{"id":13125,"date":"2009-04-28T18:03:00","date_gmt":"2009-04-28T18:03:00","guid":{"rendered":".\/?p=13125"},"modified":"2009-04-28T18:03:00","modified_gmt":"2009-04-28T18:03:00","slug":"13125","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/04\/13125\/","title":{"rendered":"&#8222;Velorution&#8220; gegen das teuerste Stra&#223;enbauprojekt Deutschlands"},"content":{"rendered":"<p>  Nein zum Ausbau der A 100 in Berlin<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Stau in Berlin! Doch statt Autos kamen am 19.4.2009 Radler und Skater   nicht voran, standen am Start ihrer Demo gegen den Weiterbau der A 100   erst mal still. Mit &#252;ber 2000 Demonstranten kamen sieben Mal mehr als   erwartet. Ab 2011 will der Berliner Senat die Stadtautobahn A 100 vom   Dreieck Neuk&#246;lln um 3,2 Kilometer bis zum Treptower Park verl&#228;ngern.   Dagegen protestierten die Menschen mit Fahrr&#228;dern und Inlineskatern auf   einem 21 Kilometer langen Rundkurs durch Berlin.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Eric Andersen, Berlin-Neuk&#246;lln<\/i><\/h4>\n<p>  Bei einer Zwischenkundgebung vor dem Roten Rathaus haben sich Bezirks-,   Landes- und Bundespolitiker aus drei Parteien gegen die Pl&#228;ne   ausgesprochen, zum Beispiel Hans-Christian Str&#246;bele von den Gr&#252;nen und   insbesondere Jutta Matuscheck von der Linkspartei und Canan Bayram von   der SPD. Das zeigt, dass die geplante Verl&#228;ngerung der A100 auch bei den   im Berliner Senat vertretenen Parteien SPD \/ Linkspartei h&#246;chst   umstritten ist.<\/p>\n<p>  Die Grobplanungen f&#252;r dieses Autobahnteilst&#252;ck stammen noch aus den 50er   Jahren des letzten Jahrhunderts, als Berlin noch eine autogerechte Stadt   werden sollte, diese Pl&#228;ne wurden nach dem Fall der Mauer vom Senat   wieder aus der Schublade geholt. Senator Peter Strieder ist es 2003   gelungen, f&#252;r das geplante Teilst&#252;ck einen &quot;vordringlichen Bedarf&quot; beim   Bund zu konstruieren. Nun k&#246;nnen Verkehrsb&#252;rokraten in der Berliner   Senatsverwaltung in Zeiten von Klimawandel, Feinstaub und zu Neige   gehenden Erd&#246;lvorr&#228;ten f&#252;r ein 3,2 Kilometer langes Autobahnteilst&#252;ck   442,8 Mio. Euro ausgeben. Wobei der Nutzen der Trasse f&#252;r die breite   Berliner &#214;ffentlichkeit an keiner Stelle &#252;berzeugend belegt wird.<\/p>\n<p>  Der Berliner Senat besteht dennoch auf den Neubau, da er &#8222;nur&#8220; etwa 55   Millionen f&#252;r Zubringerstra&#223;en und Grundst&#252;cksk&#228;ufe zahlen muss, der   gro&#223;e Rest kommt aus dem Bundeshaushalt. Leider sind diese Gelder   zweckgebunden, sie d&#252;rfen laut Bundesverkehrswegeplan nur f&#252;r den   Autobahnbau verwendet werden. Die SAV setzt sich daf&#252;r ein, diese   unsinnige Regel zu kippen: Die Einwohner Berlins m&#252;ssen die M&#246;glichkeit   erhalten, auf demokratischen Grundlagen selber zu entscheiden ob das   Steuergeld, statt in die Autobahn in die Sanierung des bestehenden   Stra&#223;ennetzes oder in umweltfreundliche Verkehrstr&#228;ger investiert wird.   Die Pl&#228;ne f&#252;r neue Stra&#223;enbahnen und Radspuren liegen l&#228;ngst auf dem   Tisch.<\/p>\n<p>  Wie die Entwicklung der Verkehrsbelastung nach der Er&#246;ffnung der A 113   nach Sch&#246;nefeld zeigt, wird das Ziel der Entlastung der Stadtstra&#223;en (am   Adlergestell lediglich 9 Prozent Abnahme) nur in ganz geringem Ma&#223;e   erreicht, welches in keinem Verh&#228;ltnis zur m&#246;glichen Verdoppelung des   Verkehrs auf dem neuen Autobahnabschnitt steht.<\/p>\n<h4>  140.000 &#8364; pro Meter<\/h4>\n<p>  Diese Autobahn wird eine der teuersten Stra&#223;enabschnitte Deutschlands.   Anstatt sowohl aus dem Bundes- als auch aus dem Landeshaushalt pro Meter   Autobahn rund 140.000 &#8364; f&#252;r Planung, Bauvorbereitung, Baudurchf&#252;hrung   und Grunderwerb auszugeben, k&#246;nnte man in den Erhalt und den Ausbau   oberirdischer Bahn- und Buslinien im gesamten Stadtgebiet, die f&#228;llige   Sanierung des bestehenden Stra&#223;ennetzes und den Ausbau von Fahrradwegen   investieren, sowie die Preise des VBB bis hin zum Nulltarif senken.<\/p>\n<p>  Die Kosten f&#252;r ein Fahrradverleih-System, wie 2007 in Paris eingef&#252;hrt,   w&#252;rden nur einen Bruchteil des geplanten Autobahnausbaus erreichen und   dadurch k&#246;nnte eine wirkliche &#246;kologische und soziale Umgestaltung des   &#214;PNV in Gang gesetzt werden. Mit dem Ausbau der A 100 zum Treptower Park   wird dem total entgegen gearbeitet, da mit diesem Autobahnteilst&#252;ck der   Autoverkehr direkt in den S-Bahn-Ring geleitet wird.<\/p>\n<p>  Erweiterung w&#228;re angesichts eines R&#252;ckstands in der Stra&#223;enunterhaltung   von circa 256 Millionen Euro die einzig m&#246;gliche und richtige Strategie   des Senats.<\/p>\n<p>  Eine nachhaltige Stadtentwicklung durch wirtschaftliche Planung sieht   anders aus. Der motorisierte Stra&#223;enverkehr ist mit Abstand der gr&#246;&#223;te   CO&#178;-Emittent des Verkehrssektors. Es stellt sich daher die Frage, warum   die Bundesregierung den Ausbau dieses Verkehrssektors forciert, der doch   so offensichtlich ihren eigenen Klimaschutzzielen widerspricht.<\/p>\n<h4>  Einfluss des Kapitals<\/h4>\n<p>  Stattdessen fordert der Lobbyverband der Deutschen Automobilindustrie   VDA jedes Jahr immer mehr Steuergelder f&#252;r den Stra&#223;enbau ein. Diese   Quersubventionierung ist nicht l&#228;nger hinnehmbar, wobei Deutschland &#252;ber   eines der dichtesten Stra&#223;ennetze der Welt verf&#252;gt. Diese Frage stellt   sich insbesondere in einem Ballungsraum, der in ausreichendem Ma&#223;e   andere Verkehrsmittel bietet, die den Personen- und G&#252;tertransport   &#252;bernehmen k&#246;nnten. Verst&#228;ndlich auch, dass der Bauindustrieverband   Berlin-Brandenburg, und die Industrie- und Handelskammer die   Verl&#228;ngerung der A 100 begr&#252;&#223;en, ist sie doch die M&#246;glichkeit weiteres   Steuergeld in die H&#228;nde einiger weniger zu verteilen und den Ausverkauf   der Stadt weiter anzuheizen. Der Grenznutzen beim Stra&#223;enbau in Berlin   ist erreicht. Mittlerweile sollte dies auch die B&#252;rokraten in der   Senatsverwaltung begriffen haben.<\/p>\n<p>  Die geplante Verl&#228;ngerung der A 100 ist ein vollkommen unzeitgem&#228;&#223;es   Bauwerk und fundamentiert den Machtanspruch der Asphalt- und Baulobby   gegen&#252;ber der breiten Masse der Berliner Bev&#246;lkerung ein weiteres mal.   Sie f&#252;hrt zu einem Wandel der Sozialstruktur in der Umgebung des   geplanten Teilst&#252;cks und einem Absinken der Wohnqualit&#228;t. Denn viele   derzeitige Anwohner des neuen Autobahnteilst&#252;cks werden nicht gewillt   sein, die Beeintr&#228;chtigungen in Kauf zu nehmen und werden ihre Wohnungen   aufgeben m&#252;ssen. Die verbleibenden werden mit Dauerl&#228;rm, Abgasen und   Feinstaub konfrontiert sein. Die SAV ist dagegen, dass durch die   Verl&#228;ngerung der A 100 viele Menschen regelrecht &#8222;vertrieben&#8220; werden.   Wir sind nicht einverstanden, dass gewachsene menschliche Beziehungen   durch den Weiterbau zerst&#246;rt werden. In der Umgebung der geplanten   Autobahn sind &#252;ber Jahrzehnte Sozialstrukturen und Hausgemeinschaften   entstanden, die nichts mit dem Klischee von der Anonymit&#228;t der Gro&#223;stadt   zu tun haben.<\/p>\n<p>  Das Planverfahren weist au&#223;erdem M&#228;ngel und Verfahrensfehler auf. So   wurde es beispielsweise vers&#228;umt, w&#228;hrend des   Linienbestimmungsverfahrens eine B&#252;rgerbeteiligung vorzunehmen, so dass   die B&#252;rger jetzt zu einem bereits relativ fortgeschrittenen Planungstand   erstmals die M&#246;glichkeit haben, in Form von schriftlichen Einwendungen,   sich zu dem geplanten Ausbau zu &#228;u&#223;ern.<\/p>\n<p>  Die Nichtbeteiligung der &#214;ffentlichkeit widersprach bereits zum   Zeitpunkt des Linienbestimmungsverfahrens der damals geltenden   Rechtslage.<\/p>\n<p>  Die Beteiligung der Anwohner h&#228;tte zum Zeitpunkt des   Linienbestimmungsverfahrens 1993 durchgef&#252;hrt werden m&#252;ssen. Zudem   wurden Inhalt und Umfang der Planung gegen&#252;ber der im   Linienbestimmungsverfahren vorgelegten Planung grundlegend ver&#228;ndert. So   geht das Linienbestimmungsverfahren von einem 4-spurigen Ausbau der   Autobahn aus, obwohl bereits zum damaligen Zeitpunkt der sechsspurige   Ausbau vom Planungstr&#228;ger in Erw&#228;gung gezogen wurde. Der nunmehr im   Planfeststellungsverfahren zugrunde gelegte 6-spurige Ausbau mit seinen   Auswirkungen auf die Umwelt- und Luftverschmutzung konnte im   Linienbestimmungsverfahren nicht korrekt eingesch&#228;tzt werden.<\/p>\n<p>  Die zugrunde gelegten Prognosen zur Bev&#246;lkerungs- und   Arbeitsplatzentwicklung entsprechen nicht mehr den heute absehbaren   Entwicklungen f&#252;r das Jahr 2010. Die prognostizierte Einwohnerzahl der   Stadt Berlin von 3,7 Mio. Einwohnern, liegt nach dem Statistischen   Jahrbuch 2008 tats&#228;chlich bei 3,4 Mio Einwohnern. Ebenso verh&#228;lt es sich   mit den Arbeitspl&#228;tzen in Berlin.<\/p>\n<p>  Es m&#252;ssen alle Fakten und Informationen auf den Tisch! Im Jahr 2002   forderte die der Industrie nahestehenden Initiative Pro Mobilit&#228;t einen   generellen Ausbau der Autobahnen auf drei Spuren pro Richtung. Wurden   auch an anderer Stelle Auflagen nicht beachtet und somit ein weitere   Ver&#228;nderung der urspr&#252;nglichen Planung m&#246;glich? Wie hoch sind die   zus&#228;tzlichen Kosten, die infolge der weiteren Planung der A100 bis zur   Frankfurter Allee jetzt entstehen? S&#228;mtliche Kosten und Folgekosten und   die Risiken m&#252;ssen der &#214;ffentlichkeit detailliert dargelegt werden. Das   Ergenis einer solchen Offenlegung ist absehbar: der Ausbau macht keinen   Sinn und muss gestoppt werden!<\/p>\n<p>  Berlin und insbesondere die Bezirke Nord-Neuk&#246;lln Alttreptow werden   durch den weiteren Ausbau der Autobahn A100, noch h&#228;sslicher und   kaputter. Diese falsche Stadtentwicklung muss gestoppt werden.<\/p>\n<p>  Der Kampf um die Verhinderung der A100 kann nur ein weiterer Beginn   eines Kampfes f&#252;r wirkliche kommunale Selbstverwaltung sein. Um das zu   erreichen, m&#252;ssen grundlegende Dinge auf bundespolitischer Ebene   ver&#228;ndert werden. Dabei reicht es sicher nicht aus die Nutzungsfrage der   vorhandenen R&#228;ume in einer Stadt wie Berlin zu stellen. Diese Frage zu   l&#246;sen wird zu einer Machtfrage. Wollen wir an einer demokratischen   Gestaltung Berlins, im Hinblick auf die Bebauung und weiteren   Entwicklung des Stadtgebiets mitwirken? Dann m&#252;ssen wir daf&#252;r k&#228;mpfen,   die vorhandenen &#246;ffentlichen Fl&#228;chen, in Gemeineigentum zu behalten und   d&#252;rfen es nicht zulassen, dass der Senat weiterhin &#246;ffentliche R&#228;ume an   die ortsans&#228;ssige Baumafia verschachert.<\/p>\n<p>  Berlin darf nicht den Bankern, Bonzen und st&#228;dtischen B&#252;rokraten   geh&#246;ren. Die breite Masse der Bev&#246;lkerung, die arbeitenden und   erwerbslosen Menschen, m&#252;ssen an dieser Stadt beteiligt sein.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die SAV hat eine <a href=\"\/media\/m\/20090428180452Einwendung_A100-1.pdf\">Einwendung<\/a>   an die Senatsverwaltung f&#252;r Stadtentwicklung gerichtet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nein zum Ausbau der A 100 in Berlin\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,119],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13125"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13125"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13125\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13125"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13125"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13125"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}