{"id":13140,"date":"2009-05-08T16:42:00","date_gmt":"2009-05-08T14:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13140"},"modified":"2012-05-15T15:13:18","modified_gmt":"2012-05-15T13:13:18","slug":"13140","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/05\/13140\/","title":{"rendered":"Die SAV und die Kommunalwahlen 2009"},"content":{"rendered":"<p>  Unsere Haltung zur LINKEN, zum Wahlkampf und warum die SAV in Rostock   eigenst&#228;ndig antritt<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  2009 ist ein Superwahljahr. Neben den Europa- und Bundestagswahlen   finden verschiedene Landtags- und Kommunalwahlen statt. 2009 ist aber   vor allem das Jahr der kapitalistischen Weltkrise und ihrer dramatischen   Auswirkungen auch auf Deutschland, also das Jahr von   Betriebsschlie&#223;ungen, Entlassungen, wachsender Massenarbeitslosigkeit   und nach den Bundestagswahlen dann einer Agenda 2020 voller Sozial- und   Bildungsabbau. Deshalb muss 2009 ein Jahr des Widerstands der breiten   Masse der arbeitenden und erwerbslosen Bev&#246;lkerung und der Jugend sein &#8211;   gegen das Abladen der Krisenkosten auf diese breite Masse!<\/p>\n<p>  Diesen Widerstand aufzubauen und zu st&#228;rken &#8211; in der Schule, im Betrieb,   an der Hochschule und in der Nachbarschaft &#8211; ist die zentrale Aufgabe   f&#252;r Gewerkschaften, soziale Bewegungen und f&#252;r die Partei DIE LINKE. Die   Krise macht noch einmal deutlich: Verschlechterungen verhindern und   wirkliche Verbesserungen erreichen wird nur m&#246;glich sein, wenn sich   massenhafter Druck entwickelt &#8211; nicht allein oder in erster Linie durch   parlamentarische T&#228;tigkeit der LINKEn oder irgend einer anderen Kraft.<\/p>\n<p>  Deshalb sind wir der Meinung, dass die Wahlk&#228;mpfe und parlamentarische   T&#228;tigkeit in diesem Jahr in den Dienst des sozialen Widerstands gestellt   werden m&#252;ssen. Das w&#228;re auch der beste Beitrag f&#252;r gute Wahlergebnisse   der LINKEn bei allen Wahlen.<\/p>\n<p>  Die Abgeordneten m&#252;ssen ihre Zeit bei den Betriebstoren und auf den   Protesten von Heidelberger Druck, Continental, Federal Mogul und anderen   von Massenentlassungen oder Schlie&#223;ung bedrohten Unternehmen verbringen.   Die Wahlk&#228;mpfe m&#252;ssen zur Mobilisierung zu Protesten und   Widerstandsaktionen genutzt werden. Jeder und jede muss wissen: eine   Stimme f&#252;r DIE LINKE ist eine Stimme f&#252;r den Widerstand!<\/p>\n<p>  Aber ist das so? DIE LINKE ist die einzige Partei, die zum Beispiel die   Demonstrationen vom 28. M&#228;rz unterst&#252;tzt hat und auch zu anderen   Protesten aufruft. Sie steht f&#252;r Reformforderungen, die mit dem   krisenhaften Kapitalismus auf Dauer nicht vereinbar sind. In ihr wirken   viele SozialistInnen, deren Ziel es ist die kapitalistische   Profitwirtschaft durch eine sozialistische Demokratie zu ersetzen. Oskar   Lafontaine w&#252;nscht sich Bossnapping und Generalstreik auch in   Deutschland.<\/p>\n<p>  Aber die Politik und das Gesicht der Partei sind uneinheitlich. Die   Aktivit&#228;ten von Partei und Bundestagsfraktion sind viel zu   parlamentarisch ausgerichtet. Der Entwurf f&#252;r ein Bundestagswahlprogramm   ist eine Aufweichung vieler linker Positionen und kann nur als   Anbiederung an SPD und Gr&#252;ne interpretiert werden. In vielen   ostdeutschen Kommunen und im Berliner Senat opfert DIE LINKE im Rahmen   einer Politik des (vermeintlich) kleineren &#220;bels politische Grunds&#228;tze   und hat in den vergangenen Jahren Privatisierungen, Geb&#252;hrenerh&#246;hungen,   Stellenabbau und Lohnk&#252;rzungen im &#246;ffentlichen Dienst zugestimmt.<\/p>\n<p>  SAV-Mitglieder sind in der Partei DIE LINKE aktiv und wollen diese zu   einer starken sozialistischen Massenpartei mit aufbauen. Wir treten in   der Partei f&#252;r eine konsequente Interessenvertretung f&#252;r Lohnabh&#228;ngige,   Jugendliche und RentnerInnen ein und lehnen Koalitionen mit   pro-kapitalistischen Parteien, die unweigerlich zu Verschlechterungen   f&#252;r die Masse der Bev&#246;lkerung und benachteiligte Schichten f&#252;hren, ab.   Stattdessen schlagen wir vor, dass die Partei ihre Kr&#228;fte auf die   Propagierung einer grundlegenden politischen Alternative zu   kapitalistischer Sachzwangpolitik und auf die Organisierung und   Unterst&#252;tzung von sozialem Widerstand konzentriert. Dass eine   Regierungsbeteiligung mit der SPD der Partei nur schadet, hat man in   Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gesehen, wo es zu massiven   Stimmenverlusten nach den Erfahrungen mit der Linkspartei.PDS an der   Regierung gekommen war.<\/p>\n<p>  F&#252;r eine wirklich sozialistische und k&#228;mpferische Politik k&#228;mpfen   SAV&quot;lerInnen in Kreisverb&#228;nden, im Jugendverband Linksjugend[&quot;solid] und   auch als KandidatInnen und Abgeordnete der LINKEn. Beate Jenkner wurde   im letzten Jahr in den oberbayrischen Bezirkstag gew&#228;hlt und mit Claus   Ludwig und Marc Treude sind in K&#246;ln und Aachen SAV-Mitglieder Stadtr&#228;te   der LINKEn. Die SAV ruft zur Wahl der Partei DIE LINKE auf und versucht   Menschen dazu zu motivieren, sich in der Partei aktiv zu engagieren.<\/p>\n<p>  Die einzige Ausnahme ist Rostock, wo die SAV-Ortsgruppe sich gezwungen   sah, selbst&#228;ndig bei den Kommunalwahlen am 7. Juni anzutreten. Hier   wurde im Jahr 2004, bevor es DIE LINKE gab, Christine Lehnert als   SAV-Kandidatin in die B&#252;rgerschaft gew&#228;hlt. Die SAV-Liste erhielt damals   2,5 Prozent (in Rostock hat jeder W&#228;hler drei Stimmen, wir gehen von   circa 2.000 W&#228;hlerInnen aus) und verfehlte nur knapp ein zweites Mandat.   Dies war auch eine Quittung f&#252;r die Regierungsbeteiligung der damaligen   PDS auf kommunaler und Landesebene.<\/p>\n<p>  Christine Lehnert ist in den f&#252;nf Jahren ihrer Arbeit als Abgeordnete zu   einer profilierten und wichtigen Interessenvertreterin f&#252;r Besch&#228;ftigte,   Erwerbslose, Jugendliche und Benachteiligte geworden. Sie hat konsequent   au&#223;erparlamentarische Bewegungen unterst&#252;tzt und deren Anliegen in die   B&#252;rgerschaft getragen. Ob bei den Montagsdemos, ver.di-Streiks oder   Protesten gegen K&#252;rzungen bei der Jugendhilfe &#8211; sie war immer dabei.<\/p>\n<p>  Dabei musste sie sich oft die Anfeindungen und Beleidigungen der   Abgeordneten anderer Parteien gefallen lassen. Leider auch hin und   wieder von Abgeordneten der fr&#252;heren PDS und heutigen LINKEn. Als sie   zum Beispiel aus Solidarit&#228;t mit den streikenden Besch&#228;ftigten des   &#246;ffentlichen Dienstes beantragte, dass die Stadt Rostock einseitig die   Tarifforderung der Gewerkschaft ver.di erf&#252;llen solle, wurde sie von   einem PDS-Abgeordneten lauthals angeschrien. Die PDS stimmte auch gegen   diesen Antrag, so wie die PDS\/LINKE immer wieder aus der Logik des   &quot;kleineren &#220;bels&quot; heraus kommunalen K&#252;rzungen zustimmte.<\/p>\n<p>  Die Rolle von Christine Lehnert wird sogar von der Vertreterin des auch   in der B&#252;rgerschaft vertretenen Rostocker Bundes gew&#252;rdigt: &#8222;F&#252;r die   Mehrzahl der B&#252;rgerschaftsmitglieder ist die Vertreterin der SAV eine   unerw&#252;nschte Exotin. Doch wer genau hinh&#246;rte, bemerkte nicht nur   geschliffene Rhetorik (geschm&#228;lert durch manche &#220;berziehung), sondern   auch inhaltlich bemerkenswerte Anliegen wie den Blick &#252;ber den   kommunalen Tellerrand hinaus sowie manchmal auf vernachl&#228;ssigte   Randgruppen.<\/p>\n<p>  Auch wenn die Antr&#228;ge alle zur&#252;ckgewiesen wurden, st&#252;nde der Verlust   dieser farbe in der B&#252;rgerschaft der Hansestadt sicherlich nicht gut zu   Gesicht. Gerade in Bezug auf die gro&#223;en Parteien werden durch die SAV   oftmals Wahrheiten ausgesprochen, die zu h&#246;ren f&#252;r die betroffenen nicht   immer einfach ist, aber zu einem Nachdenken bei allen f&#252;hren sollten.&#8220;<\/p>\n<p>  Trotz vieler negativer Erfahrungen mit der &#246;rtlichen PDS\/LINKE hat die   Rostocker SAV Ende 2008 in einem offenen Brief an DIE LINKE das Angebot   gemacht &#252;ber eine gemeinsame Kandidatur zu sprechen, um eine m&#246;glichst   gro&#223;e Einheit linker Kr&#228;fte zu erreichen. Der Vorstand der Rostocker   LINKEn war nicht einmal zu einem Gespr&#228;ch bereit.<\/p>\n<p>  Um sicher zu stellen, dass eine konsequente Sozialistin, die ihren   Arbeitsschwerpunkt auf die au&#223;erparlamentarischen Bewegungen legt,   wieder in der B&#252;rgerschaft vertreten ist und weil von Aktiven aus   Gewerkschaften, Verb&#228;nden und sozialen Bewegungen ermutigende   Aufforderungen an die SAV-Gruppe gerichtet wurden, hat diese sich   entschieden bei den Kommunalwahlen in diesem Jahr wieder selbst&#228;ndig   anzutreten. Selbst von Mitgliedern und Unterst&#252;tzerInnen der Partei DIE   LINKE wurde in den vergangenen Wochen der Wunsch ge&#228;u&#223;ert, unsere   Abgeordnete Christine Lehnert m&#246;ge ihren Sitz erfolgreich verteidigen.<\/p>\n<p>  Die SAV Rostock ist davon &#252;berzeugt, dass ihre Kandidatur die linken   Kr&#228;fte in der Stadt st&#228;rkt, da es nicht wenige W&#228;hlerInnen gibt, die von   dem kompromisslerischen Kurs und der Politik der Haushaltskonsolidierung   der LINKEn entt&#228;uscht sind und durch diese nicht mehr zu Wahlen   mobilisiert werden. Die Ablehnung einer gemeinsamen Kandidatur durch den   LINKE-Vorstand hat bei AktivistInnen zu Emp&#246;rung gef&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Die Eigenkandidatur bedeutet keine Absage an gemeinsame Aktivit&#228;ten mit   der LINKEn gegen Sozialabbau, Privatisierungen, Entlassungen etc., aber   die Rostocker LINKE braucht Druck von links und dieser kann unter den   gegebenen Umst&#228;nden am besten durch eine in der B&#252;rgerschaft vertretene   SAV ausge&#252;bt werden &#8211; die bei jeder Gelegenheit die Hand zum gemeinsamen   Kampf ausstrecken wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Unsere Haltung zur LINKEN, zum Wahlkampf und warum die SAV in Rostock<br \/>\n      eigenst&#228;ndig antritt\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[55,25,104],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13140"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13140"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13140\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13140"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13140"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13140"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}