{"id":13148,"date":"2009-05-17T00:00:00","date_gmt":"2009-05-17T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13148"},"modified":"2009-05-17T00:00:00","modified_gmt":"2009-05-17T00:00:00","slug":"13148","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/05\/13148\/","title":{"rendered":"&#8222;Bundesweiten Streiktag in Etappen vorbereiten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit Bernd Riexinger<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Bernd Riexinger ist ma&#223;geblich am B&#252;ndnis beteiligt, das die Proteste   am 28. M&#228;rz unter dem Motto &#8222;Wir zahlen nicht f&#252;r Eure Krise!&#8220;   vorbereitet hat. Riexinger ist Gesch&#228;ftsf&#252;hrer des ver.di-Bezirks   Stuttgart und Landessprecher der Partei DIE LINKE in Baden-W&#252;rttemberg*.   Mit ihm sprach Michael Schilwa.<\/i><\/p>\n<h4>  <b>Wie bewertest du die beiden Demonstrationen am 28. M&#228;rz in Berlin und   Frankfurt am Main?<\/b><\/h4>\n<p>  Beide Demonstrationen waren ein Erfolg. Schlie&#223;lich war es eine   Initiative von unten, die von einem relativ breiten B&#252;ndnis getragen   wurde. Alle Berichterstattungen, die &#252;ber Proteste berichten, beziehen   sich auf den 28. M&#228;rz. Somit wurde ein wichtiges Ziel, n&#228;mlich den   Beginn einer Protestbewegung einzuleiten, erreicht. Die Situation in   Deutschland ist zwar noch nicht so, dass die Menschen massenhaft nach   einer Plattform f&#252;r Protest suchen, aber wie gesagt, ein Anfang ist   gemacht.<\/p>\n<h4>  <b>Wie kann die Protestbewegung weiter aufgebaut werden?<\/b><\/h4>\n<p>  Das B&#252;ndnis muss weiter arbeiten und zentrale Bedingung ist, dass vor   Ort regionale B&#252;ndnisse gebildet werden.<\/p>\n<p>  von dort aus m&#252;ssen auch regionale Aktivit&#228;ten und Aktionen durchgef&#252;hrt   werden. Dazu geh&#246;rt auch qualifizierte Aufkl&#228;rung &#252;ber den Charakter der   Krise und Perspektiven der linken Kr&#228;fte. Es gibt eine gro&#223;e   Orientierungslosigkeit. Mit allen Kr&#228;ften gilt es zu verhindern, dass   eine Verzichtswelle durch das Land geht, in der Hoffnung, so   Arbeitspl&#228;tze zu retten. Die praktische Orientierung liegt auf dem 1.   Mai, dem 16. Mai und dem Bildungsstreik am 17. Juni.<\/p>\n<h4>  Siehst du nicht die Gefahr, dass die bundesweite DGB-Demonstration am   16. Mai in Berlin als SPD-Wahlkampfauftakt instrumentalisiert wird?<\/h4>\n<p>  Diese Gefahr besteht. Es gibt starke Tendenzen im DGB, auf die   Fortsetzung der Gro&#223;en Koalition mit einer &#8222;starken&#8220; SPD zu setzen, um   Schwarz-Gelb zu verhindern. Das w&#228;re eine Bankrotterkl&#228;rung f&#252;r das   politische Mandat der Gewerkschaften.<\/p>\n<p>  Trotzdem halte ich es f&#252;r sehr wichtig, nach Berlin zu mobilisieren,   damit die Demonstration ein Erfolg wird. Ein Misserfolg w&#252;rde eher die   Kr&#228;fte im DGB st&#228;rken, denen an einer au&#223;erparlamentarischen   Mobilisierung nicht gelegen ist. Au&#223;erdem sollte unser B&#252;ndnis den DGB   auffordern, uns an der Demo und Kundgebung zu beteiligen. Es ist ein   Fehler, wenn der DGB meint, er k&#246;nnte ohne gesellschaftliche B&#252;ndnisse   die Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse alleine &#228;ndern.<\/p>\n<h4>  Welchen Stellenwert hat f&#252;r dich die Forderung nach einem Generalstreik   in Deutschland?<\/h4>\n<p>  Ich halte die Durchsetzung des politischen Streiks f&#252;r ein wichtiges   Ziel. Die Positionen, auch der Gewerkschaften zur Krise, m&#252;ssen in   erster Linie auf der politischen Ebene durchgesetzt werden. Dazu ist   politischer Druck erforderlich. Das Instrument des politischen Streiks,   wie es in anderen L&#228;ndern &#252;blich ist, muss auch in Deutschland verwendet   werden k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Was sagst du zu dem Einwand, dass politische Streiks in Deutschland   erstens illegal und zweitens v&#246;llig unrealistisch sind?<\/h4>\n<p>  Nun, die Gewerkschaften haben immer mal wieder bewiesen, dass es auch in   Deutschland m&#246;glich ist, politische Streiks durchzuf&#252;hren. J&#252;ngstes   Beispiel sind die Proteste w&#228;hrend der Arbeitszeit gegen die Rente mit   67 oder gegen die Angriffe auf die Tarifautonomie. Wenn der politische   Wille da ist und die entsprechende gesellschaftliche Stimmung, sind   Streiks w&#228;hrend der Arbeitszeit f&#252;r politische Fragen nicht   unrealistisch. Wenn gen&#252;gend mitmachen, ist die Frage der Legalit&#228;t   zweitrangig. Trotzdem ist die Forderung nach politischem Streikrecht in   Deutschland unverzichtbar.<\/p>\n<h4>  Gibt es erste (regionale) Ans&#228;tze f&#252;r Kundgebungen w&#228;hrend der   Arbeitszeit?<\/h4>\n<p>  Meines Wissens plant die IG Metall in Baden-W&#252;rttemberg noch im Mai   betriebliche Aktionstage. Demonstrationen w&#228;hrend der Arbeitszeit sind   zwar kein Generalsstreik, sie er&#246;ffnen aber durchaus die M&#246;glichkeit, in   diese Richtung zu gehen.<\/p>\n<h4>  Wie k&#246;nnte ein bundesweiter Streiktag konkret vorbereitet werden?<\/h4>\n<p>  Ich glaube, dass ein solcher Streiktag in Etappen vorbereitet werden   muss. Demonstrationen, wie in Frankfurt und Berlin, oder gar w&#228;hrend der   Arbeitszeit sind wichtige Schritte in diese Richtung. Auch betriebliche   Aktionen und Streiks gegen Arbeitsplatzvernichtung und   Massenentlassungen geh&#246;ren dazu. Es ist meines Erachtens zu erwarten,   dass nach der Bundestagswahl erneut Angriffe auf die sozialen   Sicherungssysteme und auch auf die Tarifvertr&#228;ge zu erwarten sind. Auf   diese Situation m&#252;ssen sich die Gewerkschaften vorbereiten. Dann reichen   Demonstrationen und betriebliche Aktionen nicht mehr aus. Hier k&#246;nnte   die B&#252;ndelung in einen gemeinsamen Aktionstag w&#228;hrend der Arbeitszeit   eine weitergehende Perspektive er&#246;ffnen. Voraussetzung ist aber, dass   sich die Gewerkschaften &#252;ber den Charakter der Krise bewusst werden und   die aktive Mobilisierung gegen die Abw&#228;lzung der Krisenlasten auf die   Lohnabh&#228;ngigen, Erwerbslosen, Rentner und ihre Familien die zentrale   gewerkschaftliche Option ist.<\/p>\n<p>  <i>* Alle Funktionsangaben dienen nur zur Kenntlichmachung der Person<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit Bernd Riexinger\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[214],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13148"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13148"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13148\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}