{"id":13159,"date":"2009-05-25T00:00:00","date_gmt":"2009-05-25T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13159"},"modified":"2009-05-25T00:00:00","modified_gmt":"2009-05-25T00:00:00","slug":"13159","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/05\/13159\/","title":{"rendered":"Krise und Gr&#252;ner New Deal"},"content":{"rendered":"<p>  Debatte zum Vorschlag gr&#252;ner PolitikerInnen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b>Dokumentiert: F&#252;r einen Gr&#252;nen New Deal<\/b><\/h4>\n<p>  Globale Finanzkrise, drohender Klimakollaps, Energie- und   Rohstoffverknappung und die Zunahme des Hungers verlangen nach einem   Gr&#252;nen New Deal!<\/p>\n<p>  Auf die Finanzkrise der drei&#223;iger Jahre reagierte der US-Pr&#228;sident   Roosevelt mit einem mutigen &#8222;New Deal&#8220; sozialer und wirtschaftlicher   Reformen.<\/p>\n<p>  Jetzt ist wieder die Zeit, weitreichende Ver&#228;nderungen durchzusetzen.   Wir brauchen ein internationales Programm f&#252;r massive Investitionen in   erneuerbare Energien und Energieeffizienz wie auch in die Bildung. Das   schafft Millionen neuer Jobs, bek&#228;mpft den Klimawandel und mildert die   Wirtschaftskrise ab.<\/p>\n<p>  Die Finanzm&#228;rkte m&#252;ssen konsequent reguliert werden. Wir fordern die   Besteuerung von Finanztransaktionen, die Schlie&#223;ung der Steueroasen, die   Stabilsierung der Wechselkurse und die progressive Besteuerung von   Kapitaleinkommen.<\/p>\n<p>  Damit auch die Entwicklungs- und Schwellenl&#228;nder mitziehen, brauchen wir   endlich faire Regeln im Welthandel und in den internationalen   Institutionen. Die Ausgaben f&#252;r Armutsbek&#228;mpfung, Bildung und Gesundheit   in den Entwicklungsl&#228;ndern m&#252;ssen erh&#246;ht werden. Die Industriel&#228;nder   m&#252;ssen f&#252;r die in den Entwicklungsl&#228;ndern angerichteten Klimasch&#228;den   aufkommen.<\/p>\n<p>  Klimaschutz und Armutsbek&#228;mpfung m&#252;ssen verst&#228;rkt und d&#252;rfen nicht   kurzsichtig und kleingeistig gegen die Bek&#228;mpfung der Finanzkrise   ausgespielt werden.<\/p>\n<p>  Streiten wir gemeinsam f&#252;r einen Gr&#252;nen New Deal.<\/p>\n<h5>  <b>Aufruf von Sven Giegold, Reinhard B&#252;tikofer und Gerhard Schick &#8211;   Kandidaten und Abgeordnete von B&#252;ndnis90\/Die Gr&#252;nen<\/b><\/h5>\n<h2>  <b>Gr&#252;ner neuer Kapitalismus? Nein danke!<\/b><\/h2>\n<h4>  <i>von Eckhard Geitz, Krankenpfleger, Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und   demokratische ver.di, SAV-Bundesvorstand<\/i><\/h4>\n<p>  Nimmt man nur die schon jetzt sichtbaren Folgen der Umweltzerst&#246;rung,   dann erkennt man das Ausma&#223; der Katastrophe, egal wohin man den Blick   wendet: &#252;berfischte und verschmutzte Meere, Ausweitung der W&#252;sten durch   Klimaerw&#228;rmung, &#220;berschwemmungen und Vernichtung von Lebensraum an den   K&#252;sten durch das Schmelzen der Polkappen und der Gletscher, Abholzung   des tropischen Regenwaldes, Sauerer Regen, Zerst&#246;rung von Acker- und   Weideland. Bedenkt man, dass dies erst der Anfang ist und die   Umweltzerst&#246;rung rasant voranschreitet, wird klar, dass keine Zeit f&#252;r   halbherzige L&#246;sungen bleibt. Wenn &#252;berhaupt, dann ist aber die Idee des   Green New Deal halbherzig oder nur halb zu Ende gedacht.<\/p>\n<p>  Was hat die herrschenden Klassen in den letzten Dekaden davon   abgehalten, das Klima zu retten und die globale Wirtschaft nach den   Bed&#252;rfnissen der Bev&#246;lkerungsmehrheit statt nach den Profitinteressen   auszurichten? Wieso soll in der gr&#246;&#223;ten Krise seit achtzig Jahren   pl&#246;tzlich m&#246;glich sein, was in den Jahren weltwirtschaftlichen   Aufschwungs nicht m&#246;glich war?<\/p>\n<h4>  Privateigentum als Hindernis<\/h4>\n<p>  Ein Green New Deal wird die Klimakatastrophe nicht aufhalten.<\/p>\n<p>  Grundlage des Kapitalismus ist das private Eigentum an den   Produktionsmitteln. Die Eigent&#252;mer der Banken und Konzerne stehen   deshalb in Konkurrenz zueinander. Treibende Kraft der Wirtschaft ist auf   dieser Basis der Profit. Investiert wird nur, wenn es gewinnbringend   erscheint. Der Unternehmer, der Geld &#8222;verschwendet&#8220;, weil er zum   Beispiel im Gegensatz zu seinen Kontrahenten zuviel in Soziales oder   Umweltschutz steckt, fliegt aus dem Rennen.<\/p>\n<p>  Wie soll dieses Profitsystem &#8211; das Motor der Umweltzerst&#246;rung, der   Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, der Kriege um &#214;l und Macht   ist &#8211; nun pl&#246;tzlich zum Motor werden, der die Welt aus der Wirtschafts-   und Klimakrise herausbringt?<\/p>\n<h4>  Wer dealt was mit wem?<\/h4>\n<p>  Wie sollen kapitalistische Staaten, die die Interessen ihrer Unternehmer   zu vertreten und zu verteidigen haben, und die miteinander in direkten   oder in Stellvertreterkriegen beziehungsweise Konflikten verwickelt   sind, sich international auf Klimaschutzziele einigen?<\/p>\n<p>  Offenbar denken die Repr&#228;sentanten des gr&#252;nen Kapitalismus, dass die   Regierungen der Staaten dieser Welt, insbesondere die der   imperialistischen Staaten, diejenigen sein k&#246;nnten, die das Blatt   wenden. Von der Umweltzerst&#246;rung zum Klimaschutz&#8230; Den Bock zum G&#228;rtner   machen, ist eine weit untertriebene Metapher f&#252;r diese Illusion.<\/p>\n<p>  Denn schlie&#223;lich waren es die Regierungen der reichsten Staaten der   Welt, die 1995 die Welthandelsorganisation (WTO) schufen; ein   kollektives Instrument der Herrschenden, um die internationale   Deregulierung und die neoliberale Politik voranzutreiben. Kein Lohn   konnte niedrig genug sein, auch die kleinsten Umweltstandards wurden als   unertr&#228;glicher Kostenfaktor gegei&#223;elt, Mitbestimmungsrechte wurden als   Standortproblem gebrandmarkt und Gesundheit, Bildung und Verkehr mussten   raus aus &#246;ffentlicher Hand und m&#246;glichst der maximalen Rendite dienen.<\/p>\n<p>  Weder die Gr&#252;nen noch Barack Obamas Demokraten, weder die SPD noch New   Labour oder irgendeine andere b&#252;rgerliche Partei der Welt machten da   eine Ausnahme.<\/p>\n<p>  Und was die Zerst&#246;rung der Sozialsysteme anbelangt, wird dieser Kurs   nach wie vor beibehalten. Und es ist sicher, dass die zu erwartenden   Angriffe auf soziale Errungenschaften ohne Beispiel sein werden. In   Irland hat die Regierung zum Beispiel vor, das 13. Monatsgehalt der   Besch&#228;ftigten des &#214;ffentlichen Dienstes zu streichen. In Deutschland   wird sp&#228;testens nach der Bundestagswahl ebenfalls nochmal m&#228;chtig der   Rotstift gespitzt werden. Den B&#252;rgerlichen bleibt aus ihrer Logik heraus   angesichts von Rekordverschuldung und gewaltigen Steuerausf&#228;llen gar   keine andere Wahl. So wie die genannten Parteien und Regierungen   jahrelang die Politik des Neoliberalismus betrieben haben, und nun unter   dem Druck des Kapitals Banken mit Milliarden spritzen, werden sie wie   immer die Rechnung den Lohnabh&#228;ngigen ausstellen.<\/p>\n<h4>  Versch&#228;rfter Konkurrenzkampf<\/h4>\n<p>  Die Grundwasservorr&#228;te schrumpfen international und fast zwei Millionen   Kinder sterben jedes Jahr an den Folgen von Durchfallerkrankungen, weil   sie keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser haben.<\/p>\n<p>  Angenommen, die Regierungen des Kapitals, die schon vor dem Hintergrund   des globalen Aufschwungs so desastr&#246;s versagten, wollten nun gemeinsam   zur Tat schreiten. W&#228;re das ein realistisches Szenario? Wohl kaum. &#8222;Buy   American!&#8220; oder Gordon Browns &#8222;British Jobs for British Workers!&#8220; sowie   das Hauen und Stechen in der Automobilindustrie sind Zeichen von   zunehmendem Protektionismus. Woher sollte unter den Bedingungen des   Profitsystems also heute eine international gleichzeitig angestrebte   Trendwende hin zur klimavertr&#228;glichen Produktion kommen?<\/p>\n<h4>  Eine gr&#252;ne Lokomotive?<\/h4>\n<p>  Wenn Umweltschutz profitabel w&#228;re, w&#252;rden die Kapitalisten ihn von sich   aus betreiben und h&#228;tten damit nicht auf die Krise gewartet. Wenn   Regierungen Umweltschutz durch Finanzhilfen an Unternehmen profitabel   machen wollten, w&#252;rden sie entweder noch mehr Schulden machen oder das   Geld daf&#252;r wieder der Masse der Bev&#246;lkerung wegnehmen.<\/p>\n<p>  Nur die Perspektive eines noch nicht erschlossenen, Profit bringenden   Sektors k&#246;nnte Teile der Kapitalisten antreiben, auf die gr&#252;ne Karte zu   setzen. Doch Klimaschutz w&#228;re dann ein untergeordnetes Ziel und die   innerkapitalistischen Widerspr&#252;che, die zu &#220;berproduktion f&#252;hren, w&#228;ren   nicht beseitigt.<\/p>\n<p>  Im Klartext hei&#223;t das, dass ein gr&#252;ner Kapitalismus sowohl weiterhin   Krisen aus &#220;berfluss produziert und weitere Zerst&#246;rung vorbereitet. Ein   gr&#252;n angestrichener Kapitalismus wird weder den Trend beenden, dass   immer weniger Menschen weltweit Zugang zu medizinischer Versorgung haben   (World-Health-Report 2008), noch wird er eine Energieversorgung f&#246;rdern,   die weg von den Monopolen hin zur dezentralen Versorgung in Stadtteilen   und Gemeinden geht.<\/p>\n<p>  &#8222;Eine Wiedergeburt der Nuklearenergie k&#246;nnte auch die Folge eines &#8222;Green   New Deal&#8220; sein&#8220;, so die Financial Times vom 13. M&#228;rz.<\/p>\n<h4>  Gegenwehr<\/h4>\n<p>  Franklin D. Roosevelts New Deal ist nicht am &#8222;gr&#252;nen Tisch&#8220; entstanden.   Die wieder erstarkte Gewerkschaftsbewegung sowie gro&#223;e Proteste von   Arbeitslosen in den USA der drei&#223;iger Jahre hat der Regierung in   heftigen K&#228;mpfen Zugest&#228;ndnisse abgerungen.<\/p>\n<p>  Und auch heute wird es keinen anderen Weg geben, als den Weg des   Widerstands gegen die kapitalistische Krisenpolitik, um die Katastrophe   f&#252;r Mensch und Natur abzuwenden. In solchen K&#228;mpfen ist es durchaus   m&#246;glich, &#246;ffentliche Investitionen im Umweltschutz und andere konkrete   Ma&#223;nahmen, die die Bef&#252;rworter eines Green New Deal vorschlagen, zu   erreichen. Aber die Krise des Kapitalismus k&#246;nnen wir so ebenso wenig   &#252;berwinden, wie das Roosevelts New Deal konnte. Wenn wir die   Kapitalisten f&#252;r Verbesserungen im Interesse von Mensch und Natur zur   Kasse bitten, werden die sich mit allen Mitteln wehren. Um solche   Verbesserungen nicht nur kurzfristig zu erk&#228;mpfen, sondern dauerhaft   abzusichern, m&#252;ssen wir den Widerstand der Herrschenden brechen und sie   entmachten.<\/p>\n<p>  Es geht um nichts weniger als die Abschaffung des Kapitalismus. Denn er   ist die Ursache. Eine Wirtschaft, die gleichzeitig die Bed&#252;rfnisse der   gro&#223;en Mehrheit der Bev&#246;lkerung erf&#252;llt und die Ressourcen schont, kann   nur demokratisch geplant, international und solidarisch organisiert   sein. Deswegen m&#252;ssen in dieser Krise die Besitzverh&#228;ltnisse zu Gunsten   der Lohnabh&#228;ngigen ge&#228;ndert werden.<\/p>\n<h3>  Hintergrund: Was war der New Deal?<\/h3>\n<p>  1932, auf dem H&#246;hepunkt der 1929 begonnenen Weltwirtschaftskrise,   versprach Franklin D. Roosevelt, der Pr&#228;sidentschaftskandidat der   US-Demokraten, einen New Deal (= die Karten neu verteilen).<\/p>\n<p>  Zu Roosevelts Regierungsma&#223;nahmen nach seinem Wahlsieg geh&#246;rten die   staatliche &#220;berwachung der B&#246;rsen, die Verk&#252;rzung der Arbeitszeit auf 40   Stunden, eine rechtliche Anerkennung von Gewerkschaften und Streiks,   umfangreiche &#246;ffentliche Arbeiten und ein freiwilliger Arbeitsdienst,   die Verringerung der landwirtschaftlichen Produktion und Mindestpreise   f&#252;r Agrarprodukte, eine staatliche Rente, eine Arbeitslosenversicherung   und Mindestl&#246;hne f&#252;r Industriearbeiter, h&#246;here Steuern f&#252;r Reiche.<\/p>\n<p>  Allerdings wurden Verbesserungen f&#252;r die Arbeiterklasse vor dem   Hintergrund einer beeindruckenden Welle von Streiks und   Fabrikbesetzungen erreicht. In dieser Bewegung entstand 1935 ein neuer   gewerkschaftlicher Dachverband, der CIO (Congress of Industrial   Organisations). Die Zahl der gewerkschaftlich Organisierten erh&#246;hte sich   zwischen 1933 und 1937 von 2,7 auf sieben Millionen Mitglieder. Erst die   Streikwelle erreichte 1934 beispielsweise, dass ein neues Arbeitsgesetz   beschlossen wurde &#8211; das Roosevelt urspr&#252;nglich abgelehnt hatte.<\/p>\n<p>  Schon 1937 f&#252;hrten staatliche Ausgabenk&#252;rzungen zur Eind&#228;mmung der   Staatverschuldung und zu einer neuen schweren Wirtschaftskrise. Auf   kapitalistischer Grundlage lie&#223; sich die Krise nicht durch den New Deal,   sondern erst durch die massive Aufr&#252;stung und die ungeheure Vernichtung   von Menschenleben und Sachwerten im Zweiten Weltkrieg &#252;berwinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Debatte zum Vorschlag gr&#252;ner PolitikerInnen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,119],"tags":[214],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13159"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13159"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13159\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}