{"id":13119,"date":"2009-04-22T00:01:00","date_gmt":"2009-04-22T00:01:00","guid":{"rendered":".\/?p=13119"},"modified":"2009-04-22T00:01:00","modified_gmt":"2009-04-22T00:01:00","slug":"13119","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/04\/13119\/","title":{"rendered":"Thailand: Stra&#223;enschlachten in Bangkok"},"content":{"rendered":"<p>  Keine der etablierten Parteien hat den arbeitenden und armen Menschen   eine L&#246;sung anzubieten<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  In die Stra&#223;en Bangkoks und anderer St&#228;dte Thailands ist einstweilen   Ruhe eingekehrt. Am Dienstag sagte der F&#252;hrer des Protestes, Prateep   Ungsongtham Hata, gegen&#252;ber AFP: &#8222;Seit letzter Nacht haben wir mit den   F&#252;hrern Gespr&#228;che gef&#252;hrt und entschieden, dass wir unsere   ProtestiererInnen eine Zeit lang zerstreuen werden.&#8220;<\/p>\n<h4>  <i>von Clare Doyle, CWI (Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale), London<\/i><\/h4>\n<p>  &#220;ber mehrere Tage hinweg war es zu gewaltt&#228;tigen Stra&#223;enschlachten in   Bangkok gekommen, wobei die Armee Panzer und scharfe Munition gegen   tausende von jungen ProtestiererInnen in roten T-Shirts einsetzte. Busse   wurden geradewegs in Polizeilinien gefahren. Geb&#228;ude, Autos und Reifen   wurden in Brand gesteckt. Das Ergebnis waren zwei Tote und rund 100   Schwerverletzte. Der Wagen des Premierministers wurde angegriffen und   gepanzerte Fahrzeuge sind von einer w&#252;tenden Menschenmenge demoliert   worden.<\/p>\n<p>  Ziel der &#8220;Roten&#8221; ist es, Abhisit Vejjajiva, den vierten thail&#228;ndischen   Premmierminister innerhalb von 15 Monaten, abzus&#228;gen und den   Multimilliard&#228;r Thaksin Shinawatra wieder einzusetzen. (Thaksins   Regierung war 2006 durch einen Milit&#228;rputsch zu Fall gebracht worden).<\/p>\n<p>  Am 11. April drangen dessen Anh&#228;ngerInnen scheinbar ungehindert ins   Royal Cliff Beach Hotel in Pattaya ein und besetzten es. Sie zwangen 16   asiatische Regierungschefs, die dort ein Gipfeltreffen abhielten, dazu,   per Hubschrauber vom Dach aus zu verschwinden. Der Notstand wurde   ausgerufen und Paramilit&#228;rs in blauen Hemden marschierten auf. In   Bangkok st&#252;rmten ProtestiererInnen das Innenministerium und besetzten   das Areal rund um die Regierungsgeb&#228;ude im Zentrum der Hauptstadt. Ihre   Partei hei&#223;t &#8222;Vereinte Front f&#252;r Demokratie gegen Diktatur&#8221;.<\/p>\n<p>  Erst Ende des vergangen Jahres waren es die Unterst&#252;tzerInnen von   Abhisit, die in gelben T-Shirts das Regierungsgeb&#228;ude &#252;ber zwei Monate   belagerten, um daraufhin zwei Flugh&#228;fen zu st&#252;rmen und zu besetzen bis   die Thaksin-Regierung f&#252;r illegal erkl&#228;rt wurde. Zu jenem Zeitpunkt war   es nur zu geringer bis gar keiner Einmischung seitens der Armee   gekommen, deren F&#252;hrer auf Seiten der &#8222;Gelbhemden&#8220; standen. Am 12.   Dezember dann waren zahlenm&#228;&#223;ig ausreichend Parlamentarier zur Partei   von Abhisit &#8211; der People&quot;s Alliance for Democracy (Volkspartei f&#252;r   Demokratie, PAD) &#8211; &#252;bergetreten, die urspr&#252;nglich Thaksin gegen&#252;ber   positive gesonnen waren, um nun eine Regierung zu bilden (Manche sagen,   dass es an Geldzahlungen lag, andere meinen, dass dies aufgrund der   Drohungen des Milit&#228;rs hinter den Kulissen geschah).<\/p>\n<p>  Die PAD &#8211; sie gr&#252;ndet sich vorwiegend auf die st&#228;dtische Mittelklasse   und einige Schichten der Arbeiterklasse &#8211; stand f&#252;r mehr, nicht f&#252;r   weniger Einfluss der Monarchie und der Armee auf die Regierung. Dabei   sollten 70 Prozent der Repr&#228;sentanten nicht durch Wahl bestimmt werden.   Die Unterst&#252;tzung f&#252;r Thaksin kommt haupts&#228;chlich von einer Gro&#223;zahl   armer B&#228;uerInnen vom Land, die von seinen populistischen Ma&#223;nahmen   profitierten. Zur gleichen Zeit &#252;bte er eine neoliberale Politik aus, um   die Investoren und die Gesch&#228;ftsleute zu bes&#228;nftigen, was zu Emp&#246;rung   bei den ArbeiterInnen der st&#228;dtischen Gebiete f&#252;hrte.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend der Regierungskrise im letzten Jahr versammelten sich 50.000   Menschen. Ihr F&#252;hrer jedoch war derweil in Dubai, weil er nach der   Anklage wegen &#8222;Interessenskonfliktes&#8220; zu einer zweij&#228;hrigen   Gef&#228;ngnisstrafe verurteilt worden war. Wenig &#252;berraschend mutet daher   sein j&#252;ngster Aufruf an seine Unterst&#252;tzerInnen an, den er am 12. April   t&#228;tigte: &#8222;Jetzt, da sie die Panzer auf den Stra&#223;en zusammengezogen   haben, ist es f&#252;r die Menschen an der Zeit, zur Revolution   herauszukommen!&#8220; Nach deren Sieg wollte er seine triumphale R&#252;ckkehr   inszenieren.<\/p>\n<p>  Wenn die Misere der verarmten Menschen Thailands nicht so tragisch w&#228;re   und einige von ihnen nicht ihr Leben gelassen h&#228;tten, k&#246;nnten den   Ereignissen der letzten Tage geradezu kom&#246;diantische Z&#252;ge abgerungen   werden. Im Zusammenhang mit Thailands Volkswirtschaft, die von der   globalen kapitalistischen Krise mit am schwersten betroffen ist, ist es   vielmehr eine Trag&#246;die, dass keine der etablierten Parteien ein Programm   an Ma&#223;nahmen anzubieten hat, welches sie aus ihrer schrecklichen Armut   und fortw&#228;hrender Qual herausholt.<\/p>\n<p>  Das ist es, was der Wut und dem zu Tage getretenen Hass zugrunde liegt,   der haupts&#228;chlich von jungen Menschen auf die Stra&#223;en gebracht wird.   Doch es existiert keine sozialistische Kraft, um all dies gegen die   herrschende Elite kanalisieren zu k&#246;nnen. Einige, die die Kampagne f&#252;r   Demokratie inbr&#252;nstig unterst&#252;tzen, sind mit der F&#252;hrung von Thaksin   nicht gl&#252;cklich. Die populistische Demagogie der kapitalistischen Kr&#228;fte   &#8211; egal von welcher Seite &#8211; kann nur wegen des auf der Linken   herrschenden Vakuums erfolgreich sein und wird fr&#252;her oder sp&#228;ter dazu   f&#252;hren, dass die Masse der thail&#228;ndischen ArbeiterInnen und Armen mehr   will.<\/p>\n<p>  Der nun kurzfristig abgesagte Gipfel der Association of Southeast Asian   Nations (ASEAN) plus China, Japan, S&#252;dkorea, Indien und Neuseeland war   n&#246;tig geworden, um Heilmittel f&#252;r die ramponierten Volkswirtschaften der   Region zu finden. Auf kapitalistischer Grundlage h&#228;tten sie keine L&#246;sung   finden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Was in Thailand, einem Land, das insgesamt 18 Milit&#228;rputsche seit den   1930ern erlebt hat, nun vor sich geht, ist ein Anzeichen f&#252;r politischen   Aufruhr und Instabilit&#228;t, das sich in noch gr&#246;&#223;erem Ausma&#223; in anderen   Staaten Asiens (und andernorts) wiederholen kann, sobald sie von der   momentanen Krise getroffen werden. Das bringt abermals die gravierende   Dringlichkeit f&#252;r den Aufbau von Massenparteien der ArbeiterInnen und   armen Menschen und zum Kampf f&#252;r eine sozialistische Transformation der   Gesellschaft in Asien und weltweit aufs Tableau.<\/p>\n<h4>  14.4.2009<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Keine der etablierten Parteien hat den arbeitenden und armen Menschen<br \/>\n      eine L&#246;sung anzubieten\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13119"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13119"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13119\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13119"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13119"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13119"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}