{"id":13122,"date":"2009-04-24T17:18:00","date_gmt":"2009-04-24T17:18:00","guid":{"rendered":".\/?p=13122"},"modified":"2009-04-24T17:18:00","modified_gmt":"2009-04-24T17:18:00","slug":"13122","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/04\/13122\/","title":{"rendered":"Mahle-Besch&#228;ftigte k&#228;mpfen gegen Werksschlie&#223;ung in Alzenau"},"content":{"rendered":"<p>  2.500 Kolleginnen protestieren am 23.4.09 vor Konzernsitz in Stuttgart<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der Mahle-Konzern ist mit weltweit 48.000 Besch&#228;ftigten einer der   wichtigsten Autozulieferer und hat seinen Sitz in der Pragstra&#223;e in   Stuttgart Bad Cannstatt. Die Pragstra&#223;e war einst Symbol f&#252;r die   aufsteigende Industrie der Region. In den 80er und 90er Jahren wurde sie   zum Symbol des Niedergangs. Werke wie SKF, Fortuna, Wizemann, Knecht   wurden geschlossen, Mahle auf die Verwaltung und (Foxboro) Eckardt von   einst 1.600 auf circa 100 Besch&#228;ftigte reduziert.<\/p>\n<h4>  <i>Bericht und Kommentar von Ursel Beck, Stuttgart <\/i><\/h4>\n<p>  Bei Anl&#228;ssen wie heute, haben sich vor Jahrzehnten die Besch&#228;ftigten   aller Metallbuden der Pragstra&#223;e versammelt. Sie haben nicht nur vor den   Werken protestiert sondern mit einer Demonstration die viel befahrene B   10 lahmgelegt. Bei einer betriebs&#252;bergreifenden Protestaktion wurde die   Pragstra&#223;e in den 80er Jahren in &#8222;Arbeitsplatzvernichtungsstra&#223;e&#8220;   umgetauft. Mit dem Plan das Werk in Alzenau zu schlie&#223;en, bekr&#228;ftigt der   Mahle-Vorstand dieses Image der Pragstra&#223;e.<\/p>\n<h4>  &#8222;Eine Region steht auf&#8220;<\/h4>\n<p>  Wenn es nach Vorstandschef Coenen geht, wird das Werk in Alzenau mit 424   Besch&#228;ftigten und 12 Azubis im Juni geschlossen. Dagegen setzt sich die   Belegschaft in Alzenau zur Wehr. Unter dem Motto &#8222;Ein Region steht auf&#8220;   sind bereits am 18.4.09 um die 3.000 Menschen in Alzenau auf die Stra&#223;e   gegangen, darunter auch Besch&#228;ftigte des Konkurrenzunternehmens   Kolbenschmidt. Es wurde eine Mahnwache eingerichtet, die von Kolleginnen   und Kollegen aus anderen Betrieben unterst&#252;tzt wird. Am Tag der Demo in   Stuttgart &#252;bernahmen Kollegen des Linde-Werkes die Mahnwache. Mehr Infos   &#252;ber den Kampf in Alzenau gibt es unter www.mahle-soli.de.<\/p>\n<h4>  &#8222;Ein Konzern steht auf&#8220;<\/h4>\n<p>  Aus Solidarit&#228;t mit der Belegschaft in Alzenau haben die Gewerkschaften   der Mahle-Werke einen europaweiten Aktionstag unter dem Motto &#8222;ein   Konzern steht auf&#8220; organisiert. H&#246;hepunkt war die Kundgebung in   Stuttgart mit 2.500 Kolleginnen und Kollegen. Aus allen Werken in   Deutschland von Kiel bis Zell im Wiesental waren Delegationen nach   Stuttgart gekommen. Aus Brasilien traf ein Solidarit&#228;tsschreiben der   Gewerkschaft CUT ein. In den Wochen zuvor hatten von den 9.700   Besch&#228;ftigten der deutschen Mahle-Werke 6.700 gegen die Schlie&#223;ung des   Werkes Alzenau unterschrieben. Diese Unterschriften wurden bei der   Aufsichtsratssitzung in Stuttgart &#252;bergeben.<\/p>\n<h4>  Vertragsbruch<\/h4>\n<p>  Mahle-Betriebsr&#228;te wiesen bei der Kundgebung darauf hin, dass 2005   zwischen Gesch&#228;ftsleitung und Betriebsrat eine Vereinbarung zur   Zukunftssicherung vereinbart worden sei, deren Investitionszusagen von   der Gesch&#228;ftsleitung nicht eingehalten wurden. Diese Standortsicherung   wurde von den Mahle-Besch&#228;ftigten mit Lohnverzicht und   Arbeitszeitflexibilisierung bezahlt. Wie immer wurden Zugest&#228;ndnisse   gemacht, damit es nicht schlimmer kommt. Und wie immer, kommt es   schlimmer.<\/p>\n<h4>  Sozialvertr&#228;glicher Arbeitsplatzabbau<\/h4>\n<p>  Betriebsr&#228;te und IGM-Funktion&#228;re gaben sich bei der Kundgebung mitunter   wortradikal. Den Versammelten wurde aber nicht gesagt, was sie eh schon   vermuten, dass n&#228;mlich das kapitalistische System Schuld ist an der   Krise. Hubert D&#252;nnemeier, Arbeitnehmervertreter im Mahle-Aufsichtsrat   sprach davon, dass man sich darauf einstellen m&#252;sse, dass die Auftr&#228;ge   weiter zur&#252;ckgingen. Konkret schlug er Kurzarbeit bis Kurzarbeit null,   einen Interessenausgleich mit abschlagsfreier Fr&#252;hverrentung, eine   Transfergesellschaft sowie eine Unternehmensstrategie jenseits des   Verbrennungsmotors vor. Umstrukturierungsma&#223;nahmen ja, aber keine   Werksschlie&#223;ung, keine betriebsbedingten K&#252;ndigungen, sondern   sozialvertr&#228;glicher Arbeitsplatzabbau, das war der Tenor der Reden. Aber   bei inoffziell f&#252;nf Millionen Arbeitslosen gibt es keinen   sozialvertr&#228;glichen Arbeitsplatzabbau mehr. Denn wo sollen die bereits   Erwerbslosen noch einen Job finden? Wo sollen die Kinder der Kolleginnen   und Kollegen von Mahle-Alzenau und anderswo eine Lehrstelle und eine   berufliche Zukunft bekommen? Der Betriebsratsvorsitzende von   Mahle-Alzenau forderte richtigerweise die Absenkung der Arbeitszeit.   F&#252;gte aber nicht hinzu, dass das bei vollem Lohn- und Personalausgleich   geschehen m&#252;sse.<\/p>\n<p>  Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende und stellvertretende   Aufsichtsratsvorsitzende, Bernd Hofmeier-Sch&#228;fer, erkl&#228;rte unter   tosendem Applaus: &#8222;Die Arbeit ist unser Leben und wer uns die Arbeit   nimmt, der will uns ans Leben&#8220;. Er mahnte die Konzernf&#252;hrung zur   Bescheidenheit bei der Rendite: &#8222;M&#252;ssen es 17 Prozent, m&#252;ssen es 20   Prozent sein? Reichen nicht 3 Prozent, manchmal sogar nur 1 Prozent und   in schwierigen Jahren vielleicht auch gar nichts?&#8220; Wenn Raffgier die   Wirtschaft bestimme, w&#228;re es an der Zeit, dass wir etwas unfreundlicher   werden, um eine menschlichere Gesellschaft zu gestalten,   Hofmeier-Sch&#228;fer weiter. Das blieb aber eine leere Drohung, denn weitere   Kampfschritte wurden nicht genannt. Am Ende seiner Rede sprach   Hofmeier-Sch&#228;fer vers&#246;hnlerisch davon, dass die andere Seite auch &#196;ngste   h&#228;tte und es an der Zeit sei einen Weg zu finden, die &#196;ngste auf beiden   Seiten zu beseitigen. Man verlange vom Aufsichtsrat, dass er die   Vorschl&#228;ge zum Erhalt von Alzenau pr&#252;fe und man wolle eine L&#246;sung f&#252;r   alle Besch&#228;ftigten bei Mahle wie am Beispiel des letzten Standort- und   Besch&#228;ftigungssicherungsvertrags. Dies k&#246;nnte ein Hinweis auf einen Deal   sein, die Profite von Mahle durch weiteren Verzicht der gesamten   Belegschaft zu sanieren und im Gegenzug ein wie auch immer geschrumpftes   Werk Alzenau zu erhalten. Doch nach einem solchen Zugest&#228;ndnis wird es   wie immer noch schlimmer kommen. Nicht auszuschlie&#223;en ist aber auch,   dass der Mahle-Vorstand angesichts der dramatischen Absatzeinbr&#252;che,   einen radikalen Schnitt jetzt und nicht erst sp&#228;ter will. F&#252;r diesen   Fall boten die Betriebsr&#228;te und die IGM keine Kampfstrategie.<\/p>\n<h4>  Standortpolitik<\/h4>\n<p>  Dass es bei Mahle nicht nur um das Werk Alzenau geht, sondern auch um   andere Werke machte der Betriebsratsvorsitzende der Mahle-Zentrale in   Stuttgart, Willi Ritter, in seiner Rede deutlich. Er listete eine ganze   Reihe von Werken in Europa auf, die von Arbeitsplatzvernichtung und   Betriebsschlie&#223;ungen bedroht sind. Trotzdem begrenzten die Redner die   Forderung des Tages auf den Erhalt des Standorts Alzenau bzw. des   Standorts Deutschland und begaben sich damit in nationalistisches   Fahrwasser.<\/p>\n<h4>  Gemeinsamer Kampf n&#246;tig<\/h4>\n<p>  Es geht auch nicht nur um Mahle. &#220;berall stehen Arbeitsplatzvernichtung   und Werksschlie&#223;ungen auf der Tagesordnung. Zeitgleich mit den   Mahle-Besch&#228;ftigten haben 3.000-Conti-Besch&#228;ftigte vor der   Aktion&#228;rs-Hauptversammlung in Hannover gegen die Schlie&#223;ung von   Reifenwerken in Hannover und im nordfranz&#246;sischen Clairoix demonstriert.   1.500 Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich waren nach Hannover   gereist, um Maria-Elisabeth Schaeffler und Co. einzuheizen. Kein   Betriebsrat und kein IGM-Funktion&#228;r hat bei der Kundgebung in Stuttgart   ein Wort &#252;ber den Protest in Hannover verloren. Man h&#228;tte auch annehmen   m&#252;ssen, dass die IGM die Kundgebung nutzt, um f&#252;r die bundesweite   Demonstration am 16.5. in Berlin zu mobilisieren. Weder fiel der Termin,   noch ein Wort &#252;ber die Notwendigkeit einer gemeinsamen bundesweiten   Demonstration aller Belegschaften und Gewerkschaften. Anstatt dass die   Gewerkschaften hierzulande endlich f&#252;r franz&#246;sische Verh&#228;ltnisse sorgen,   konnte man am Tag der Arbeiterproteste in Hannover und Stuttgart in der   Presse lesen, dass Berthold Huber, Frank Bsirske, Hubertus Schmoldt und   Michael Sommer am 22. April zum erlesenen Kreis der 40 Eliten des   zweiten Konjunkturgipfels im Kanzleramt geh&#246;rten und alle Teilnehmer   sich einig gewesen w&#228;ren, dass die Stimmung gut gewesen sei.<\/p>\n<h4>  Kampfbereitschaft nutzen<\/h4>\n<p>  Unter den anwesenden Mahle-Besch&#228;ftigten gibt es eine weitaus   k&#228;mpferische und radikalere Stimmung als unter den Funktion&#228;ren. Die   Kollegen waren w&#252;tend &#252;ber die Schlie&#223;ungspl&#228;ne und machten ihrem &#196;rger   mit Trommeln, Pfiffen und dem Sprechchor &#8222;Alzenau bleibt&#8220; Luft. Als die   Rede auf den Vorstandsvorsitzenden zu sprechen kam, rief ein Kollege   lauthals: &#8222;Coenen muss weg&#8220;. Die Kollegen vom Mahle-Werk W&#246;lfersheim   hatten ein IGM-Transparent mit der Aufschrift &#8222;Zum Streik bereit &#8211; sind   wir jederzeit&#8220;. Auf einem Pappschild stand von Hand geschrieben: &#8222;Die   Welt hat genug f&#252;r jedermanns Bed&#252;rfnisse, aber nicht f&#252;r jedermanns   Gier!!!&#8220; Mehrmals wurde bei dem Protesttag vor dem Mahle-Stammsitz in   Stuttgart der Satz von Friedrich Schiller bem&#252;ht: &#8222;Vereint sind auch die   Schwachen m&#228;chtig&#8220;. Aber daf&#252;r muss ein radikaler Kurswechsel bei den   Gewerkschaften stattfinden. Gemeinsame Massendemonstrationen, Streiks,   Generalstreik, Betriebsbesetzungen sind das Gebot der Stunde. In den   Betrieben und in der Gesellschaft muss die Machtfrage gestellt werden.   In der Satzung der IGM &#167; 2, Abs. 4 steht die Forderung: &#8222;&#220;berf&#252;hrung von   Schl&#252;sselindustrien und anderen markt- und wirtschaftsbeherrschenden   Unternehmungen in Gemeineigentum&#8220;.<\/p>\n<p>  Der Kampf um diese Forderung geh&#246;rt auf die Tagesordnung, nicht nur bei   Mahle.<\/p>\n<p>  <b>Solidarit&#228;tsadressen an die Belegschaft in Alzenau an   solidaritaet@mahle.de <\/b><\/p>\n<p>  <b>Fotos von Roland H&#228;gele unter &#8222;Aktuell&#8220; <a href=\"www.action-stuttgart.de\">www.action-stuttgart.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      2.500 Kolleginnen protestieren am 23.4.09 vor Konzernsitz in Stuttgart\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13122"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13122"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13122\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}