieren und dann die richtigen und zukunftsweisenden   Entscheidungen treffen. Das funktioniert nur auf Basis von   Betriebsvereinbarungen in Sachen Arbeitszeit und Lohngestaltung. Wenn   dies gelingt &#8211; und dazu sind fl&#228;chendeckende Kollektivvertr&#228;ge nun mal   hinderlich &#8211; dann werden wir die Krise schneller als alle unsere   Mitbewerber meistern.&quot; Und die Industriellenvereinigung, eine der zwei   &#246;sterreichischen Unternehmerorganisationen, fordert   &quot;arbeitsmarktpolitische Ma&#223;nahmen (weitere Arbeitszeitflexibilisierung,   Verl&#228;ngerung der Durchrechnungszeitr&#228;ume, wenn notwendig   Notkollektivvertr&#228;ge nach schwedischem Vorbild, Verlagerung der   Entscheidungen &#252;ber Arbeitszeitgestaltung auf die Betriebsebene nach   d&#228;nischem Vorbild), die der Tiefe der Krise gerecht werden&quot;.<\/p>\n<p>  Auch Angriffe auf das Streikrecht (wie z.B. durch SP&#214;-Ministerin Schmied   bei den LehrerInnen) und Polizeirepression (wie z.B. bei der   antifaschistischen Demonstration in Linz am 1. Mai, bei der es zu   Pr&#252;gelattacken von Seiten der Polizei auf DemonstrantInnen kam) werden   in Zukunft vermehrt auf der Tagesordnung stehen. Der Wind schl&#228;gt all   jenen, die gegen die Krise und ihre Auswirkungen h&#228;rter ins Gesicht. Die   Pr&#252;gelorgie der Polizei in Linz war wohl auch ein Trainingsfeld f&#252;r die   Polizei f&#252;r k&#252;nftige ArbeiterInnenproteste. Es ist nicht auszuschlie&#223;en   dass gerade in der Industriestadt Linz sich ArbeiterInnen ein Beispiel   an Boss-Napping und anderen Kampfformen nehmen&#8230;<\/p>\n<h4>  Widerstand von unten<\/h4>\n<p>  Am 24. April fand mit 60.000 Sch&#252;lerInnen der gr&#246;&#223;te Schulstreik in   &#214;sterreich seit den 1980er Jahren statt &#8211; mit Erfolg, die Sch&#252;lerInnen   konnten sich gegen die Pl&#228;ne der SP&#214;-Unterrichtsministerin Claudia   Schmied, f&#252;nf schulfreie Tage zu streichen durchsetzen. Die LehrerInnen,   die sich urspr&#252;nglich mit Streiks gegen die eigentliche Intention der   Ministerin &#8211; n&#228;mlich die Arbeitszeit f&#252;r LehrerInnen zu verl&#228;ngern &#8211;   wehren wollten, schauen dagegen in die R&#246;hre. Die F&#252;hrung der   zust&#228;ndigen Gewerkschaft der Besch&#228;ftigten im &#246;ffentlichen Dienst (G&#214;D)   war ihnen in den R&#252;cken gefallen, indem sie einen f&#252;r die LehrerInnen   verheerenden Kompromissdeal aushandelte (der sowohl eine Verl&#228;ngerung   der Arbeitszeit als auch Zulagenk&#252;rzungen beinhaltete) und damit den   Streik absagte. Mit drei knapp aufeinanderfolgenden Schulstreiks war   dies die gr&#246;&#223;te Sch&#252;lerInnenbewegung in &#214;sterreich seit langem. Bei den   Schulstreiks in Salzburg spielte die Sozialistische LinksPartei eine   zentrale Rolle in der Organisierung der Streiks. Bei dem Streik am 20.   April gab es in Salzburg mit 3000 streikenden Sch&#252;lerInnen sogar eine   gr&#246;&#223;ere Mobilisierung als in Wien. Mit der von der SLP initiierten   Plattform www.schulstreik.at hatten Sch&#252;lerInnen die M&#246;glichkeit sich   aktiv in den Streik einzubringen, durch Artikel f&#252;r die Homepage, wie   auch die gleichnamige Sch&#252;lerInnenzeitung. Die SLP betonte dabei, dass   eine Einheit von Sch&#252;lerInnen und LehrerInnen gegen die Angriffe, sowie   eine Verbindung mit K&#228;mpfen anderer Teile der Bev&#246;lkerung n&#246;tig seien.   Die ersten beiden Sch&#252;lerInnenstreiks waren de facto Solidarit&#228;tsstreik   mit den LehrerInnen &#8211; da zun&#228;chst die Sch&#252;lerInnen nur indirekt von den   Angriffen betroffen waren. Dies war eine neue Qualit&#228;t von   Sch&#252;lerInnenstreiks da den Sch&#252;lerInnen die Konsequenzen der geplanten   Ma&#223;nahmen absolut klar waren (Mehrarbeit f&#252;r LehrerInnen = schlechtere   Ausbildung) &#8211; trotz intensiver Bem&#252;hungen von Ministerium und Medien die   Sch&#252;lerInnen als &#8222;verhetzt&#8220; oder &#8222;unwissend&#8220; darzustellen, gipfelte die   Bewegung am 24.April in einem &#246;sterreichweiten Schulstreik mit 60.000   TeilnehmerInnen &#8211; und war erfolgreich.<\/p>\n<h4>  Gewerkschaftsf&#252;hrung bremst &#8211; k&#228;mpferische und demokratische   Gewerkschaften n&#246;tig<\/h4>\n<p>  Wie auch die LehrerInnengewerkschaft verhielten sich auch die Spitzen   der Gewerkschaft der DruckerInnen bzw. Postbediensteten desastr&#246;s &#8211;   Angriffe wurden hingenommen und die Belegschaften vor den Kopf gesto&#223;en.   Der Arbeitgeberverband der Druckindustrie hatte mit Ausstieg aus dem   Tarifvertrag gedroht und so Lohnk&#252;rzungen durchgesetzt. Die   Gewerkschaftsf&#252;hrung war dabei bereits mit &quot;Kompromissbereitschaft&quot; in   die Verhandlungen gegangen. Bei der Post stand eine Privatisierung der   Briefzustellung an, in Verbindung mit massivem Personalabbau &#8211; auch hier   gab es eine Streikdrohung, sowie einen R&#252;ckzieher der   Gewerkschaftsf&#252;hrung. Auch hier: Zwar ein Lippenbekenntnis von   Personalabbau abzusehen, die Privatisierung ist allerdings durch,   verbunden mit einem Einstellungsstopp und schlechteren Vertr&#228;gen f&#252;r   k&#252;nftige KollegInnen. Auch die Demonstration anl&#228;sslich der   Tarifvertragsverhandlungen am 13.5. zu der der &#214;GB gezwungen war   aufzurufen &#8211; unter dem Motto &quot;wir verzichten nicht&quot; &#8211; war Dank der   z&#246;gerlichen und defensiven Haltung der &#214;GB-F&#252;hrung ziemlich zahnlos. Mit   offensiven Forderungen und einer konsequenten Haltung gegen die Angriffe   der Unternehmen w&#228;ren wesentlich k&#228;mpferischere Mobilisierungen m&#246;glich   und n&#246;tig. Dahinter steht nicht zuletzt dass die Gewerkschaftsf&#252;hrung   kein gesellschaftliches Gegenmodell zum Kapitalismus hat &#8211; damit muss   sie letztlich klein beigeben, da sie der Sparlogik nichts   entgegenzusetzen hat.<\/p>\n<h4>  Gefahr von rechts &#8211; sozialistische Gesellschaft als Alternative<\/h4>\n<p>  Widerspr&#252;chliche Auswirkungen hat die Krise und alles was sie mit sich   bringt auf das Bewusstsein: Einerseits ist das kapitalistische System   und die Idee des &quot;freien Markts&quot; diskreditiert. Andererseits gibt es   eine Polarisierung nicht nur nach links, sondern auch nach rechts. In   &#214;sterreich gibt es kaum Ans&#228;tze in Richtung neue linke Formationen wie   etwa in Deutschland mit der LINKEN. Das Vakuum f&#252;llen in der   Zwischenzeit FP&#214; und Konsorten, die mit immer dreisteren Provokationen   einerseits Rechtsextremismus, aber auch NS-Gedankengut und sogar   Antisemitismus salonf&#228;hig machen und andererseits mit dem gezielten   Aufgreifen sozialer Probleme und der Krise rassistische Scheinantworten   auf Arbeitslosigkeit und soziale Misere geben. Bei den EU-Wahlen drohen   massive Zugewinne f&#252;r die FP&#214;, vor allem unter jungen W&#228;hlerInnen.   Gleichzeitig werden Neonazi-Gruppen immer dreister und treten immer   offener und aggressiver auf. Andererseits erkennt eine kleine, aber   wachsende Schicht, dass es n&#246;tig ist sich zu organisieren um den   Kapitalismus zu &#252;berwinden. Die SLP trifft immer h&#228;ufiger auf Menschen   die sich f&#252;r sozialistische Ideen und f&#252;r eine CWI-Mitgliedschaft   interessieren. Ihnen ist klar, dass eine sozialistische   Gesellschaftsver&#228;nderung n&#246;tig ist, um Arbeitslosigkeit, Lohndruck,   Sozialabbau und Rechtsruck dauerhaft zu verhindern.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Website der Sozialistischen Linkspartei: <a href=\"http:\/\/www.slp.at\">www.slp.at   <\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.slp.at\"> <\/a>    <\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.slp.at\"> <\/a>    <\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.slp.at\"><img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/Austria1.jpg\">  <\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.slp.at\"> <\/a>    <\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.slp.at\"> <\/a>    <\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.slp.at\"><img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/Austria2big.jpg\"> <\/a>    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Sch&#252;lerstreiks und Arbeiterdemonstrationen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13178"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13178"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13178\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13178"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}