{"id":13112,"date":"2009-04-14T14:14:00","date_gmt":"2009-04-14T14:14:00","guid":{"rendered":".\/?p=13112"},"modified":"2009-04-14T14:14:00","modified_gmt":"2009-04-14T14:14:00","slug":"13112","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/04\/13112\/","title":{"rendered":"Sozialismustage 2009"},"content":{"rendered":"<p>  300 TeilnehmerInnen begeistert<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#8222;Ich f&#252;hle mich hier richtig wohl&#8221; &#8211; mit diesen Worten begann der   bayrische Landessprecher der LINKEn, Franc Zega, seine Stellungnahme auf   einer der gr&#246;&#223;ten Podiumsdiskussionen, die im Rahmen der Sozialismustage   2009 stattfanden.<\/p>\n<h4>  <i>von Redaktion sozialismus.info<\/i><\/h4>\n<p>  In zwanzig Veranstaltungen wurden so unterschiedliche Themen wie die   Lage in der Automobilindustrie, das zwanzigj&#228;hrige Jubil&#228;um des Herbstes   1989 in der DDR, marxistische Wirtschaftstheorie, die Lage in China und   viele weitere diskutiert.<\/p>\n<p>  Auch an H&#246;hepunkten mangelte es nicht. Dazu geh&#246;rten zweifellos die   Beitr&#228;ge des chinesischen Marxisten Huang Qi-chang, der &#252;ber die   Oppositionsbewegungen gegen die von der KP Chinas betriebene   kapitalistische Politik berichtete und die Debatte zwischen Elmar   Altvater, emeritierter Professor an der Freien Universit&#228;t Berlin und   Autor zahlreicher &#246;konomischer Schriften mit marxistischem Anspruch und   dem marxistischen &#214;konomen und Journalisten Lynn Walsh, der auch dem   Internationalen Sekretariat des Komitees f&#252;r eine Arbeiterinternationale   angeh&#246;rt. Und sicher geh&#246;rte f&#252;r viele der jungen TeilnehmerInnen auch   das Konzert des sozialistischen &#8222;Agit-Rappers&#8220; Holger Burner im Rahmen   der Party am Samstag Abend zu einem der Highlights.<\/p>\n<p>  Aber das Wochenende lebte vor allem von der regen Beteiligung der vielen   TeilnehmerInnen, die ihre Meinungen und Erfahrungen in die Diskussion   einbrachten. &#220;ber zwanzig St&#228;dte aus Deutschland waren vertreten und   internationale G&#228;ste waren aus England, Polen, &#214;sterreich, China,   Belgien und Griechenland angereist. Darunter war das italienische   Mitglied der Rifondazione Comunista Christel Dicembre und die   griechische Studierendenaktivistin Anna Kleitsa. Beide berichteten von   den Massenbewegungen und den linken Parteien in ihren L&#228;ndern.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/podiumjugend.jpg\">  <\/p>\n<\/p>\n<p>  Das Motto des Wochenendes war &#8220;Marx is back&#8221; und die Ideen des   Begr&#252;nders des wissenschaftlichen Sozialismus zogen sich wie ein roter   Faden durch alle Veranstaltungen &#8211; und zwar nicht nur seine &#246;konomischen   Analysen, die mittlerweile auch wieder von vielen Vertretern der   Marktwirtschaft als lehrreich bzw. zutreffend angesehen werden, sondern   vor allem auch seine Ideen des Klassenkampfes und der sozialistischen   Ver&#228;nderung der Gesellschaft.<\/p>\n<p>  Gesellschaft ver&#228;ndern, aktiv werden, sich einmischen und f&#252;r die   eigenen Interessen k&#228;mpfen &#8211; das war die Aufforderung, die von den   Sozialismustagen ausging. 13 TeilnehmerInnen aus acht verschiedenen   St&#228;dten beantworteten diese Aufforderung noch w&#228;hrend der Veranstaltung   mit ihrem Eintritt in die SAV. Viele weitere erkl&#228;rten, dass sie weiter   mit der SAV zusammen arbeiten wollen und sich diesen Schritt ernsthaft   &#252;berlegen.<\/p>\n<h4>  Debatte zur LINKEn<\/h4>\n<p>  Samstag Abend fand eine Podiumsdiskussion mit Lucy Redler und Franc Zega   statt. Der f&#252;r das Podium ebenfalls angek&#252;ndigte Bundestagsabgeordnete   der LINKEn, H&#252;seyin Aydin, hatte kurzfristig aus pers&#246;nlichen Gr&#252;nden   abgesagt. So entwickelte sich weniger eine kontroverse Debatte, als eine   Debatte &#252;ber den Zustand der LINKEn und die Frage, wie sozialistische   Positionen in der Partei durchgesetzt werden k&#246;nnen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/zega.jpg\">  <\/p>\n<\/p>\n<\/p>\n<p>  Es war deutlich, dass mit Redler und Zega zwei Personen debattierten,   denen es um die Inhalte geht und nicht um P&#246;stchen und Karriere. Lucy   Redler erkl&#228;rte, dass die F&#252;hrung der LINKEn angesichts der   kapitalistischen Krise keine ad&#228;quaten politischen Antworten formuliert.   Statt einer Forcierung des sozialistischen Anspruchs der Partei, werde   das Programm verw&#228;ssert und MarxistInnen ausgegrenzt. Zega sagte   deutlich, dass es ein Unding sei, dass SozialistInnen wie die Berliner   SAV-Mitglieder nicht in die Partei hinein gelassen werden. Inhaltlich   pflichtete er Redler bei und sagte, dass &#8220;Rosa Luxemburg heute dasselbe   gesagt h&#228;tte&#8221;.<\/p>\n<p>  Zega eroberte die Herzen der TeilnehmerInnen im Sturm, als er ausrief,   dass man in den Wahlk&#228;mpfen klar und deutlich sagen m&#252;sse, was man will,   anstatt rumzueiern: einen anderen Staat, eine sozialistische   Gesellschaft. Er beklagte, dass in der Partei die Zahl derjenigen, die   dies wollen zur&#252;ck gegangen sei, f&#252;r ihn ein Abr&#252;cken von dieser   Zielsetzung aber nicht in Frage komme. Auch die vielen Mitglieder der   Linksjugend[&#8216;solid] im Saal f&#252;hlten sich angesprochen, als er betonte,   dass der Jugend in der Partei mehr Respekt entgegen gebracht werden   m&#252;sse, denn schlie&#223;lich sei die Jugend die Zukunft. In Bezug auf alle   gro&#223;en Revolutionen erkl&#228;rte er, dass es immer die zwanzig- bis   35-j&#228;hrigen waren, die in der ersten Reihe gek&#228;mpft haben und deren Blut   floss.<\/p>\n<p>  Die Frage, ob in der LINKEn angesichts des m&#228;chtigen b&#252;rokratischen   Apparates und der Macht der Parlamentsfraktionen noch Ver&#228;nderungen   m&#246;glich sind, wurde von den BesucherInnen kontrovers diskutiert. Bis auf   einige wenige, war man sich aber einig, dass der Kampf darum gef&#252;hrt   werden m&#252;sse, um die oppositionellen und sozialistischen Kr&#228;fte zu   sammeln, die in der Partei den einzigen Ansatzpunkt f&#252;r eine linke   Politik sehen und die Millionen W&#228;hlerInnen und hunderttausenden   potenziellen Mitglieder nicht einfach den Gysis und Ramelows &#252;berlassen   kann.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/lucyammikro.jpg\">  <\/p>\n<\/p>\n<p>  Lucy Redler hatte von einem Besucher ein T-Shirt mit der Aufschrift   &quot;wider den tierischen Ernst&quot; geschenkt bekommen. In diesem Sinne wird   das Eintreten f&#252;r eine plurale und sozialistische LINKE weiter gehen.   Mit Blick auf die derzeitigen Entwicklungen in der Partei und der   Notwendigkeit die Partei zu ver&#228;ndern sagte Redler: &#8222;Eine andere Partei   ist m&#246;glich, eine sozialistische Partei ist n&#246;tig. Eine partei wider den   tierischen Ernst und frecher als Oskar!&#8220;<\/p>\n<h4>  Wie weiter nach dem 28. M&#228;rz?<\/h4>\n<p>  Bei der Abschlussveranstaltung wurde die Frage diskutiert, wie eine   Bewegung gegen das Abw&#228;lzen der Krisenkosten auf die Masse der   Bev&#246;lkerung aufgebaut werden kann. Auf dem Podium sa&#223;en der   verdi-Jugendsekret&#228;r aus Weser-Ems, David Matrai, der Aktivist der   Antifaschistischen Linken Berlin, Tim Laumeier, Michael Pr&#252;tz vom   Berliner B&#252;ndnis f&#252;r die Demonstration am 28. M&#228;rz und Tinette   Schnatterer, Mitglied des LandessprecherInnenrates der   Linksjugend[&#8216;solid] aus Baden-W&#252;rttemberg und auch Mitglied im   SAV-Bundesvorstand.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/podiumsonntag.jpg\">  <\/p>\n<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die lebhafte Diskussion machte deutlich, dass der 28. M&#228;rz nicht mehr   als ein Auftakt f&#252;r weiteren Widerstand gewesen sein kann. Michael Pr&#252;tz   schlug in seinem Statement einen dezentralen Aktionstag im September   w&#228;hrend der Arbeitszeit vor, als einen Schritt politische Streiks auf   betrieblicher und lokaler Ebene umzusetzen und bundesweit zu vernetzen.   Dieser Gedanke wurde von anderen DiskussionsteilnehmerInnen positiv   aufgegriffen.<\/p>\n<p>  Tinette Schnatterer sprach sich daf&#252;r aus, anstehende Proteste wie die   Arbeitsniederlegungen in Stuttgart am 13. Mai, die Gro&#223;demo des DGB am   16. Mai und den Bildungsstreik am 17. Juni zu nutzen, um den Druck auf   die Gewerkschaftsf&#252;hrungen zu erh&#246;hen, einen eint&#228;gigen Generalstreik   als n&#228;chsten Kampfschritt vorzubereiten und durchzuf&#252;hren.<\/p>\n<p>  David Matrai betonte, dass angesichts der Krise eine radikale   Kapitalismuskritik n&#246;tig sei, wie sie beispielweise in den acht Thesen   der verdi-Jugend formuliert sind. Er verwies zudem auf die steigende   Bedeutung betrieblicher Konflikte gegen Massenentlassungen und sprach   sich gegen Zugest&#228;ndnisse an die Arbeitgeber aus, die zu einer   Schw&#228;chung des Widerstands f&#252;hren w&#252;rden. Um K&#228;mpfe zu gewinnen w&#252;rden   Betriebsbesetzungen und die Eigentumsfrage an Bedeutung gewinnen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/david.jpg\">  <\/p>\n<\/p>\n<\/p>\n<p>  Ein GEW-Mitglied berichtete von einem Randtreffen der bei den   Sozialismustagen anwesenden GEW-Mitglieder, die beim anstehenden   GEW-Bundesgewerkschaftstag einen Antrag zur Unterst&#252;tzung des f&#252;r Mitte   Mai geplanten Bildungsstreiks auf den Weg bringen wollen, der auch   beinhalten soll, dass LehrerInnen zur Arbeitsniederlegung aufgerufen   werden sollen.<\/p>\n<p>  Die Notwendigkeit und Bedeutung eines Generalstreiks stand im   Mittelpunkt vieler Beitr&#228;ge. Diese Forderung sollte nach Ansicht der SAV   von den OrganisatorInnen der Demonstrationen am 28.M&#228;rz massiv auf der   DGB-Demonstration am 16. Mai vorgebracht werden.<\/p>\n<h4>  Debatte &#252;ber Planwirtschaft<\/h4>\n<p>  Die Krise zeige, dass der Kapitalismus &#252;berwunden werden m&#252;sse. Mit   dieser These waren fast alle TeilnehmerInnen einverstanden. Wie jedoch   eine andere, nichtkapitalistische Gesellschaft aussehen kann und wie   deren Wirtschaft organisiert sein k&#246;nnte, war die Frage, zu der der   britische Marxist Lynn Walsh und Elmar Altvater debattierten. Altvater   stellte seine Thesen einer &#8216;solidarischen &#214;konomie&#8217; vor , in der &#8216;es   unterschiedliche Eigentums- und Regulierungsformen gibt, die nicht dem   Profitprinzip verpflichtet sind.&#8221; Die dazu ad&#228;quate Eigentumsform seien   Genossenschaften. In Altvaters Argumentation blieb weitgehend offen,   welche Rolle er dabei dem Markt zukommen l&#228;sst. Walsh hingegen   argumentierte deutlich daf&#252;r, dass eine &#220;berwindung des Kapitalismus   &#246;konomisch die &#220;berf&#252;hrung der entscheidenden Wirtschaftsbereiche in   &#246;ffentliches Eigentum und eine demokratische Wirtschaftsplanung voraus   setze. Er betonte auch, dass diese Frage nicht von der Eroberung der   politischen Macht durch die Arbeiterklasse zu trennen ist.   Genossenschaften k&#246;nnten zwar auch in einer Planwirtschaft existieren,   aber nicht als entscheidende und dominierende Eigentumsform. Nachdem   viele Fragen an Elmar Altvater gerichtet wurden, in denen unter anderem   die Genossenschafts-Konzeption angezweifelt wurde, gestand er zu, dass   zum notwendigen &#246;kologischen Umbau der Wirtschaft &#8216;staatliche Vorgaben   im demokratischen Sinne&#8217; wichtig seien und der Staat auch in seiner   Vorstellung einer solidarischen &#214;konomie eine zentrale Rolle spiele. Wie   dieser Staat jedoch aussehen solle, f&#252;hrte er nicht aus. Walsh hingegen   erkl&#228;rte, dass eine Planwirtschaft im Interesse der Masse der   Bev&#246;lkerung einen demokratischen Arbeiterstaat zur Voraussetzung habe,   in dem &#8211; anders als in den stalinistischen Diktaturen in der DDR und   Sowjetunion &#8211; keine Parteib&#252;rokratie die politische Macht okkupiert und   mit Privilegien ausgestattet abgehoben von der Masse der Bev&#246;lkerung   herrscht. Jederzeitige W&#228;hl- und Abw&#228;hlbarkeit von Funktion&#228;ren und die   Begrenzung von deren Einkommen auf einen durchschnittlichen   Facharbeiterlohn sind dazu wichtige Bedingungen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/podiumaltvater.jpg\">  <\/p>\n<\/p>\n<h4>  Bilanz und Ausblick<\/h4>\n<p>  Die Sozialismustage waren wieder einmal eine &#8216;Tankstelle f&#252;r   marxistische Ideen&#8217;. Die Begeisterung f&#252;r diese Ideen war gro&#223; und   ebenso gro&#223; war der Wille, aus diesen Ideen eine materielle Kraft zu   machen. Die Krise des Weltkapitalismus wird dazu in den n&#228;chsten Monaten   und Jahren viele Gelegenheiten geben. Die Sozialismustage waren auch   eine Vorbereitung auf diese Gelegenheiten.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/infotisch.jpg\">  <\/p>\n<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/plakatrostock.jpg\">  <\/p>\n<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/publikum.jpg\">  <\/p>\n<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/vaterundsohn.jpg\">  <\/p>\n<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/saschaussaal.jpg\">  <\/p>\n<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/z\/laumeier.jpg\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      300 TeilnehmerInnen begeistert\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[104,106],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13112"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13112"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13112\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13112"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}