{"id":13115,"date":"2009-04-17T00:01:00","date_gmt":"2009-04-17T00:01:00","guid":{"rendered":".\/?p=13115"},"modified":"2009-04-17T00:01:00","modified_gmt":"2009-04-17T00:01:00","slug":"13115","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/04\/13115\/","title":{"rendered":"Der Kampf, Mensch zu sein"},"content":{"rendered":"<p>  Rede von Sascha Stanicic bei den Sozialismutagen 2009<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde,<\/i><\/h4>\n<p>  vor ziemlich genau sechs Jahren verk&#252;ndete der heutige Gazprom-Berater   und damalige Bundeskanzler Gerhard Schr&#246;der die Agenda 2010. Damals   befand sich Deutschland in einer Phase von wirtschaftlicher Stagnation,   von Nullwachstum. Das reichte aus, um die gr&#246;&#223;te Demontage sozialer   Sicherungssysteme und das gr&#246;&#223;te Armutsprogramm in der Geschichte der   Republik einzuleiten. Das ging damals auch einher mit Versprechen von   Wirtschaftswachstum und Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit.<\/p>\n<p>  Der Chef&#246;konom der Financial Times Deutschland, Thomas Fricke, zieht in   einem Kommentar vom letzten Monat Bilanz: &#8222;Es ist nur ein paar Monate   her, da feierten Politiker wie &#214;konomen, dass die Arbeitslosigkeit in   Deutschland unter drei Millionen gefallen war. Der Schluss schien   nahezuliegen: Das war der Beleg f&#252;r die gro&#223;artige Wirkung von Gerhard   Schr&#246;ders Agenda 2010. So schnell k&#246;nnen Feste platzen. Bittere   Datumsironie der Agenda-Geschichte: Ziemlich genau sechs Jahre nach   Schr&#246;ders vollmundiger Reformrede mehren sich in diesen Tagen die   Anzeichen daf&#252;r, dass es im Zieljahr 2010 mehr Arbeitslose in   Deutschland geben wird als in besagtem M&#228;rz 2003.&#8220;<\/p>\n<p>  Mittlerweile vergeht kein Tag ohne neue Hiobsbotschaften f&#252;r   Lohnabh&#228;ngige: Thyssen-Krupp, Continental, Commerzbank, Karmann, M&#228;rklin   &#8211; gro&#223;e Namen, die heute f&#252;r gro&#223;e Arbeitsplatzvernichtung und gro&#223;e   Pleiten stehen.<\/p>\n<h4>  Depressive Aussichten<\/h4>\n<p>  Zum ersten Mal seit 1928 ist in einem M&#228;rz die Arbeitslosigkeit   gestiegen. Das ist ein Hinweis auf die Dramatik der Situation, die sich   entwickeln wird. Und die Depression der 30er Jahre ist tats&#228;chlich der   einzig m&#246;gliche historische Vergleich f&#252;r die sich entwickelnde   Wirtschaftskrise.<\/p>\n<p>  Wenn man sich vor Augen f&#252;hrt, dass zwei, drei Jahre Nullwachstum zur   Agenda 2010 f&#252;hrten, kann man sich ausmalen, was der wirtschaftliche   Einbruch von minus f&#252;nf, sieben oder mehr Prozent beim   Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr bedeuten wird &#8211; und was eine Agenda   2020 beinhalten wird, die heute von einigen Kapitalvertretern schon   gefordert und nach der Bundestagswahl so sicher kommen wird, wie das   Amen in der Kirche.<\/p>\n<p>  Die Kreativit&#228;t der Kapitalisten und ihrer Handlanger in CDU\/CSU, SPD,   FDP und B&#252;ndnis 90\/Die Gr&#252;nen wird dann keine Grenzen kennen: es wird   eine weitere K&#252;rzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes und weitere   Ma&#223;regelungen und Schikanen gegen Erwerbslose geben. Ein Beispiel   hierf&#252;r lieferte die Stadt G&#246;ttingen, die einem Bettler 80 Euro vom   Arbeitslosengeld II abzog, weil sein erbetteltes Geld als Nebeneinkunft   gewertet wurde. Es wird eine weitere Erh&#246;hung des Renteneinstiegsalters   auf 70 Jahre oder mehr geben. Geb&#252;hren f&#252;r Kinderg&#228;rten und Schwimmb&#228;der   werden steigen, w&#228;hrend L&#246;hne sinken werden. Und auch das Abr&#252;cken von   CO2-Reduzierungszielen und anderen Umweltschutzma&#223;nahmen wird eine Folge   der Krise sein.<\/p>\n<p>  Ich will Euch nicht mit vielen Zahlen und Statistiken &#252;berfordern und   langweilen. Das hat auch keinen Sinn, denn kaum hat man eine Zahl   ausgesprochen, hat irgendein Forschungsinstitut eine neue, schlimmere   Statistik oder Prognose erstellt.<\/p>\n<p>  F&#252;r uns als Lohnabh&#228;ngige und Sozialistinnen und Sozialisten sind Zahlen   ohnehin zweitrangig. Aber hinter den Zahlen steht das Schicksal von   Millionen und Milliarden Menschen, das uns interessiert. Nicht zulezt,   weil es auch unser Leben und Schicksal einschlie&#223;t.<\/p>\n<p>  In Deutschland versuchen Regierung und Kapital alles daran zu setzen,   die gro&#223;en Entlassungen und Angriffe bis nach den Bundestagswahlen zu   verschieben. Deshalb gibt es die massive Ausweitung der Kurzarbeit von   ein paar Zehntausend vor einem Jahr auf 1,7 Millionen heute. Manche   Kollegen finden es im Moment gar nicht so schlecht weniger f&#252;r relativ   mehr Geld zu arbeiten und hoffen, dass sie in ihre Vollzeit-Jobs zur&#252;ck   kehren werden. Doch der gro&#223;e Teil der Kurzarbeiter von heute sind die   Arbeitslosen von morgen!<\/p>\n<p>  Es gibt unz&#228;hlige Beispiele, was die Krise f&#252;r einfache Arbeiterinnen   und Arbeiter und f&#252;r Menschen aus den Mittelschichten bedeutet und wie   das Kapital die Daumenschrauben anzieht. Die Geschichte von der als   Emily bekannt gewordenen Kaiser&quot;s-Kassiererin, die f&#252;r einen angeblichen   Diebstahl von 1,30 Euro Pfandbons gek&#252;ndigt wurde, ist allgemein bekannt.<\/p>\n<p>  In England gibt es Rechtsanw&#228;lte und Bankangestellte, die von einem Tag   auf den anderen aus h&#252;bschen Vorstadt-H&#228;usern rausgeworfen wurden, weil   sie ihre Hypotheken nicht mehr abzahlen konnten und jetzt unter Br&#252;cken   oder in den neu entstehenden Barackensiedlungen schlafen.<\/p>\n<p>  Im kalifornischen Fresno leben 2.000 Menschen in Zelten. Manchmal   berichten sogar b&#252;rgerliche Zeitungen &#252;ber solche Schicksale, so die   Frankfurter Allgemeine Zeitung k&#252;rzlich: &#8222;Vor einigen Tagen erlebte   Naela El-Hinnawy die Auswirkungen der Rezession zum ersten Mal direkt   vor ihrer Haust&#252;r. Mitten in der Nacht wurde sie von einem lauten Streit   im Treppenhaus geweckt. Irgendwo wurde ein Mann aus seiner Wohnung   geworfen, eine T&#252;r knallte. Danach sa&#223; der Mann eine Stunde lang auf der   Treppe und weinte. &quot;Ich habe meinen Job verloren&quot;, rief er immer wieder.   &quot;Es war sehr be&#228;ngstigend&quot;, erz&#228;hlt El-Hinnawy. Doch niemand rief die   Polizei: &quot;Ich nehme an, meine Nachbarn taten das Gleiche wie ich: auf   der anderen Seite der T&#252;r sitzen und mit ihm weinen.&quot;&#8220; Und: &#8222;Erica   Reiner, die schon seit Jahren mit ihrem Mann Gl&#252;ckspfennige von der   Stra&#223;e aufsammelt, findet inzwischen kaum mehr welche. &quot;Ich f&#252;rchte, man   kann den Zustand einer Stadt an dem Willen der Menschen ablesen, sich   f&#252;r einen Penny zu b&#252;cken&quot;, sagte sie&#8220;<\/p>\n<p>  Das hat der schon erw&#228;hnte Financial Times-&#214;konom wahrscheinlich vor   Augen, wenn er in dem schon zitierten Text vor einer psychosozialen   Katastrophe warnt.<\/p>\n<h4>  Ackermann bei Aldi?<\/h4>\n<p>  Depression kommt aus dem Lateinischen und hei&#223;t Niedergeschlagenheit.   Dieser Begriff trifft im vielf&#228;ltigen Sinn auf die aktuelle Situation   zu. Nicht nur die &#246;konomischen Aktivit&#228;ten sind niedergeschlagen. Auch   politisch und ideologisch sind die Vertreter des Kapitalismus   niedergeschlagen, orientierungs- und ratlos. Sie betreiben hektisches   Krisenmanagement, um die Katastrophe abzud&#228;mpfen und das &#220;berleben des   Systems zu retten. Das garnieren sie dann mit vorgespielter Emp&#246;rung   &#252;ber gierige B&#228;nker, der Behauptung im Interesse der Allgemeinheit zu   handeln und der Aufforderung, dass nun alle Teile der Gesellschaft einen   Beitrag leisten m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Und tats&#228;chlich: selbst die Vorstandsmitglieder der DAX-Konzerne &#252;ben   Verzicht. Sie erhielten 2008 25 Prozent weniger Bez&#252;ge als 2007. Stellt   Euch das mal vor: auf einen Schlag habt Ihr ein Viertel weniger Geld in   der Tasche! Da &#252;berlegt man sich zwei Mal, ob man bei Plus oder Aldi   einkauft oder ob man trotz Regen und Sturm mit dem Fahrrad f&#228;hrt, statt   sich ein teures Busticket zu kaufen.<\/p>\n<p>  Nun habe ich mich bei Plus und Aldi mal umgeschaut und habe Ackermann   oder auch den Siemens-Vorstandsvorsitzenden Peter L&#246;scher nicht gesehen.   Der scheint seine 8,5 Millionen Euro Jahreseinkommen dann doch woanders   auszugeben. Die DAX-Chefs haben im Durchschnitt im Jahr 2008 3,68   Millionen Euro verdient. Das ist das Niveau von 2005, als die   Managerverg&#252;tungen schon einige Jahre rasant gestiegen waren. Es gibt   circa 200 Vorstandsmitglieder der DAX-30-Konzerne, die zusammen ungef&#228;hr   400 Millionen Euro im Jahr verdienen. Davon k&#246;nnte man 13.000   Arbeitspl&#228;tze mit einem Bruttolohn von 3.000 Euro schaffen oder 500.000   Hartz IV-Bezieher bezahlen.<\/p>\n<p>  Wir lassen uns aber nicht f&#252;r dumm verkaufen! Rettungspakete und   Schutzschirme dienen nur zur Rettung der Kapitalisten und Konzerne und   ihrer Profite. Die Krise hat die Kapitalisten auch nicht in Armut   gest&#252;rzt. Ja, das private Geldverm&#246;gen hat sich um 110 Milliarden Euro   reduziert. Aber es liegt immer noch bei 4,5 Billionen und 1,5 Billionen   davon sind in den H&#228;nden von zehn Prozent der Bev&#246;lkerung.<\/p>\n<h4>  Klassenkampf<\/h4>\n<p>  All das weist auf die Richtigkeit eines Kernbestandteils des Marxismus   hin. Denn der Marxismus ist nicht zuletzt die Lehre vom Klassenkampf.   Marx und Engels haben analysiert, dass die &#252;berlieferte   Menschheitsgeschichte eine Geschichte von K&#228;mpfen zwischen   unterschiedlichen Gesellschaftsklasse war. Fr&#252;her Sklave und   Sklavenbesitzer, heute Lohnabh&#228;ngiger und Kapitalist. Zwischen diesen   besteht ein unvers&#246;hnlicher Interessengegensatz. Wer f&#252;r die Krise zahlt   und wie die Welt sich weiter entwickelt wird im Kampf zwischen diesen   Klassen entschieden.<\/p>\n<p>  Die Herrschenden sind sich dessen recht bewusst. Die Angst davor dr&#252;ckt   sich dann auch mal darin aus, dass Sarkozy darauf hinweist, dass in   Frankreich K&#246;nige auch schon mal auf der Guillotine gelandet sind.   Guillotinen sind in Frankreich noch nicht errichtet worden. Aber das so   genannte Boss-Napping in franz&#246;sischen Betrieben bringt den   Klassengegensatz auf den Punkt.<\/p>\n<p>  Und wir schauen wieder einmal ehrfurchtsvoll nach Frankreich und   w&#252;nschen uns, dass Frau Schaeffler auch mal ein paar Tage in ihrem B&#252;ro   eingesperrt wird.<\/p>\n<p>  Doch die deutsche Arbeiterklasse hat starke Traditionen. Es gab Zeiten,   da hat man aus Frankreich und der ganzen Welt auf die deutsche   Arbeiterbewegung geschaut. Ja, die deutsche Arbeiterklasse hat viele   Traditionen verloren. Sie sind durch Sozialpartnerschaftspropaganda, Big   Brother-Berieselung und vor allem durch die pro-kapitalistischen,   opportunistischen und feigen Nieten in den Gewerkschaftsspitzen, die uns   vom K&#228;mpfen abhalten, verloren gegangen. Aber mit dieser Krise wird   alles anders und auch die deutsche Arbeiterklasse wird an ihre besten   Traditionen ankn&#252;pfen. Ein kleiner Vorgeschmack daf&#252;r war die   Demonstration von &#252;ber 10.000 Stahlarbeitern vor wenigen Tagen in   Duisburg. Das erinnerte ein wenig, an den Kampf um das Krupp-Werk in   Rheinhausen vor zwanzig Jahren, als die Arbeiter die Villa H&#252;gel   st&#252;rmten und sich aus den Zigarrenkisten bedienten und ein spontaner   Generalstreik von unten das Ruhrgebiet lahm legte.<\/p>\n<h4>  Sozialistischer Egoismus<\/h4>\n<p>  Warum sind wir so sehr davon &#252;berzeugt, dass es zu solchen K&#228;mpfen   kommen wird? Weil der Selbsterhaltungstrieb, ja der Egoismus &#8211; der so   oft als Argument gegen die Machbarkeit des Sozialismus angef&#252;hrt wird &#8211;   die Menschen dazu treiben wird, sich zur Wehr zu setzen. Friedrich   Engels schrieb: &#8222;Wir sind auch aus Egoismus Kommunisten, aus Egoismus   Menschen sein zu wollen, nicht blo&#223; Individuen.&#8220;<\/p>\n<p>  Und so wie Regierung und Kapital mit einer Agenda 2020 auf die Agenda   2010 eins drauf satteln werden, so wird auch die Arbeiterklasse im   Vergleich zu den K&#228;mpfen und Bewegungen der Jahre 2003 und 2004 eins   drauf satteln.<\/p>\n<p>  Erinnern wir uns: Am 1.11.2003 gingen 100.000 bei einer von unten, nicht   zuletzt durch die SAV initiierten, Demonstration auf die Stra&#223;e. Im   Dezember musste die IG Metall hunderttausende Kolleginnen und Kollegen   zu faktisch politischen Streiks zur Verteidigung der Tarifautonomie   heraus holen. In Schweinfurt organisierte unser Freund Klaus Ernst als   IG Metall-Bevollm&#228;chtigter einen Streik gegen die Agenda 2010 und in   Kassel streikten, mit starker Beteiligung der SAV, Besch&#228;ftigte aus der   Privatwirtschaft und dem &#246;ffentlichen Dienst. Im April 2004 beteiligten   sich dann eine halbe Million an DGB-Demonstrationen und gab es die   spontane und gro&#223;e Bewegung der Montagsdemonstrationen. Und im gleichen   Zeitraum gab es die Gr&#252;ndung der WASG als einen Versuch eine politische   Interessenvertretung f&#252;r Arbeitnehmer und Erwerbslose zu schaffen.<\/p>\n<p>  Heute sind die Angriffe radikaler und das schreit nach radikaleren   Gegenma&#223;nahmen. Unser Ausgangspunkt dabei muss sein, nicht das geringste   Vertrauen in Regierung und Kapital zu haben. Jeder Millimeter muss sich   selber und unabh&#228;ngig von den Besch&#228;ftigten erk&#228;mpft werden. Wenn die   Bosse einen Betrieb schlie&#223;en wollen oder Kollegen entlassen, dann darf   man sich von Gewerkschaftsb&#252;rokraten nicht auf Verhandlungen vertr&#246;sten   lassen. &#8222;Handeln statt Verhandeln&#8220; muss dann die Devise hei&#223;en! Und es   wird kein Weg daran vorbei f&#252;hren, solche Betriebe zu besetzen. Die   Aufgabe der Gewerkschaften ist es, diese absehbaren Betriebsbesetzungen   vorzubereiten, zu vernetzen und daraus eine Bewegung zu machen.<\/p>\n<p>  Der andere notwendige Schritt im Kampf gegen das Abladen der   Krisenkosten auf die Massen ist so offensichtlich, dass nun auch in den   Gewerkschaftsgremien dar&#252;ber dieskutiert wird. Denn was ist   offensichtlicher als die Notwendigkeit, dass alle zusammen k&#228;mpfen und   ein zun&#228;chst eint&#228;giger Generalstreik n&#246;tig ist!? Mit dieser Parole   sollten wir massiv am 16. Mai bei der DGB-Demonstration in Berlin   auftreten und auch die Aktionen der IG Metall am 13. Mai und den   Bildungsstreik am 17. Juni daf&#252;r nutzen.<\/p>\n<h4>  F&#252;r sozialistische Verstaatlichung!<\/h4>\n<p>  Aber die entscheidende Frage stellt sich noch: wof&#252;r Betriebe besetzen   und general-streiken? &#220;ber viele Dinge besteht unter linken Aktvistinnen   und Aktivisten Einigkeit. Wir wollen keinen Arbeitsplatzabbau und keine   Lohnk&#252;rzungen. Wir wollen, Mindestlohn von zehn Euro, dass Hartz IV weg   kommt und die Arbeitszeit bei vollem Lohn reduziert wird. Und wir   wollen, dass die Verursacher f&#252;r die Krise zahlen.<\/p>\n<p>  In der Partei DIE LINKE und den Gewerkschaften sind manche dieser   Forderungen schon eher umstritten. DIE IG Metall-F&#252;hrung ist zum   Verzicht bereit und DIE LINKE geht mit weich gesp&#252;lten Positionen in den   Bundestagswahlkampf, wof&#252;r die Forderung nach 435 Euro Mindestsatz bei   Hartz IV, also ein Hartz IV light, ein Ausdruck ist.<\/p>\n<p>  Letztlich stellt sich die Frage: wie kann man daf&#252;r sorgen, dass   tats&#228;chlich die Verursacher f&#252;r die Krise zahlen und solche Krisen nicht   mehr eintreten? In Gewerkschaften und LINKE stehen sich zwei Kozepte   gegen&#252;ber: den Kapitalismus regulieren oder den Kapitalismus st&#252;rzen.   Unsere Antwort auf den Demonstrationen am 28. M&#228;rz war: der Kapitalismus   braucht keinen Arzt, sondern einen Totengr&#228;ber.<\/p>\n<p>  Die Kernfrage hierbei ist die nach dem Eigentum. Oskar Lafontaine   fordert eine Mitarbeiterbeteiligung und das klingt erst mal gut und   scheint sich von b&#252;rokratischen Verstaatlichungsmodellen abzugrenzen.   Doch eine Mitarbeiterbeteiligung von 49 Prozent ist eine Beteiligung an   den Krisenkosten und &#228;ndert nichts an der Profitlogik der Produktion.   Deshalb ist es n&#246;tig Opel, Betriebe, die entlassen, alle Banken und alle   gro&#223;en Konzerne zu verstaatlichen und im Interesse der Besch&#228;ftigten   durch demokratisch gew&#228;hlte Leitungsorgane zu f&#252;hren. Das w&#228;re die   Grundlage daf&#252;r die Gesellschaft g&#228;nzlich anders zu organisieren: nicht   nach Profitgesichtspunkten, sondern nach den Bed&#252;rfnissen von Mensch und   Natur &#8211; Kooperation und demokratische Planung, statt Konkurrenz und   Marktchaos!<\/p>\n<p>  F&#252;r ein solches Programm k&#228;mpft die SAV in Gewerklschaften, der Partei   DIE LINKE und in Bewegungen. Die F&#252;hrung der LINKEn entt&#228;uscht gerade   viele Hoffnungen, weil sie nicht all ihre Kraft in den Aufbau   gesellschaftlichen Widerstands legt und weil sie angesichts der Krise   Kreide gefressen hat. Es war schon eine Schande in Berlin vor den   Demonstrationen am 28. M&#228;rz, zu denen DIE LINKE ja aufgerufen hat, zu   sehen, dass in der Stadt viele Plakate der Partei hingen &#8211; nur keines   zur Demo, sondern alle zur Volksabstimmung &#252;ber Religions- und   Ethikunterricht in den Schulen. Ich will nicht sagen, dass das keine   wichtige Frage ist, aber das ist nicht das, was wir von einer   sozialistischen Partei erwarten!<\/p>\n<p>  Der Regierungseintritt in Koalitionen mit der SPD in Th&#252;ringen und im   Saarland ist das oberste Ziel von Lafontaine, Gysi und Ramelow. Da ist   es kein Wunder, dass Lucy Redler und zehn weitere SAV&quot;lerinnen und   SAV&quot;ler in Berlin nicht in die Partei aufgenommen werden. Denn die   Parteispitze wei&#223;, dass wir eine prinzipienfeste marxistische Opposition   sind, die nicht auf P&#246;stchen und Karriere aus ist, sondern einen   sozialistischen Kurswechsel der Partei erk&#228;mpfen will. Ob das m&#246;glich   ist, mag zweifelhaft sein. Aber es wird einen Kampf darum geben, an dem   Marxistinnen und Marxisten teilnehmen m&#252;ssen. Denn wir brauchen eine   breite Partei, die Arbeiterinteressen vertritt und f&#252;r Sozialismus   eintritt. Und DIE LINKE geh&#246;rt nicht Gysi und Ramelow! In dieser   Auseinandersetzung m&#252;ssen die oppositionellen, sozialistischen Kr&#228;fte   gesammelt werden, damit wir hier nicht so ein Desaster erleben, wie die   Rifondazione Comunista, wo es keine starke marxistische Opposition gab,   als die Partei durch die Regierungsbeteiligung gegen die Wand gefahren   wurde.<\/p>\n<p>  Der Aufbau einer marxistischen Organisation ist hierf&#252;r zentral. Um eine   Opposition in Gewerkschaften aufzubauen. Um K&#228;mpfe und die Debatte um   Sozialismus voran zu treiben. Und um eine Kraft zu schaffen, die   Massenbewegungen der Zukunft zur politischen Machtergreifung f&#252;hren kann.<\/p>\n<p>  Ein SAV-Mitglied hat angesichts der Krise gesagt: &#8222;Alles ist anders!&#8220;   Wir sind im Moment aber noch in einer gewissen &#220;bergangsphase, wo die   Krise noch nicht voll materiell durchgeschlagen hat und viele   Arbeiterinnen und Arbeiter noch zwischen Hoffen und Bangen schwanken.   Das wird sich radikal &#228;ndern. Wann, das ist offen. Aber wir m&#252;ssen auf   ein schnelles Tempo der Ereignisse vorbereitet sein.<\/p>\n<p>  Wir stehen vor einer neuen &#196;ra von K&#228;mpfen und von Diskussionen &#252;ber den   Marxismus und auch anderen Ideen, die eine Alternative zum Kapitalismus   darstellen wollen. Und wir stehen vor K&#228;mpfen gegen den   Rechtsextremismus, der auch versuchen wird aus der Krise Kapital zu   schlagen.<\/p>\n<p>  Ich fordere alle auf, dabei nicht abseits zu stehen, sondern diese   K&#228;mpfe mitzuf&#252;hren und sie mit einer sozialistischen Perspektive zu   f&#252;hren. Wir haben eigentlich auch gar keine andere Wahl, wenn wir nicht   tatenlos der Zerst&#246;rung unserer Zivilisation und des Planeten zuschauen   wollen. Ich will noch mal Engels zitieren: &#8222;Wir sind auch aus Egoismus   Kommunisten, aus Egoismus Menschen sein zu wollen, nicht blo&#223;   Individuen.&#8220; Denn als Menschen sind wir soziale Wesen. Wir k&#246;nnen nur   gl&#252;cklich und zufrieden sein mit anderen Menschen. Ich jedenfalls kenne   keinen gl&#252;cklichen Einsiedler. Freunde, Liebe, Kinder, gemeinsame   Arbeit, gemeinsam Kultur schaffen &#8211; das macht uns erst zu Menschen. Es   sind die sozialen Beziehungen. Der Kapitalismus aber zerst&#246;rt soziale   Beziehungen, Freundschaft, Liebe, er macht Arbeit zur Qual und Kultur   zur Geschmacklosigkeit. Denn er schafft materielle Not, Sorgen,   Konkurrenz, Spaltung, Unterdr&#252;ckung.<\/p>\n<p>  Es ist also eigentlich ganz simpel: wenn wir den Wunsch des t&#252;rkischen   Dichters Nazim Hikmet erreichen wollen, frei zu leben wie ein Baum und   br&#252;derlich wie ein Wald, dann brauchen wir Sozialismus. Und der Kampf in   einer sozialistischen Organisation ist der erste Schritt sich sein   Mensch-sein zu erk&#228;mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Rede von Sascha Stanicic bei den Sozialismutagen 2009\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,104,106],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13115"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13115"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13115\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}