{"id":13143,"date":"2009-05-13T13:35:00","date_gmt":"2009-05-13T13:35:00","guid":{"rendered":".\/?p=13143"},"modified":"2009-05-13T13:35:00","modified_gmt":"2009-05-13T13:35:00","slug":"13143","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/05\/13143\/","title":{"rendered":"ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen wollen mehr Lohn"},"content":{"rendered":"<p>  Fulminanter Warnstreik in Stuttgart am 6.5.2009<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Ank&#252;ndigung von ver.di und GEW zu einem bundesweiten Warnstreik der   ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen verbuchte den ersten Erfolg   bereits in den Tagen vor dem Streik. Die b&#252;rgerliche Presse musste   gezwungener Ma&#223;en dar&#252;ber informieren, dass die<\/p>\n<p>  Besch&#228;ftigten in den Erziehungs- und Sozialberufen bei den Kommunen   unhaltbare Arbeitsbedingungen zugemutet werden und sie obendrein noch   unterbezahlt sind.<\/p>\n<h4>  <i>von Ursel Beck, Stuttgart <\/i><\/h4>\n<p>  &#8222;Heute Warnstreiks in den Kitas&#8220; war die Hauptschlagzeile in der   Stuttgarter Zeitung am 6.5.09. Die Leserinnen und Leser erfuhren, dass   1,5 Fachkr&#228;fte bis zu 28 Kinder betreuen, dass in Stuttgart 2.500   Kita-Pl&#228;tze fehlen und die Erzieherinnen brutto nur 2.130 Euro   verdienen. Im Kommentar hei&#223;t es: &#8222;der bundesweite Kitastreik bringt ein   Thema wieder auf die Tagesordnung, das wegen Banken-, Wirtschafts- und   Arbeitsmarktkrise unberechtigt in den Hintergrund geraten ist.&#8220;<\/p>\n<h4>  Bundesweit 20.000 im Streik<\/h4>\n<p>  Bundesweit beteiligten sich laut ver.di und GEW 20.000 Besch&#228;ftigte an   den Warnstreiks. Wenn man bedenkt, dass es in Berlin und Hamburg keinen   Streikaufruf gab und der Streik innerhalb weniger Tage in tausenden von   zum Teil kleinen Einrichtungen organisiert werden musste, ist dies eine   erstaunliche Beteiligung.<\/p>\n<h4>  2.000 streiken in der Region Stuttgart<\/h4>\n<p>  Eine &#252;berdurchschnittlich hohe Beteiligung und einen beeindruckenden   Warnstreik gab es in Stuttgart. 1.383 Besch&#228;ftigte aus Kitas und   Sozialdiensten des Stuttgarter Jugendamts sorgten daf&#252;r, dass aufgrund   von Arbeitsniederlegungen 120 von 181 Kitas am 6.5. geschlossen blieben.   Hinzu kamen hunderte Streikende aus den an Stuttgart angrenzenden   Landkreisen. Dieser Erfolg viel nicht vom Himmel. Was Stuttgart anderen   ver.di-Bezirken voraus hat, ist Streikerfahrung und eine k&#228;mpferische   Bezirksf&#252;hrung. Als im Fr&#252;hjahr 2006 fast neun Wochen bei den Kommunen   gestreikt wurde, war Stuttgart das Epizentrum des Streiks. In diesem   Streik entwickelten sich die ErzieherInnen zu Kerntruppen des Streiks.   Fast durchgehend haben damals in Stuttgart 900 bis 1.000 ErzieherInnen   gestreikt. Da es gelang, den Unmut der Eltern &#252;ber die geschlossenen   Kitas gegen die Chefs im Rathaus zu richten, war der Streik der   Erzieherinnen letztlich genauso entscheidend f&#252;r das Nachgeben der   Arbeitgeber, wie die M&#252;lls&#228;cke auf den Stra&#223;en. Auf dieser   Streikerfahrung und dem dadurch entstandenen Selbstbewusstsein der   Erzieherinnen kann ver.di Stuttgart aufbauen. Und so kam es nicht von   ungef&#228;hr, dass die Stimmung an diesem Tag von enormem Kampfgeist,   Selbstbewusstsein und Stolz gepr&#228;gt war. Selbst in den umliegenden   Gemeinden der Landkreise traten ErzieherInnen in den Streik. Und dies   obwohl sie von ihren B&#252;rgermeistern und Landr&#228;ten unter Druck gesetzt   und sogar mit K&#252;ndigungen bedroht wurden.<\/p>\n<h4>  Gewerkschaftshaus als Streiklokal<\/h4>\n<p>  Wie 2006 kam das Stuttgarter Gewerkschaftshaus am 6.5. wieder in Genuss   der Lebendigkeit eines Streiklokals. Wieder platzte der Gro&#223;e Saal bei   der Streikversammlung aus allen N&#228;hten. Ver.di-Sekret&#228;r Cuno H&#228;gele   erkl&#228;rte, dass es an zwei Themen mit den Arbeitgebern &#8222;deutlich Krach   g&#228;be&#8220;. Das sei die Frage der Eingruppierung und des Gesundheitsschutzes.   Seit Januar w&#252;rde &#252;ber die Eingruppierung von ErzieherInnen,   SozialarbeiterInnen und Sozialp&#228;dagogInnen verhandelt. Aber ver.di sei   in dieser Frage nicht streikf&#228;hig, weil es hier um eine Tarifbestimmung   der &#220;berleitung im TV&#246;D gehe, an dem viel h&#228;nge und die Moment nicht   gek&#252;ndigt werden k&#246;nne. Beim Thema Gesundheitsschutz sei die   Ausgangslage, dass sich nach einer Umfrage nur 13% aller ErzieherInnen,   SozialarbeiterInnen und Sozialp&#228;dagogen vorstellen k&#246;nnen ihren Beruf   bis 67 aus&#252;ben zu k&#246;nnen. Es w&#228;re eindeutig, dass die Arbeitsbedingungen   in den Kitas krank machen. Bei den Verhandlungen h&#228;tten die Arbeitgeber   bisher die Eingruppierung in EG 6 angeboten. Die ErzieherInnen w&#252;rden   demnach weiter schlechter bezahlt werden als im alten BAT. Die Forderung   nach einem Gesundheitsschutz sei als Privatsache zur&#252;ckgewiesen worden.   Mit der Auseinandersetzung sei es der Gewerkschaft gelungen, das Thema   Bildung wieder auf die Tagesordnung zu setzen. &#8222;Es kann nicht sein, dass   Milliarden von Euro f&#252;r irgendwelche notleidenden Banken ausgegeben   werden und man f&#252;r Besch&#228;ftigte im Sozial- und Erziehungsdienst kein   Geld hat&#8220;, so Cuno H&#228;gele unter starkem Beifall der mehr als 800   TeilnehmerInnen der Streikversammlung. Die Besch&#228;ftigten k&#246;nnten auch   nicht auf die Bundestagswahl warten, sondern m&#252;ssten jetzt in dem engen   Zeitfenster im Fr&#252;hjahr f&#252;r eine bessere Eingruppierung und einen   Tarifvertrag Gesundheitsschutz aufstehen. Der Warnstreik sei nur der   Auftakt. Es s&#228;he so aus, als ob die Arbeitgeber es wissen wollten. Sie   gingen davon aus, dass die Ver&#246;ffentlichung von rezessionsbedingten   Steuermindereinnahmen ihnen zuarbeiten. Und deshalb werde es ab morgen   zur Urabstimmung kommen.<\/p>\n<h4>  Grunds&#228;tzliche gesellschaftliche Auseinandersetzung<\/h4>\n<p>  Ver.di-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer, Bernd Riexinger, begann seine Rede in der   Streikversammlung mit der Einsch&#228;tzung, dass dieser Streik einer der   wichtigsten seit der ver.di-Gr&#252;ndung sei Er wies darauf hin, dass es   dringend notwendig sei die Erziehungs- und Sozialberufe besser zu   bewerten. Unter gro&#223;em Beifall der Streikenden erkl&#228;rte Bernd Riexinger,   dass es nicht sein k&#246;nne, dass die Erziehung von Kindern und die   sozialen Dienste schlechter entlohnt werden als das Zusammenschrauben   von Autos. Und genau so unhaltbar sei es, dass Branchen in denen   haupts&#228;chlich Frauen arbeiten, schlechtere Tarife haben als Branchen mit   M&#228;nnerberufen. Diese Benachteiligung sage viel &#252;ber den Zustand unserer   Gesellschaft aus. &#8222;Wir leben nicht mehr im Mittelalter oder   Fr&#252;hkapitalismus mit einer Rollenverteilung Hauptverdiener Mann,   Zuverdienerin Frau. Jede und jeder muss von seinem eigenen Lohn und   Gehalt leben k&#246;nnen. Auch f&#252;r dieses Prinzip streiken wir&#8220;, so Bernd   Riexinger weiter. Wie zuvor Cuno H&#228;gele betonte Bernd Riexinger, dass es   nicht zusammen passe, wenn einerseits Milliarden f&#252;r die maroden Banken   locker gemacht w&#252;rden und dann aber gesagt wird, es sei kein Geld mehr   da f&#252;r Gesundheit, f&#252;r die Renten, f&#252;r Erziehung und Bildung oder f&#252;r   die Erwerbslosen. Bei dem Streik ginge es deshalb um eine ganz   grundlegende Auseinandersetzung. Und es m&#252;sse ein Signal gesetzt werden,   dass auch unter den Bedingungen der Krise Verbesserungen erk&#228;mpft werden   k&#246;nnten. Es zeige sich auch, dass sich viele nicht mehr f&#252;r den   Erziehungsberuf bewerben, weil zu wenig verdient werde. Mehr Personal   g&#228;be es deshalb nur dann, wenn die L&#246;hne erh&#246;ht w&#252;rden. In diesem Streik   gehe es den Besch&#228;ftigten nicht nur um eine bessere Bezahlung, sondern   um eine soziale Gesellschaft. Das m&#252;sse den Eltern deutlich gemacht   werden. Dass viele Elternbeir&#228;te in Stuttgart die Forderung nach   besserer Bezahlung &#246;ffentlich unterst&#252;tzen begr&#252;&#223;te Bernd Riexinger. Er   schlussfolgerte daraus, dass man f&#252;r diese Auseinandersetzung die   Mehrheit der Eltern hinter sich kriege. Bernd Riexinger nutzte die   Streikversammlung, auch um f&#252;r die bundesweite Demonstration am 16.5.09   aufzurufen. Zudem stellte er in Aussicht, dass es den einen oder anderen   gemeinsamen Streiktag mit den Besch&#228;ftigten im Einzelhandel geben k&#246;nnte.<\/p>\n<h4>  &#8222;Zu wenig Zeit, zu wenig Geld, zu wenig Personal&#8220;<\/h4>\n<p>  In einem bunten, lauten, k&#228;mpferischen Zug demonstrierten die   Streikenden nach der Streikversammlung vom Gewerkschaftshaus durch die   Innenstadt. Zu den Sprechch&#246;ren geh&#246;rten: &#8222;Bei den Banken sind sie fix,   f&#252;r die Bildung tun sie nix&#8220; oder &#8222;Ohne Gesundheitsschutz ist alles   Schmu, deshalb bliebt die Kita zu&#8220; In den Demozug reihten sich auch   Besch&#228;ftigte von freien und kirchlichen Tr&#228;gern ein, die durch die   Anlehnung an die Tarifvertr&#228;ge von der Auseinandersetzung betroffen   sind. Sie waren nicht zum Streik aufgerufen, sondern mussten Urlaub   nehmen. Bei der Streikversammlung hatte bereits eine Kollegin einer   solchen Einrichtung eine Solidarit&#228;tserkl&#228;rung ihres Teams verlesen und   klar gemacht, dass sie nicht bereit w&#228;ren den Streik zu unterlaufen   indem in ihren Einrichtungen Notpl&#228;tze eingerichtet w&#252;rden. In   Kurzinterviews mit der Stuttgarter Zeitung brachte eine Kollegin ihre   Probleme treffend auf den Punkt: &#8222;Zu wenig Zeit, zu wenig Personal, zu   wenig Geld&#8220;. Eine 22j&#228;hrige Erzieherin erkl&#228;rte, Erzieherinnen h&#228;tten   eine hohe Verantwortung und es w&#252;rden immer h&#246;here Anforderungen an sie   gestellt. Und trotzdem verdiene sie so wenig, dass sie sich keine eigene   Wohnung und kein Auto leisten k&#246;nne, bei ihren Eltern wohnen und jeden   Tage 30 Kilometer pendeln m&#252;sse. Abgesehen von den ver.di-Funktion&#228;ren,   gab es nur vereinzelt M&#228;nner unter den Streikenden, weil M&#228;nner in den   Erziehungs- und Sozialberufen v&#246;llig unterrepr&#228;sentiert sind. F&#252;r den   29j&#228;hrigen Erzieher Silvio Desiderio aus Stuttgart gibt es daf&#252;r eine   einfache Erkl&#228;rung. Er bekomme mit EG 6, Stufe 2 gerade mal 1.300 Euro   netto raus. Davon k&#246;nne man keine Familie ern&#228;hren. Er br&#228;uchte daf&#252;r   netto 2.000 Euro im Monat. Seine Kollegin aus der gleichen Einrichtung   hat Gl&#252;ck. Sie wurde vor der Einf&#252;hrung des TV&#246;D eingestellt und habe   durch den Verheiratetenzuschlag &#8222;noch deutlich mehr&#8220; als ihr Kollege.<\/p>\n<h4>  Es geht um Anerkennung und Wertsch&#228;tzung<\/h4>\n<p>  Auf dem Marktplatz vor dem Arbeitgebersitz Rathaus fand die   Abschlusskundgebung statt. Viele Punkte, die bereits bei der   Streikversammlung gesagt wurden, wurden noch mal in aller &#214;ffentlichkeit   deutlich gemacht. Die stellvertretende ver.di-Landesvorsitzende, Dagmar   Schorsch-Brandt ging auf die enorme Arbeitsbelastung in den Kitas ein.   Sie erkl&#228;rte, dass in Kitas bis zu 117 Dezibel L&#228;rm gemessen werden. Das   sei so, wie wenn in 100 Meter Entfernung ein Flugzeug starte. W&#228;hrend   die Kolleginnen und Kollegen am Flughafen aber Ohrschutz h&#228;tten, werde   das Geld f&#252;r bauliche Ma&#223;nahmen zur Verringerung des L&#228;rms in den Kitas   verweigert. Es ginge in dieser Auseinandersetzung um Personalbemessung   und Gruppengr&#246;&#223;en. Personalschl&#252;ssel und Gruppengr&#246;&#223;en seien bei   steigenden Anforderungen mehr als 30 Jahre alt. Das Gerede von der   Kinderfreundlichkeit sei nur ein Lippenbekenntnis. Auch die   Sozialarbeiter, die Streetworker, die SchulsozialarbeiterInnen und   &#8211;psychologen h&#228;tten aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen steigende   psychische Belastungen. Es g&#228;be deshalb immer mehr &#220;berlastungsanzeigen.   Deshalb br&#228;uchte man einen Tarifvertrag Gesundheitsschutz. Und es gehe   um eine h&#246;here Eingruppierung. Eine Erzieherin br&#228;uchte die EG 9, eine   Kinderpflegerin die EG 7, SozialarbeiterInnen br&#228;uchten mindestens 10.   Bernd Riexinger sagte, er sei stolz auf die Streikenden und seine   Gewerkschaft, weil &#8222;wir mit in der Wirtschaftskrise ein Signal geben,   dass wir f&#252;r unsere Zukunft k&#228;mpfen und nicht den Kopf in den Sand   stecken&#8220; Man wolle einen gerechten Anteil an einer reichen Gesellschaft   und so lange k&#228;mpfen bis man einen Erfolg erzielt habe.<\/p>\n<p>  Tom Adler, Betriebsrat von Daimler-Untert&#252;rkheim erkl&#228;rte, dass die   Streikenden das Verst&#228;ndnis der Besch&#228;ftigen bei Daimler h&#228;tten auch   wenn sie vom Streik betroffen seien. Auch die KollegInnen in der   Metallindustrie w&#228;ren von wachsender Arbeitsbelastung betroffen. Und   wenn die ErzieherInnen auf die Stra&#223;e gehen, dann w&#252;ssten die Metaller,   dass es h&#246;chste Zeit ist Druck zu machen. Die gleichen Politiker, die   jetzt auf Wahlplakaten Bildung in den Vordergrund stellen w&#252;rden, w&#252;rden   den Erzieherinnen am Verhandlungstisch die kalte Schulter zeigen und er   sei sicher, dass die Kolleginnen und Kollegen am Wahltag den Heuchlern   die roten Karten austeilen. Das Geld in Stuttgart d&#252;rfe nicht in   Stuttgart 21 und andere hirnrissige Prestigeobjekte flie&#223;en, sondern in   verkraftbare Gruppengr&#246;&#223;en, mehr Erzieherinnen und h&#246;heren Lohn. Er   schloss sich der Auffassung an, dass die gute und sozial wichtige Arbeit   der EzieherInnen genauso gut bezahlt werden m&#252;sse, wie die Arbeit in der   Autofabrik. &#8222;Wir werden alles tun, um das Verst&#228;ndnis unserer   Kolleginnen und Kollegen f&#252;r Euren Kampf aufrechtzuerhalten und zu   f&#246;rdern. Wir m&#252;ssen gemeinsam daf&#252;r sorgen, dass sich in diesem Land   etwas dreht&#8220;, so Tom Adler. Am 13.Mai w&#252;rden die Metallerinnen und   Metaller vor die Tore gehen, um gegen die herrschende Politik zu   demonstrieren. Und wir wollen, dass Euer Funke und Euere Energie   &#252;berspringt. Es m&#252;sse f&#252;r alle hei&#223;en: &#8222;So nicht weiter, wir k&#228;mpfen&#8220;.<\/p>\n<h4>  Fragw&#252;rdige Strategie der ver.di-F&#252;hrung<\/h4>\n<p>  Die Kommunal- und Bundestagswahlen sind zweifellos ein g&#252;nstiger   Zeitpunkt, um f&#252;r eine bessere Bezahlung in den Kitas und Sozialdiensten   zu k&#228;mpfen, zumal die SPD Wahlpropaganda gegen Dumpingl&#246;hne macht und   gleichzeitig durch ihre f&#252;hrende Stellung im kommunalen   Arbeitgeberverband mitverantwortlich f&#252;r die Niedrigl&#246;hne f&#252;r die   ErzieherInnen ist. Die g&#252;nstigste Voraussetzung f&#252;r einen erfolgreichen   Streik f&#252;r mehr Geld ist jedoch, dass in vielen St&#228;dten   Erzieherinnenstellen wegen der miserablen Bezahlung nicht mehr besetzt   werden k&#246;nnen. Die Stadt M&#252;nchen versucht seit einigen Monaten   bundesweit mit ihrer M&#252;nchen-Zulage (105 Euro im Monat) und einer   garantierten Wohnung von 8 bis 9 Euro pro Quadratmeter Miete   Erzieherinnen anzulocken und veranstaltete dazu Schnupperwochenenden f&#252;r   Erzieherinnen, Einkaufsgutschein inklusiv.<\/p>\n<p>  De facto ist es so, dass die Tarife des TV&#246;D &#8211; nicht nur bei   ErzieherInnen &#8211; unter dem Marktpreis der Ware Arbeitskraft liegen. Das   ist das Ergebnis der Absenkungstarifvertr&#228;ge TV&#246;D\/TV-L, die ver.di ihren   Mitgliedern als &#8222;Meilenstein in der Tarifgeschichte&#8220; verkaufte. Nach   Berechnungen des &#8222;Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische   ver.di&#8220; verliert eine verheiratete Erzieherin mit einem Kind &#252;ber die   Lebensarbeitszeit gerechnet 214.000 Euro gegen&#252;ber dem BAT. Der Versuch   durch H&#246;hergruppierung einzelner Berufsgruppen den Schaden des   BAT-Ausstiegs zu begrenzen, isoliert andere Berufsgruppen, die durch den   TV&#246;D\/TV-L in eine &#228;hnliche Lage gekommen sind. Hinzu kommt, dass ver.di   und GEW offiziell nicht f&#252;r eine H&#246;hergruppierung sondern f&#252;r einen   Tarifvertrag Gesundheitsschutz streiken. Dar&#252;ber l&#228;uft die Urabstimmung.   Die Forderung f&#252;r den Tarifvertrag Gesundheitsschutz begrenzt sich auf   die Einrichtung einer betrieblichen Kommission, die den   Gesundheitsschutz &#252;berwachen soll. Das kostet die Arbeitgeber nichts und   bringt keine wirkliche Verbesserung. W&#252;rden die Arbeitgeber diesen   zahnlosen Tarifvertrag unterschreiben, w&#228;ren ver.di und GEW wieder in   der Friedenspflicht. Das Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und   demokratische ver.di argumentiert daf&#252;r &#8222;den Kampf f&#252;r eine bessere   Bezahlung mit dem Kampf f&#252;r eine tarifliche Personalbemessung zu   verbinden&#8220; F&#252;r Kitas wird ein Personalschl&#252;ssel von 5 : 1 (Fachkraft)   vorgeschlagen. Au&#223;erdem setzt sich das oppositionelle ver.di-Netzwerk   daf&#252;r ein, die Auseinandersetzung in den Erziehungs- und Sozialdiensten   zur Vorbreitung des Kampfes f&#252;r die 35-Stunden-Woche in der Tarifrunde   2010 zu nutzen.<\/p>\n<h4>  Kr&#228;fte b&#252;ndeln<\/h4>\n<p>  Es w&#228;re wichtig, die Besch&#228;ftigten der freien und kirchlichen Tr&#228;ger mit   in den Streik einzubeziehen. Bei ihnen sind von den 600.000   Besch&#228;ftigten in den Erziehungs- und Sozialdiensten zwei Drittel bzw.   400.000 besch&#228;ftigt. Selbst wenn ver.di und GEW einen Erfolg bei der   Eingruppierung erzielen, m&#252;ssten die freien und kirchlichen Tr&#228;ger dies   nicht &#252;bernehmen. Den Arbeitgebern w&#252;rde dadurch die M&#246;glichkeit   gegeben, durch weitere Privatisierung die Tarifvertr&#228;ge zu unterlaufen.   Dass aber selbst in kirchlichen Einrichtungen gestreikt werden kann,   zeigt ver.di gerade in der Diakonie. Nicht zuletzt w&#228;re es notwendig,   die Kr&#228;fte zu b&#252;ndeln. Ver.di ist neben den Erzieherinnen und   Sozialberufen mit dem Gro&#223;- und Einzelhandel, der Druckindustrie und   anderen Bereichen in Tarifauseinandersetzungen. Andere Belegschaften   k&#228;mpfen gegen Entlassungen. Vom 15.6. bis 19.06.09 planen Sch&#252;lerInnen   und Studierende einen bundesweiten Bildungsstreik. Wenn all diese K&#228;mpfe   zusammengef&#252;hrt werden zu einer bundesweit einheitlichen Streikbewegung   w&#228;re das eine wichtiger Schritt in Richtung bundesweitem Generalstreik.   Zumindest in Stuttgart gibt es die reale Perspektive, dass am 17. Juni   Sch&#252;lerInnen, Studierende, ErzieherInnen, SozialarbeiterInnen gemeinsam   streiken und sich dar&#252;ber hinaus Besch&#228;ftigte und Eltern zahlreich an   einer gemeinsamen Demonstration beteiligen.<\/p>\n<p>  <b><i>Fotos vom Warnstreik der Erzieherinnen in Stuttgart gibt es <a href=\"www.flickr.com\/photos\/mrieder\/sets\/72157617694377459\/\"> <\/a><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/mrieder\/sets\/72157617694377459\/\">hier<\/a>.   <\/i><\/b><\/p>\n<p>  <b><i>Das Flugblatt vom Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische   ver.di gibt es <a href=\"\/media\/z\/FaltblattErzieherStreikMai09.pdf\">hier<\/a>.<\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Fulminanter Warnstreik in Stuttgart am 6.5.2009\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,15,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13143"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13143"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13143\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13143"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13143"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13143"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}