{"id":13165,"date":"2009-05-20T12:45:00","date_gmt":"2009-05-20T12:45:00","guid":{"rendered":".\/?p=13165"},"modified":"2009-05-20T12:45:00","modified_gmt":"2009-05-20T12:45:00","slug":"13165","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/05\/13165\/","title":{"rendered":"DGB-F&#252;hrung attackiert linke Gruppen auf Demo"},"content":{"rendered":"<p>  Dokumente eines Skandals<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Auf der Gewerkschaftsdemonstration am 16. Mai in Berlin gingen Ordner   des DGB rabiat gegen Info-St&#228;nde linker Gruppen vor und zerst&#246;rten dabei   unter anderem einen Pavillon der SAV. Laut DGB-Beschluss durften am   Platz der Abschlusskundgebung keine Infomarmationsst&#228;nde politischer   Parteien aufgebaut werden. Dieses Verbot wurde von DGB-Ordnern mit   physischer Gewalt durchgesetzt. Dass es hierbei jedoch nicht um Parteien   bzw. politische Gruppierungen im Allgemeinen geht, wird dadurch   deutlich, dass ein Informationsstand der CDU-Untergruppierung CDA   (Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft) unbehelligt durchgef&#252;hrt   werden konnte. Es ging den DGB-B&#252;rokraten darum, kritische Stimmen von   links klein zu halten.<\/p>\n<p>  Das Vorgehen des DGB war offenbar von langer Hand geplant, wie die unten   dokumentierten Anweisungen an OrdnerInnen zeigen. Ein Skandal ist auch,   dass hier die Gefahr von Provokationen durch rechtsextreme Gruppen   negiert wird. Solche haben erst am 1. Mai Gewerkschaftskundgebungen   angegriffen und sind die Feinde der Arbeiterbewegung. Die DGB-B&#252;rokratie   richtet ihr Augenmerk stattdessen auf linke Gruppen, weil sie   inhaltliche Kritik f&#252;rchtet &#8211; denn seit wann sind Transparente eine   St&#246;rung einer Kundgebung?<\/p>\n<p>  Das Vorgehen des DGB widerspricht den Traditionen der Arbeiterbewegung,   nach denen es eine offene Meinungs&#228;u&#223;erung aller Str&#246;mungen geben kann.<\/p>\n<p>  Wir dokumentieren au&#223;erdem einen Protestbrief von dem Hamburger   LINKE-Vorstandsmitglied David Schultz und die Antwort, die er aus dem   DGB-Vorstand erhalten hat. Zur Antwort des DGB ist zu sagen, dass   erstens nicht nur Parteien, sondern alle linken Gruppen von dem Vorgehen   betroffen waren. Es ist auch nicht wahr, dass das gewaltt&#228;tige Vorgehen   von den privaten Sicherheitsdiensten ausging, die der DGB engagiert   hatte. Der Gewerkschaftsvertreter Andrew Walde war Wortf&#252;hrer bei diesen   Auseinandersetzungen und zeichnet auch f&#252;r das ganze Vorgehen der Ordner   verantwortlich.<\/p>\n<h3>  Auszug aus dem DGB-Info f&#252;r die Ordner:<\/h3>\n<p>  <i>&quot;Folgende Dinge sind dabei von Wichtigkeit. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>1. Wir m&#252;ssen einen geordneten Ablauf der Auftaktkundgebungen auf dem   Breitscheidplatz und am Hauptbahnhof sicherstellen <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>2. Wir m&#252;ssen die beiden Demoz&#252;ge begleiten, von den   Auftaktkundgebungen zur Stra&#223;e des 17. Juni bis Siegess&#228;ule . <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>3. Wir m&#252;ssen den Bereich vor der B&#252;hne so freihalten, dass die   Gewerkschaftsfahnen und -transparent dort das Bild bestimmen. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>4. Wir m&#252;ssen die Fl&#228;chen in der Stra&#223;e des 17. Juni bis zur   Siegess&#228;ule freihalten von unerw&#252;nschten St&#228;nden oder Aktionen. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>5. Wir erwarten keine St&#246;rungen durch rechte Gruppierungen. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>6. Wir erwarten massive St&#246;rungen durch linke Gruppierungen. Dies   k&#246;nnen u. a. sein: <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>&#8211; gro&#223;e Transparente bei den Kundgebungen, Demoz&#252;gen oder der   Abschlussveranstaltung, <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>&#8211; unerw&#252;nschte Infost&#228;nde bei den Auftaktkundgebungen oder der   Abschlusskundgebung, <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>&#8211; Lautsprecherwagen oder mobile Akku-Anlagen bei den   Auftaktkundgebungen, in den Demoz&#252;gen oder bei der   Abschlussveranstaltung. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Wir ben&#246;tigen daher mindestens 50 Ordner der Berliner Gewerkschaften.&quot; <\/i>    <\/p>\n<h3>  Brief von David Schultz an die pers&#246;nliche Referentin von   DGB-Vorsitzendem Michael Sommer<\/h3>\n<p>  <i>Hallo Kollegin Susec,<\/i><\/p>\n<p>  ein Bekannter von mir hat mir (ungl&#252;cklicherweise sehr farbig und   detailliert) geschildert, wie Ordner des DGB auf der Demonstration die   Durchf&#252;hrung linker Infost&#228;nde rabiat verhindert haben. Das ist ein   absolut nicht tolerierbares Verhalten. Welches Signal geht bitte von   unserer Gewerkschaft aus, wenn Initiativen und Organisationen, die seit   Jahzehnten f&#252;r gewerkschaftliche Forderungen eintreten von unseren   Demonstrationen verjagt werden und gleichzeitig wird an der   Demonstrationsspitze der demonstrative Schulterschluss mit   PolitikerInnen demonstriert, denen wir unter anderem die Hartz-Gesetze   zu verdanken haben?<\/p>\n<p>  Ich bin seit mittlerweile 11 Jahren Gewerkschaftsmitglied, bin mit 19 in   die &#214;TV eingetreten und habe mich NIE so daf&#252;r gesch&#228;mt wie nachdem ich   das geh&#246;rt habe. WOLLT ihr, das alle &#252;briggebliebenen KollegInnen, die   noch in der Gewerkschaft sind austreten?<\/p>\n<p>  Der Schaden ist jetzt entstanden, und ich kenne viele Leute, die   zwischen Ungl&#228;ubigkeit und Wut schwanken. Ich bin mir sicher: Mit jedem   Tag, an dem der DGB zu solchen Handlungen nicht eindeutig Stellung   bezieht wird der Schaden gr&#246;&#223;er. Wir sollten gerade jetzt alle Kr&#228;fte   sammeln, die gegen die Krisenauswirkungen aktiv Politik machen &#8211; wie das   hier in Hamburg bei der Antikrisendemonstration im Februar auch ganz   selbstverst&#228;ndlich passiert ist.<\/p>\n<p>  Hier in Hamburg w&#252;rde ein solches Verhalten wie es in Berlin vorkam MIT   SICHERHEIT massenhafte Austritte oder sogar aktive Proteste vor dem   Gewerkschaftshaus hervorrufen &#8211; ich glaub die einzigen, denen eine   solche Ausgrenzungspolitik lieb ist sind die Arbeitgeber und die   Vertreter der Industrie- und Handelskammer.<\/p>\n<p>  Immer noch schwer geschockt und in der Hoffnung auf eine gegen&#252;ber den   Betroffenen Organisationen entschuldigende Stellungnahme und vor allem   darauf, das eine solche Praxis NIE WIEDER auf   Gewerkschaftsdemonstrationen m&#246;glich ist.<\/p>\n<p>  Solidarische Gr&#252;&#223;e<\/p>\n<p>  David Schultz<\/p>\n<p>  Mitglied im Landesvorstand der Linkspartei Hamburg<\/p>\n<h3>  Antwort des DGB<\/h3>\n<p>  Lieber David Schultz,<\/p>\n<p>  vielen Dank f&#252;r deine Mail.<\/p>\n<p>  Hierzu einige Anmerkungen:<\/p>\n<p>  Dem DGB geht es nicht darum, keine kritischen Stimmen auf seinen   Demonstrationen zuzulassen. Das haben die zahlreichen Fahnen, Ballons   und Flugblattverteilaktionen auch gezeigt, die in den   Demonstrationsz&#252;gen auf den Kundgebungen vertreten waren.<\/p>\n<p>  Aber der DGB hatte sich im Vorfeld entschieden, dass keine Partei auf   dem Kundgebungsgel&#228;nde einen Stand aufbauen sollte. Den Parteien hatten   wir dies deshalb auf Nachfrage auch mitgeteilt. Daran sollten diese sich   dann auch halten.<\/p>\n<p>  Zum Sicherheitsdienst (Auftreten und Kleidung) kann ich dir nur   beipflichten und versichern, dass wir bei k&#252;nftigen Veranstaltungen in   die Vertr&#228;ge einerseits entsprechende Formulierungen aufnehmen werden   und andererseits auf das Benehmen und Auftreten Einfluss nehmen werden.   Wir wollen, dass unsere Veranstaltungen respektiert werden, aber nicht   in dem von dir beschriebenen Tonfall.<\/p>\n<p>  Deshalb abschlie&#223;end einen herzlichen Dank, dass du uns auf diese Themen   hingewiesen hast. Bei R&#252;ckfragen stehe ich gerne zur Verf&#252;gung.<\/p>\n<p>  Mit freundlichen Gr&#252;&#223;en<\/p>\n<p>  Bernhard Schulz<\/p>\n<p>  DGB-Bundesvorstand<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Dokumente eines Skandals\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13165"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13165"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13165\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}