{"id":13117,"date":"2009-04-18T00:01:00","date_gmt":"2009-04-17T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13117"},"modified":"2012-05-25T15:28:56","modified_gmt":"2012-05-25T13:28:56","slug":"13117","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/04\/13117\/","title":{"rendered":"Griechenland: Konferenz von SYRIZA"},"content":{"rendered":"<p>  Linker Fl&#252;gel organisiert sich<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am Wochenende vom 10. bis zum 12. April hielt SYRIZA (Koalition der   radikalen Linken) ein dreit&#228;giges landesweites Treffen seiner   Anh&#228;ngerInnen ab. Das Treffen fand zu einem kritischen Zeitpunkt statt,   was sowohl SYRIZA selbst angeht, als auch die generelle Situation in der   griechischen Gesellschaft betrifft. Der griechische Kapitalismus   befindet sich in einer tiefen Krise. Die m&#228;chtige soziale Revolte und   der Jugendaufstand vom Dezember 2008 finden immer noch ihren Widerhall   in den Ohren der verhassten Regierung der Partei Neue Demokratie (ND)   und sind den ArbeiterInnen und Jugendlichen noch lebhaft im Ged&#228;chtnis.<\/p>\n<h4>  <i>von Andros Payiatsos, Xekinima (Schwesterorganisation von SAV in   Griechenland)<\/i><\/h4>\n<p>  Am 2. April fand bereits der 11. Generalstreik statt, seit die   ND-Regierung an der Macht ist. Dieser Streik war mit Zehntausenden, die   sich an den Demonstrationen in den Klein- und Gro&#223;st&#228;dten &#252;berall im   Land daran beteiligten, ein gro&#223;er Erfolg. Zu diesem Erfolg kam es   allerdings trotz der Rolle der Gewerkschaftsf&#252;hrer von GSEE und ADEDY,   deren inkompetente Organisation des Streiks daf&#252;r sorgte, dass dieser   nicht noch wesentlich st&#228;rker geworden ist.<\/p>\n<h4>  SYRIZAs Verluste bei Wahlen und Umfragen<\/h4>\n<p>  Zudem befindet sich der griechische Kapitalismus im W&#252;rgegriff einer   ernsten politischen Krise. Die ND liegt momentan rund 5 Prozentpunkte   hinter der (sozialdemokratischen; Erg. d. &#220;bers.) PASOK, der f&#252;hrenden   &#8222;Oppositionspartei&#8220;, und das Schicksal der Regierung h&#228;ngt wegen ihrer   parlamentarischen Mehrheit von nur einer Stimme (aufgrund von ihr zur   Last gelegter Korruption und daraus resultierenden polizeilichen   Untersuchungen) am seidenen Faden. Ebenso bedeutsam ist, dass   Meinungsumfragen SYRIZA, eine neue linke Formation, in der Xekinima   (Sektion des CWI in Griechenland) mitarbeitet, abgerutscht zwischen 7   Prozent und 9 Prozent sehen. Und das nach ihrem H&#246;hepunkt im Fr&#252;hjahr   2008, als sie bei 18,5 Prozent lag. Diese Entwicklung hat dazu gef&#252;hrt,   dass sich die Basis von SYRIZA einiges an Gedanken macht, was sich auch   bei dem Treffen vom vergangenen Wochenende widerspiegelte. Es gab viele   Diskussionen dar&#252;ber, wie die Partei reagieren m&#252;sse. In der Phase nach   ihrer Gr&#252;ndung genoss SYRIZA gro&#223;e Unterst&#252;tzung, da diese neue   Formation allem Anschein nach die Hoffnung n&#228;hrte, einen echten   politischen Durchbruch f&#252;r ArbeiterInnen und die Jugend im Kampf mit   einer politischen Stimme auf der Linken zu schaffen. Trotz allem ist es   nun wichtig dar&#252;ber nachzudenken, was der Grund f&#252;r das j&#252;ngste   Wegbrechen an Unterst&#252;tzung f&#252;r SYRIZA ist.<\/p>\n<p>  Nach Ansicht von Xekinima ist die jetzige Situation in erster Linie das   Ergebnis der Handlungen, Methoden und der Herangehensweise des rechten   Fl&#252;gels innerhalb von SYRIZA, der daf&#252;r gesorgt hat, dass die   M&#246;glichkeit f&#252;r SYRIZA, eine ma&#223;gebliche politische Kraft zu werden, bis   zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht Realit&#228;t geworden ist. Die   Hauptursache daf&#252;r ist politisch begr&#252;ndet. Der linksgerichtete Kurs,   den sich die Partei vergangenes Jahr gab, ist nicht konsequent verfolgt   worden. Rechtere Kr&#228;fte innerhalb von SYRIZA (der rechte Fl&#252;gel von   Synaspismos, dessen Mitglieder sich selbst als &#8222;Modernisierer&#8220;   bezeichnen), die sichtlich genervt waren von der ehedem linken   Positionierung, haben in den letzen Monaten eine Gegenoffensive   gestartet. Indem sie die Medien f&#252;r sich nutzten, sind sie offen f&#252;r   eine Regierung bestehend aus SYRIZA und PASOK eingetreten. Das steht im   Widerspruch zur offiziellen Position von SYRIZA, nach der die Teilnahme   an Mitte-Links-Regierungen abgelehnt wird, da diese keine wirkliche   Alternative zum Neoliberalismus der ND-Regierung darstellen.   GewerkschafterInnen, die Synaspismos (der gr&#246;&#223;ten Gruppierung innerhalb   von SYRIZA, zu der auch die Mehrheit der F&#252;hrung geh&#246;rt) angeh&#246;ren,   waren an der Zusammenarbeit mit Kr&#228;ften der PASOK wie auch an der   Zusammenarbeit in einer Reihe von Regionalregierungen beteiligt. Vor   kurzem erst kam es zur Spaltung der Kr&#228;fte von SYRIZA in der   Gewerkschaft der HochschullehrerInnen, die bis dato unter der F&#252;hrung   von SYRIZA-GewerkschafterInnen stand und zusammen mit den Studierenden   eine Schl&#252;sselrolle bei den K&#228;mpfen der vergangenen Jahre im   Bildungsbereich spielte. Der rechte Fl&#252;gel von Synaspismos spaltete sich   ab, um mit der PASOK gegen die Mitglieder ihrer eigenen Partei und den   Rest von SYRIZA zu kollaborieren. Eine k&#228;mpfende und entscheidende   Gewerkschaft wurde dem &#8222;Feind&#8220; somit mittels eines durch und durch   kriminellen Aktes wie auf dem Tablett serviert! Die f&#252;r diese Spaltung   Verantwortlichen sind derweil weiterhin Mitglied der Partei!<\/p>\n<p>  Vor dem Hintergrund all dessen ist es nur nat&#252;rlich, dass sich dadurch   unter den AktivistInnen an der Basis Entt&#228;uschung breit macht. Mit   solchen Handlungen und vorangebrachten Positionen ist es verst&#228;ndlich,   dass viele SYRIZA nicht mehr unterst&#252;tzen wollen. Sie sehen nicht mehr,   worin sich SYRIZA grundlegend von der PASOK unterscheiden w&#252;rde. Andere   k&#246;nnten sich f&#252;r die Kommunistische Partei entscheiden oder sogar f&#252;r   einige der extrem linken (sektiererischen) Gruppen, die in einigen   Bereichen &#8211; vor allem im Bildungssektor &#8211; betr&#228;chtlichen Einfluss haben.<\/p>\n<p>  Verkn&#252;pft mit dem oben Beschriebenen ist die Tatsache, dass SYRIZA auch   ernsthafte Schw&#228;chen dabei aufwies, in die K&#228;mpfe der griechischen   Arbeiterklasse einzugreifen. Der Einwand von Xekinima lautet, dass &#8211;   wenn SYRIZA Massenunterst&#252;tzung erh&#228;lt &#8211; sich diese Formation selbst auf   die K&#228;mpfe der Arbeiterklasse und der jungen Menschen st&#252;tzen und   orientieren muss, um ihnen eine Perspektive und eine politische Stimme   bieten zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die momentane Lage f&#252;hrte dazu, dass man das Gef&#252;hl bekam, vor dem   Treffen des 10. bis 12. April herrsche wenig Moral und Enthusiasmus.   Trotzdem trat die SYRIZA-F&#252;hrung in ihrer Er&#246;ffnungsrede auf, als w&#228;re   nichts geschehen. Im Wesentlichen wurde dargelegt, dass das momentane   Ma&#223; an Unterst&#252;tzung f&#252;r SYRIZA immer noch h&#246;her liege als vor zwei   Jahren usw. Diese Herangehensweise, mit der man die Probleme unter den   Teppich kehren wollte, provozierte allerlei Kritik von unten. So, wie   das Programm und die Herangehensweise der SYRIZA-F&#252;hrung kritisiert   wurde, wurde von vielen TeilnehmerInnen auch die b&#252;rokratische   undemokratische Tendenz kritisiert, die sich in der Formation breit   macht. So war beispielsweise vorgesehen, dass die TeilnehmerInnen der   &#8222;Konferenz&#8220; kein Stimmrecht haben w&#252;rden und es somit auch keine   M&#246;glichkeit gab, die Kritik der Mitgliedschaft in der politischen   Ausrichtung der Partei manifest werden zu lassen. Organisationen, die &#8211;   wie Xekinima &#8211; SYRIZA ausmachen, aber auch viele Einzelunters&#252;tzerInnen,   die keiner dieser Organisationen angeh&#246;ren (die &#8222;Unabh&#228;ngigen&#8220;)   forderten Rechenschaftspflicht f&#252;r die F&#252;hrung sowie eine f&#246;derale   Struktur, die Gruppierungen und Fraktionen das Recht verleiht, innerhalb   der demokratischen Partei zu existieren und gleichzeitig die politische   Linie und das vom Landesvorstand aufgestellte Programm zu kritisieren.<\/p>\n<h4>  &#8222;Zweite Welle&#8220;<\/h4>\n<p>  Eine bedeutsame Entwicklung, die auf der Konferenz vonstatten ging, war   die St&#228;rkung der Fraktion, die sich seit kurzem innerhalb von SYRIZA zu   bilden beginnt und als &#8222;Zweite Welle&#8220; bekannt ist. Diese Str&#246;mung hielt   ein erfolgreiches Treffen w&#228;hrend der Konferenz ab, bei dem ihre Ziele   klargestellt wurden. Sie k&#246;nnen auf drei Punkte zusammengefasst werden:<\/p>\n<p>  1.Es besteht die Notwendigkeit, dass SYRIZA als f&#246;derale politische   Formation mit Ortsgruppen und einer Mitgliedschaft organisiert ist, die   f&#252;r neue Schichten attraktiv ist und dazu ermutigt sich zu organisieren.<\/p>\n<p>  2.Aufbau demokratischer Strukturen zur Kontrolle der F&#252;hrung und um die   b&#252;rokratischen Tendenzen zu stoppen, die im Laufe der Konferenz von   vielen bereits gesehen und kritisiert wurden.<\/p>\n<p>  3.Die &#8222;Zweite Welle&#8220; tritt f&#252;r eine Kl&#228;rung hinsichtlich der politischen   Ausrichtung von SYRIZA ein, f&#252;r ein bei weitem antikapitalistischeres   Programm, um den Boden f&#252;r eine sozialistische Transformation der   griechischen Gesellschaft zu bereiten. Dies muss im Zusammenhang mit   einem internationalen Kampf in Europa und dar&#252;ber hinaus geschehen (das   momentane Parteiprogramm bezieht sich auf den Sozialismus, jedoch auf   uneinheitliche und verwirrende Art und Weise).<\/p>\n<p>  Die &#8222;Zweite Welle&#8220; beschloss, sich selbst mittels Koordinierungskomitees   in einer Reihe von griechischen Klein- und Gro&#223;st&#228;dten zu organisieren.   Ihre Entstehung kann sich f&#252;r die Zukunft von SYRIZA als sehr wichtig   erweisen. Ihr Bestehen hat bereits f&#252;r Zugest&#228;ndnisse seitens der   F&#252;hrung gesorgt. Im Oktober soll eine Konferenz einberufen werden, um   die Frage der Organisation der Partei zu kl&#228;ren. Die Diskussion dar&#252;ber   muss durch ein Vorbereitungstreffen nach den Europawahlen im Juni in   Gang gebracht werden.<\/p>\n<p>  Xekinima ist Teil der &#8222;Zweiten Welle&#8220;, da wir glauben, dass es n&#246;tig   ist, sich gegen den rechten Fl&#252;gel zu organisieren und die linke   Ausrichtung von SYRIZA zu verteidigen und diese zu vertiefen. Wie sich   die &#8222;Zweite Welle&#8220; entwickeln wird, wird auch Beleg daf&#252;r sein, ob oder   ob nicht SYRIZA sich zu einer politischen Kraft entwickeln kann, die in   der Lage ist, ArbeiterInnen und die Jugend f&#252;r einen Wandel in der   Gesellschaft zu organisieren. Obwohl die Konferenz heftige Debatten mit   sich brachte und Uneinigkeiten aufzeigte, stimmten alle Anwesenden darin   &#252;berein, dass man f&#252;r einen ernsthaften, gemeinsamen Wahlkampf f&#252;r die   wichtigen Europawahlen im Juni sorgen zu muss &#8211; trotz aller bestehender   Differenzen.<\/p>\n<h4>  Homepage von Xekinima:<a href=\"http:\/\/www.xekinima.org\"> www.xekinima.org<\/a><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Linker Fl&#252;gel organisiert sich\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[28,44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13117"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13117"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13117\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13117"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}