{"id":13120,"date":"2009-04-21T14:00:00","date_gmt":"2009-04-21T12:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13120"},"modified":"2012-05-15T15:13:49","modified_gmt":"2012-05-15T13:13:49","slug":"13120","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/04\/13120\/","title":{"rendered":"DIE LINKE und der Pluralismus"},"content":{"rendered":"<p>  26.4.: Bundesschiedskommission tagt &#252;ber Mitgliedschaft von Lucy Redler   und Sascha Stanicic<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Folgenden Brief haben Lucy Redler und Sascha Stanicic an Kreisverb&#228;nde   und Gremien der Partei DIE LINKE gerichtet:<\/p>\n<\/p>\n<p>  Berlin, 21.4.2009<\/p>\n<\/p>\n<p>  Liebe Genossinnen und Genossen,<\/p>\n<p>  am 26. April wird die Bundesschiedskommission beraten, ob wir, Lucy   Redler und Sascha Stanicic, Mitglieder der Partei DIE LINKE werden. Dies   wird sicher gleich bedeutend sein f&#252;r die sp&#228;ter zu erwartende   Entscheidung &#252;ber die Mitgliedschaft neun weiterer SAV&quot;lerInnen aus   Berlin.<\/p>\n<p>  Klaus Ernst und andere hatten Einspruch gegen unsere Mitgliedschaft   eingelegt und die Berliner Landesschiedskommission hatte diese   Einspr&#252;che best&#228;tigt. Wir sind der &#220;berzeugung, dass es sich dabei um   den Versuch handelt, prominente KritikerInnen der Regierungsbeteiligung   des Berliner Landesverbandes im so genannten rot-roten Senat aus der   Partei auszugrenzen. Das widerspricht dem offenen, pluralen und   demokratischen Anspruch, den DIE LINKE in ihrer Satzung festgeschrieben   hat<\/p>\n<p>  Die Entscheidung der Landesschiedskommission basiert auf einer Prognose.   Wir wurden also verurteilt, weil man von uns eine bestimmte   Verhaltensweise in der Zukunft erwartet, obwohl wir diese Prognose   zur&#252;ck weisen. Daf&#252;r wurde die eigenst&#228;ndige Kandidatur des Berliner   WASG-Landesverbandes zu den Abgeordnetenhauswahlen 2006 heran gezogen.   Diese Kandidatur basierte auf mehrmaligen demokratischen Entscheidungen   des Landesverbandes bei Parteitagen und in einer Urabstimmung. Entgegen   der &#252;blichen Praxis, dass landespolitische Fragen von den   Landesverb&#228;nden autonom entschieden werden, hatte der   WASG-Bundesparteitag damals die Berliner WASG aufgefordert, nicht   anzutreten. Dieser Aufforderung wurde nicht nachgekommen, weil die   Berliner Mitglieder der Meinung waren, dass diese Frage durch den   Landesverband zu entscheiden ist.<\/p>\n<p>  Daraus leiten Klaus Ernst und die Landesschiedskommission nun ab, dass   wir in der Zukunft nicht bereit sein werden, Parteitagsbeschl&#252;sse zu   respektieren. Dies gilt jedoch nur f&#252;r uns, viele andere Mitglieder der   WASG Berlin inklusive einiger SAV&quot;lerInnen wurden ohne Widerspruch in   die Partei aufgenommen. Auch viele WASG-Mitglieder aus anderen   Bundesl&#228;ndern, die die Kandidatur der Berliner WASG im Jahr 2006 aktiv   unterst&#252;tzt haben, bekleiden heute verschiedene Positionen in der neuen   Partei. Hier wird also offensichtlich mit zweierlei Ma&#223; gemessen.<\/p>\n<p>  Die Auseinandersetzung um unsere Mitgliedschaft hat aber eine neue   politische Dimension durch die Begr&#252;ndung der Entscheidung der   Landesschiedskommission erhalten. Darin hei&#223;t es: &#8222;Die Linkspartei kann   und muss von ihren Mitgliedern auch eine Loyalit&#228;t gegen&#252;ber   demokratisch zustande gekommenen Entscheidungen verlangen. Dies gilt   auch, wenn das jenige Mitglied, welches in einem Entscheidungsproze&#223; mit   seiner Meinung unterlegen war, sehr wohl auch gehalten ist, die   demokratisch zustande gekommenen Mehrheitsbeschl&#252;sse nicht nur zur   Kenntnis zu nehmen, sondern auch mit durchzusetzen.&#8220;<\/p>\n<p>  Was bedeutet diese Aussage konkret? Sie bedeutet zum Beispiel, dass ein   Mitglied der Partei DIE LINKE sich nicht nur nicht &#246;ffentlich gegen   Landesparteitagsbeschl&#252;sse &#228;u&#223;ern darf, sondern von ihm erwartet wird,   diese &#8222;mit durchzusetzen&#8220;. Wenn also der Landesparteitag der Berliner   LINKEn, die Politik des Berliner Senats per Beschluss unterst&#252;tzt, so   muss jedes Mitglied der Partei in Berlin darauf verzichten die Umsetzung   von Ein-Euro-Jobs in Berliner Bezirken, die Privatisierung von Wohnraum,   Arbeitsplatzvernichtung und Lohnk&#252;rzungen im &#246;ffentlichen Dienst,   K&#252;rzung des Blindengelds, Abschaffung der Lehrmittelfreiheit etc.   &#246;ffentlich zu kritisieren und d&#252;rfte auch an keiner Demonstration   dagegen teilnehmen.<\/p>\n<p>  Wenn sich ein solches Parteiverst&#228;ndnis in der LINKEn durchsetzt, werden   die F&#252;hrungen und Schiedskommissionen die M&#246;glichkeit haben, jedem   Kritiker und jeder Kritikerin parteisch&#228;digendes Verhalten nachzuweisen,   wenn man nur einmal laut in der &#214;ffentlichkeit nachgedacht hat oder sich   geweigert hat Flugbl&#228;tter zu verteilen, in denen die Berliner   Senatspolitik verteidigt wird.<\/p>\n<p>  Die Satzung spricht aber eine andere Sprache, als die Berliner   Landesschiedskommission. Sie verlangt Respekt vor Parteibeschl&#252;ssen,   aber keinen Zwang zur Umsetzung oder Verzicht auf &#246;ffentliche Kritik. Im   Gegenteil sieht &#167;4 Abs.2 der Satzung vor, dass jedes Mitglied das Recht   hat &#8222;an der Meinungs- und Willensbildung mitzuwirken, sich &#252;ber alle   Parteiangelegenheiten zu informieren und zu diesen ungehindert Stellung   zu nehmen&#8220;.<\/p>\n<p>  Hier ist nicht die Rede davon, dass diese Stellungnahmen nur vor   Beschlussfassungen oder nur parteiintern m&#246;glich sind. Im selben   Paragraphen wird au&#223;erdem unterschieden zwischen der Pflicht die   Grunds&#228;tze der Partei zu vertreten und der Pflicht die gefassten   Beschl&#252;sse zu respektieren. Nun mag man sich &#252;ber die Definition des   Wortes &#8222;respektieren&#8220; streiten k&#246;nnen. Es bedeutet aber ganz sicher   nicht &#8222;umsetzen&#8220;, &#8222;&#246;ffentlich vertreten&#8220; oder &#8222;nicht kritisieren&#8220;.   Respekt bedeutet gefasste Beschl&#252;sse anzuerkennen und sich politisch   (und das beinhaltet die Fortsetzung der Debatte, auch &#246;ffentlich, und   ggf. auch die Teilnahme an au&#223;erparlamentarischer Opposition gegen   Beschl&#252;sse, die einen unsozialen Charakter haben) damit   auseinanderzusetzen, aber zum Beispiel darauf zu verzichten, die   Umsetzung durch St&#246;rung, Sabotage oder &#228;hnlichem zu verhindern.<\/p>\n<p>  Viele Mitglieder und Gliederungen der Partei und des Jugendverbandes   haben gegen diese Ausgrenzungsversuche protestiert. Darunter die   Landesparteitage Schleswig-Holstein und Baden-W&#252;rttemberg, der   Landesvorstand NRW, Linksjugend[&quot;solid]-Landesvollversammlungen in NRW,   Baden-W&#252;rttemberg und Bayern.<\/p>\n<p>  Wir m&#246;chten Euch bitten vor der Sitzung der Bundesschiedskommission (   schiedskommission@die-linke.de ) dieser gegen&#252;ber noch einmal deutlich   zu machen, dass ihre Entscheidung eine weit gr&#246;&#223;ere Bedeutung hat, als   zwei Mitglieder aufzunehmen oder nicht. Sie wird Einfluss auf den   Pluralismus und die innerparteiliche Demokratie haben. Wir bitten Euch,   uns zu unterst&#252;tzen und die Bundesschiedskommission aufzufordern, die   Entscheidung der Berliner Landesschiedskommission aufzuheben.<\/p>\n<p>  Eine Dokumentation dieses Falls findet Ihr hier: <a href=\"www.archiv.sozialismus.info\/?swid=136\">www.archiv.sozialismus.info\/?swid=136<\/a><\/p>\n<\/p>\n<p>  Mit sozialistischen Gr&#252;&#223;en<\/p>\n<p>  Lucy Redler<\/p>\n<p>  Sascha Stanicic<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      26.4.: Bundesschiedskommission tagt &#252;ber Mitgliedschaft von Lucy Redler<br \/>\n      und Sascha Stanicic\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,27],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13120"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13120"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13120\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}