{"id":13138,"date":"2009-05-08T00:00:00","date_gmt":"2009-05-08T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13138"},"modified":"2009-05-08T00:00:00","modified_gmt":"2009-05-08T00:00:00","slug":"13138","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/05\/13138\/","title":{"rendered":"Eltern unterst&#252;tzen Bildungsstreik"},"content":{"rendered":"<p>  Eltern, Sch&#252;lerInnen, Studis, Erzieherinnen, Lehrerinnen und alle im   Bildungsbereich Besch&#228;ftigten gemeinsam auf die Stra&#223;e am 17. Juni &#8211;   Elternaufruf dokumentiert<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Wir Eltern sind in gro&#223;er Sorge um unsere Kinder und ihre Zukunft.<\/p>\n<p>  Das mehrgliedrige Schulsystem bedeutet Leistungs-, Noten- und   Konkurrenzdruck von der Grundschule an. Klassengr&#246;&#223;en von 30 und mehr   Sch&#252;lern erzeugen ein Klima der Anonymit&#228;t und das Gef&#252;hl von   &#220;berfl&#252;ssigkeit des Einzelnen. Zwischen LehrerInnen und Sch&#252;lerInnen   kann keine pers&#246;nliche und dem Lernen und Leben f&#246;rderliche Beziehung   entstehen. Angst, Neid, Mobbing sind die Folgen. Und selbst die   Beziehung von Eltern und Kindern bzw. das Familienklima leidet durch die   Schule. Schlechte Noten f&#252;hren zu Demotivation, zur Blockade- oder sogar   zur Verweigerungshaltung. Lernen in Bewegung wird durch stundenlanges   Stillsitzen und erzwungene Konzentration im Frontalunterricht   verhindert. Kinder, die das stundenlange Stillsitzen nicht aushalten,   werden diszipliniert oder sogar f&#252;r krank erkl&#228;rt.<\/p>\n<p>  Wenn Kinder in der Schule nicht respektvoll behandelt werden, wenn nur   Noten z&#228;hlen und es an Anerkennung ihrer Pers&#246;nlichkeit fehlt, dann   leidet das Selbstwertgef&#252;hl. Und Gewaltausbr&#252;che von Sch&#252;lerInnen &#8211;   welche Form sie auch immer annehmen &#8211; haben mit einem stark   angeschlagenen Selbstwertgef&#252;hl, mit Versagensgef&#252;hlen zu tun. Die   steigende Massenarbeitslosigkeit versch&#228;rft die Perspektivlosigkeit der   Jugend und erh&#246;ht den Konkurrenzdruck auf Kinder und Eltern.<\/p>\n<p>  Mit dem Amoklauf von Winnenden wurde eine Schule wiederholt zum Tatort   f&#252;r ein schreckliches Gewaltverbrechen. Seit Jahren h&#228;ufen sich solche   Ereignisse. Computerspiele sind nicht Ursache daf&#252;r. Das starke   Bed&#252;rfnis nach PC-Spielen und Fernsehkonsum erkl&#228;rt sich vielmehr als   eine Flucht in eine spannende virtuelle Welt, eine Flucht vor der   Langeweile, vor den allt&#228;glichen Disziplinierungen und Dem&#252;tigungen in   der Schule. Es ist traurig, wenn sich unsere Kinder in dieser virtuellen   Welt die Anerkennung und den Kick holen m&#252;ssen, denen ihnen die Schule   versagt.<\/p>\n<p>  Wir akzeptieren es nicht, dass die Medienindustrie gewaltverherrlichende   Spiele und Filme auf den Markt werfen darf und wir Eltern verantwortlich   daf&#252;r gemacht werden, wenn Kinder solche Medien konsumieren. Wir   fordern, dass die gesellschaftliche Verantwortung f&#252;r Erziehung und   Bildung endlich ernst genommen wird. Der Schl&#252;ssel daf&#252;r ist die   Einrichtung von gut ausgestatteten und an den Bed&#252;rfnissen der   Sch&#252;lerInnen orientierten Ganztagsschulen mit Spa&#223;- und Kreativfaktor.<\/p>\n<p>  In den letzten Jahren wurden Selektion und Leistungsdruck im   Bildungssystem enorm versch&#228;rft: G8, Studiengeb&#252;hren, Verschulung des   Studiums durch Bachelor\/Master.<\/p>\n<p>  Es fehlen Hunderttausende von Lehrstellen. Hauptsch&#252;ler haben so gut wie   keine Chance mehr auf einen Ausbildungsplatz. Die Tatsache, dass in   Deutschland jedes Jahr 70.000 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler &#8211; das ist jede\/r   f&#252;nfte &#8211; die Schule ohne Abschluss verlassen, ist ein Armutszeugnis f&#252;r   unser selektives Schulsystem.<\/p>\n<p>  Die derzeit stattfindende Arbeits- und Ausbildungssplatzvernichtung in   der Wirtschaft versch&#228;rft die Situation f&#252;r uns und unsere Kinder. Immer   weniger Schulabg&#228;nger bekommen eine Lehrstelle. Weil Eltern nicht mehr   genug Einkommen haben, m&#252;ssen Studierende ihr Studium abbrechen. Mit der   Rezession brechen auch Ferien-, Sch&#252;ler- und Studentenjobs weg. Unsere   Kinder drohen zu einer Generation ohne Zukunft zu werden.<\/p>\n<p>  Hunderte von Milliarden Steuergelder werden aufgebracht, um die   Spekulationsverluste der Banken zu begleichen, aber f&#252;r dringend n&#246;tige   Bildungsinvestitionen ist angeblich kein Geld da. F&#252;nf Milliarden Euro   staatliche Mittel werden ausgegeben, um neun Jahre alte   funktionst&#252;chtige Autos zu verschrotten, aber unseren Kindern werden   weiter jahrzehnte alte abgewrackte Schulgeb&#228;ude und trostlose Schulh&#246;fe   zugemutet. Lediglich f&#252;r die energetische Sanierung von Schulen, nicht   aber f&#252;r die Verbesserung der Lernbedingungen, gibt es im   Konjunkturpaket II Geld.<\/p>\n<p>  Wir fordern, dass unsere Steuergelder f&#252;r die Zukunft unserer Kinder   investiert werden.<\/p>\n<p>  Die bisherigen Proteste gegen Studiengeb&#252;hren und die Sch&#252;lerstreiks im   letzten Jahr haben zu wenig Wirkung gezeigt. Deshalb begr&#252;&#223;en wir die   Initiative &#8222;Bundesweiter Bildungsstreik 15. &#8211; 19. Juni 2009&#8220;.<\/p>\n<p>  Wir stellen uns ausdr&#252;cklich hinter alle Forderungen des zentralen   Streikaufrufs:<\/p>\n<h4>  &#8222;selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen,   Leistungsdruck und Konkurrenzdruck,<\/h4>\n<h4>  freier Bildungszugang und Abschaffung von s&#228;mtlichen Bildungsgeb&#252;hren   wie Studiengeb&#252;hren, Ausbildungsgeb&#252;hren und Kita-Geb&#252;hren,<\/h4>\n<h4>  &#246;ffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der   Wirtschaft unter anderem auf Lehrinhalte, Studienstrukturen und   Stellenvergabe<\/h4>\n<h4>  und Demokratisierung und St&#228;rkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen   Bildungseinrichtungen.&#8220;<\/h4>\n<p>  Erg&#228;nzend bzw. konkretisierend fordern wir:<\/p>\n<h4>  Ganztagsschulen als Regelschulen und massiver Ausbau des an den   Bed&#252;rfnissen der Sch&#252;lerInnen orientierten kreativen, handwerklichen,   sportlichen und musischen Bereichs.<\/h4>\n<h4>  Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems &#8211; gemeinsames Lernen in   einer integrativen Gemeinschaftsschule bis zum zehnten Schuljahr<\/h4>\n<h4>  Reduzierung der Klassenst&#228;rken auf maximal 20 Sch&#252;lerInnen<\/h4>\n<h4>  120% Lehrerversorgung an allen Schulen<\/h4>\n<h4>  P&#228;dagogische Aus- und st&#228;ndige Weiterbildung f&#252;r alle LehrerInnen<\/h4>\n<h4>  Einsatz von ErzieherInnen, Freizeitp&#228;dagogInnen, SozialarbeiterInnen und   SchulpsychologInnen an allen Schulen<\/h4>\n<h4>  Kostenloses, professionell zubereitetes qualitativ gutes Essen an allen   Schulen<\/h4>\n<h4>  Ausreichend qualitativ gute Ausbildungspl&#228;tze und garantierte &#220;bernahme   in den erlernten Beruf<\/h4>\n<h4>  Weg mit Zulassungsbeschr&#228;nkungen an den Unis. Abschaffung der   Studiengeb&#252;hren und elternunabh&#228;ngiges Baf&#246;g f&#252;r alle.<\/h4>\n<p>  Die Grundlagen f&#252;r eine gute Bildung m&#252;ssen bereits in den   Kindertagesst&#228;tten geschaffen werden. Doch zu wenig Pl&#228;tze, ungen&#252;gende   Ausstattung der Einrichtungen und personelle Unterbesetzung sind denkbar   schlechte Rahmenbedingungen f&#252;r die fr&#252;hkindliche Bildung. Die Absenkung   der ohnehin zu niedrigen L&#246;hne der ErzieherInnen im Jahr 2005 bei   gleichzeitig steigenden Anforderungen hat zu einem ErzieherInnenmangel   gef&#252;hrt. Offene Stellen k&#246;nnen nicht mehr besetzt werden. Die   Personalnot versch&#228;rft sich dramatisch. Wir unterst&#252;tzen die Forderung   der ErzieherInnen, nach besserer Bezahlung und besseren   Arbeitsbedingungen. Wir wollen ausreichend fl&#228;chendeckende geb&#252;hrenfreie   Ganztagskitas (auch f&#252;r die Kinder unter drei Jahren), kleinere Gruppen   und einen besseren Personalschl&#252;ssel.<\/p>\n<p>  Die Besch&#228;ftigten im Bildungswesen, angefangen von den ErzieherInnen,   &#252;ber LehrerInnen, Dozenten bis hin zu den Hausmeistern und anderen   Besch&#228;ftigten, sind wie unsere Kinder, Opfer der Unterfinanzierung und   des auf Selektion ausgerichteten Bildungssystems. Verbesserungen im   Bildungswesen m&#252;ssen deshalb auch die Arbeitsbedingungen und die L&#246;hne   vieler Berufsgruppen verbessern. Die Ziele des Bildungsstreiks sind auch   im Interesse der Besch&#228;ftigten.<\/p>\n<p>  Wir fordern deshalb alle in Bildungseinrichtungen T&#228;tigen auf, sich mit   dem Bildungsstreik zu solidarisieren, keine Repressalien gegen   streikende Sch&#252;lerInnen und Studierende zu verh&#228;ngen und gemeinsam   w&#228;hrend der Arbeits-, bzw. Schul- und Vorlesungszeit am 17. Juni mit auf   die Stra&#223;e zu gehen.<\/p>\n<p>  Und vor allem: Wir fordern alle Eltern auf, ihre Kinder zur Teilnahme am   Bildungsstreik zu ermutigen, sich sch&#252;tzend hinter sie zu stellen und   wenn m&#246;glich selbst an den Demonstrationen teilzunehmen.<\/p>\n<p>  <b>ErstunterzeichnerInnen:<\/b> <b>Ursel Beck<\/b>, Mutter von zwei   Schulkindern, Stuttgart; <b>Christa Hourani<\/b>, Mutter von drei   Kindern, Mitglied im Elternbeirat, Backnang; <b>Dieter Janssen<\/b>,   Vater von zwei Kindern im Kindergarten, Stuttgart; <b>Werner Sauerborn<\/b>,   Vater zweier schulpflichtigen Kinder und einer Studentin, Mitglied im   Elternbeirat, Stuttgart; <b>Ruyker Ugur<\/b>, Mutter von zwei   Schulkindern, Stuttgart; <b>Conny Fuchs<\/b>, Mutter eines   schulpflichtigen Kindes, Gerlingen; <b>Rainer Barth<\/b>, Vater von zwei   Kindern, Schw&#228;bisch Gm&#252;nd; <b>Selattin und Elif Sari<\/b>,   Eltern eines Schulkindes, Stuttgart; <b>Barbara Rochlitzer<\/b>, Mutter   eines schulpflichtigen Kindes, Stuttgart<\/p>\n<p>  <i>Weitere UnterzeichnerInnen bitte melden  <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>ursel.beck@gmx.de<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Eltern, Sch&#252;lerInnen, Studis, Erzieherinnen, Lehrerinnen und alle im<br \/>\n      Bildungsbereich Besch&#228;ftigten gemeinsam auf die Stra&#223;e am 17. 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